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Die neue Welt · 1930-05-23 · Heft 140 (23.5.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 140 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seile 8 DIE NEUE WELT Nr. 140 UlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllIIIIIIIIIIIIU Prater-Hauptallee 3 In obigem Etablissement wurde ein ttrtng •HUriva S I Selchwarenhüfett j S beliefert von der bestrenommierten Firma S I PETYAN & CO.! 5 Wien, XX., Kloaterneuburgorstraße 60, eröffnet. 5 S Dasselbe untersteht der gewohnten strengsten Auf- 5 S sieht und ist für volle Einhaltung der pvW3 Vor- 3 S sorge getroffen. Um regen Zuspruch wird gebeten. 3?mitiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiii7 Wiener Kinderheim in Grado. In Grado, dem Eldorado für Kinder, wird unter der administrativen Leitung der Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstrafie 92, ein erstklassiges Kinderheim in herrlichster Lage eröffnet. Bei mäßigen Preisen wird beste Verköstigung und individuelle Pflege geboten. Saisonbeginn: 26. Mai. Gemeinsame Hin- und Rückreise unter Aufsicht bewährter Pflegerinnen. Aerztliche Leitung: Dr. Erna Spitzer, Wien, VI., Webgasse 25 (Telephon B-29-7-05). Prospekte gratis. 1 LAU R A N A abbÄzia Orthod. kosch. Pension WEISS neu eröffnet Erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte Diese Tätigkeit der Orden hat naturgemäß eine wirkliche Paralysier ung des arabischen Ein« flusses zur Folge gehabt. Es steht fest, daß, in Palästina nichts an arabischer Kultur ge* schaffen worden ist, obwohl dieses Land zwischen arabischen Kulturzentren wie Syrien und Aegypten ge* lögen ist. Natürlich wirkte sich diese Isolierung von der ara* bischjeh Kultur und die Entfremdung der europäischen Kultur in; jeder Hinsicht ungünstig auf die Wirt« schaft aus. , Die arabisch sprechenden Volksteile Palästinas, die niemals von ihren arabischen Nachbarn als Araber anerkannt waren, wären dem Unter* gang geweiht gewesen, wenn nicht drei Faktoren dem Lande, unerwartet zu Hilfe gekommen wären. Die rettenden Faktoren Palästinas und seiner arabi* sehen Bevölkerung. " Am Ende der Sechzigerjahre des vorigen Jahr* hunderts wurde in Europa die Orientfrage aktuell. Eine der wenigen Stellen, welche den europaischen Mächten einen Angelpunkt bieten konnten, war Palä* s t i n a; Die der katholischen Kirche und den christlichen Missionen'i iii' Palästina und Syrien gewährten Vorrechte boten* die Möglichkeit, den Kern für eine Beeinflussungs* zone: zu^bilden. Alle europäischen Staaten unterhielten oder unter« stützten mehrere christliche ^Missionen1 mit Schulen und Hospitälern. In Beyrüth wurden' sogar zwei europäische Universitäten; eingerichtet, eine französisch*jesuitischc und' eine ämer-ikäriisch*protestantische. Die letztere hatte weitgehende Begünstigungen geschaffen. In dieser amerikanischen Hochschule wurden Studenten aus Aegyp* ten, Syrien,': der Türkei und der Levante zu Juristen, Aerzten usw. " herangebildet. Die Absolventen dieser beiden Hochschulen waren gefügige Werkzeuge in der Hand der verschiedensten Mächte. Ein zweiter Faktor, der dem Lande zugute kam, war' die Tätigkeit der Templer. Diese christlich«deut* sehe Sekte bestand aus Idealisten, die im heiligen Lande das Christentum in neue Formen bringen und den Auf» bau des Christentums in Palästina mit einer praktischen Tätigkeit in der Landwirtschaft, in Gewerbe und Handel verbinden wollten. Der dritte Faktor war das Erwachen des Gefühls in einem idealen Volksteil der Judenheit, unter Ge* lehrten und Akademikern im heiligen Lande, sich nicht mehr mit Gebet und Lehre allein zu betätigen, sondern sich auch praktisch mit dem Lande durch Arbeit zu ver* mahlen. Große Vorteile für die Araber b e* wirkte die jüdische Kolonisationstätig« k e i t. Vor der Einflußnahme Europas auf Palästina vege» tierte dort eine landwirtschaftliche Bevölkerung, welche an syrische Großgrundbesitzer verschuldet war. Mit dem Eintritt der Juden in die Wirt*», schaft Palästinas hörte in Wirklichkeit und eigent* lieh die wirtschaftliche Hörigkeit der Land* bevölkerung gegenüber den syrischen Großgrundbesitzern auf. Der Bauer schickte seine Kinder in die Arbeit zu den jüdischen Siedlern, und mit dem erarbeiteten Gelde und dem Erlös des Verkaufs eines Teiles seines Bodens hat er den Rest seiner Ackerböden in relativ mustergültige Ordnung gebracht. So ist der arabische Bauer erst mit der Feriode der Ankunft der neuen Siedler bodenfest und bodenständig geworden. Die großen syrischen Herren, welche die Lati* fundien durch Bewucherung ihrer Glaubensgenossen er* worben haben, gelangten durch Verkauf der Latifundien an die neuen Siedler in den Besitz von beweg* liehen Mitteln, welche sie aber nicht zugunsten ihrer Glaubensgenossen verwenden. Was an arabischer oberflächlicher Kultur in Palä* stina verbreitet wurde, ist den fremden Missionen zu danken. Im Verlaufe der kurzen Periode, von 1860 bis 1929, in kaum 70 Jahren, haben die Einwohner des Landes durch die neue Einwanderung einen hohen Wohl* stand erreicht. Da allen Weltmächten die Tatsache der Sonder* Stellung der Einwohner des Landes zur arabischen Kultur bekannt ist, aus politischen Gründen aber ihre Angliede* rung, sei es an Aegypten oder an Syrien, nicht erwünscht war, suchten sie, jeder Staat in einer besonderen Form, immer unter der Maske der Wissenschaft, eine arabi* sehe Frage zu schaffen. Zu schaffen, weil sie nicht vorhanden ist und nicht vorhanden sein kann, da ja die neue Einwanderung die Eingeborenen vom Lande und vom Boden nicht verdrängte, im Gegenteil, sie bodenfest und eine Auswanderung dabei unnötig machte. Hundertjähriges Bestandsjubiläum der Tabakfabrik in Schwaz. Am 24. Mai 1. J. findet in Schwaz in Tirol anläßlich des hundertjährigen Bestandes der Tabakfabrik eine Festfeier statt. Der Herr Bundespräsident wird diese Veranstaltung durch sein Erscheinen auszeichnen. Die Generaldirektion der Oesterreichischen Tabakregie gibt bei diesem Anlasse eine Festschrift heraus. Diese Schrift wurde im Auftrage der Generaldirektion von dem bekannten Alpinisten Hof rat Dr. Friedrich Benesch unter gefälliger Mitwirkung des Landesverkehrsamtes für Tirol redigiert und in der Wagnerschen Universitäts-Druckerei in Innsbruck hergestellt. E * Die gediegen ausgestattete Festschrift, der ein schwungvolles Geleitwort des Landeshauptmannes Dr. Stumpf vorausgeschickt ist, gibt ein kulturhistorisch interessantes Bild von allen Fragen, die mit der Tabakpflanzung und industriellen Verwerfung zusammenhängen. Gleichzeitig wird die mustergültig organisierte Tabakfabrik Schwaz selbst in allen Details technischer und sozialer Natur vorgeführt. Das reiche Bildmaterial und die geschichtliche Uebersicht, in der auch die kunstgeschichtlichen Ereignisse nicht fehlen, werden von Laien und Fachleuten mit gleichem Interesse entgegengenommen werden. Chajes*Realgymnasium, II., Castellezgasse 35. Auf* nahmen in die I. bis•"VIII. Klasse täglich von 12 bis 1 Uhr in der Direktionskanzlei. Vom Wiener Palästinaamt. Das Palästinaamt bringt zur Kenntnis, daß es vom immigrations*Departement der Zionistischen Exekutive in Jerusalem nachstehendes Telegramm erhalten hat: „Die Bestätigung der 950 Zertifikate bleibt in Kraft, die neuen wurden im Zusammenhang mit der Unter« suchung des Sonderkommissärs zurückbe* halten. Alle anderen Kategorien bleiben unverändert." Die Sperre bezieht sich somit nur auf die neuen Zerti* fikate, während die anderen Einwanderungskategorien unberührt bleiben. (Touristen, Kapitalisten, von Ver* wandten Angeforderte, Personen mit gesichertem Ein* kommen usw.) AUS PALÄSTINA. Von der Stadt Tiberias. — Aufsteigende Ent-f wicklung. < Der „Haarez" veröffentlicht interessante Einzel* heiten über die Verhältnisse in der Stadtverwaltung von Tiberias. Tiberias gehört zu den Städten mit gemischter Bevölkerung und hat daher in der Stadt* Verwaltung Vertreter der jüdischen und arabischen Ein* wohner. D a 70 Prozent der Einwohner von Tiberias Juden sind, ist auch der Bürger« meister und die Mehrheit der Stadträte in Tiberias jüdisch im Gegensatz zu den Verhältnissen etwa in 3er Stadtverwaltung von Jerusalem, obwohl Jerusalem auch eine jüdische Mehrheit hat. In der Stadtverwaltung von Tiberias sind überwiegend jüdische Beamte be» •sehäftigt, ebenso in der lokalen Polizei jüdische Polizisten. Die kommunalen Verhältnisse haben sich in der Stadt in den letzten Jahren außerordentlich verbessert, wovon besonders die Wasserversorgung der Stadt be* troffen wurde. Das Trinkwasser für die Bevölkerung wird aus dorn Tiberiassee entnommen und wurde früher in Ge* fäßen durch Träger oder Tiere nach der Stadt gebracht. Die Benützung dieses Wassers war daher besonders im Sommer, wenn Krankheiten auftreten, mit großen Ge* fahren verbunden. In den letzten Jahren wurde eine' mo* derne Wasserinstallation, bei der das Wasser mit elektri* scher Kraft aus dem Tiberiassee nach oben gepumpt und in modernen Anlagen sorgfältig chemisch gereinigt wird, eingerichtet. Die Stadtverwaltung hat auch die Wasser* Versorgung des jüdischen Wohnviertels Kirjath Schmuel, die diese mit eigenen Mitteln errichtet hatte, übernommen und im letzten Jahre nochmals eine große Erweiterung des Röhrennetzes vorgenommen, die durch eine 6pro* zentige Anleihe der Anglo Palestine Bank in Höhe von 2700 Pfund ermöglicht wurde. Auch das Straßen* und Wegenetz wurde in den letzten Jahren ausgebaut. In dem Viertel Kirjath Schmuel wurde eine Verbindungsstraße zu dem neuen Peter* Schweizer*Hospital gebaut, um eine direkte Verbindung mit der Stadt zu ermöglichen. Ebenso wurde auch der öffentliche Garten, einer der schönsten Stadtgärten im ganzen Lande, ausgebaut und verschönert. Die Zahl der jüdischen Arbeiter bei den von der Stadtverwaltung ver« gebenen Arbeiten beträgt 70 Prozent der Gesamtzahl. (Ziko.) * Anmerkung der Red. Die Angabe, daß die Polizeimannschaft der Mehrheit nach jüdisch ist, stimmt leider nicht mehr. Wie gemeldet wurde, ist im Zuge der „Reorganisation" und „Verbesserung der Sicher* heitsverhältnisse" die zuverlässige jüdische Stadtpolizei durch eine Regierungspolizei ersetzt worden, die 18 Mann, darunter nur drei Juden, zählt. Versicherungen von Orangerien gegen Unwetterschäden und andere Naturereignisse. Auf Initiative von Mr. Smilansky aus Rech o w o t h wird die Gründung einer Versicherungsgesellschaft zur Versicherung von Orangerien gegen Naturereignisse, wie Heuschrecken, Hagel, Stürme etc. vorbereitet. Arabische Vorschläge für gemeinsame wirtschaftliche Arbeit. Die arabische Zeitung „Al-Chajat" veröffentlicht einen Artikel über die Lage der Orangenproduzenten und der Exporteure. Die arabischen Kaufleute und Orangenproduzenten hatten während der Orangensaison einen Schaden von 3 00.000 Pfund erlitten. Dieser Wirtschaftszweig, der dns Rückgrat der palästinensischen Wirtschaft bilde, sei gefährdet, wenn nicht die erforderlichen Schritte von Seiten der Interessenten sowie der Regierung getan werden, um Abhilfe zu schaffen. Vor allem sei eine gemeinsame Beratung von arabischen und jüdischen Orangenkaufleuten notwendig, die über folgende Punkte beschließen müßten: 1. Verbessreung der Tr an sp 0 r t ve r h ä 11 n i s s e. 2^. Entsendung von Vertretern zur Er schließ ung neuer Märkte. 3. Verhandlungen mit der Regierung zwecks Abschlusses eines Handelsvertrages mit der T ü r k e i über die Oeffnung ihrer Märkte für die Jaffa- Orange nach dem Beispiel der syrischen Regierung. (Nebenbei: Palästina kauft sehr viele Artikel von der Türkei.) 4. Verhandlungen über Verringerung , der Transportkosten nach den englischen Häfen. 5. Errichtung einer Fabrik zur Produktion von Saft und Marmelade aus Orangen (wenn das Privatkapital nicht dafür zu gewinnen sei, müßte die Regierung die erforderlichen Mittel bereitstellen, eventuell durch eine Steuer von 50 Mil pro Dunam bepflanzten Boden. 6. Eine Untersuchung, wie weit andere Pflanzungskulturen für den Anbau in Palästina in Frage kommen. Gegen eine Erhöhung der Mieten in Tel-Awiw. Die Versuche der Hausbesitzer in Tel*Awiw eine Erhöhung der Mieten anläßlich des bevor* stehenden Ablaufes des Mietsjahresdurchzuführen, sind auf den einmütigen Widerstand der Mieter gestoßen. In öffentlichen Mieterversammlungen in Tel*Awiw wurde das Vorgehen der Hausbesitzer mit scharfen Worten ver» urteilt und Resolutionen gefaßt, in denen eine organisierte Abwehr der Mieter und Schutz der Behörden vor den Steigerungen, die ähnliche Gefahren wie die Speku* lation des Jahres 1925 heraufbeschwören könnten, ge* fordert werden. Mißerfolg einer arabischen Bank* Die Gründung der „Egyptian Palestine Bank", einer Tochtergesellschaft der „Bank Misr" in Aegypten, ist nach Berichten in der arabischen Presse jetzt definitiv gescheitert. Bemerkenswert ist, daß . die Errichtung von Filialen der „Bank' Misr" in Syrien gelungen ist. Dort wird gegenwärtig bereits eine dritte Niederlassung dieser Bank in Damaskus gegründet, nachdem in Beirut und Trablus bereits Niederlas» sungen bestehen. (Ziko.) Die Arbeit der Gerichte. — Zwei angesehene Hebron-Araber zum Tode verurteilt. — Das Gericht rügt falsche Aussagen von Regierungsbeamten. Jerusalem, 18. Mai. (J. T. A.) Das Gericht in Jerusalem hat das Urteil in dem Mordprozeß gegen vier Araber aus Hebron, die beschuldigt werden, an der Ermordung von 24 Juden im Hause Slonims zu Hebron beteiligt gewesen zu sein, gesprochen. Isa A1 a r a f i, ein reicher Kaufmann und Mitglied des Munizipalrates von Hebron, und der Chauffeur Kbalif Ka11is wurden zum Tode verurteilt. Abdul Muni erhielt wegen Plünderung sieben Jahre Gefängnis. Der vierte Angeklagte, Mohammed Jumjum, wurde von

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