Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 145 (27.6.1930)
- Date
- 1930-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen V«b» bi öEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, ■■fe mm M M MM MM BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich WM M^ Mm MM Mm Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monat- Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei Mm* Wm MM MM Mm »ch Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc. 15.-; Jugo- MW M fei monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.-. Schweiz slawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-; 7" 7" ,___™7~__~~__ und dIe übrigen Länder monatlich Schwerer Rumänien monaUIch Lei 40.-vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, JX„ Universitätsstraße 6—S Telephon: Ä25-2-82 — Erscheint feden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 27. Juni 1930 Nr. 145 Jüdischer Boykott gegen England* Kairo, 19. Juni. — Die „Neue Welt" hat von einem ihrer gelegentlichen Mitarbeiter einen Bericht über die Stimmung in der Judenschaft Aegyptens erhalten, in welchem es u. a. heißt: „Die Vorgänge im Nachbarlande Palästina haben die Stimmung der hiesigen Judenschaft heftig erregt. Die hiesigen Juden, welche immer Freunde Englands waren, sind in dieser Beziehung wie umgewandelt. Sie sprechen in den Ausdrücken härtester Kritik von der wortbrüchigen englischen A r b ei terregierung, welche die Juden verraten hat. Der angesehenste Teil der hiesigen Kaufmannschaft — vor allem die spagnolischen Juden, welche sich immer durch starkes jüdisches Nationalgefühl ausgezeichnet haben — ist bereits zur Tat übergegangen. Die jüdischen Kaufleute weisen einerseits Angebote englischer Firmen ab und legen anderseits ihren Kaufem.keine englischen Waren vor. Es wird heute von den hiesigen Juden als Pflicht angesehen, bis auf weiteres keine englischen Waren z u b e n ü t z e n. Die Boykottbewegung ist nicht organisiert worden, sondern sie hat spontan, ohne Kommando eingesetzt. Man ist hier der Meinung, daß die englische Regierung, welche vergeblich mit dem Problem der Arbeitslosigkeit in England kämpft, die Resultate; ihrer wortbrüchigen bald und schmerzlieh fühlen wird. Interessant ist der Stimmungsümschwumy in den englisch-militärischen Kreisen in Aegypten. Das englische Militäroberkommando, welchem auch die Streitkräfte in Palästina unterstehen, war bisher a n t i z i o u i s t i s c h orientiert. Jetzt sind bereits der Oberkommandant und seine Umgebung zur Ansicht gelangt, daß nur ein jüdisches Palästina England Sicherheiten in politischer und strategischer Hinsicht bieten kann." Em Teüberidit Simpsons? Gegen große jüdische Einwanderung und Bodenkäüfe. Warschau, 19. Juni. Der Warschauer „Hajnt" veröffentlicht folgendes Telegramm seines Londoner Korrespondenten: Die Frage der Sperre der Einwanderung jüdischer Arbeiter nach Palästina ist nunmehr lediglich von der Londoner Regierung abhängig, welche über die Meinung des nach Palästina gesandten Bevollmächtigten Simpson bereits unterrichtet ist. Von kompetenter Seite wird mitgeteilt, daß Simpson gegen eine große jüdische Einwanderung und auch gegen jüdische Bodenkäufe in großem- Maßstabe ist. Simpson soll schön Teile seines Berichtes der Londoner Regierung übermittelt haben. * Wenn die Meldung des sonst gut unterrichteten „Hajnt"-Korrespondenten zutreffend sein sollte, bildet sie eine Illustration der in der „Neuen Welt" an die zionistischen Faktoren gerichteten Mahnung, Simpson gegenüber größte Zurückhaltung zu wahren. In der letzten Nummer der „Neuen Welt" wurde dagegen Stellung genommen, daß die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, die Herren Hext er' und Ruppin, nach flüchtiger Bekanntschaft mit Simpson diesen Gesandten der antizionistisch eingestellten Londoner Regierung als vertrauenswürdig und objektiv bezeichneten. Wanderung Vorstellungen zu erheben und diese Regierung anzufragen, ob sie die mit dem Mandat übernommenen Verpflichtungen betreffend Aufbau des jüdischen Nationalheims auch zu erfüllen willens sei.. Protest gegen England im amerikanischen Senat. Washington, 19. Juni. Die Frage der Suspendierung der Einwahderungszertifikate für Palästina- Einwanderer ist; nun auch^ im Kongreß der Vereinigten Staaten' zur Spräche gekommen. Das ' Kongreßmitglied Hamilton Fish tadelte die englische Regierung wegen der Suspendieruugsmaßuahme, : die er als in Widers p r u c h z u m Man d a t stehend' bezeichnete, und forderte die amerikanische Regierung auf, die Notwendigkeit' zu" erwägen, ' bei.' der R e g i e r u n g G. r o 11- I b r itanai e ns wegen der §uspendieruug der Ein- | Roheitsakte an der Klagemauer. Jerusalem, 20. Juni. (J. T. A.) Unbekannte Täter begingen zu nächtlicher Stunde Roheitsakte au der Klagemauer zu Jerusalem. An 24 Stellen wurden jüdische Inschriften auf Monolithen und Steinen der Klagemauer verwischt und weggemeißelt. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein. Es steht nicht fest, ob es sich um einen gewöhnlichen Akt von Vandalismus seitens der Araber oder um den Versuch handelt, Generationen alte jüdische Symbole vor Ankunft der Klagemauerkommission zu entfernen. Die Meldung ausländischer Zeitungen, daß diese vandalischen Akte als Racheakte für die Hiririchtungen anzusehen sind, trifft nicht zu,"da diese Akte noch vor den Hinrichtungen geschehen sind. RUNDSCHAU Zerstörte Illusionen. Die Landtags wählen in S a c h s e n haben dem Antisemitismus einen überwältigenden Sieg gebracht. Nicht dem Antisemitismus, der in wissenschaftlichem Mäntelchen uiid mit soziologischen Glacehandschuhen arbeitet.,Einen Sieg dem hundsordinären Judenhaß, der prügelt, grölt, totschlägt und hinauswirft. Dreimal soviele Stimmen haben die Hakenkreuzler bekommen als bei der letzten Wahl. Sie sind die zweitstärkste Partei des Landtages geworden. Nicht in weltentlegenen bayrischen Gebirgsnestern, in, Sachsen haben 'sie. .gesiegt, in dem Lande höchsiei^'^ scher Elitwicklung. "" Die Illusion des Assimilationsjuden, daß der Antisemitismus mit geistiger und kultureller Rückständigkeit untrennbar verbunden bleibt und jeder Fortschritt einen Nagel'für seinen Sarg bedeutet, ist wieder einmal zerstört. Auch die Illusion, daß nur ungebildete, priniitve Menschen Antisemiten sein können. Professoren, Lehrer, Techniker, Aerzte und Schriftsteller, industrielle Führer haben zur Urne gedrängt, um der Partei der Pogrome zum Siege zu verhelfen. Darüber helfen die raffiniertesten Leitartikel jüdischer Presseleiter nicht hinweg. Alle Verachtung, welche die „geistigen" Kreise Deutschlands über die Partei des Schlagrings und des Hirschfängers ausgegossen haben, ist wirkungslos abgeronnen. Die ätzende Säure jüdischliberaler und jüdischsozialistischer Ironie hat dem aus Judenhaß gegossenen Parteiblock nichts anzuhaben vermocht. Wie ein roter Faden zieht sich dieser ver» hängnisvolle Irrtum des Assimilationsjudentums, daß die Flucht in die herrschenden Fortschrittsparteien vor dem Antisemitismus rettet, durch d\e neuere jüdische Geschichte. Vor dreißig und vierzig Jahren gaben sich die deutschen Juden dem damals starken deutschen Liberalismus hin und wurden seine Vorkämpfer. Das Resultet war: Anwachsen des Antisemitismus. Heute drängen sie sich in die Reihen der mächtigen Sozialdemokratie. Das Resultat ist: Anwachsen des Antisemitismus. Durch Nachläuferei und Drehen des Mantels nach dem Winde ist der Judenfrage nicht beizukommen. Nicht die Zerstreuung der Juden in alle möglichen fremden Parteien bringt Hilfe. Die Lösung ist auf dem Wege zu finden, welchen der jüdischnationale Gedanke weist. Nur nationale Konzentration in einer > Organisation und Verzicht auf Nachläuferei und ManteJdreherei können das Judentum stärken und den Antisemitismus abschwächen. Der mit Trümmern, zerstörter Illusionen übersäte Weg der liberalen; und sozialdemokratischen Assimilationsjuden ist ein Weg zu neuen Leiden, kein Weg zur Rettung. Minister kann man werden, aber Weichensteller nicht. Moses Ruehomowicz heißt der derzeitige E i s e n b a h n m i n i s t e r der russischen Sowjetrepublik. W je daraus zu ersehen, kann es ein Jude in SQwjeti'ußUn.d sehr weit bringen, Wohlgemerkt 1 mmmmmmmmmmammmmma^mmmmmmmmm ,:A.Ub im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Ein Jude! Aber es wäre sehr unvorsichtig,, aus dieser Tatsache irgendwelche Schlüsse bezüglich des Schicksals der anderen Juden in Sowjetrußland zu ziehen. Denn dieselben jüdisch-kommunistischen Zeitungen, welche sich breit, stolz und freudig des Eisenbahnministers Moses rühmen, führen bewegliche Klage darüber, daß bei den Sowjet-Eisenbähneu Juden g r u n d s ä t z 1 i e h n i c h t m g%t ahgestellt und die wenigen, denen'es seinerzeit gelungen ist, einen kleinen Posten zu erringen, zurückgesetzt, beleidigt und'.schließlich;'' hinauagedrängt werden. So ist es,, gekommen; .daffrtaite; in ^de^V^fijcrjaina .unter. 1ÖÖIÖ0Ö" Eilsenbahnarbeitern und 'Mli^estellten; kaum 1500 Juden sind. Die Arbeiterbörse und die Eisenbahngewerkschaft, weichten'die Besetzung freier Stellen zukommt, tragen Juden in ihre Verzeichnisse nicht ein. In kurzer Zeit We|den also die von Herrn Moses Ruehomowicz allmächtig geleiteten Bahnen judenrein sein. Minister? Ja! Weichensteller? Nein! lj)er Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Es ist eine im jüdischen Leben ganz normale Erscheinung, daßes einzelnen Juden gelingt, nach oben zu kommen, gerade dann, wenn die anderen ganz tief unten liegen bleiben. Und ebenso normal ist es, daß die Juden sich dummerweise des Erfolges dieses Einzelnen rühmen und freuen und glauben, daß ihnen aus dem Erfolge des Einzelnen Ehre und Nutzen erwächst. Das Gegenteil ist der Fall! Der Eisenbahnminister Moses gibt den Antisemiten nur Anlaß, von der Vorherrschaft der Juden zu sprechen und die Massen zu verhetzen. Aber er selbst, der hochgekommene Jude, wird es sich wohl überlegen, auch nur einen Juden anzustellen. Das gilt nicht nur für Rußland. In Deutschland und Oesterreich gibt es heute viele große jüdische Bankdirektoren. Aber die jüdischen kleinen Bankangestelltenwerden immer seltener und seltener. Sie OFT BADEN SCHWIMMEN SONNEN Die richtige Erholung. Ohne Zeitverlust, ohne ermüdende Fahrt findet man dazu beste Gelegenheit im DIANABAD an der Marien brücke - Tillen Irisches kristallklaret Waffar Ciniiges Wellenbad in Wien. •-•> 'b Freiluft-Sonnenbäder mitDachgarten-Restau'rant