Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 154 (29.8.1930)
- Date
- 1930-08-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■■■BVT1 Seite 12 DIE NEUE WELT Nr, 15* GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Viert, /. Itar., SeltentieUengme 3, Telephon 0*28-1-28 XL, Zeniralfriedhof, neb. d. 7. Tor, Telephon V-1&0 85 Baal Teflla mit schöner Stimme und gutem Nussach, [wie auch Koro fll*M ftallft eventuell nur für die Jomim- SUCni MclIC Noroim. Gefällige Offerte sind an die Administration unter „N. J." zu richten. iJiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittiiiimiimiiiiiiiniu Qogröndit 1982 I Lebensuerslcherunss- | Gesellschaft f i i (ÜmfiiBitttl Ende 1928 S tliaUngn n die fosiairin in Jtkrt 1921 242 MQHom SAflliag § 265 KUium SaBtiog s niiiiiJiUJilif iiiiiiiiiiiitiiiiiiiillllliiiliiiillliliiiiiiiiiiiiiiiiifrr? Vortrag in der „Histadruth Iwrith". Der ehemalige Redakteur der pädagogischen Zeitschrift „Hachinuch" Dr. D. Lew in aus Palästina hielt kürzlich auf Einladung der „Histadruth Iwrith" einen instruktiven Vortrag über das , Wesen des Brith S c h a 1 o m. Den Inhalt seiner Ausführungen bringen wir ini. Irinern des Blattes. Bratislavaer Misrachijugend in Wien. Freitag, den 29. d. trifft eine Gruppe von Chawerim und Ghawöroth aus Bratislava hier ein. Alle Chawerim Und Chaweroth werden aufgefordert, an den Veranstaltungen, die zu Ehren der Gäste arrangiert werden, teilzunehmen. Schabbät, den 30. d., 8 Uhr früh, J u g e n d m i n j a n. MisrachisJugendzentrale, II., Praterstraße 11. Sams* tag, den 30. d, um-4 Uhr nachmittags in unserem Heime, Jugcnds Versammlung. Redner: Chawer Schragai, Führer des Hapoel Hamisrachi; in Erez Israel,und, Chawer Gottes* diener aus Warschau. Thema: Der Hapoel Hamisrachi und die religiöse Jugend in der Galuth. Gäste willkommen. Haschemer Hadati, IL, Praterstraße 11. Samstag, dien 30. d., punkt 2 Uhr nachmittags, Sichah. Sprechen vnrd Josef Hochberger über: „Eindrücke vom Sommer« läger des Haschemer Hadati (Bratislava). Schomrim, erscheint alle! — Voranzeige: Samstag, den 6. September erster gemütlicher Heimnachmittag (Qneg Schabbat). Brith Hanoar Hamisrachi,. IL, Praterstraße 11. Samstag, den 6. September 1930, präzise Ö Uhr abends, große Jugendversammlung. Bringet eure Freunde und Be* kannte mit. Werbet' Chawerim tmd Chaweroth. Am 4. September 1930 gibt der Brith Hanoar Hamisrachi eine Sonder* Werbenummer des „Kel Hanoar" heraus. Sorget für deren Verbreitung. Schulkinder jiachmittage. In den Räumen der Zionistischen Bezirkeseiktion .VIII und IX, Bennoplatzr Nr. la, finden Schulkindern aeihmittage statt. Mit Kindern von 7 bis 14 Jahren werden in der Zeit von, 2; bis 6 Uhr Aufgaben, geonaeht,vEnglisch gelernt,' Spaziergänge umd Aoisflüige imternoinimen. Gelegenheit fü'r heibirüüsclien Unterricht sowie nhythnwschen Tanz ist gegeben. Auskünfte ab: 6. September VIII., Bennoplatz 1 a, Telephon U-l?:6-44. Amtliche Verlautbarungen der Israel* Kultusgeme.nde Wien« Betsitzkarten für den Leopoldstädter Tempel. Die P. T. Betsitzinhaber, welche auf ihre vor* jährigen5 Sitzplätze im Leopoldstädter pemeindebethause reflektieren, werden hiemit ersucht, ihre Karten recht* zeitig'zu'erneuern. Dieselben können während der Amts* stunden von 8 bis 1 Uhr mittags und ab 3. September auch von 6 bis 8 Uhr abends an der Betsitzkartenkasse der israelitischen Kultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 4, 1. Stock, behoben werden. — Die bis dahin nicht er* neuerten Sitzkarten gelangen .ab 11. §eptember,> gleich* fäll8 :.von ' 8 bis 1 Uhr 'und von 6 bis 8 Uhr, an oben* genannter Kasse zum allgemeinen Verkauf. — Der Bethausvorstand ist ermächtigt, in berücksichtigungs* würdigen Fällen Ermäßigungen zu gewähren. Gottesdienst. Der Vorstand der Liener israelitischen Kultus* gemeinde veranstaltet anläßlich (1er diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, I., Dumbagasse 3,. sowie im Sophiensaale, III., Marxergasse 13, und Hotel Continental» IL, Taborstraße 4,. feierliche Gottesdienste. — Jene Parteien, welche auf. die im Vorjahre benutzten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen tVorweisung der vorjährigen an der Kartenkasse der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, X. .'Stock, in der Zeit vom 2, bis 11. September d. J. während der Amtsstunden von 9 bis 1 Uhr mittags be* heben« Der allgemeine. * Vorverkauf.' beginnt am 13, September d. J. RADIO tn •IttOftnUrKoltartorm für Radio unu Schallplanen, spielt Überall ohne An* lernte, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfänger RadtO-Apparaftt mit Auslandsempfang. Radio-Bestandteile, Kredit bis 20 Monate, 10°/,, Anzahlung, l°/n Kredit- Spesen pro Monat. 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Gdjeib, SBtett, I. ftrana $o\tU$ia\ 49, #f ntrale: VI., ©uitttJeitfcorferfttafce 85 NÄHMASCHINEN 1930 S20.— monatlich ohne Angabai IX. Liechtensteinstraße Mr. 23 ISL B^L Tal. A 16.3.64 und A 16.5.S5 W. Wiedner Hauptstraße Hr.8 __ fei. A 30-0-36 SPORT UND TOURISTEN ARTIKEL Die bestbewährte unschädliche härfarIe. r^ESE N Ä färbt echt, naturgetreu und dauerhaft too blond bis schwarz Ueberau erhältlich ö 2.— und S 3.50 W. SEEGE3, Wien XV, Wurzbachgasse 19 Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wier ee Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von Schalom Mechern. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. Von allem Lärm, der einmal dort herrschte, ist nichts als eine alte Großmutter zurückgeblieben, die schon altcrsirr ist. Ein idiotischer Schwager und ein greisenhafter Hund mit einem Auge, der Terkusch heißt. Diesen Hof, sagte ' ich' mir, triuß ich für meine Eltern kaufen, und meinte mich selbst. Nicht weil mir der Hbf so gefiel — wozu um Gotteswillen brauch ich ihn? Wann werde ich hier sein? Nein. Es war nur eine Caprice, die Caprice einer solchen Zigeunerin wie ich es bin. Aber damals, als ich das erstemal mit zerrissenen Schuhen die Schwelle übertrat, gönnte ich nicht die Helligkeit, die Fröhlichkeit und den Reichtum. Warum gebührt ihnen, den Reichen, " so viel und uns Armen nichts? So dachte ich damals tief im Herzen und gab mir das Wort, daß, wenn mir Gott helfe, dieses Haus und dieser Hof mir gehören müsse, mir, mir!... Und vielleicht ist mir das Haus so teuer, weil hier der ge» boren, auferzogen wurde und herangewachsen ist, der zum erstenmal das heilige Feuer in meinem Herzen ans zündete... der, den ich um keinen Preis vergessen kann. Wie. dem sein mag,-ich feilschte nicht lange und kaufte den Hof, ungeachtet dessen, daß meine Mutter sich dagegen sträubte. 'Wozu brauch sie eine solche Haube, wendete sie dagegen ein, wozu braucht sie eine so große Kanone? Versteht sich, daß ich erreichte, was ich wollte, der Hof ist mein. Mein! So sagte ich mir und hatte bereits vergessen, daß ich ihn der Eltern wegen gekauft habe als Besitztum, als Schutz fürs Alter. Und ich ließ Handwerker das Haus restaurieren, den Hof reinigen, den Garten pflanzen, „Pithou und Rames" daraus machen. Jetzt bereue ich fast das ganze Geschäft. Hatte meine Mutter denn nicht recht, wozu eine solche Kanone! Ich weiß selbst nicht, wozu eine solche Kanone? Nicht umsonst gibt mir das Mütterchen Marcella den Namen Zigeunerin. Ich habe den Namen ehrlich verdient. Ich lebe wie eine Zigeunerin. Ich verschwende Geld wie eine Zigeunerin. Ich bleibe nicht sitzen auf einem Wort, wie eine Zigeunerin. Ich bin voll von zigeunerischen Phan* tasien. Auch hier verbringe ich die Zeit wie eine Zigeunerin. Das ganze Städtchen mitsamt meinem Vater und meiner Mutter sieht mich als Verrückte an. Ganze Tage sausen wir in einem Automobil. umher, ich und meine Freundinnen und raein maestro. Wir machen oft Picknicks im nahen Wäldchen. Wir singen Zigeunerlieder. Wir tanzen Zigeunertänze. Wir machen derartige Dinge, daß die hiesige Polizei auf uns schon ein Aug hat. Aber wer hört auf die Poizei? Tags im Automobil, nachts in einem^ Kahn! Ach, unsere sommerlichen Nächte , in Bes» sorabjen — was ist ihnen gleich? Einzelweise wie Kerzen zünden sich die Sterne an. auf der breiten Himmelsdecke. Jenseits des Waldes blickt der Mond hervor und; ver» silbert den Teich, das Wäldchen und das ganze Städtchen, das:so ruhig schläft, so unschuldig, wie nur so arme-ein* same Seelen, die nicht viel brauchen, mit einem einfachen Mahl, das man mamaliga nennt, zufrieden sind „. « Und nur wir, die hohen Herrschaften aus der großen Welt, Zigeuner von drüben, Sattgegessene, Sattgetrunkene und Uebersättigte von allerlei Vergnügungen und Luxus, stören die heilige Ruhe der zauberhaften Nacht durch das Plätschern der Ruder, deren Echo sich aus dem nahen Wäldchen hören läßt. Das ist die Zeit des Stillschweigens und das ist die Zeit des Blickens in den Himmel und des Suchens nach bekannten und unbekannten Sternen, die umherirren ohne Bahn und ohne Weg... Das ist die Zeit der Sehnsucht nach dem, das nur einmal im Leben er» scheint... Das ist die Zeit für meinen maestro, Signore Salfanini, daß er mir seine Liebe erkläre, wieviel es seinem Herzen gelüstet. Ach, das ist, ich fürchte, vielleicht das einundzwanzigste Liebesopfer. Ich will aber hoffen, daß man auch ihn, ebenso wie man die ersten zwanzig Opfer, bewahre nicht im Teich ertrunken finden wird und daß mein zweiundzwanzigstes nicht mehr Glück haben wird. So lebt man in der stillen, armen, keuschen Heimat, fern von der großen, reichen, übermütigen Welt. Ich küsse mein teures Mütterchen Marcella innig, innig. '■ . ' - Ihre ergebene Freundin t Zigeunerin Rosa. 36. Kapitel. t, , , Von Meir Steilmach an seinen guten Freund.; Mein teurer Freund! < " . . Ihr könnt euch das Vergnügen und die Freude vor» stellen, die ich. hatte, als ich euren lieben Brief erhielt. Erstens weil ich'sehe, daß ihr lebt Gott zu danken, und ich doch so länge Zeit'von euch nicht gehört habe. Seit ich in London bin, hab ich von euch keine eingetauchte Feder. Und zweitens ist für mich das Lesen eines Briefs von euch überhaupt ein Vergnügen. Es kommt mir vor, daß niemand so süß, so rund, so klug und so herzlich wie ihr schreibt. Man möchte jedes Wort abküssen. Ihr wißt doch, daß ich seit jeher ein Liebhaber des Jargon bin, überhaupt noch von einem guten Freund wie ihr, die wir doch zusammen wie gesagt notleidend waren, zusam* men schwarz geworden sind in Reichtum und in Aus« sehen, zusammen einen Hering mit Brot gegessen haben, Tee aus einem Glas getrunken, in einem Bett geschlafen haben, oh Jahre, Jahre... Erinnert ihr euch ^wenigstens. Ich erinnere mich sehr gut und erwähne es zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit.' Ich hasse; es / wie andere'; z,ü verleugnen, wer ich bin und was ich bin — so bin ich und Schluß. Ein einfacher grober Gesell. Geklügel kann ich nicht und Lügen haß ch. Ich erzähle meine Herkunft jedem., Wenn zu mir Korrespondenten von , den Gazetten kommen, mich auszufragen, auszuforschen, wer Grischa sei und was Grischa sei und wieso Grischa sei, sag* ich ihnen: Brüderchen, Grischa ist nicht Grischa, Grischa —• das bin ich. Wenn, nicht ich, gäbe es keinen Grischa auf der Welt. Das heißt, es gäbe einen Herschel oder einen Jenkel' oder einen Jossei oder einen Mottel, nur keinen Grischa1 Stellmach, der so klingele und so die Welt auf* wühle, daß die quee» selbst (so heißt hier: die Königin) ihn zu sich für ein Konzert einlade, ihm die Hand drücke und ihn nach jedem Brocken frage: Ob er Vater, Mutter hat, Schwester und Brüder, und noch solche Sachen; > (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, .VerUg5-A.-G. Igaaz Stelumaan* beide Wien, IX« Uaiversitätsstraße 6—8. Druckerei« und