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Die neue Welt · 1930-08-29 · Heft 154 (29.8.1930) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 154 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 _ Tausend jüdischen Familien das Recht auf Arbeit entzogen. Kowno, 20. August. (J. T. A.) Dir. litauische Regierung hat entschieden, daß Besitzer von sogenannten Nansen-Pässen kein Recht haben, in Litauen zu arbeiten. Betroffen sind über 1000 jüdische Familien. Die offenbar ausschließlich gegen Juden sich richtende Verordnung hat in jüdischen Kreisen Erregung hiervorgerufen. Die jüdische Wanderung vom kanadischen Einwandeningsverbot nicht betroffen. Die kanadische Regierung hat durch eine soeben erlassene Kabinettsorder ein Verbot der Einwanderung aus Mittel- und Osteuropa ausgesprochen. Das Verbot ist ein zeitweiliges und wird mit der Notwendigkeit begründet, die überhandnehmende Arbeitslosigkeit in dem britischen <Dotninion Kanada zu mildem. Wie dem J. T.. A.-Vertreter von zufltändiiger Stelle mitgeteilt wird, beitrifft das zeitweilige Einwanderuingsverbot nicht die jüdische Einwanderuin-g, da die kanadische Regierung die Ueberzeugung hat, daß jüdische Einwanderer sieh selbst erhalten können und dem Staat nicht sur Last fallen werden. Einwanderern, die bereits unterwegs nach Kanada sind, werden bei der Einwanderung keinerlei Schwierigkeiten gemacht werden. Im zweiten Halbjahr 1929 wanderten nach Kanada 2087 Juden ein. Im Verlauf des Jahres 1930 kommen im Durchschnitt "500 bis 400 jüdische Einwanderer im Monat ins Land. In den Jahren 1901 bis 192? kamen 10.846 Juden nach Kanada, d. s.. 2.04 Prozent der Gesaimteiiiwainderung. Die aus den Vereinigten Staaten nach Kanada eingewanderten Juden 6ind in diese Zaihl nicht eingeschlossen. Die Vereinigten Staaten als jüdisches Einwanderungsland. Washington. (J. T. A.) Die soeben vom Einwanderungsbüro des Arbeitsdepartements der Vereinigten Staaten veröffentlichten offiziellen Einwanderungsziffern zeigen, daß die Vereinigten Staaten von Amerika immer noch das wichtigste Land für die jüdische Wanderung sind. Unter den Einwanderern aus Polen, Rußland, Litauen, Rumänien und Lettland waren Juden in der Mehrzahl. Im Mai d. J. wanderten 913 Juden (gegen 439 Polen, 100 Russen und 362 Litauer, Letten und Rumänen) ein. Vom Juli 1929 bis,Mai 1930 kamen ins Land 10.800 Juden, 460? Polen, 1527 Russen und 5743 Angehörige anderer osteuropäischer Nationalitäten. In der gleichen Periode wanderten 1726 Polen, 451 Russen und 3018 Angehörige! osteuropäischer Nationalitäten, aber uur 277 Juden aus den Vereinigten Staaten aus. Im Verlaus des mit Juli 1929; beginnenden und mit Juni 1930 endenden Finanzjahres, der Vereinigten. Staaten .wurden 15.225. Juden zur Einwanderung zugelassen, davon waren 11.526 Immigranten, der Rest "setzte sich aus' zeitweiligen Besuchern zusammen. In dem vorangegangenem Finanzjahre, waren 12.479 Juden zur Einwanderung zugelassen 'worden. Im Verlauf des Juni 1930 endenden Finanzjahres verließen.insgesamt 2210 Juden das Land, von ihnen waren aber nur 299 Auswanderer, die übrigen zeitweilige Besucher. Das Plus der Einwanderung über die Auswanderung in diesem Jahre ergab eine Ziffer von 13.015. Gegenüber der gesamten Einwanderung; in Höhe von 241.700 Personen betraf die jüdisch^ Einwanderung rund 4,5 Prozent. Allein im Juni 1930 wanderten 726 Juden ein. 275 Juden wurde im erlauf des Juni 1930 endenden Jahres das Betreten des1 Landes verboten, 164 Juden wurden in dem gleichen Jahre ausgewiesen. . ,Spwjetistischer Steuerterror. Moskau, 22. August. (J. T.'/A.) Ungeachtet der Verordnungen der Regierung der Sowjetunion, daß die armen und arbeitenden jüdischen Schichten bei der Steuereintreibung bzw. Pfändung weitgehend geschont werden sollen, setzen in Weißrußland die Steuerbehörden ihr System der Vernich« tung jüdischer Existenzen fort. In mehreren Städten und Städtchen wurden armen Handwerkern die Häuser weg» genommen. Ein 70jähriger jüdischer Heimarbeiter wurde mit einer Summe besteuert, die seinen gesamten Verdienst weitausüberschreitet. Ein alter jüdischer Schneider, der im vergangenen Jahr 65 Rubel Steuern zu zahlen hatte, wurde, in diesem Jahre mit 325 Rubel besteuert. Viele andre .„Custars" wurden mit 600 Rubel besteuert, eine Summe, die fast ihrem Gesamteinkommen gleichkommt. Alle diese Feststellungen wurden durch eine „Brigade" gemacht, die die Minsker jiddische Zeitung zur Unter* suchung der Methoden der Steuerorgane gegenüber armen jüdischen Schichten entsandt hat. Die antireligiöse russische Kampagne. Moskau, 21. August. (J. T. A.) Die Organisation „Kriegerische Atheisten" hat beschlossen, in der Zeit vom 15. September bis 15. Oktober unter den jüdischen Massen der Ukraine eine antireligiöse Kampagne durchzu* führen und vor allem die Jugend dazu zu bringen, daß sie die hohen jüdischen Feiertage sabotiert. Kein jüdischer Arbeiter, heißt es in dem Aufruf, darf während der jüdi* sehen Feiertage seine Werkstätte verlassen und in ein Bethaus gehen. Alle gewerkschaftlichen und kulturellen Organisationen der jüdischen arbeitenden Bevölkerung werdep aufgefordert, an dem „antireligiösen Kulturmarsch" teilzunehmen und dafür zu agitieren, daß zehntausend^ jüdisch? Arbeiter sich den „kriegerischen Atheisten" an* schließen. Die Zettung „Eines" klagt, daß die antireligiöse Bewegung unter den jüdischen Massen stark zurückge» gangen ist, daß die Zahl der Bethausgruppen und der religiösen Funktionäre zunimmt. Die Zeitung schreibt, es sei höchste Zeit für eine neue antireligiöse Kamapagne. Der arabische Streiktag in Palästina ruhig verlaufen. J e r u s a I e ni, 24. August. Der vom Großmufti und der arabisdien Exekutive für den 23. August, den Jahrestag, des Ausbruches der Unruhen in Palästina, proklamierte Generalstreik aller palästinensischen Araber uabw einen ruhigen Verlauf. Nur etwa die Hälfte der arabischen Läden war geschlossen, Sonst bot, die Stadt Jerusalem das gewöhnliche sonnabendliche m_DIE NEUE WELT__ Ihiibwm Gediegenen englischen 1 hebräischen Unterricht erteilt Akademiker Zuschriften unter „Akademiker" an die Redaktion dieses Blattes ■■»...UMUM»»^.!».^^ Bild. Die Zeitung „AI Jamea el Arabia", das Organ der Mufti-Partei, wurde wegen Veröffentlichung der Streikproklamation der Exekutive konfisziert. Ussischkin ausgezeichnet. Kissingen, 24. August. (J. T. A.) Während seines Kuraufenthaltes in Kissingen wurde M. M. Ussischkin der ihm anläßlich der Einweihung des König-Peter-Waldes in Palästina verliehene Saba-Orden II. Klasse überreicht. Bekanntlich haben die jugoslawischen Juden eine Sammlung durchgeführt, die innerhalb kurzer Zeit den Ertrag für die Anpflanzung von 10.000 Bäumen erbrachte. Im vergangenen Frühjahr wurde in Ginegar, im Emek Jresreel, angrenzend an den Balfour-Wald, mit der Anpflanzung des König-Peter- Waldes begonnen. Ussischkin hat seinen Dank für die ihm zuteil gewordene Ehrung in einer Depesche an das Ackerbauministerium zum Ausdruck gebracht, in welcher er betonte, daß er darin nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern auch die Sympathie und die Anerkennung des Königs und der jugoslawischen Regierung für die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina erblicke. In der Geschichte der Zionistischen Bewegung ist dies der zweite Fall, daß ein zionistischer Führer in dieser Form ausgezeichnet wird. Der erste Fall betrifft die Verleihung des Großkordons des MedjiduS-Ordens an Theodor Herzl im Jahre 1901 durch den Sultan Abdul Hamid. Eine hebräische Dissertation an der Budapester Universität. Budapest. (J. T. A.) Die Budapester Peter P a z m a n y-U niversität hat in diesem Jahre zum erstenmale eine in hebräischer Sprache abgefaßte Arbeit als Doktor-Dissertation angenommen. Es handelt sich um die Arbeit des Hörers des Landesrabibiner-Setminars Paul Hirschler, der zum Buche „Esther" in hebräischer Sprache einen Kommentar geschrieben hat. Er hat seine Prüfung mit summa cum laude bestanden. <■•<<•> AUS PALXSTINA. Grundsteinlegung für eine neue Kolonie. Jerusalem. (J. T., A.) In der Nähe von N e ß Z i o nah wurde in einem feierlichen Akt der Grundstein zu der neuen Kolonie Beth Chanan gelegt. Es siedeln sich dort 25 jüdische Familien aus Bulgarien an. Jede Familie erhalt vom Keren Kajemeih den not-, wendigen Boden, der Keren Hajessod schießt für jede Familie 400 Pfund vor. Für Mittelstandseinwanderung. Jerusalem. Vor kurzem fand in Tel-Awiw eine Sitzung der Inimigrationsikoimmission der Jewish Aigency unter Vorsitz von J. Sprdnzak statt. Folgende Beschlüsse wurden der Immigrationisabtieilüng der Jewish Agency zu<r Kenntnis gebracht: a) Bei aller Dringlichkeit, die die Ininuigrationskommission der Verstärkung der chaluzischen Alija zuschreibt, hält sie es doch für sehr notwendig, daß die Leitung der Jewish Agency auch der Regelung der Einwanderung des .Mittelstandes ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet; b) die Kommission hält es für notwendig, die Eanwaoideriung des Mittelstandes auf landwirtschaftliche Absiedlung, Industrie und Handwerk zu lenken und fordert die Agency aaif, einen Plan hiefür auszuarbeiten und es so denn Einwanderer aus dem Mittelstande zu ermöglichein, sich im Lande einzurichten. Es wurden auch Beschlüsse über die Ausbildung von C h a 1 u i i m im Auslande gefaßt und die Agency und der Keren Hajessod aufgefordert, für die dringenden Zwecke der Hachsclharah auch Gelder außerhalb des Budgets «ur Verfügu/mg zu stellen. Eine schwere Provokation. Jerusalem, 20. August. (J. T. A.) Die palästinensische Eisenbahnverwaltung hat das Ersucheu der Jewish Agency um Frachtfreiheit für die den Siedlungen des Emek z/uzuführenden Sämereien (bekanntlich wurde die Ernte in mehreren Kolonien des Emek durch eine Feldmäuseinvasion vernichtet), abgelehnt. Die hebräische Presse erinnert daran, daß die Regierung vor zwei Jahren während der Trockenheit im Süden das Vieh der Beduinen frachtfrei zu den Weiden des Nordens transportierte. Der Konflikt zwischen arabischer Exekutive und mosleniitischeni Rat. Jerusalem. (J. T. A.) Ein führendes Mitglied der arabischen Exekutive teilte dem J. T. A.-Vertreter mit, daß der Konflikt zwischen arabischer Exekutive und Moelemitisebem Obersten Rat dnfolge der Eigenmächtigkeit des M u f t i sich immer _Nr. 154 mehr verschärft, so daß mit einem baldigen Bruch zu rechnen ist. Der Präsident der Exekutive Muza Kazim Pascha wehrt energisch die Versuche des Mufti, sich in die Angelegenheiten der arabischen Exekutive einzumischen, ab und die große Mehrheit der Exekutive ist über die Anmaßungen des Mufti, ddr in diesen Kreisen „der palästinensische Mussolini" genannt wird, sowie die von ihm beim Obersten Moslemitischcn Rat eingeführte Vetternwirtschaft sehr empört. Ein Araber als High Commissioner gefordert. Jerusalem. (J. T. A.) Die Zeitung „AI Jamaea al Arabia" greift di-e arabische Exekutive wegen der von ihr angeblich bekundeten gemäßigten Politik an und erhebt die Forderung nach Ernennung eines A rabe rs als High Commißßioner. Auch sollen die Gesetze nicht im Namen des englischen Königs, sondern im Namen des arabischen Volkes verkündet «werden. Die MacMahon-Korrespondenz. London. (J. T. A.) Der Genfer Korrespondent des „Manchester Guardian" erfährt, dwß das Syrisch- Palästinensische Komitee sich dem Völkerbund gegen« über erbötig geanaoht hat, die Originale des Briefwechsels zwischen Scheriff Hussein und Marschall MacMahon zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen. In dem Angebot wird darauf hingewiesen, daß Dr. Drumond Shiels vor einiger Zeit im Unterhaus erklärt hat, eine Veröffentlichung dieser Korrespondenz läge nicht im öffentlichen Interesse. Für die Araber, heißt es in der Note des SyrischsPalästinensU sehen Komitees, bestündein irgend welche Bedienken gegen die Veröffentlichung nicht. Die Note wurde begleitet durah eine genaue Inhaltsangabe jedes der acht Briefe. Neue archäologische Funde. Die von Professor Albright geführte gemeinsame Expedition des Xenia-Seminars und der Amerikanischen Schule für Archäologie hat in Tel-Beit- Mirsin, 13 Meilen von Hebron entfernt, wo einmal die Stadt Kirjatb Sepher gestanden hat, wichtige Gegenstände ausgegraben, die bibb'sche Angaben über verschiedene Ereignisse beglaubigen. An diesen Funden läßt sich die kulturelle Entwicklung Palastinas von 2000 bis 586 Jahren vor der christlichen Zeitrechnung verfolgen. Prof. Albright erklärt, er habe Spuren aus der Zeit, da Abraham aus Canaan auszog, bis zur Zeit der Eroberung dieses Landes durch Juden und dann weiter bis smr Zeit, da Nebuchadnezar Kiryat Sepher dem Boden gleichmachte, gefunden. Der Führer der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas und bekannte Archäologe Isaac Ben Zwi hat in einem verödeten Dorf in Ober-Galiläa die Ruine eines jüdischen Hospizes ausgegraben. Die Türbalken enthalten hebräische Inschriften, aus denen zu entnehmen ist. daß das Hospiz noch in der talmudischen Epoche erbaut wurde. Das Hebräische enthält einen starken Einschlag von aramäisch. Das Gästehaus •stammt wahrscheinlich aus der Zeit des dritten bis sechsten Jahrhunderts nach Christi. Aus katholischen archäologischen Kreisen wird mitgeteilt: Durch die neuesten Grabungen des römischen Bibelinstituts in Transjordanien bei Teil Gassul, etwa sechs Kilometer nordöstlich vom Toten Meer am Wady el Jorfeh, soll nun die Stätte des geschichtlichen Sodom festgestellt worden sein. Es wurden an dieser Stelle zahlreiche Häuser, die Reste von Oefen, Kornspeichern und Mehlen zusammen mit menschlichen Ueberresten freigelegt, daneben eine große Menge von Messern, Pfeilen, Tonscherben, Halsketten, Alabasterkugeln usw. Weiters Grabungen wurden dann nach dem Norden und Süden auf einem Gebiet von etwa 600 Meter vorgenommen, und im Süden wurde ein Gebiet von etwa 1500 Quadratmeter durchforscht, in dem die Fundamente von Steinmauern zutage traten. Es ergab sich, daß die Ruinen von Teil Gassul bis etwa 3000 v. Chr. zurückreichen und daß die hier gelegene Stadt, die eine große Blüte erreicht hatte, um 2000 v. Chr. zerstört wurde. Infolgedessen ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Stätten von Sodom und Gomorrah im Norden des Toten Meeres lagen, nicht im Tale am Südende des Toten Meeres, wie man früher angenommen. Theater/ Kunst und llllllllllilillllllllllllllllliiii Literatur „Kiddusch Haschern" bei Habima. Wie wir aus Berlin erfahren, hat Habima den bekannten jüdischen Schriftsteller Arthur Sack he im, Dramaturgen des Frankfurter Schauspielhauses, ein« geladen, für sie eine dramatische Bearbeitung des Romans ,,Ki ddusch Haschern" von Schalom Asch zu schaffen. Asch' Roman wurde bereits für die jüdische Bühne dramatisiert, und zwar von Morris Schwarz (New York) und von Dr. Weichert (Warschau). Weicherts Bearbeitung gelangte bei der WiInaer Truppe unter Leitung von Alex Stein mit großem Erfolg in Lettland, Polen und Rumänien zur Aufführung. In Wien konnte das Stück bekanntlich wegen Einspruchs des Warschauer Verlegers bisher nicht gespielt werden, Wiener Jüdischer Gesangverein. Dieser vorzüg« lieh geleitete Verein, der sich die Pflege des jüdischen Volksliedes und der neuen hebräischen Musik «ur Auf«

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