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Die neue Welt · 1930-08-01 · Heft 150 (1.8.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 150 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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f Seife 12 die neue Welt Nr. 150 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER A DEUTSCH Wien, /. Set., SeUeneieitengäaee 2, Telephon U-28'7-28 XL, Zentratftiedhof, neb. ä. /. Tor, Telephon U-1&0-3S Kofferapparate m Luxtus-Appftraternitu. ohne Trichter, Schall« WeWl platten v. S X-, die neuesten Schlager ia grüßtet VeSnl Auswahl, erhalten Sie für S 2.S0 WeeftMrateit, JK13? sowie Mandolinen,Oitarren, Harmonikas, Lauten, ^gMclra Violinen, Zithern, Blasinstrumente. mäS&Sr Musikhaus SCHLESINGER JJ» 8* f» 1 1 HllllilllllllllllllHlilllllllllllllllllillllllllll eintöfung Don <$oli>, enbtv, Platin bei ©. 91. Srfjeiö, SBten, I. fttanj 3otef<&ai 49, Zentrale : VI., ©umtienftorferftrnfte 8» BEI 1 BESTELLUNGEN 1 BITTE SICH AUF 1 ,DIE NEUE WELT« B ZU 1 BERUFEN 1 1 gLg Sportwagen $12* b,im Wm Kinderwagen S 32«Erzeuger M. 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KOMÖDIANTEN. Roman von Schalom Mechern. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. Anfangs weiß man gar nicht, wohin ihn zu setzen. Man freut sich mit ihm, man ist stolz auf ihn, man gibt ihm die .besten Ratschläge, man zeigt ihm den richtigsten Weg und man unterstützt ihn. häufig mit einem baren Dollar, soweit man das kann. Das alles aber nur in der ersten heißen Stunde. Die Zeit bleibt nicht stehen, es gibt hier einen Grundsatz, einen harten Grundsatz: time is money — Zeit ist Geld. Ist die erste heiße Stunde vorüber, sägt man ■ zu:ihm: Jetzt, Mister, an die Arbeit! Das Land ist für dich offen, geh, Bruder, schaff dir ein Leben! - ,, Und der frische Gast, der ausgeruht und Umschau gehalten hat, geht hinaus in die kochende Gasse und ist betäubt. -Was ist da los? . In diesem geschäftigen, lärmigen Land des „hurry up", wo niemand Zeit hat und alle verbusyt sind von frühmorgens bis spät in die Nacht,, wenn ein Fremder da her kommt, muß er .'niifht .warten,'bis'ijcmänd ihn auf der Gasse anhält, ihmein .fScholem"'alechem" versetzt, eine Prise Schnupftabak anbietet und ihn „AVie heißt'ihr?" fragt, er wird darauf lange warten können.. Nein. Das ist ein Länd des Selbstistdermann, ein 'Land,'wo jeder Herr zu sein hat über sich selbst, ein Land, das ein eisernes Prinzip hat: help, yoür. sejf — hilf dit selbst! In unserer Sprache wird das. heißen sö viel Wie: ..Vetter, steht mir nicht im Weg! Vetter, ackert;mit der Nase, arbeitet mit Rücken und Lenden! Oder: Hefter, ihr könnt euch hin« setzen und sterben, wenn ihr nichts' zu essen habt!" Nein. In einem solchen Lände dürft ihr nicht: mit Rücksichten rechnen und auf Wunder ausschauen. Ihr. müßt euch selbst. 'bemUhen,' jeden einzelnen anzugehen ,'und mit der Sprache herauszurücken: Sir, ich bin der und der und kann das und das — vielleicht, brauchen Sie Hände... Hände — das ist' die Hauptsache, Es gibt keine Men« sehen, nur Hände. Hände, die'vorj'cgen^ Hände, dio sprechen,' Hände, die schreien: Hände! Hände! Und je lauteVihr ruft': Hände — tun'' so besser für euch. . Aber ihr müßt nicht so naiv sein zu glauben, es sei nur . das eine .nötig, durch, die street zu. gehen und z,U; sehreje.n: f Hände,, Hiiride> Ne.in. ..Es ^st auch dazu eine „press"\ da, es sind Zeitungen dazu "geschaffen -worden, die das breite Publikum bedienen, durchsetzt und über» sät sind, durebgesponnen- und angefüllt, mit lebendigen advertissemehts, und. schreienden, Annoncen .von oben bis uijteri,. die aussagen, klingen, pfeifen und trommeln mit Posaunenschall und: Schofarton. - Und wer nur im Lande sich i ein ,,Leben schaffen wijl und wer sich davor bc« währen " will, , im freien gol;deneh. Amerika unbemerkt zu verhungern, „der ist auf - die Hilfe der;,press" angewiesen, der muB,\ob er will ob nicht, sich in'allen Blättern ad* vertissernenten, sich selbst und seine Ware in den Tag hineinloberi, mit, allen Glocken klingeln,, stoßen und trompeten ] mit Posaunenschall und Schofarton.; Piesen Umstand; erkannte unser Führer der. Korn* inune sogleich. Er roch mit der Nas^ und las mit dem Auge ab, daß man keine langen Faxen machen dürfe, k daß man die Zügel in die eine Hand, die Peitsche in die andere nehmen müsse und — marsch! Außerdem hatte ihm beim Lomscher Chasen ein bißchen die Zeit und ein bißchen das Glück mitgeholfen, Die Zeit war, wie wir schon wissen, die Zeit der Feiertage, da Chasonim in Amerika ein gangbarer Artikel sind. Und das Glück, daß gerade bei ihrer Ankunft in Amerika eine bestimmte „soceyty" ohne Chasen dastand. Und obgleich Ware in Amerika die Fülle vorhanden ist, so daß auf die erste Annonce hin. „Es wird ein Chasen gesucht für die Hohen Feiertage", aus aller Welt Chasonim herbeigeschneit kamen und unser Lomscher Chasen eine gewaltige Kons kurrenz zu bestehen hatte, setzten sich seine Lomscher Landsleute ein und unser Lomscher Chasen wurde allright. " Das war aber nur ein Intermezzo, ein Vorstadium für die Karriere der Lomscher Nachtigall. Eine ämerika* nische socyty braucht einen Chasen nur für die Hohen Feiertage. Und von den Hohen Feiertagen allein kann man sich kein Leben schaffen. Hier zeigte sich wieder unser Kömbinator Nissl Schwalb mit seinem Unterneh« mungstalent. Er mietete eine Hall und ließ in allen Blättern diese Annonce erscheinen: v „Ein Mensch eine Nachtigall. Ein Hals . eine Klarinette, eine Stimme eine Geige. Das ist der weit* berühmte Lomscher Chasen. mit seinem eigenen Chor. Er wird Kol Nidrc singen in der und der Music! Hall mit, Begleitung seiner eigenen Kapelle auf allerlei Instrumenten, die vor dem König Georg spielten." Das erste Konzert war auch .das letzte Konzert, da am nächsten Tage morgens unser Nissl Schwalb und sein finanzieller Kompagnon Mr. Klamer mit dem. Manager eines jüdischen Theaters bei einem Glas-B^er und .einer Havannazigarre saßen und ein ,,agrcement"':ünte^schrieben für, 30. Spektakel, in' denen, die ' Lomscher, Nachtigall mit ihrer Kapelle < jeden. Abend \ in der.; berühmten. Qpe^ette, die den Namen „Kol Nidrc" trägt, Kol Nidre zu sin» gen habe. , Nachdem das agreement interschrieben und in die Seitentasche gesteckt worden war, begann Mr, Klamer das Geschäft zu bereuen und seinem Kompagnon Nissl ' Schwalb vorzuwerfen, warum er sich so beeilt habe, solch eine/.Ware halb umsonst zu verkaufen. Und richtig — nach den ersten Spektakeln unterschrieb derselbe Theater« manager ein neues agreement auf noch 30 Spektakel zu einem Preis von genau dreimal so viel. Das brachte es* mit sich, daß die beiden Kompagnons, Mr. Klamer und Nissl Schwalb, sich zum erstenmal auf amerikanischem Boden zerwarfen, in einen Wortstreit; gerieten/; einander verschiedene Namen an den Kopf warfen, die wir hier keinesfalls wiedergeben können,' weil es sich für solche zw'ei Gentlemen nicht ziemt. Ein solcher Wortstreit hätte mit einem häßlichen Skandal schließen können, da der eine von ihnen, Nissl Schwalb, . seinem Kompagnon Mr, Klamer bpr.eits bare- Ohrfeigen angetragen hatte. Ein Glück, daß der Chasen und die Chasenfrau sich rechtzeitig einmengten, die streitenden Kompagnons trennten, sie daran erinnerten, daß man vor einer wich* tigen. wenn nicht der wichtigsten Arbeit stehe: Rafalesco einzukleiden. Vorläufig richtete die Chasenfrau einen sehr' schönen super für die ganze Kommune her, lud die Mme. Tschernjak (Brejndele Kosak) und ein paar Lomscher Landslcutc ein, die versprochen hatten, mit ihren Misses zu erscheinen und mit ihrem Landsmann, der Lomscher Nachtigall, einen Abend zu verbringen, seine Kompagnons kennen zu lernen und es sich gut gehen zu lassen, wie Gott es geboten hat. 31. K a p i t c 1. Eine sonderbare Biographie. Rafalesco „einkleiden" war nicht so leicht, wie es sich unsere Kompagnons, die Genossenschaftler, vorstel* leh mochten. Erstens hatte man Rafalesco nicht vor die Augen bekommen, seitdem er nach Amerika gekommen war. Ganze Tage schleppte er sich mit der Mme. Tschern« jak herum — vielleicht wißt ihr, was für Geschäfte er mit diesem Untier hatund am Abend sieht man ihn auch nicht. Er steckt überall, bei allen Konzerten, in allen Theatern des aristokratisch«amerikanischen New York, das man Upto.wn nennt, als wäre er hierher zu den Amerikanern gekommen, nicht zu den Juden. Als hätte sozusagen nicht das jüdische Theater sein Interesse. Als wäre er kein jüdischer Schauspieler, kein irrender Stern des jüdischen Wandertheaters, kein Kind des jüdischen Ghetto. , Anfangs achteten unsere Genossenschaftler nicht sehr darauf. Ein junger Mann, dachten sie, zum ersten« mal in einem fremden Land, soll er sich nur ein wenig umsehenl Später aber begannen sie ihn mißtrauisch an* zusehen, nachzufragen, wohin er gehe und Avas er tue und ihm Moral zu predigen, warum er sich denn nicht das ansehe, was er nötig habe, warum er nicht lieber die jüdischen Bühnen studiere, im jüdischen New York, das D.owntown heißt, und warum er nicht zusehe, etwas von den' berühmten amerikanischen jüdischen' Stars zu pro» f itieren. Darauf antwortete Rafalesco. daß er sich's ersparen könne, -die jüdischen Bühnen zu studieren.' Er kenne sie bereits durch und1 durch, und wenn von Profitieren die Rede sei, so wären* es nur die ändern, die amerikanischen großen Theater. ' ' Es war aber 'nichts als eine Ausrede für Sabbath« kerzen. Rafalesco war in New York mit seinen eigenen busjness; beschäftigt, >vie wir es bald erfahren werden. Die Genossenschaftler aber konnten damit nicht zufrie« den sein. Sie wollten durchaus, daß ihr Lichtpunkt Rafalesco so rasph wie möglich vor dem jüdischen Publi« kum New Yorks erscheine, zeige, wer er . ist und was er.-ist. Natürlich tat Nissl Schwalb alles, was er konnte. Er machte' zunächst alle Reporter der jüdischen Zeitungen in Kürze mit der,Biographie Leo Rafalescos bekannt. Er erzählte ihnen, jedem einzelnen als Geheimnis, daß Ra» falesco der angesehensten jüdischen Familie von Bukarest entstamme. Daß sein Vater Samuel Rafalesco, einer der reichsten Bankiers von Bukarest sei und vom König selbst das Bürgerrecht erhalten habe. Allerdings habe ihn das eine Menge gekostet. Schon als Kind hat der kleine Rafalesco gewaltige schauspielerische Talente gezeigt und voni Studium der Kunst geträumt. Die fanatischen Eltern wollten davon weder sehen noch hören. Da überlegt sich's einmal der junge Leo und stellt sich der rumäni« sehen Königin vor, der bekannten dramatischen Schrift« stellerin Carmen Sylya * . . „Carmen Sylva ist eine Verfasserin von Novellen", unterbricht ihn der Reporter. Aber Nissl Schwalb gerät nicht in Verlegenheit, er erzählt weiter, (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Verleger» Herausgeber and verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker* ~ Druckerei« und Yeriags-A.»<* Ignäz Stelumaua, beide Wies, IX« üuiversltätsstraße 6-8,

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