Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 141 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen >'n. V.b.b BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig :Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.- : .. — « „ „ „ __«-n,/,i/rn Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa "1.20; Hallen monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.-; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. •vumuill VII uiuuaillUl UU IV/.-— VICIlClJiMUIg L.C1 . I IUI\nU UUL<UL1\« IWS MJ 1* I\ 1 U I IM V> IN 1\ l lOUl-S »iwn-ijanug whiinvu.«.. - «T« Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag - »-«--•.- Jahrgang 4 Freitag, den 30. Mai 1930 Nr. 141 MacDonalds gefährliches Abenteuer. Die politischen Hintergründe. Letzte Nachricht. Vor Blaltschluß erhalt die „Neue Welt" folgendes Telegramm ihres Berichterstatters: Lond o n, 28. Mai. Die Abendblätter veröffentlichen die von der Regierung beim Yölkerbunde eingereichte Erklärung über ihre Palästinapolitik. Die Regie run g n i m in t den Ber i c h t d e r Shaw—Kommission als Grundlage ihrer weiteren Politik voll a n. Sie wird ihre ganze Macht einsetzen, um die im Berichte angeführten unbefriedigenden Umstände abzustellen. Sie erklärt, in voller Anlehnung an den Shaw-Bericht, dal? die zionistischen Klagen } gegen die britische Palästinaregierung, gegen \ den Großmufti von Jerusalem und gegen die \ arabische Exekutive keine besonderen Maß- ' namen erfordern, also abzulehnen sind. Ebenso „kleinere" arabische Klagen. Hingegen soll den im Shaw-Bericht ausgesprochenen Befürchtungen,, s.. daß durch die zionistische Arbeit die Lage der arabischen Bevölkerung gefährdet wird, Reeh- ■ nung getragen werden.; , Die ganze, Einwanderung, Siedlung und Bodenkauf betreffende Politik, wird nach Vorlage des Berichtes des Untersuchungskommissärs Sir Simpson einer Revision unterworfen werden. Bis dahin, erklärt der Regierungsbericht an den Völkerbund, sind Maßnahmen getroffen worden, um die Po s i t i o n der a r ab ischen Bevölkerung zu sichern. Zurzeit wird die Frage der vorübergehenden Ein ian d e r u n g ss p e r r e und die Einstellung des L a n d k a u f e s erwogen. - "." * In dieser Erklärung der britischen Regierung ist ihre antizionistische Einstellung unzweideutig zum Ausdrucke gebracht. Ebenso klar geht aus dem Berichte hervor, daß die MacDonald-Regierung bemüht ist, ihrer antizionistischen Palästinapolitik die Zustimmung | des Völkerbundes zu sichern. Das Attentat gegen die jüdische Palästina-Einwanderung, das MacDonalds Regierung durch die Hand ihres Kolonialministers P a s s f i eTd verüben ließ, macht die Epoche, die wir .Letzt durchleben, zur geschichtlich bedeutungsvollsten des Nachkripgszioiüsmus. Das Ringen um Palästina im buchstäblichen Sinne des Wortes ist in eine Phase getreten, wo Freund und Gegner ihre Kräfte, zusammenraffen, um eine Entscheidung auf Leben' oder Tod herhjßizilühren. Es sei vorweggenommen,*4äJöE:das jüdische Volk, dio jüdischen Massen der Weltlich, sehr häufig im Gegensatz zu ihren Führern, der 'Gefahr des Augenblicks bewußt sind und instinktsicher ihren Willen zur; Niederringung der Widerstände nach innen und außen manifestieren. Die Ereignisse überstürzen sich. Es ist zurzeit .schwer, ein klares Bild aus der. Fülle widersprechender und rasch überholter Nachrichten zu ge- Syinnen. Eines ist klar.. Das jüdische Volk hat das Bewußtsein, daß hier . * ■ ...gegen seine Lebensinteresseii ein Schlag geführt ) wurde, der aus rein politischen Motiven und aus; } keiner anderen Erwägung heraus weder der Wirt- ] schuft noch des Schutzes halber erfolgt ist. ' i. In der gesamten zionistischen und nichtzio'nistiscjien Presse wird einmütig festgestellt, daß das britisclie. Kabinett im; 'B a n ge,n : um:.. sejne verfahrene Position in La d i e n die Mohammedaner, dieses Aufrulu:- des jüdischen abziehen und deren allgemein als höchst herdes durch Einschränkung Rechts in Palästina Gbandi Sympathie gewinnen will, ein zweifelhaft angesehenes Experiment. Auel) die Resolutionen, die auf den jüdischen Protestmeetings der ganzen Welt von Polen bis. Südafrika gefaßt wurden, geben dieser Ueberzeugung Ausdruck. Schon die Art, wie die Exekuiive der Jewish Agency hinters Licht geführt wurde, indem ihr nach der aus glaubwürdigen Quellen stammenden Nachricht versichert ward, daß die Ernennung eines Kommissärs zur Untersuchung der Bodenfrage im Einvernehmen mit ihr erfolgen werde und daß.dieser Kommissär vor seiner Abreise nach Palästina sich, Jewish Agency zwecks Information zur Verfügung stellen werde, ist charakteristisch für die politischen Hintergründe. ■ Beides ist nicht geschehen. Ein Mister Simpson ist ernannt worden und ist abgereist. Die Jewish Agency hat ihn nicht gesehen und;? hat nicht mit ihm gesprochen.";! :; Und der1 Präsident der Zionistischen Exekutive und der Jewish Agency Prof. Chahn Weizmann Soll, wenn man dem Berichterstatter des Warschauer „Hajnt" Glauben schenkt, aus dieser öffentlichen Brüskierung und Mißachtung zum Zeichen seines Protestes die Konsequenzen haben ziehen wollen, nämlich — deinissionierein Im übrigen stellt auch die A g e n c y - E x e k utive in Palästina in einer Darstellung der Art, wie die bereits bewilligten 5300 Zertifikate suspendiert in einem Gespräch Namen der Jewish' w>urden, fest, daß Colonel Kisch mit dem High Coinuiissioner im Agency gegen die Suspendderung der von der Palästinn-Regierung als vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt* gerechtfertigten HEinwnnderungs-Schedule, die aus politischen Gründen erfolgt ist, Protest eingelegt habe. Für den politischen Charakter der Maßnahme spricht die geradeaus beleidigende Tatsache, daß der High Commissioner C h a n c e 11 o r über die Suspendierung der Schedule den Vizevorsitzenden der palästinensisch-arabischen Exekutive früher informiert hat als die Zionistische Exekutive. Brachte ja auch die ersten Nachrichten über die Einwanderungssperre nicht die jüdische, sondern die, arabische Presse. In diesem Sinne ist auch die von Chancellor abgegebene Erklärung zu werten, wonach der zweite Teil der Balfour-Deklaratioii, das ist jener, der von der Wahrung der arabischen Interessen spricht, durchgeführt werden müsse. Wie man sieht, liegt in all diesen Aktionen, in der Ernennung des Simpson, in der Einwanderungssperre, in der Erklärung Chancellors eine bestimmte politische Methodik vor, die noch außen auf bestimmte Kreise wirken soll. Man schachert mit dem jüdischen Nationalheim, um ein Geschäft für den Augenblick zu machen.. Aus dieser Situation ist auch die Verlegenheit des Unterstaatssekretärs Sir Drumond Ski eis zu erklären, der auf eine Interpellation im Unterhaus der Abgeordneten Hamilton und Marcus sich auf die im Weißbuch 1920 niedergelegte Politik beruft, von der Absorption des Landes und von der Bodenfrage spricht. Auf die Fangfrage Archibald Sinclair s": »Wenn nicht eine Wanderer die wirtschaftliehe Kapazität Palästinas solche war, daß das Land 3300 neue Einabsorbieren kann, warum hat dann Fortsetzung auf Seite 2, Spalte 1. Wozu die Freiheit gut ist. — Die Henker weinen. — Furcht vor der eigenen Kraft. — Lachen oder Weinen. Der Abzug der französischen B esatzungStruppen aus den Rheinlanden hat in Deutschland Jubel ausgelöst. Mit Recht. Der Weggang der fremden Truppen von deutschem Boden ist mehr als ein Symbol. In den Rheinlanden selbst gab es nach dem Abzüge der Franzosen auch eine große Bewegung. Aber eine ganz eigener Art. Kaum war der letzte französische Soldat verschwunden, da ging es gegen die: J uden'los. Eine antisemitische Agitation von unerhörter Heft i g k e i t setzte ein und dauert an. Die nach der Freigabe durch die Franzosen abgehaltenen Wahlen in die Stadtverwaltungen brachten den völkischantisemitischen Parteien einen Stimmenzuwachs von m e fyr als 500 Prozent! Die täglichen Hakenkreuz-Versammlungen sind zum Brechen voll, die Versammlungen der änderen Parteien, auch die des früher in den Rheinlanden so mächtigen Zentrums sind leer. Täglich erscheinen , neue Antisemitenblätter, mit denen die Beamten der Regierungsbehörden vor dem Publikum paradieren. Täglich Ueberfälle auf Passanten, welche Juden sind oder solche zu sein scheinen. Einerseits wurde nach der. Befreiung. eine großartige Pröpa-» ganda für den F r ein d e n v e r ke h r entfaltet, anderseits werden die Fremden, vor allem jüdische. Besucher, schikaniert. In den Gaststuben der Hotels gröhlen bis in die tiefe Nacht hinein antisemitische Hetzlieder.. Das Land erscheint von einem lange zurückgehaltenen Taumel erfaßt. Jetzt * darf man wieder über Juden herfallen! Die Freiheit ist doch eine edle Sache! mamm^mammmmmmmmmmmmf^mmmmmmmm.- <AWe; imredaktionellen Teil befindlichen ■'• entgeWIctoen- Nötteen sind duxcb eis beigÄtss fi tazeichgefc . Die „Liga gegen Imperialismus u n d koloniale Unterdrückung" hat an die palästinensische Presse ein Telegramm gesendet, worin sie gegen die barbarische Behandlung der politischen Gefangenen in Palästina protestiert, ihre sofortige Freilassung, sowie die Begnadigung sämtlicher zum Tode Verurteilten fordert! Alles im Namen der Freiheit und des Menschenrechtes. Wer sind diese edlen Gefühlshelden, deren Ruf so stark an die Herzen rührt? Bolschewiken! Die obgenannte „Liga" ist von Moskau gegründet und unterhalten. Die Aufgabe ihrer zahlreichen Filialen im Westen Europas ist es, Propaganda für Moskau zu betreiben, vor allem, alle Handlungen Moskaus inj schönsten Licht darzustellen. Trabanten und Herolde der Moskauer Henker. Diese Menschen-! sorte, welche kalten Blutes hunderttausende Men*« sehen, nicht Verbrecher, sondern Menschen, deren ganze Schuld darin bestand, anderer Meinung zu sein oder zu scheinen, erschossen oder abgeschlach* tet hat. Diese Menschen, deren Gefängnisse für politische Gegner grauenhafter als die zaristischen Verließe sind, heben ihre grausamen Krallen zum Himmel und'heischen Gnade, Verzeihung, Freiheit für Mordhetzer, im Namen der Barmherzigkeit! Die Henker weinen . . . Neben der grandiosen Groteske moskowiti* scher Heuchelei wirken die Mätzchen der'Magyaren nur possierlich. Die ungarischen Abgeordneten des rumänischen Parlamentes ' haben, gleichfalls im Nammen der Freiheit;und Menschliche k e i?t, gegen' die F o r t d a u e r de r J u d e nh e t z,e n i n - R u m ä n i e n > protestiert, feierlich nacl mit ganz, ernsten Gesichtern. £rote*tifi*tf Si0