Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 142 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite J&. DIE NEUE WELT Nr. 142 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, I. Bet., SeHeMietiengäme 2* Telephon U»28-1'28 ■X/.f Zentralfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon V-18-0-8S Kinderwagen vemtlnfatiiittn Iis lumfolntt.n Q.n» eruuitKtibwirtnlndustrl. M. ENdCiBBRO, XX.» Wallansfelnplats 3 ^Eingang?*H«äJ*M5«.>).. Fnjatle» XX.. KlosteroeuburgerstraGe 91 I IßbcnswrslclicranSJi Gesellschaft PHÖNIX Telephon A-4L406 und A-47-4-97 Kataloge gratis »iiiHiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiMiifriniiifniiiiiiiiiiiiiu I Gigründet 1882 § " s i I ,1 IIUIIIA S | Zentradirektion: WfCN I., Rlemergaiso Nr. 2 § S VetsüBWtuigttestmnd 2 Milliarden Sattling 5 VolIciRiezabttes Jlktfenippital . 4.Q0Q.QO0.— Sdritüng s Prämien- und ZinssniiniHiinin in Jihrs 1921 9/ Million« Schilling £ a üannfimittel Ende 1928 242 Millionen Schilling s tosiafclongtn an di« Varstthaiten im Jibie 19ZS 2SS MfHienen SdiilHng s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsch« Reich, Frankreich, 5 E Belgien, Holland, Italien, Spanien» Tschechoslowakische £ Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Qrleehen- 5 s land, Türkei, Aegypten und Palistina. a nuuuuiiuiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiifl Kofferapparate Luxus-Apparate mitu. ohne Trichter, Schall* platten v.S X-, die neuesten Schlager In größter Auswahl, erhalten Sie für S 2.80 Woosenraten, sowie Mandoflnen, Gitarren, Harmonikas, Lauten, Violinen, Zithern, Blasinstrumente, Musikhaus SCHLESINGER SasStSK afifiiiiiiiiiiitifiiiiiimiiiiiinntiiirmfinifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifttititiiiiiitiiiiiiiiiijiiiifiiiHiiiii Neue Sprachschule vom Wiener Stadtschulrat konzessioniert, für die englische und französisehe Sprache für weibliche Personen Im ..Dr. Kriljrer-Helm" Wien. 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Ein Vergnügen wars, die Truppe fröhlicher Emigranten zu sehen, die sieh herausputzte, jeder nach seinem Qeschmack und nach seiner Stellung, bereit machte, das goldene Land des Columbus zu begrüßen, wie es Sich geziemt, hochgestimmt, feiertäglich. Die Brüder Schwalb' hätten ihre schönsten Fciertagskleidcr angelegt, nachdem sie sich'vorher gründlich „heruhtergeshaved1', keine Spur voii Bartwuchs auf dem Gesicht zurückgelassen hatten, was'Bart!, was Schnurrbart!, glatt und rein wie ein Teller. Und doch hätten beide Brüder verschiedene Gc* sichter. Der eine, Nissl,. sah aus wie ein deutscher Metzger am heiligen Sonntag, und der andere, Isaak, ähnelte mehr einem russischen Corpora!, der seinen Dienst aufgegeben und sich das1 Versprechen.'gegeben hat, nie mehr Schnaps, sondern nur Bier zu trinken. ' ' '«•KMchtsdcstowehigör. stellte Mr. Klamer sie beide in den Schatteri. Wie der seinen HerzWBart auf Glanz zureeht kämmte, wirklich der'^anze Skobeljew! Das schneeweiße Bernd mit dem weißen Schlips und einem stark ausgc* schpittenen Smoking hätten den Eindruck eines wirklichen Gentleman verstärkt,. wenn ,cr. nicht so verteufelt dem Oberkellner eines'erstrangigen Hotels geglichen hätte.. Als er'an'dem spicgelrcichen „rening^room" vorüberging, warf er einen Blick' in den Spiegel,, .blieb eine Weile stehen, anscheinend sehr zufrjeden. Er war überzeugt, daß er auf dem ganzen Schiff wenn nicht .der schönste Mann sei und umgekehrt — wollen wir; sehen,'was New York sagen wird. Vielleicht gibt es in Amerika, einen schönern als er. viel; leicht auch nicht... Mr. Kl an» er konnte sieh; nicht zurück* halten, zu sich selbst mitisthr (bescheidenem Lächeln die Bemerkung zu machen: - Mister Klamer, "Siesind allright! .Ganz anders stand es um den vierten Gesellschafter dieser Kompanie. Wir sprechen vom Lomscher Chasen. Der Loniseher Ghasen, 'ob wohl 'er' schon lang von -Peilen weg ist, und .obwohl bei ihm keine Spur von Pejes zu sehen, wenn ihr mir versprecht, daß es zwischen uns bleibt; werde ich euch das .Geheimnis-verraten, daß' wahrscheinlich selbst dort, Wo'bei ihm der Bart anfängt... aber warum sollen ( wir übliche Nachrede tun,, kurz, er hat seinen alten chasen» i mäßigen; saph'athlichen Kaftan mit dem seidenen' Güjrtcl hervorgeholt. Die \Veste hat er bis hinauf zugeknöpft und ein Gesicht aufgezogen,, ein derart frommes, daß beide Schwalb mitsamt dem Mr. Klamer sich nicht, zurückhalten konnten, zu dritt hervorzustoßen: ,,Was"ist' das?" „Amerika", antwortete ihnen mit dem einen Wort der Loniseher Chasen . Und setzte ihnen den $jnn aus» einander;'iiAmerika. ' vei^tcht ihr. mich, ist. nicht Europa. Und r New York ist nicht London. Amerika ist ein Land des Entweder-Oder. Bist tdu ein Schauspieler, dann bist du ein Schauspieler. Bist du ein Chasen, dann bist du ein Chasen. Habt ihr das verdaut?" Ob sie das verdauten oder nicht, weiß man nipht. Aber der Lomscher Chanen "ging einen praktischen Weg. Bis seine Kinder pinmal in Amerika Geld zu verdienen beginnen? werdeip/ bis dip Schauspielergesellschaft im gol* denen Reich Gold zusammenzuscharren beginnen wird, wird, er vorläufig dann und'wann auf einen Sprung den Vorbeter machen (es geht zu den Hohen Feiertagen) hei seinen eigenen'Landsleuten, den Lomscher Juden, die ihn mit seiner musikalischen Kinderschar hierhergerufen haben. Gott seis gedankt, er fühlt noch genug Kraft in sich, er hat auf der Seereise nichts an seinem Singapparat ver* ■WfP^MMfMMMawnatantar dorben, im Gegenteil, die Reise auf dem Schiff, fühlt er, hat ihm just verkehrt, ein bißchen den Kehlkopf ge» säubert und es juckt ihn schon im Hals und cs.gurg'elt sich ihm und es singt sich ihm den ganzen Frühmorgen, seitdem man das Land von der Ferne vor Augen bekommen hat. Mit einem Wort, der Lomscher Chasen entdeckte in sich wieder den Chasen, kleidete sich wie ein' Chasen und legte das Chasen^Gesicht an, wie es sich für einen Chasen an den Hoheit Feiertagen geziemt. Auch die Chasenfiau hatte sich feiertäglich angetan. Oben über der gelben Perücke ein seidenes Kopftuch, die beiden Enden zusammengeknotet, aber beide Ohren frei, daß man sehe erstens; die vergoldeten Silberohrgehänge, die von ihr seit der-Hochzeit herunterbaumeln und zweitens: warum soll ilu; eigenes blondes Haar nicht ein bißchen hervorgucken, zumal sie doch nicht weiß, was für Land Amerika ist, wer, weiß, was dort mehr gefällt, ob Züchtigkeit oder ZügeÜosigkeit. Vielleicht braucht man dort beides. Wer kennt sich aus in dem Amerika? Dafür waren , deren Kinder, die musikalische Schar, ganz europäisch gekleidet. Alle, vom größten bis zum kleinsten, waren wie Kinder angezogen: Kurze Hosen, Wadeii frei, kurze Blusenröeke und kleine Hütchen auf dem Tangen Haar. Kurze Hosen und langes Haar trugen alle berühmten Wunderkinder, Hubermann und Fiedel* mann und Grischa Stellmach, solange als es nur möglich war, Bart und Schnurrbart zu verbergen, die bekanntlich zu einer bestimmten Zeit zu sprießen und zu wachsen beginnen mit Teufelsstärke, du magst sie schneiden, rasie* ren, behandeln wie du willst. Wenn keiner, die musikalische Kinderschar %yar mit dieser Reise mehr als alle-zufrieden. Sie erwartete in diesem goldenen Reich das, was niemand sonst. Als man ihnen die Nachricht brachte, daß Land in Sicht, gingen sie auf Deck, faßten sie sich bei den Händen und, als wäre es vorher verabredet, ließen sie ein amerikanisches L'iedchcn zum Takt der'Wellen.Jos, dic'sehön mit geringerem Zorn,' aber mit mehr Rhythmus anschlugen. „Asme>ri»ka, Ajmc^rfcka!" 23. Iva p i t e 1. Ruhig ist das Meer. . . : . "i*-< ••- ■ . Ruhig .war das Meer an den Ufern Amerikas, als das Schiff sich New York näherte. Nicht 'still, spndern ruhig. Das wildgewordene ".Meer, wenn es sich; beruhigt, atmet auf wie ein mütfegewordenes Ungcti'un.'Groß jst das Meer, wenn es zu stürmen^ beginnt und mit allen seinen Wellen schlägt. Schön ist das Meer, wenn es sich "beruhigt. Majestätisch schön, natürlich schön. Eine Unzahl Farben, allerlei Farben, die die sanfte Natur nur besitzt, spiegelten sich in ihm wider, das Auge der beschäftigten Passagiere erfreuend, sie für ihre Aengstc belohnend, die es ihnen in den schweren Tagen der schweren Reise antat. Voll wurden aller Herzen von Dankbarkeit für die göttliche Natur und von Begeisterung für das Ewigmächtige, das eine so große, so schöne, so liebe Welt erschaffen hat. Sie. verziehen dem Meer, ver« ziehen mit ganzem Herzen, und ergossen sich alle wieder einmal über das Deck des Schiffes, begannen wieder eins mal Gottes Werk zu betrachten und zu bewundern, waren wiedereinmal munter und zufrieden, als wäre nichts geschehen. . Wenn aber alle Personen auf,, dem Schiff wegen des Nähcrkpmmens an die Ufer New Yorks zufrieden waren, BII BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF .DIE NEUE WELT1 ZU berufen: (ginlöfttttg Don ©olb, Silber, tylatin bei ©. Gajeift, 28ien, I. ftraiis ftofef'äai 4», Zentrale: VI., (öumjjenbürferfiritfee 85 NÄHMASCHINEN S 2 O.¬ SPORT 1930 monatlich ohne Angabe! lX.LiechtensteinstraBeHr.27 Tel. A 16-5-64 und A 16-3-65 IV. Wiedner Hauptstrafie lfr.8 Tal. A 30-0-36 UND TOURISTENARTIKEL Die bestbewährte unschädliche färbt echt. Ueberau natur- ^nfmESmW^^ß^P^HNFtFWn erhältlich getreu u.Bml ff1 jaa T TI <eiaBj nm IV. Hfl dauerhaltVKw!uiw!t'I*lWfk 2 A m] ML f * vJH von bloiid|iyI|i|3ftaLJfcfe3eM S2.—und b.schwarz ——■ g 3 5g Wi SEEGER, Wien XV, Wurzbachgasse 19 so müssen wir sagen, daß das junge Paar, das auf Deck Arm in Arm stand, eines dicht am andern, ein glückliches Paar war, wenn nicht das glücklichste auf dem Schiff. Jedenfalls schien es so. Und schön war das Paar, schön und jung und frisch und gesund und glücklich. Viele Augen blickten auf sie und beneideten sie. Ein glückliches, glück* liches Paar! Wer war das junge Paar? Versteht sich, keine, andern als die Primadonna Schwalb mit ihrem geliebten Leo Ra« falesco. Ob. Rafalesco glücklich war, wissen wir nicht. Aber daß Henrietta im Siebenten Himmel war, das ist gewiß. Glückliche, glückliche Henrietta — sie hat es erlebt. Solange auf der Jagd gewesen, diesem schönen Jüngling nachgejagt vom ersten Tag an, da sie ihn in Lemberg erblickte, bis in die letzte Zeit hinein, in London. Erst hier auf dem Schiff gelang es ihr, ihn zu packen — er ist der ihre!... "\Ws das für Sieg ist, weiß nur sie allein, sonst niemand. In ihren Augen strahlte dieser Sieg wider, ihr Gesicht leuchtete vor Glück, vor höchstem, größtem Glück. Ihr ganzer Leib schrie: Seht ihr den schönen Jünglingmit den guten, sanften Augen,' mit den blonden, schönen Locken — (werft nur kein böses Aug auf ihn!) er ist mein, mein,, mein! Bu<:f4 Und sie stützte sföhvnoefiv fester auf seinen Arm und drückte sich noch fiäfier/'än'ihn und blickte ihm von unten herauf tief, tief hv ^ie^ügeij, wollte sich das Feuer, das darinnen brennt, er^xen.V-Wollte wissen, an wen er jetzt denke. An wen? Ohabb.ali.An sie selbstverständlich'. Na, bemüht euch nur, da von'eui'ein Eck zum. andern auf dem Schiff zu spazieren, /durch, alle Klassen, «'■und findet noch ein so schönes Mädchen» wie Henrietta Schwalb, mit einem, so weißen Gesicht;, mit, solchen Kirschenlippen, :mit so sprühenden Augen, die' irgendwie kurzsichtig blicken, mit solchen Pcrlenzähncn. jVor denen, wenn sie lacht, die 'Männer den Kopf verlieren] Nei»?finflct nur hier auf dem Schiff noch eine, auf der das'Kleid so elegant sitzt, deren Haar so^ wundervoll frisiert ist; auf; der das Hütchen dem Haar so angepaßt wäre, deren; Ij^ägen den Hals, deren Handschuh das Gelenk so re||eh<i 'ufnsöttnnen würde, und wer noch hat solchen Schmu^k^ ihrej Steine? Ach, es mag sein, did^^'ötft 'dem Schiff Damen fahren, die vielleicht .kostbar^^öiiie;Wtfbn, zum Beispiel trägt jene hohe dürre Engländerin < mit' *den goldenen Zähnen Schmuck auf sich — Henrietta konnte sich wün* sehen, wenigstens die Hälfte davon-zu ^besitzen: arn Hals Perlen, in. den Ohren Smaragdej 'jjeftt; Medaillon aus Smaragden] an 'allen Fingern Brillanten,: §a,phire, Rubine und Smaragde, Smaragde, Smaragde — ab«rf?was für ein Gesicht hat die Darnc selbst? Fragt 'nur'raehti Wie sieht das .auf ihr "aus? Was.für Reiz liat'\ das?,mWenn sie, Henrietta, ' zum Beispiel; diese Smaragd^ vftnjßgte, oh! Sie wird aber auch zu Smaragden kömmen^sie^Wird':sie schon haben. Sollen, sie'nur nach dem Amerika1 kommen, sollen sie sich nur'umschauen, wo sie sind aüi, dervVVelt, soll sich nur Rafalesco. auf, der Szene zeigen, sqÜ eV »W einige anständige Gastrollen rasch abspielen,' soll idjas ,^vblikum nur sehe», was für Schatz das' is$ —' es1» wf$'(T;dann schon Brillanten und Saphire geben und Rubine u^^Da^agdet „Gefallen dir diese Smaragde da?**\n , i, . ' Henrietta drückte sich näher an ihn und'ließ von der Engländerin ihre irgendwie kurzsichtigen Augen nicht herunter. j . „Was für Smaragde?" fragte Rafalejflifc , - „Blindes Hühnchen, chacha, du siehjfe* vfcj&V Nein, er sieht nicht, keine En^ndfrin, keine Smaragde, er blickt nicht einmal hin, w"q jje/- UJnr zeigt. Ein zerstreuter Engel das ist, chacha! ** ( - Henrietta lachte, nicht weil es was zu Mben gibt, nur um wiedereinmal ihre Perlenzähne zu aeigea*und sie blickte Rafalesco mit ihrem neuen Blick\tor d«ö, sie vor kurzem vor dein Spiegel einstudiert hatte^ - > -r> 1 (Fortsetzung folgt.) Elgeatümtr, Yerleger, Herausgeber uik! verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, » Druckerei und Yeriags/^A Igqaz Steiumaan,; beide Wiött, IX« üttlversiutsstrajje 6-«,...... i!.in i