Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 145 (27.6.1930)
- Date
- 1930-06-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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f Seife 12 DIE NEUE WELT Nr. 14J GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, 1. Bei., SeHenstettengtuse 2, Telephon V*28-1-28 XL, Zeniralftiedhof, neb, d. 7. Ter, Tetephon V-18 0 85 Kinderwagen vomtlnfaohtttn bis zumf.inaton Osnr» «zeugt KorbwartnfnduttrU N. fNGtLBERG), XX., Wallensfelnplats 3 (Eingang Bluerlegasse 1) Filiale: XX., Klosterneuburgerstraße 91 Telephon A-41-406 und A-47-4-97 Kataloge gratis RADIO in elegenter Kotlertorm für Radio unci Schallplatten, spielt überall ohne Antenne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfängei, Radio-Apparate mit Auslandsempfang. Radio-Bestandteile, Kredit bla 20 Monate, 10°/0 Anzahlung, l°/0 Kreditspesen pro Monat. 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H. 6ajeft, OBten, I. ftratt} 3<Mef*&ei 4», ßentral«: VI., ©mti&cn&örferftritftc üb BEI BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF VDIE NEUE WELT1 ZU BERUFEN I G A S 6 E R Ä T E TEIL7AHLÜNG IX ALS ERSTRASSE 53 TELEFON B <+3-3-6f :iil!llllllillll!llll! Pension ,Austria' Kinderheim Vöslau (OLGA KADISCH) ..... JägermayerstraBe 15 - Telephon Nr. 141 Für Dauer" und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause» auch Nachhilfe tür öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verküstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäßige Preise Kofferapparate Luxus-Apparate mit u. ohne Trichter, Schall platten v.S 2.-, die neuesten Schlager in größte» Auswahl, erhalten Sie für S 2.50 Wochenraten, sowie Mandolinen,Gitarren, Harmonikas, Lauten. Violinen, Zithern, Blasinstrumente. ffeikhaus SCHLESINGER SSS NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1930 S20.~- monatlich ohne Angäbet If ix. Liechtensteinstraße Hr. 11 BaffFI^B^ Tel. A 16-5-64 und A 16-5-65 in. 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In Lomsche selbst sind sie niemals und bei niemand so gern gesehene Gäste gewesen wie hier in dem glücklichen freien Land, im goldenen Reich des Columbus. Dort zuhause viel mehr, bei den Einheimischen, bei den Juden, waren sie jedem zu viel; in den ,Äugen. Auch auf" dem Weg ließ man sie nicht sehr zart fühlen, daß sie eine große Familie seien. Selbst Mr. Klamer, der so etwas wie ein zu ihnen gehöriger Mensch ist, ein Kompagnon kann man sagen,'ließ ein paarmal'nur so fallen, wenn auch mit süßem Lächeln,' daß sie das ganze Gcrümpel von zuhaus. mitgenommen, nicht einmal ein bißchen Kinder in Lomsche zum Andenken zurückgelassen hätten... Und hier auf einmal so geehrte Gaste, so ge* schätzt, daß man, sich um sie herumreißt, sich fast prügelt ihretwegen! Gesegnet sei dies Land! Gesegnet sei dies Land! . Und der Chasen und die Chasenfr.au sahen ein* ander an und ließen eine Träne fallen. Und die musi» kaiische Kinderschar wurde länger und breiter. Sie waren wie.,im,Himmel. Sie wußten nicht, wem zuerst zu ant» Worten. Sie werden schon überall hingehen, warum denn nicht, eine Frage das! Sie werden mit Gotteshilfe ^u Jedem kommen. Zu. dem zum breakfast, zu dem zum dinner, zu dem zum super. Ein Mensch kann sich wirklich nicht zerreißen. Das ist wahr. Aber eine solche Schar, kein; böses Auge, chachacha! Es wird schon, macht nichts, mit Gotteshilfe in Ordnung geheru ,Es wird in Ordnung gehen. Nissl. Schwalb stand da und betrachtete diese Szene und er freute sich im Plerzen. Wer noch außer ihm weiß es, wie arm und elend die Schar in London war. Auf einmal sind so viele Freunde da, so gute Freunde! Na, hat er es denn nicht früher gewußt, daß es so sein wird? > G'ewuJSt, ertsolli so: aller Menschen. Gutes - haben, wie er es gewußt hat. Es ist ja darum Amerika. Gesegnet sei dies Land! Schade nur, daß. er keine Zeit hat, auf diese gastfreundlichen Leute zuzugehen, ihnen für den Lorascher Chasen zu danken und gleichzeitig auch neben» bei ein bißchen näher mit ihnen bekannt zu werden, ein Gespräch zu führen " über. ,, Ameritschke", Yankee« Poodle>Columbus' Reichl «... Wirklich, schade. Nissl -Schwalbs Kopf war in dieser Minute mit — das schwarze Jajir weiß womit — beschäftigt, mit irgend einer Figur, tipec. Roten Pelerine, die zuerst über die Schwester, dann über den Bruder, und jetzt über Rafalesco herfiel und küßte und küßte und küßte, zuerst eine Wange, dann die andere, dann den Mund. Und wiedereinmal die eine Wange, dann die aridere Wange und den Mund, eine Geschichte ohne Ende. Nein, Nissl Schwalb kann das nicht ,mehr ertragen. Er geht auf die Rote Pelerine zu und nimmt sie von Rafalesco weg, „Wer ist das Untier?" Es scheint, Rafalesco ist selbst erfreut, von einem Himmelsgeschenk erlöst zu werden. Er macht sich die zerrauften Haare-und den zerknitterten Hut zurecht und stellt vor. „Mein Freund Schwalb... meine alte Bekannte Brej:—.,. Madame Tschernjak}" ... Fast, fast wäre Rafalesco ihr wirklicher Name ents schlüpft, Brejndele Kosak. Sie ist es. gewesen. 26. Kapitel. . '.' Mit Posaunenschall und Schofarton. Die Zeit, die unsere neue wandernde artistisch* musikalische Gemeinschaft, „Klamer, Schwalb et Comp." für das Eintreffen in Amerika gewählt hatte, war die allerbeste, die allerreifste Zeit, ich möchte sagen die wirkliche Schnittzeit im Jüdischen Viertel des tumultösen, verknarrten, verlärmten, verbusyten und verbusinessten I^few York. Es war der Monat, in dem das jüdische Leben in den United States von Aiperika nach den langen ver« schlafenen Wochen der Sommerevacuation aus dem Schlaf zu erwachen beginnt. Da der jüdische Nerv in der großen Stadt stärker , zu vibrieren beginnt als sonst. Da ' die jüdische Gasse sich , noch mehr verjüdischt als sonst. Da die Herausgeber der jüdischen Blätter sich vor 'den schreienden Annoncen und der fürchterlichen Reklame in der Luft-zerreißen.* Das sind zum größten Teil Annon* cen, die euch in die Schul rufen, von „chasonim" reden, „mirjonim", „schojfrojs", „lulowim", „esrogim", von Neujahrskarten und ähnlichen heiligen Dingen, die mit Gott zu tun haben. Mit einem Wort,, das war die Zeit / .der. Feiertage, Vorneujahr, eine Zeit,-dieman mit drei Nörten' benennen kann: tyosaunenschaU und Schofartpul Genau wie bei uns in der Alten Welt, so auch hier diesseits des Meeres in der Neuen Welt sind diese Tage die Uebergangszeit des alten jüdischen Jahrs zum neuen Jahr, des Sommers zum Winter, eine Zeit? des Zuende» führens, was alt und abgebraucht. Desalles Aufputzens,; was abgerieben und abgestorben ist. Des'Wechsels von Herrschaft und Dienerschaft. Des Aufrichtens von Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Ob er baurat, Robert 3 Verlaiilj^ Kleidung und Schuhwerk. Des Bestcllens von Lehrern und Chederschulen. Des Ausziehens und Uebersiedelns oder, wie man es hier nennt, des „movens" von einer Wohnung in die andere. Mit einem Wort: die Welt ist überall die gleiche Welt. „Season" nennt man hier diese Tage. „Season" ist ein gutes Wort, ein teures Wort, das liebste süßeste Wort in diesem Lande der Arbeit, dije jedem gleich: dem, der Hände bietet; wie dem, der Hände sucht. Dem, der schwitzt, wie dem, der schwitzen läßt. Dem ein „nickel" Münze ist. wie dem, der einen Dollar als Bastard ansieht. Für den, der ein Stückchen Brot sucht, wie für den, der ein Vergnügen sucht. Für den, der mit Weib und Kindern irgendwo ganz hoch oben auf dem „tup*flor" öder tief unten im „baissmand" ohne Licht und ohne Luft haust, wie für den, der den ganzen Sommer auf der Datsche verbracht hat. Hier nennt man es „keatskills", wo man ganze Tage und ganze Nächte beim „poker" oder „pinoclc" verbracht hat, was ebenso sinnvoll ist wie unsere „Oka" und unsere „Stukelka, oder gar bei einem solchen Spiel, das man bei uns „Flirrt" nennt, bei ihnen „flirt", das darin besteht, dem anderen im geheimen das Weib abspenstig zu machen oder vor aller Oeffentlichkeit die Frauen auszuwechseln, meins ist deins und' beide! gehören litis beiden, frei auf dem Feld für die Spatzeh.... „Scäson" ist auch die Uebergangszeit, die Zeit der Erneuerung,' des Auffrischens und Auf leb ens des Theaters überhaupt und des jüdischen Theaters, das laut der Presse einen ehrenvollen Platz im Jüdischen Viertel New Yorks . einnimmt. Die jüdische .„press". wird, jetzt busy. Die jüdischen . Zeitungen' haben jetzt was zu tun. Zu* nächst erscheinen vorübergehende Artikel unter dem Namen ..jNeues aus der jüdischen Theaterwelt". Das sind zum „größten . .Teil, fliegende Nachrichten, aufgefangene Neuigkeiten, unschuldige Lügen aus der Kulisse und er« sonnencr . Trasch, . nicht ersonnen, nicht gesponnen. Zum Beispiel: Der und der Manager kommt nächste Woche aus „Euföpe" mit den größten Sängerinnen aus der Pariser Oper. Der und der Manager hat dessen und dessen Theater ausgemietet. Der und der Manager hat jenen und jenen „star" hinübergemoved, das heißt abspenstig gemacht. Die und die Primadonna verläßt die jüdische Bühne und tritt zur amerikanischen über. Jener und jener berühmte Autor, der sich durch seine musikalisch«reali» stischsdramatischen Werke unsterblich gemacht hat, hat für. diese season drei realistisch»musikalisch*patriotisch< melodramatische Piecen fertiggestellt, die alles übertrof« fen haben, was man je gesehen hat in diesem Land. Ge» legentlich wird dem und dem Star ein Kitzeln unter die Achsel verabreicht. Der und der Primadonna zart in die Wange gekneift. Dem und dem Theatermanager eins über den Mund geschmiert und jenem und jenem Autor ein Lächeln zugebilligt. Mit einem Wort, das sind vor« läufig nur so Plappereien, die die „press" eich in der Vorseason verstattet, solang der Sommer noch nicht ganz zuende ist. (Fortsetzung folgt.). ........ ■■! 11 \mmmmmmmmmmmmmmm' Stricker, m Druokereland