Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 143 (13.6.1930)
- Date
- 1930-06-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 143 nach Gemälden berühmter jüdischer Haler Gobelins * HERZL-Gobellns erzeugt Atelier Z 3 h r 8 d II i k Wien, V., Ahzengrubergasse Nr. 30 Telephon U-40-9-17 wenn man ihr Israelitentum sorgfältig unter dem Scheffel hält, als daß man sie durch — dazu noch unwahre — Behauptungen vor dem großen Publikum als „gute Juden" bloßstellt. * Dazu wäre zu bemerken, daß die widrige Art, Künstlern jüdischer Abstammung nachzukriechen und sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu verhimmeln und für das Judentum zu reklamieren, kein Monopol des ungarischen Judenblattes ist. Auch in deutschen, tschechoslowakischen und österreichischen jü« dischen Wochenschriften, auch in zionistischen, Averden Schriftsteller, Schauspieler und Künstler (Reinhardt, die Orska, die Kurz, Palenberg, Werfel usw.) in ganz geschmackloser Weise fürs Judentum reklamiert, auch wenn sie ganz oder halb getauft sind, ihre Kinder haben taufen lassen oder sonst etwas getan haben, was alles, nur nicht jüdisch ist. AUS PALÄSTINA. Einwanderung und Auswanderung int Monat April 1930. Im Monat April sind 521 Juden, 65 Christen und 8 Mohammedaner, zusammen 592 Personen, nach Palästina eingewandert Darunter befanden sich 91 Personen, die als Touristen ins Laad kamen und liier die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt erhielten. Während des Monates April sind 111 Juden, 50 Christen und 57 Mohammedaner arus Palästina ausgewandert. (Ziko.) Die Finanzen der palästinensischen Regierung im Januar 1930. Die Einnahmen der palästinensischen Regierung im Jänner 1930 betrugen 209.382 Pfund, die Ausgaben 139.900 Pfund, so daß ein U e b e r s c h oi ß von nahezu 6O.00Ö Pfund verbleibt. (Ziko.) Endgültige Bestätigung der Tote Meer-Konzession. Die „Official Gazette" vom 1. Juni veröffentlicht den Text der offiziellen Verleihungsurkunde der Konz.es« sion für die Gewinnung von Salz und Mineralien aus dem Toten Meer., Die Konzessionsurkunde ist vom i.'Jänner 193Ö datiert und lautet auf den Namen der „Palestine Pptash Ltd.". Das Nominalkapital der Gesellschaft beträgt 400.000 Pfund, sie hat vom dritten Jahr vom Beginn der Konzessionsdauer an fortlaufend erhöhte Minimalmengen von Mineralien zu fördern. Das Förderungsminimum be* trägt im dritten Jahr 1000 t und steigt bis zum zehnten Jahr auf 10.000 t pro Jahr; von da an müssen jedes Jahr mindestens 50.000 t gefördert werden, unter der Voraus* setzung, daß bis zum zehnten Jahre seit Beginn der Kon« Zession die betonierte Straße zwischen Jerusalem und dem Toten Meer vollständig ausgebaut sein wird. Die Konzession enthält ferner Bestimmungen über die Regierungsabgaben, die Beteiligung der, Regierung an dem Reingewinn und Uebernahme von Aktien des Unternehmens durch die Regierung, usw. Eine bes -*ere Bestimmung betreffs der Arbeitskräfte besagt, daß die von der Gesellschaft beschäftigten Arbeiter aus Palästina und Transjordanien sein müssen. Die Gesell« schaft hat kein Recht, Arbeiter anderer Herkunft ohne die vorherige Erlaubnis der.' Regierung zu beschäftigen. (Ziko.) Gesetzliche Feiertage in Palästina. Die Regierung teilt mit, daß als gesetzliche Feiertage bezüglich. der Einlösung.von Wech« sein (noben den christlichen und mohammedanischen Feiertagen) von jüdischen Feiertagen der erste und letzte Tag von Pessach, ein Tag Schawuoth, zwei Tage Ro ch Haschanah, ein Tag Jörn Hakip* pu r i m und der erste und letzte Tag von S u k k o t h festgesetzt werden. (Ziko.) Eine Klage gegen die Palästinaregierung auf Schadenersatz. Jerusalem, 8. Juni. (J. T. A.) Die deutsche Aug uste-Yicto ria-Stif t ung, die Eigentümerin des Gebäudes auf dem Oelberg zu Jerusalem, das von der Palästina-Regierung okkupiert und zum Sitz des Oberkommissärs gemacht wurde, beansprucht von der Palästina-Regierung Ersatz der Schäden, die das Gebäude während des Erdbebens 1927 erlitten hat. Die Verwaltung der Stiftung hat die Angelegenheit vor ein Schiedsgericht gebracht, das sich aus Richter W e b b als Vertreter der Palästina- Regierung, dem amerikanischen internationalen Anwalt Dr. H u d e r i c h als Vertreter der klagenden Stiftung zusammensetzt. Oberstaatsanwalt Herbert B e n t w i c h wird die Sache der Regierung, der jüdische Rechtsanwalt Turt L e b o v i die der Stiftung vertreten. Zeugen sind u, a. der stellvertretende Regierungssekretär Mills und R.-A. Horowitz. Der Fall wird im Verlauf des Sommers in Europa weiter geführt werden, beide Schiedsrichter begeben sich zu diesem Zwecke nach Europa. - r Verbot palästinensischer Zeitungen. Jerusalem* 9. Juni. Die Regierung hat das weitere Erseheinen der hebräischen Tageszeitung „D o a r Hajo m", der Zeitung der arabischen Exeku* tiye „F a 1 e s t i n" und des Organs des Obersten mohammedanischen Rates HA1 Zamia a 1 A r a b i a" verboten. An Stelle des „Doar Hajom" ist bereits eine neue Tageszeitung „Jerusalem" erschienen» Sir John Chancellor tritt Ende Juni seinen Urlaub an. Jerusalem, 6. Juni, (J. T. A.) Der Oberkommissär für Palästina Sir John Chancellor tritt Ende Juni seinen Urlaub an. „Haarez" deutet an, daß der Chefsekretär Luke nach Palästina zurückkehren wird, um Chancellor zu vertreten. Die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt aber, daß eine Vertretung durch Luke kaum in Frage kommt; für eine Vertretung Chancellors im Amte des High Commissioner kommt in erster Reihe der Schatzmeister der Palästina-Regierung, Sir Stuart Davis, in Betracht. Appell der jüdischen Arbeiter Palästinas an Ramsay Macdonald Die jüdische Arbeiterorganisation in Palästina und die Arbeiterpartei sandten an den englischen Premierminister ein Telegramm, welches u. a. folgendes enthält: Die jüdischen Arbeiter in Palästina wenden sich an Sie persönlich in einer Stunde, da die Beziehungen ihrer Bewegung zur Mandatsregierung auf eine schwere Probe gestellt werden. Die ganze jüdische Bevölkerung des Landes ist bestürzt durch den Beschluß, die Arbeite r°einwanderung(zu unterbrechen, und durch die darauf folgende offizielle Mitteilung. Die Gründe, die laut der offiziellen Erklärung vom 20. Mai zur Unterbrechung der Arbeitereinwanderung bis nach Abschluß der Untersuchung Simpsons führten, werden durch die Tatsachen widerlegt, aber auch der ganze Ton und die Richtung dieses Dok uments verletzen den Sinn und den Wortlaut des Mandats. Sie, der Sie unsere Arbeit im Emek Israel gesehen haben, sind jetzt verantwortlich für eine Erklärung, die offiziell die Verleumdung des jüdischen Arbeiters durch seine Feinde, bestätigt,, daß unsere Einwanderung und unser Aufbauwerk eine Gefähr für das Land und seine Bewohner bedeuten. Mögen Kenner der Geschichte und der Kolonisation kommen und ein zweites Beispiel für eine Besiedlung ausfindig machen, die sich in solchem Maße freihält vöj| Ausnutzung der Landesbev;ölkerung, tläie sich so sehr darum bemüht, den Einwohnern keinen Schaden zuzufügen, xind die dabei in der gleichen Zeit und dem gleidien Umfange so hohe menschliche, soziale und wirtschaftliche Werte aufweist wie unser Werk. Wir können uns damit nicht abfinden, daß die britische Arbeiten-egier ung gegenüber dem Werke der Befreiung des jüdischen Volkes eine Taktik befolgt, die an die Beschränkungen der jüdischen Rechte durch reaktionäre Regierungen in den Ländern der Judenverfolgungen erinnert, indem sie sich rühmt, das Land von der „j ü d i s che n" Gefahr zu retten., Die Unterbrechung oder Beschränkung der Einwanderung aus nichtwirtschaftlidien Gründen, begleitet von einer offiziellen Erklärung, daß die Einwanderung und Siedlung der Juden das Land gefährden, bedeutet: Erstens eine Verletzung des jüdischen Grundrechtes, nach Palästina zurückzukehren und sich, hier anzusiedeln, und Untergrabung der Existenzbasis eines jeden von uns hier, die ihm kraft seiner Rechte zusteht; zweitens eine Prämie auf Gewalttätigkeit gegen Juden im Gegensatz zu Ihrer eigenen,Erklär ung in Genf; drittens eine Verstärkung der Herrschaft, der Unruhestifter des August über die Volksmassen; viertens eine Hemmung in der Normalisierung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern; fünftens eine Hinausschiebung des Zeitpunktes, in dem die jüdisdie Bevölkerung eine Position der Sicherheit erreicht; sechstens eine Präjudizierung der Untsersuchung Simpsons. Am 3. April hörte die ganze Welt eine Deklaration, in der Sie Ihre Treue zu den Verpflichtungen gegenüber dem jüdischenVolke und gegenüber den nichtjüdischen Bewohnern Palästinas bekannten. Die Schritte, die das Kolonialamt seitdem tat, bedeuten eine Leugnung der Rechte des jüdischen Volkes auf seine Heimat und eine Hemmung des sozialen Fortschrittes im Lande durch Unterwerfung unter die Vertreter der Reaktion des Grundbesitzertunis und der Korruption, die das in Armut und Unwissenheit versunkene Land beherrschen. Zum offiziellen Berater des akkreditierten Vertreters Britanniens vor der Mandatskommission in Genf ernannte die Regierung den Beamten, den die ganze jüdische Bevölkerung für die Unruhen verantwortlich macht. Die ganze Entwicklung beweist, daß sich die Regierung nicht die Auffassung Snells zur Richtschnur nimmt, sondern jener Männer, die die Leiden unseres Volkes und die internationalen Verpflichtungen Britanniens ignorierten, dem jüdischen Arbeiter und seiner Organisation unverhüllte Feindschaft zeigten, der, Organisation, die die einzige wirklidie Bürgschaft für arabisch-jüdische Solidarität ist. Pension .Austrla' Vöslau (OLGA KADI8CH) Jfig«rm«yerstraBe 18 Telephon Nr. 141 Für Dauer" und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht Im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. Eratklasslge Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäßige Preise Werden energische Sdiritte getan werden, um uns und der Welt zu beweisen, daß das Mandat kein Instrument ist, um die Sympathie der jüdischen Welt während der einen Bedrängnis zu erwerben, es aber in einer anderen Bedrängnis preiszugeben? Wir, die wir gelernt haben, die sittliche Kraft Ihrer Persönlichkeit hochzuschätzen, appellieren an Ihr Gewissen und Ihr Pflichtgefühl gegenüber Ihrem und unserem Volke und erwarten, daß Sie die Verpflichtungen des Mandates unentwegt erfüllen oder, wenn die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volke als zwecklos angesehen wird, sich von ihnen lossagen. K O NJK_ U R S In der israelitischen Kultusgemeinde Graz gelangt die Stelle eines Schächters der auch die Befähigung eines Vorbeters und Koreh besitzt und womöglich auch Mohel ist zur Besetzung. Bewerber wollen ihre mit Zeugnissen von streng orthodoxen Rabbinern belegte Gesuche unter Angabe ihres Lebenslaufes, ihres Alters und ihres Familienstandes richten an die Israelitische Kultusgemeinde, Grat Wie unter türkischer Herrschaft die Heuschreckenplage „bekämpft" wurde. Eine Tragikomödie. Die Heuschreckenplage in Palästina bedeutete für das Land von jeher eine Katastrophe. Während man jedodi heute bereits alle wissen s c h a f t liehen Und praktischen Möglichkeiten im Kampfe gegen die Heuschredcenplage ausnützt, hat sich unter der türkischen Herrschaft die Angelegenheit viel gemütlidier abgespielt und endete, wie zu dieser Zeit fast alles, in einem guten Backs ch is ch.gesdiäft für die türkische Bureaukratie. Drohte Heusdijreckengefahr, so wurde die gesamte Bevölkerung zum Kampf mobilisiert. Jede Person, jung und alt, Mann und Frau waren verpflichtet, an der Bekämpfung der Heuschreckenplage persönlich teilzunehmen. Es wurden zu diesem Zwecke Blechgefäße ausgegeben, und jeder hatte die Pflidit, durdi Ablieferung einer entsprechenden Anzahl Heuschreckeneier den Nachweis der Erfüllung seiner Dienstpflicht zu erbringen. Die erste Folge davon war, daß arabische Jungen möglichst viel Eier einsammelten und sie an Personen, welche nicht selbst an der Einsammlung und Vernichtung der Eier mittun wollten, für ein paar Metalliks verkauften. Und nun begann das Geschäft der Beamten. Jeder, der seinen Anteil bei der Polizei ablieferte, erhielt eine Bestätigung über seine erfüllte Pflicht. Der Polizeimann nahm die abgelieferten Blechgefäße entgegen, stellte das Zeugnis aus, ließ aber durch eine Hintertür die Blechgefäße mit den Eiern durch einen seiner Kompagnons wieder in Verkehr bringen. Das kostete natürlich mehr, aber die ehrsamen Bürger zahlten gerne für sich und ihre Familienangehörigen den Backsohisch, um nur nicht in der sengenden Sonnenglut persönlich die Heuschreckeneier einsammeln zu müssen. So ließen die Türken den lieben Gott gegen die Heuschrecken kämpfen, die sidi dabei sehr wohl fühlten und ungestört ihre Vernichtungsarbeat verrichten. Bald sahen die jüdischen Kolonisten, daß sie unter solchen Umständen in ihrem harten Kampf gegen den schrecklichsten Feind ihrer Arbeit nicht würden aufkommen können, obgleich an der Spitze ihrer wirklichen Abwehrarbeiter der bekannte Agronom Aron Aronson in Sichron Jakob, der Entdecker des Verband demokratischer Zionisten. An die jüdischen Wählerl Die Wählerlisten für den National- und Gemeinderat liegen bis 30. Juni zur Einsicht in den Bezirksämtern und Polizeikommissariaten auf. Jeder jüdische Wähler und jede Wählerin hat die Pflicht, sich darum zu kümmern, ob ihre Namen in der Liste enthalten sind. Reklamieret euer Wahlrecht! Keine jüdische Stimme darf durch Lässigkeit verloren gehen. Letzter Termin 30. Juni.