Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-05-23 · Heft 140 (23.5.1930) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 140 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711758--1840-2715085
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 DIE NEUE WEL'i Nr. 140 wibn VII., KAISERSTRASSE 123 IX., ALS ER ST RASSE 6 FERNSPRECHER 0-38-0-43 " anti zionistisch, zielt gegen die Errichtung des jüdischen Nationalheims. * Das Entstehen solcher, dem Zionismus so gefährlicher Stimmungen, aus denen arilizionistische Handlungen notwendig resultieren müssen, ist dem Zusammenwirken zweier Faktoren'zu danken: Der Schwäche und Programmio si g k e i t et c r Mandats macht, der englischen Arbeiterregie r u D g, und der Schwäche und Programm lösigkeiit der Leitung der Zionistischen Weltorganisation. Beide haben sich als unfähig erwiesen, ein großes Werk planmäßig zu leiten, beide betreiben eine Politik von Stunde zu Stunde. * Die englische Arbeiterregierung hat es nicht zustande gebracht, den Geist der ihr unterstellten Bureaukratie, insbesondere der Bureaukratie des auswärtigen Dienstes und des Kolonialdienstes, entscheidend zu beeinflussen. Sie ist in dieser Hinsicht nicht Leiterin, sondern ohnmächtiges Werkzeug. Besonders kraß tritt dies in Palästina zutage. Dank der Schwäche der zionistischen Leitung hat sich dort eine engstirnige, reaktionäre, gegen den Geist der ihr anvertrauten Aufgabe eingestellte Beamtenschaft festgesetzt, eine Beamtenschaft, welche den freien Juden haßt, die nur mit versklavten „Eingeborenen" wirtschaften kann und wirtschaften will. Die englische Arbeiterpartei hat, entgegen den hundertfachen zionistischen Versicherungen ihrer hervorragendsten Führer und gegen ihr allgemeines Programm, in Palästina alles beim alten Schlechten belassen. Kein einziger Beamter wurde ausgewechselt. Nach den Augustunruhen hat sie, die Arbeiterregiefung, nichts getan, um blutiges Unrecht gutzumachen. Sie hat sich dem Diktat reaktionärer ~Bureäukraten,, äusbÖuteiiischiSrt Eföndis und morde-' rischer Hetzpfaffen gefügt, gegen ihre zionistischen Freunde, gegen die jüdischen Pioniere und Arbeiter. ' Jetzt ist es dieser .Bureaukratie gelungen, einer kurzsichtigen Regierung beizubringen, daß die schwierige Lage in Indien einen Verrat am Zionismus notwendig macht. Indien als Vorwand für den Vertragsbruch in Palästina! Nur tiefste Verzagtheit und Ratlosigkeit können darauf kommen, daß Indien um den Preis des jüdischen Palästina zu retten sei. So handelt kein der Situation gewachsener Politiker, so greift ein Ertrinkender nach dem Strohhalm. Der englischen Sache in Indien ist nicht gedient, aber das jüdische Volk, um dessen Gunst sich das englische mit Erfolg und nicht zu seinem Schaden beworben Jiat, wird weggestoßen. Seine Liebe wird so schwer beleidigt, daß ihre Umwandlung in Haß und Verachtung droht. So unklug und unritterlich hätte eine andere, dem Zionismus noch so unfreundliche Regierung kaum gehandelt. * Ebenso schlecht wie die englische Regierung ist in dieser schweren Zeit die zionistische Sache, die zionistische Weltorganisation geleitet. Ihre jetzige Leitung hat es zuwege gebracht, in einigen Jahren aus einer vorwärts strebenden, kämpferischen Freiheitsbewegung eine Angelegenheit des Geldsammelns und Schönredens und Schönfärbens zu machen. Immer und immer wieder hat Präsident Weizmann die Worte geredet: „Die politische Lage istbefriedigen dl — Unser Verhältnis zur Mandätarmacht ist das beste, intimste. — Keine englische Regierung wird das gegebene Wort brechen! — Es gibt keine politischen Sorgen. —Treibt keine Politik! — Sammelt Geld! — Dann ist alles in schönster Ordnung. — Dann ist das Werk gesichert!'" Wer gegen diese Auffassung Stellung nahm, wurde als unfruchtbarer Kritikaster, als Zerstörer und Mißgünstling, als Schädling verfolgt. Wer für politische Arbeit im Herzlsehen Sirine eintrat, wurde von der „sachlichen", das heißt nur für „Geld auf den Tisch" begeisterten Majorität verhöhnt und beschimpft. In keinen anderen Organisationen ist die Opposition so geringschätzig unfi; feindselig behandelt worden, Mit einer Geringschätzung und Feindseligkeit, deren nur eine ül^pjpwudiernde Parteibureaukratie, nie aWr eine f#fe Organisation freier Menschen fähig ist. In der Niederhaltüng der Opposition hat die zionistische Leitung Großartiges geleistet. Aber nur in dieser Kunst, die jetzt so schlechte Früchte zeitigt. Eine sichere netmzigprozentige Majorität in einer kraftlosen Organisation» welche es nun erlebt» daß eine irregeleitete englische Regierung zionistisches Recht hemmungslos mit Füßen tritt. Es liegt nicht irrt Machtbereiche des jüdischen Volkes, dem englischen eine andere Regierung 2u geben. Aber es liegt in der Macht des jüdischen Volkes, seine nationale Regierung umzugestalten, der zionistischen Weltorganisation eine kraftvolle» des höhen Zieles bewußte Führung zn geben. Eine Führung, Welche deti kämpferischen Mut, ohne Welchen der Zionismus aussichtslos ist, hebt, und nicht niederdrückt. Im jüdischen Volke ist ungeheure Kraft. Man muß sie wecken, wie Herzl es tat, man darf sie nicht lähmen, wie es in den letzten Jahren geschehen ist. Das jüdische Volk muß aufs neue aufgerufen werden. Das Mittel hiefür ist der Z i 0 n i 81 e n k o n g t e ß. Er muß einberufen werden und .dem Volke eine Führung geben, die begreift, daß Zionismus Kampf um jüdisches Recht bedeutet. Kampf und. nicht Resignation, nicht lässiges, behagliches Schwimmen mit dem Strom! . '< „"........... w •, ..... Protestbewegung in Polen. , Warschau, 18. Mai. Die polnischen Mitglieder, des zionistischen Aktionskomitees-und die Vertreter der Landesorganisationen in Warschau, Krakau und Lemberg haben in gemeinsamer Sitzung die Einberufung von Pro* festversammlungen im ganzen Lande beschlossen, In welcher gegen die Vergewaltigung der anerkannten Rechte der Juden Stellung genommen werden solL Im Lande herrscht größte Empörung. fii all, tote' bei Graz. BilUse Pauschalpreise. Chetarzt: Dp. S. Weiß nfci. im Die polnischen Zionisten verlangen die Einberufung des Zionistcn-Kongresses. Warschau, 18. Mai. Das Warschauer Zionistische Zentralkomitee, die leitende Körperschaft der Zionisti* r«chen Organisation Polens, hat an die Exekutive in Lon* don ein Schreiben gerichtet, in welchem sie gegen das bisherige System des Besch wichtig cns Stell u n g nimmt . und, die ..rascheste. E i n* beruf u.n g des Zionistenkongresses for< d e r t. Protest der österreichischen Zionisten. — Forderung auf Einheru fung^ des Ziomstenkbngresses. Eine' vom Zionistischen Landesverbände einberufene 'Massenversammlung faßte folgende. Resolution: Die am 21, Mai 1930 im Großen Konzerthaussaale in Wien abgehaltene Massenversammlung de r österreichischen Zionisten protestiert a u f s s c h ä r f s t e gegen die Sistierung der für mehrere tausend Arbeiter seitens der Palästina-Regierung bereits erteilten Einwänderungserluubhis. Sie erblickt darin eine Verletzung von Geist und Wortlaut des Großbritannien vom Völkerbund übertragenen Palästinamandates' ' durch die englische Regierung. Sie erblickt darin ferner eine Belohnung der Araber für die letzten U e b e rfälle und eine Ermunterung zu neuen Angriffen. Da die Erteilung von Einwanderungszertifikaten auf Grund wirtschaftlicher Erfordernisse und des Nachweises bestehenden Arbeiterraangels erfolgte, bedeutet die Sperre der bereits erteilten Zertifikate eine willkürliche Störung des j ü d ischen Auf b a u w e r kes. Die Versammlung erklärt, daß eine stetige Einwanderung die wichtigste ßrund lage für die im< Mandatsvertrag garantierte Errichtung des jüdischen Natipnalheimes ist, protestiert aufs Nachdrücklichste gegen ihre Einschränkung und verlangt die sofortige Ausfolgung der zurückgehaltenen Zertifikate. ALT WERDEN und JUNG BLEIBEN möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. / Hin hervorragendes Mittel dazu Ist FRANZBRANNTWEIN mit Mwtthol rfcsaagen (Einreibungen) mit Diana^Franzbrannt- |wein; erjüllen mit verjüngender Kraft, tjbiifntl | r> w«rjveM lur Wund- und HMrpfl«*«. Mnd cMfti s«hr WlHfl. pNMen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose! Nachahmungen energisch zurück. ÜBERALL ERHXLTLICHI Die Versammlung erklärt die N o t w e d i g k e i t der schleunigen Einberufung des Zionistenkongresses, damit die berufene Vertretung des jüdischen Volkes «vof aller Welt Stellung nehme gegen die Mißachtung des durch den Völkerbund dem jüdischen Volke garantierten Rechtes auf Schaffung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina. * Ueber den Verlauf der Versammlung wird in der nächsten Nummer berichtet Der Weltverbond Hechaluz protestiert bei der Labour Party gegen die Suspendierung der Chnluz-Einwanderung. Warschau, 18, Mai. (J. T. A.) Das Zentralkomitee des Weltverbandes Hechaluz sandte an die Leitung der englischen Labour Party das folgende Telegramm: „Im Namen von mehr als 30.000 Chaluzim, die im Weltverband Hechaluz organisiert sind und sich für die Einwanderung nach Palästina vorbereiten sowie im Namen von 4500 Chaluzim, die bereits alle Verbindungen mit der Diaspora abgebrochen haben, weil aus Palästina der Ruf' nach neuen Arbeiterhänden gekommen ist, protestieren wir gegen die unberechtigte Suspendierung der Zertifikate für das laufende Halbjahr April-September. Wir bitten die Labour Party, uns zu helfen, jeden Versuch, uns das elementarste Recht auf Arbeit in Palästina, das der einzige Ausweg für die jüdische Jugend ist, zu nehmen, auf das energischeste abzuwehren." Die polnischen Poale Zion an die Labour Party. Warschau, 18. Mai. (J. T.-A.) Eine aus Anlaß der Landeskonferenz der rediten Poale Zion stattgefundene Massenversammlung faßte eine sdiarfe Protestresolution gegen die Annullierung der gewährten Einwandererzertifikate und besdiloß, an die britisdie Labour Party zu appellieren, daß sie die in sie gesetzten Hoffnungen bezüglich der Hilfe für Verwirklichung des jüdischen Nationalheimes in Palästina erfüllen möge. Ein neuer Konflikt zwischen dem Vatikan und England. Jerusalem, 20. .Mai. Wie. bekannt wird, forderte England den Vatikan auf, den römischen Patriarchen Jerusalems, Lu.igi B a r la s i na, und seinen intimsten Mitarbeiter, den ililfsbisdiof Fölling er, abzuberufen. Die beiden kirchlichen Würdenträger hätten durch ihre Verbindung mit den AraberfUhrern den Frieden mit den Juden gestört. Uumittclbar nach den Unruhen liefen bereits Gerüdite um, daß der arabisdien Zentralstelle bedeutende Anleihen (!) gewährt worden seien. Follinger trat während der Unruhen als aktiver T eil n e h nie r 'd e r a r a bis eh e n P r 6 p a g a n d ä hervor. Man' spricht seit dieser Zeit davon, daß dCT Vatikan die Herausnahme Jerusalems und Bethlehems aus dem Mandatsgebiet und ihre Unterstellung unter die Souveränität des vatikanisdien Staates erstrebt. Der Konflikt in Palästina ist der zweite Fall eines Zwischenfalles des Vatikans mit dem britisdien Reich. Der erste erfolgte bekanntlich in Malta. .* Hiezu wird uns aus Rom berichtet: Der englische Geschäftsträger Sir R. W. Graham hat seinen Instruk* tionen aus London zufolge dem Vatikan die englischen Forderungen überreicht, mit der ausdrücklichen Be* merkung, daß die Tätigkeit Barlasinas, seine Kon« spirationen mit arabischen Führern, die eventuelle Schaf* fung eines Friedenszustands zwischen Juden und Arabern störe. Ferner, rheißt es in der. Note, trete Barlasina in seinen Berichten an den Vatikan dem englischen Stand* punkt bezüglich der Durchführung der Beschlüsse der Friedenskonferenz vqn Sevre in der Frage der heiligen Stätten Palästinas entgegen. England beschwert sich auch darüber ,daß der Pa* triarch F ö 11 i n g e r den Erzbischof von Canterbury, Dr. C. G. Lang, an der Landung in Jaffa gehindert habe. Wie in informierten Kreisen verlautet, soll der ehemalige englische Außenminister Austin Chamber* 1 a i n damals in Italien geweilt haben, mit dem Resultat, daß die Yacht des englischen Erzbischofs kehrtgemacht und Kurs gegen Venedig genommen habe. Man erwartet die Abberufung Barlasinas durch den Vatikan und seine Verwendung auf einem anderen, höheren Posten. Das Elend der Judenkolonisation in Rußland. Von einem Fachmann. — Ein Drittel der alten jüdischen Bauern ruiniert. — Beraubt und verjagt. — Sinnlose Ven geudung jüdischer Gelder. Während des Aufenthaltes des bekannten Forschers der russischen Agrarfrage Prof. B. Brutzkus in Paris, wo er an einer von dem Verband der rus» si sehen Kaufleute, Industriellen und Finanzleute einberufenen Wirtschaftskon» ferenz teilnahm, sprach sich dieser gegenüber Presse» Vertretern über die Frage des Einflusses der von Stalin eingeleiteten weu$n A g r a r p o 1 i t i k der Sowjets auf die j ü d,'j sc he Kolonisation in Sowjetrußland aus. : Nach 4e? Meinung von Prof. Brutzkus hat sich die Politik def Kollektivisierung verhängnisvoll auf die Lage der . ganzen russischen Landwirtschaft und folg« lieh auch der jüdischen Landwirtschaft in Sowjet* rußland ausgewirkt. Die Kollektivisierung führt das Land ein« n«uen Hungerkatastrophe entgegen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.