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Die neue Welt · 1930-05-02 · Heft 137 (2.5.1930) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 137 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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r Seite VS_ ___ Ich kenne Fälle, wo in manchen mittelwestlichen Staaten jüdische Hochschulabsolventinnen nicht die mindesten Aussichten heben, in einer amerikanischen Mittelschule einen Lehrerposten zu bekleiden. An den bedeutendsten Universitäten, wie z. B. Harvard oder Yeale, sind die christlichen Dormitoris (Studentenheime) von den jüdischen gänzlich isoliert, was die Entwicklung der Hillelfoundation« zur Folge hatte, wobei ein jüdischnatdonaler Geist unter der amerikanisch-jüdischen Studentenschaft immer mehr zutage tritt. Manche Clubs und Societis halten sich judenrein und viele Spitäler sogar im Herzen des jüdischen New York werden weder einen jüdischen Arzt noch jüdische Krankenschwester in deren Mitte dulden. Noch widerhallen in unserem Gedächtnis jene skandalösen Vorgänge im Kings County Hospital, einer Anstalt, die zumeist von jüdischen Steuerzahlern erhalten wird. In diesem freien demokratischen Lande gibt es viele Employment-Bureaus (Arbeitsvermittlung), wo man die Rubrik „Religion" nicht übersehen darf. Wie ich hier schließend andeuten will, hat weder die Regierungs-Administration noch die zwei großen politischen Parteien des Landes irgendwelche Bewandtnis mit dem instinktiven Antisemitismus des amerikanischen Volkes, das trotz seiner glorreichen Tradition der Freiheit dem schweigenden Judenhaß heimfällt. AUS PALÄSTINA. Eine neue jüdische Kolonie in Palästina. Jerusalem, 24. April. (J. T. A.) In Naaneh, etwa 3 Kilometer von der großen Kolonie Rechoboth entfernt, wurde auf einer Fläche von 1200 Dunam Boden eine neue jüdische Arbeiter-Ko 1 onie eingeweiht, die von amerikanischen Juden gestiftet wurde. Mit dem Häuserbau und den Anbauarbeiten wird sofort begonnen werden. Die Heuschreckenplage in Palästina läßt nach. Jerusalem, 26. April. (J. T. A.) Offiziell wird mitgeteilt, daß die Heu sehr eck enge fahr, von der Palästina seit einigen Wochen bedroht ist, sich entschieden verringert hat. In den letzten zwanzig Tagen sind keine größeren Schwärme mehr ins Land gekommen, auch sind weitere Invasionen von jenseits der Grenze kaum noch zu befürchten. 8000 Menschen sind gegenwärtig in Palästina mit der Heuschreckenbekämpfung beschäftigt. Die dn den letzten Tagen in das J e r i di o- Gebiet eingedrungenen Heuschreckenschwärme sind durch Gift zum größten Teil vertilgt worden, die völlige Vertilgung dieser Schwärme wird in wenigen Tagen durchgeführt sein. Tausende Juden am letzten Pessachtag an der Klagemauer. „ Jerusalem, 24. April. (J. IVA.) Am letzten Pessachtage war die Kl&gemauer von Tausenden von Juden besucht. Die Andacht verlief vollkommen ruhig. Die Moslemiten verzichteten auf die Veranstaltung der lärmenden Zikr-Zeremonie, die in den letzten Monaten die jüdischen Gottesdienste an der Mauer gestört hat: Das neu errichtete, von der Klagemauerpassage zur Omar-Moschee führende Tor, gegen dessen Errichtung die Juden bekanntlich als gegen eine Verletzung des Status quo protestierten, wurde an diesem Tage geschlossengehalten. Der neue jüdische Friedensrichter Zuckermann, früher Chef-Dolmetsch bei den Gerichten, verurteilte den* Studenten des Haifaer Technikums Samuel Zilbaski zu sieben-Schilling Geldstrafe, weil er einen Araber daran hinderte, während des Gebetes den Platz vor der Klagemauer zu. passieren. Zilbalski erklärte dem Richter, er würde wieder so handeln, wenn er Zeuge sein würde, wie ein Araber die jüdische Andacht stört. Sabbat-Tumult in Jerusalem. Jerusalem, 22. April. (J. T. A.) Mitglieder des Vereins „Schomre Sehabbos", einer Organisation orthodoxer Juden in Jerusalem, die für Haltung des Sabbat eintritt und darauf sieht, daß jüdische Läden aan Sabbattage geschlossen bleiben, versammelten sich vor einem offenen Laden, in-welchem Gemälde des Malers Elias Newman ausgestellt waren, und forderten den Besitzer auf, den Laden im Hinblick auf den Sabbattag zu schließen. Als der Ladeninhaber sich weigerte, dieser Aufforderung Folge ziu leisten, kam es zu einem schweren Tumult, Polizei schritt ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor. Die Klage der Vadi Havarit-Bauern vor dem palästinensischen Obersten Gericht. Jerusalem, 24. April. (J. T. A.) Das palästinensische Oberste Gericht befaßte sich mit dem Einspruch der früheren arabischen Pächter der Vadi Havarit- Böden im Tale Scharon gegen den Erwerb dieses Bodens durch den Jüdischen Nationalfonds. Das Oberste Gericht wird ersucht, die Order der Regierung an die Pächter, ihre Böden zu verlassen, zu annullieren und die Verordnung von 1929, wonach der Verkäufer des Bodens verpachtet ist, den Pächtern ein Jahr vorher zu kündigen, in Anwendung zu bringen. Das Urteil ist noch nicht ergangen. — Bekanntlich wurden die Vadi Havarit-Pächter durch den Nationalfonds abgefunden und hatten die Transaktion bereits anerkannt, sie hatten sich aber im Hinblick auf die Tagung der. britischen Untersuchujigskom- _ DIE NEUE WELT_•_ 3br ffiunfd) ift erfüllt! ©o, nüe <Ste iljn Roheit mödjten, ftnben (Sic Bei un§ ben feferjen gtü§ial)t$mantel, ben @tc fo betttgenb oraudjen — unb aud) ba§ fd)önc Äleib. $n linferet föiefenausimrjt ift jebe ©efcr)mrtcf3ttdjhmg, foroorjl in bet gatoe, im $efftn, als öud) in ber 9fo3für>runö öcrüÄftdjtigt, für. jjebc fjftgus, lebe ®röfje ift ba§ Spaffenbe am S?ajcr. Uttf«t cifrißfteS SJemüIjett ift bamuf geridjtet, bem leibet feljt berBreiteten ©elbmonget 8ted)nuiuj iragenb, ba§ SBcfte fo Billig ntögltd) 31t Bieten. Unfere greife finb fo niebrig, bafe jeber raufen famt. (Sin SÖItcE auf ltnfere (»djaufenfter. tetrb (Sie bon unferet aufeergetoörjnltd^ert SeiftungSfaljigieit überzeugen. Unsere Schlager-Angebote: Karrierte Stoffinäntel, n0tte Fasson, s fl jjQ Gummimäntel, alle Farben, für Damen und II* Moden-Kasha-Kleider, schicke Fasson, s t1 Waschseiden-Kleider, französ. Dessins, U glockig, reichgest. Crepe de Chine-Garnitur nur S Seiden-Foulard-Kleider, franz. Dessins, ele- 14.90 Covercoat-Mäntel, Trenchcoat-Fasson, mit 16.50 Moderne Frühjahrs-Mäntel, aus englisch. 19.B0 Crepe de Chine-Kleider, m. langen Aermein, 19.B0 Engl. Tweedu< Wipcord-Mäntel, reine Schafwolle, mit echter Ledergarnititr S 59.—, 49.—, S 39.50 Aparte Kleider, mit abnehmbarem Cape, aus ßemberg-Seide, entzück. Fass. 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Der Stamm der Sa mar itane r, der am Fuße'des Berges Gerizim bei Nablus lebt, reichte bei der Behörde Klage gegen Araber aus Nablus ein, die dietraditionelle , Pessach-Zeremonie und die Gebete der Samaritanerauf dem Berge Gerizim gestört haben. In der Klage wird auch ausgeführt, daß der Hohepriester der Samaritaner bei der Ausübung seines Amtes durch Araber verhöhnt worden ist. Die Plünderung jüdischer Häuser *in'Hebron dauert fort. Jerusalem, 25. April. (J. T. A.) Juden, die zuletzt Hebron besuchten, teilen mit, daß junge Araber an den Orten, wo früher zwei Synagogen gestanden haben, Fußballplätze errichtet und Aborte aufgestellt haben. Alle in den verlassenen jüdischen Häusern noch verbliebenen Gegenstände wurden, obwohl die Wohnungen versiegelt waren, geplündert. Die arabische Presse teilt mit, daß, seitdem die Juden nach den grausamen Massakers im August Hebron verließen, sich die wirtschaftliche Lage der Stadt katastrophal gestaltet hat. Die Märkte und die Bazare sind sehr schwach besucht, viele Läden stehen leer. Niemals, so melden die Zeitungen, war die Wirtschaftslage Hebrons so schlecht wie heute. Verurteilungen in Palästina. Jerusalem, 25, April. Das jüdische Mädchen Anna Sukenik aus Tel-Awiw, bei der kommunistische Literatur gefunden wurde, wurde zu zwei M onaten Gefängnis und nachfolgender Landesverweisung verurteilt. Scheich Alfaruki aus Raroalab, der ein Pamphlet gegen die Regierung veröffentlicht hat, wurde zur ..... _ Nr. 157. , Hinterlegung einer Geldbürgschaft von 100 Pfund für gutes Betragen verurteilt. Bei guter Führung wird ihm der Betrag ein Jahr später zurückerstattet werden. Im Hafen von Jaffa wurde ein arabischer Einwanderer aus Brasilien, bei dem drei Revolver mit 300 Kugeln gefunden wurden, verhaftet. Subhi Bey Alkadra, der Adlatus des Großmufti, der vor der Untersuchungskommission der Aufhetzung zu den Unruhen in Safed beschuldigt worden war, sammelt an Hedschas an der Spitze einer Delegation Spenden zugunsten der arabischen Opfer der Unruhen in Palästina. Der Sinn der hebräischen Bewegung. In den letzten Jahren haben sich die Bestrebungen zur Erneuerung der hebräischen Sprache und Kultur allenthalben verdichtet. Der Kampf um die Verlebendi« gung der hebräischen Sprache im Sinne einer Volks» spräche, die für alle Funktionen des jüdischen Lebens, des Alltags bereit ist, hat zu entscheidenden Erfolgen ge* führt. In Palästina ist die hebräische Sprache bereits das natürliche Instrument der Lebensäußerung für Straße, Kind, Amt, Schule, Wissenschaft, Theater, Literatur, politische Tribüne. In der Galuth, hauptsächlich in den Massen? Siedlungen des Ostens ausschließlich Sowjetrußlands, wo die Niederhaltung des Hebräischen zum sowjetistischen Programm gehört, ist ein gewaltiges hebräisches Schulnetz in Ausbreitung begriffen, das in der Organisation „Tar* b u t h" seine Führer, Förderer und Propagatoren, d. i. seine hebräischen Kulturträger, gefunden hat. Der Sieges» zug der „H a b i m a", des ersten hebräischen Kunst« theaters, durch die europäischen Länder hat den europäi« sehen Nationen ein eindringliches Bild von der Wieder« auferstehung hebräischen Geistes vermittelt. Wodurch aber ist diese in der modernen Ge« schichte beispiellose Erweckung eines schsinbar toten Gebildes möglich geworden? Worin liegt ihre Wurzel und die Sicherheit ihres weiteren Aufstiegs bis zur Erfassung des ganzen Volkskörpers? Diese Fragen sind wichtig im Zusammenhang mit den wieder in die Diskussion geworfenen Losungen vom so* genannten „K ultu'rzioni s m u s" im Gewände Achad* Haamistischer Ideen, die allerdings tendenziös mißdeutet werden, Die mit der „Haskala" einsetzende Auf* klärungsbewegung im modernen Judentum hat die Er* kenntnis gebracht, daß jede vom politischen und soziologisch en Erfassen des jüdischen Volksorganismus losgelöste hebräische Kul.turbestrebüng zum Scheitern verur« teilt ist. Während die Haskala durch die Verknüpfung ihrer politischen Aufklärungstenzenden mit dem Mittel des Hebräischen und der Kulturtradition gewaltige Wir« kung auf diese beiden Elemente übte, konnte die beschei* dene, apolitische ChowewesZionbewegung hoch« stens einen Kreis von weltfremden Intellektuellen in ihren Kreis ziehen, ohne im damaligen Gärungsprozeß inner« halb der jüdischen Massen eine Rolle zu spielen. In dieser Epoche sozialer und kultureller Umfor« mung schien es, daß der hebräischen Bewegung ein Ziel gesetzt würde: durch soziale und politische Tendenzen, die volkstümlich geworden waren. Erst die politischen Ideen des Herzl«Zionismus brachten der h e b r ä i* sehen Renaissancebewegung neue Impulse. Nicht A c h a d « H a a m war imstande, den Hebraismus zum Träger volkstümlicher Werte zu machen, sondern die politisch akzentuierte und aktivistische Persönlichkeit eines Ben Jehuda, jenes Mannes, der als erster das hebräische Wort zum sprachlichen Instrument des Hauses und der Gasse machte. Erst die Idee des Juden Staates konnte dem Hebraismus Sinn und Richtung, geben. Denn die Analyse der soziologischen Situation des Galuth* volkes mußte zur Erkenntnis führen, daß auch die kul* turelle Situation der jüdischen Volksmassen anormal, krank, heilungsbedürftig ist. Das Volk ohne Land sollte sein Land wiederbekommen. Das Volk ohne Sprache seine Sprache. Damit war der Gedanke der Einheit von Volksstaat und Volkssprache gegeben und die Erfah« rung, daß nur der p o 1 i t i s c h e Weg zur Erfüllung beider Aufgaben führen kann. Immer fand nur der politische Erfolg im Aufblühen der hebräischen Bestrebungen seinen Niederschlag; ohne politisch gesicherte Rechte in Palästina und in der Galuth keine Basis für das Fußfassen des hebräischen Kulturgedankens in allen seinen Formen. Jedes Volk, das seine nationale Existenz errichten wollte, hat für die Existenz seiner Sprache kämpfen und diese selbst in seinem politischen Kampf einsetzen müssen. In dieser Deutung ist die Hebraisierung des ganzen Volkes eine politische Notwendigkeit; ein un* ermeßlicher Zustrom von Kräften für sein seelisches und kulturelles Freiwerden. Palästina zeigt bereits die Resultate dieses Prozesses, die Physiognomie der kulturek len Konzentration als eines gewaltigen politischen Aktivums. Ein reich gegliedertes Schulwerk, ein umfassendes Verlagswesen (Dvir," Mizpeh, Stybel, Omanuth, Kituwim, Junowitsch), eine wissenschaftlich und literarisch hohe Publizistik (die Tageszeitungen „Dawar", „Haarez",

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