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Die neue Welt · 1930-09-12 · Heft 156 (12.9.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 156 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite S____ yiwiftiM^ FUr Einheirat in gut eingeführtes Pelzwarengeschäft durch Ehe» sch ießung mit schuldlos geschiedener Prau wird Kürschner oder Pelzwarenhändler aus gut jüdischem Hause gesucht! Anträge unter „Aus guter Familie 19851" an die Annoncen-Expedition Heinrich Schalek, Wien I, Wollzeile 11 IIIIIMIMIIIIIIIHIIIIIIIIIIIH^ wurde eine Masse von 75.000 Seelen, die 66 Prozent der Gesamtbevölkerung der untersuchten 45 Orte ausmacht. Es ergab sich, daß der Handel fast vollkommen aufgehört hat. Während vor der Revolution 25 Prozent der jüdischen Bevölkerung dem Handel oblag, sind es heute nur noch 1,5 Prozent der selbsttätigen und nur 0,4 Prozent der allgemeinen jüdischen Bevölkerung. Dagegen hat sich die Zahl der jüdischen Arbeiter und Bauern sogar gegenüber 1929 stark vergrößert. Die Bauern bilden heute 7,5 Prozent der allgemeinen jüdischen Bevölkerung. Die Kleinhändler bilden 26,1 Prozent, die Angestellten 11,1 Prozent der allgemeinen jüdischen Bevölkerung. Insgesamt gehen 64,5 Prozent der jüdischen Bevölkerung im Arbeitsalter produktiven Beschäftigungen nach. 6 Prozent der jüdischen Bevölkerung der Kleinstädte war im Jahre, 1929 in die Großstädte übersiedelt. . 17 Prozent der gesamten im Anbeitsalter stehenden jüdischen Bevölkerung sind ohne jede Beschäftigung. Die Lage der arbeitenden jüdischen Bevölkerung in den untersuchten Orten ist eine so schlechte, daß ihr ganzes Sinnen , und Trachten darauf gerichtet ist, auszuwandern und sich in Gegenden, in denen die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten günstigere sind, neu einzurichten. Aus Polen* Zaristische Judengesetze noch immer in Kraft. — Antia semitischer Terror in Ostgalizien. Der Jüdische P a r 1 a m e n t s k 1 u b hat im eigenen Namen wie im Namen des Jüdischen Nationalrates Polens ejnen schriftlichen Appell an den Staatspräsidenten Pro* fesspr Moscicki, betreffend Abschaffung der noch aus der .Z ar enze-itbestehenden gesetzlichen Beschränkun« g?n gegen die Juden, gerichtet und Abschriften des Appells dem Ministerpräsidenten Marschall P i 1 s u d s k i und dem Justizminister zugehen lassen. In dem Schreiben wird der Staatspräsident darauf hingewiesen, daß der Sejm bis heute das Gesetz über Abschaffung der anti« jüdischen Gesetzesbeschränkungen aus der Zaren zeit noch nicht verabschiedet hat, daß. aber der Staatspräsident gemäß Artikel 44, Abs. 5, der Verfassung jetzt, in'der parlamentslosen Zeit, das Recht hat, Verord* nungent'tnit Gesetzeskraft zu erlassen und also auf diesem Wege die antijüdischen Gesetzesbeschränkungen aus der Welt schaffen könne. In dem Schreiben heißt es weiter: Zwölf Jahre sind es her, seit Polen wieder« erstanden ist, am 17. , März 1921 wurde die Konstitution des neuen Polen auf der Grundlage der b ü r g e r 1 i c h e n G1 eich h e i t gemäß den aus dem Vertrag von Versailles Polen erwachsenden Verpflichtungen verkündet. Die aus der Zarenzeii noch bestehenden Beschränkungen gegen Juden sind aber bis heute nicht abgeschafft worden. Der Sejm hat die betreffende Vorlage bereits in zweiter Lesung ange* nommeu, aber zu einer endgültigen Erledigung der Ange* legehheit i s t e s b i s h eu t e ni ch t gekomm en. Jetzt hat der Staatspräsident die Möglichkeit, das der jüdischen Bevölkerung zugefügte Unrecht wieder gutzumachen und zu zeigen, daß das neue Polen der jüdischen Bevölkerung die volle Gleichberechtigung nicht versagt. * , . Die jüdische Presse Warschaus teilt mit, daß es in Ostgalizien in. Verbindung mit den sich häufenden An* schlagen der sogenannten „ukrainischen Militär* Organisation" gegen Behörden und polnische Guts« besitzer, auch zu schweren Terror* und Sabotageakten gegen Juden in ostgalizischen Dörfern gekommen ist. Nicht nur polnische Gutshöfe, sondern auch jüdische Gast* wirtschaften werden niedergebrannt. Den Bauern wird eingeredet, daß sich die Juden mit den Guts« besitz ern vereinigen, um den Bauern den Boden weg* zunehmen. Der jüdischen Dorfbevölkerung hat sich Panik bemächtigt. Allein im Tarnopoler Kreis wurden in den'letzten Tagen drei jüdische Wirtschaften durch ukrainische Bauern niedergebrannt. ,,' Zwei Berichte* Robert Strickers Referat. — A. Goldbergs Optimismus. Die W|ener Zionisten hatten bisher Gelegenheit, aus dem. Munde zweier 4. C Mitglieder eine DareteUung'der Lege im Zionismus, wie eie eich aus dem VerzicHt de« Präsidenten Weizmann auf die Grundlagen des jüdischen Staatsgedankenß ergibt, zur Kenntnis zu nehmen. Wenn auch die Darstellung von Vertretern " des A. C. gegeben wurde, die parteipolitisch- WO/nietisch in verschiedenen Lagern stehen, so ergibt sieh immerhin Übereinstimmung im Kernpunkt des Problems, jn der unbedingten Festhaltung «m Juden- #Utßt. DJe Konsequenzen, die jeder einzelne Redner *!Ü der Krise ru ziehen gewillt ist, decken eich alUndinge nicht. .„ _DIE NEUE WELT___ Der Führer der demokratischen Zionisten, Robert Stricker, umriß in zweistündiger Rede vor einem in Maasen herbeigeströmten zionistischen Auditorium im Venbandsheim . der demokratischen Zionisten die politische und wirtschaftliche Lage des Zionismus, die Vorgänge im A. C. und in der Jewkh Agency. bei den Berliner Tagungen, indem er im wesentlichen seine in der ..Neuen Welt" komprimiert niedergelegten Gedanken und Schlüsse des näheren a-useinandersetate. Die Tagung des A» C. mit ihrem Höhepunkt, der Verzichtserklämng Weizmann» auf den Judenstaat, bedeutet den Tiefstand der politischen und praktischen Methoden der gegenwärtigen Führung, hat aber auch erschreckende Inkonsequenz und Doppelzüngigkeit der mit Weizmanns Erklärung ,. nicht einverstandenen überwältigenden Mehrheit der A. C. Mitglieder offenbart. Die Angst vor den letzten Konsequenzen, nämlich vor der Annahme der Weizmannsohen Demission» die Angst vor dem Versuch der Neuformierung der Leitung, das Fehlen der Entschlossenheit, von dem gegenwärtigen Status radikal abzurücken,; kennzeichnet die Führer der zionistischen Mehrheitsparteien. Dies ist eine Mentalität, die zur katastrophalen politischen und finanziellen Situation der Organisation und der Bewegung geführt hat. E6 ist tief bedauerlich, daß z. B. der Misrachi, der zunächst mit'einer schönen und würdigen, den , tiefen Glauben am Jttdenstaat beweisenden Erklärung geantwortet hat, letzten Augenblick doch zusammenklappte wie aufler den Revisionisten und den Radikalen die übrigen ebenfalls. Den Zusammenbruch der Ideologie von einer erweiterten Jewish Agency illustriert nichts so sehr wie der Rückgang der budgetären Einnahmen des K. H., die völlige Desorientierung des organisatori* LERNET FREMDE SPRACHEN! in der' Berlitz School, Wien i, Graben 13 , Prosplct T auf Wunsch . ' sehen und sammeltechnischen Apparats in Amerika. Nur der Durchbruch der zionistischen Opposition auf dem nächsten Kongreß, die in der Rückorientierung zu den Ideen und Methoden des Herzl- Zionismns gipfelt, kann den Zionismus; retten. __ Nt. 156 pniiHiiiitiiminiiilim I Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs I Ü 11 3 | OonMrsfa0dMiH.S«pt*mb.1*3O,8 Ohr abends, I 1 tai Cafe Arkaden, I., Universitätsstraße 3 (Souterrain) | I In Prag u. die A.-C.-Sltzung In Berlin" | 1 Redner: Dr. N. OMcktr, Dr. O. Buktpan j I Eintritt freil Gäste willkommen! | ||)IIIHfflMllim!!lll!llllllllllll!lll!!ll(flllllllllllllllllllllü wert ist, Weizmann nahezu in dieser Kraftquelle als gestern vielleicht von Belang, heute nicht, hin' stellte, so bemüht er sich nicht, auch nur ein zureichendes Argument für seinen Jewish Agency- Optimismns zu erbringen. Was das Gesamtbild der Darlegungen Goldberge betrifft, so muß man leider auch hier den vor den letzten Konsequenzen haltmachenden Geist konstatieren. Da nun die Notwendigkeit letzter Folgerungen heute mehr denn je unumgänglich geworden ist, so kann die Rede Goldbergs als Ausdruck der Stimmung in einem Teil des amerikanischen Zionismus nicht zufriedenstellen. Nach den Erfahrungen des letzten Jahres sind wir überzeugt, daß auch im amerikanischen Zionismus eine Gärung Platz greift, die den endgültigen Durchbruch des Willens zur Umgestaltung der zionistichen Organisation und seiner Führerschaft mit eich bringen wird. AUS PALÄSTINA. Neue Provokationen. Jerusalem, 6. September. Die hebräische Fresse Palästinas gibt ihrer Empörung darüber Ausdruck, daß der Polizeioffizier aus Hebron Ibrahim Jorjura, der wäh« rend des Massakers in Hebron im August 1929 eine eigen* tümliche Rolle gespielt hat, nunmehr befördert und zum Leiter der Polizei in dem großen Jerusalemer jüdischen Stadtviertel MachnesJehuda ernannt wurde. '. ■Auf, Einladung des zionistischen Landesverbandes Oesterreichs referierte-über dasselbe Thema der Vize Präsident: des . A. :G.,v> Vertreter der amerikanischen Zionisten, Abraham G o l d b e r g aus .JSTe.w^ York. Sein Referat bewegtfe sich auf der Linie eines mitunter er zwüngenen Optimismus. Denn A. Goldberg . gibt sich dem Glauben hin, daß auch schon die jüngste Berliner Tagung des A.'G.-einen neüen Geist inauguriert habe Die Tatsache, daß mit Ausnahme der d e u t s c h e n Z i o ni s t e n a 11 e A.' C.-T e i 1 n e hm er die Juden s taat spa.'.r ole neu bestätigt haben, wiegt für ihn mehr als die — man nehme es wie man wolle W un bestreitbare, weil deklarierte Tatsache, daß Präsident Weizmann-den Judenstaat für illusorisch hält. Führer gehen, das Volk bleibt. A # Worin Führer schlecht sind, kann eine Aenderung kommen. Das ist für ihn das eine positive Ergebnis der Tagung, das andere die Möglichkeit zu konstatieren, daß das jüdische Volk durchaus nicht so machtlos sei wie man es hinstellen wolle, ' wofür dier uns günstige Mandatskommissionsbericht, die von Herrn Paßfield selbst erbetene Deklaration; im New Yorker „Vorwärts" und seine selbst WManmtMnniMnmmimM^'mniitiiiMmRmmn;w^W*m*MMiim(Hh<Mi»*«^ SIEGM. KORNMEHL aROSSFLeiSCNHAUERi! Anträte; IX,. Bergg*«« < 19. Telephon 17«3«¥9 u. 16-^34 Lief er an « .'Ii r Heilanstalten | Jmmmm anter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lar. Kul« tasgemeinde Wien Autosvstonyng ko«t«nio» IX. B«r99«MQ IS x XVIII., Wlhrlng«ratr. 9T ,^utfiim*mMtiitf»iMifHi"'MHNiHiMiflfNiiiiiiM UMiuuriWMnnMi'mHHiMiMIHiM'tWilfflUimMum "'■'.. { ■' . ■ . . . ■ ' '- . herbeigeführte Unterhaltung mit Herrn Werburg : zeuge, ''• «ljes:' die Ergebnisse' des jüdischen Protest« . Sturms. ', .: Das jüdische Volk habe, führte Goldfcerg aus. pplitiscb starkV Ressourcen.. Sie liegen im Vöfterbund, in England, in Washington/ Eine dahingehende Orientierung muß Erfolge bringen. < Zum erstenmal nach zehn Jahren muß sich die englische Regierung dazu entschließen, einen kouftruktiven Arbeitsplan zu entwerfen. Dieser werde: mög- Ucherweise unsere Bedürfnisse noch nioht befriedigen, se| abfcr von symptomatischer Bedeutung. Herrn > Goldbergs'Meetingsrede klang in einen begeisterten Hymnus auf die erweiterte Jewish Agency aus. Es war dies der anfechtbarste Punkt seiner mit viel Witz und;Teniperaineuj vorgetragenen Rede. Demi' konnte sich Herr, Goldberg in der Be-. weisftihrung seiner vorhergehenden Thesen auf die eminente, $rnft des jüdischen Volkes als den Träger dej Zionismus berufen, indem er, was bemerket!«» Die Araber haben dagegen Protest erhoben, daß Wiederherstellungsarbeiten am Grabe Rachels vor« genommen und Sitzgelegenheiten vor -dem Grabe *ge* schaffen werden. Bisher haben die das Grab besuchenden Juden immer Stühle mitgebracht und Ausbesserungen vorgenommen, ohne daß Widerspruch erhoben worden wäre. * . 250 jüdische Touristen wurden in Damaskus mit Steinen beworfen. Die Ulemas und Notabein verlangten von der Regierung, daß sie die Touristen zum Verlassen der Stadt auffordere. Die Regierung lehnte dieses An« sinnen ab. 93.000 Wahlberechtigte für die Wahlen in die jüdische Nationalversammlung Palästinas. Jerusalem, 5. September. (J. T. A.) Nach der soeben abgeschlossenen Zählung wurden in die Wahlliste für die jüdische Nationalversammlung (Knessetli Israel) 93.000 Wahlberechtigte aufgenommen, von denen 27.000 in Jerusalem, 30.000 in Tel-Awiw und 10.000 in Haifa ansässig sind. Die Wahlen werden voraussichtlich im Noveniber stattfinden. Verurteilung und Ausweisung von Kommunisten in Palästina. J e r u sa 1 ein, 4. .September. (J. T. A.) Sechzehn Kommunisten, die während des Begräbnisses der im April im Gefängnis gestorbenen jungen jüdischen Kommunistin Fanny Milstein verhaftet worden waren, wurden heute hier abgeurteilt. Vier wurden freigesprochen und die an« deren zwölf zu Gefängnisstrafen von zweieinhalb bis vier Monaten verurteilt. Zehn von diesen werden nach Ver* büßung der Gefängnisstrafe ausgewiesen werden. Palästina-Ein- und -Auswanderung im Juli 1930, Jerusalem, 4. September. (J. T. A.) Im Monat Juli sind 441 Personen, darunter 346 Juden, in Palästina ein«, und 282 Personen, darunter 143 Juden, aus Palästina ausgewandert. Jubiläum der Ackerbauschule in Mikweh Israel. Jerusalem, 6. September. Die landwirtschaft* liehe Schule in Mikweh Israel feierte ihr 60jähriges Ju» biläum. Direktor Kreise gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Schule. Die Zahl der Schüler beträgt derzeit 200. In den letzten Jahren fanden alle Abspl? venten in der heimischen Landwirtschaft Beschäftigung. Glückwünsche waren eingelangt u. a. von der Regierung, dem Landwirtschaftsdepartement, der Stadtverwaltung TebAwiw, dem Rabbinat, der Jewish Agency, dem Keren Hajessod. Unsere geschützten Leser werden aui; die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo jetzt zu Beginn des neuen Schuljahres für alle Lehranstalten sämtliche xhulbücher, auch antiquarisch, zu mäßigen Preisen erlältlich sind. Für Anfragen Telephon R-iM-30. E £

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