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Die neue Welt · 1930-05-02 · Heft 137 (2.5.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 137 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seif« 9 dte mm WECT tfr. 137 1 WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 IX.. ALS ER STRASSE 6 FERNSPRECHER B-38-0-43 durch die Jahrhunderte begleitet. Es waren sinnlose Qualen, wenn wir sie nicht in der Hoffnung auf den Judenstaat aushielten. Werfen wir unser Judentum weg wie ein zerfetztes altes Kleid, wenn wir nicht an den Judenstaat denken!" Der Jewish Agency ins Stammbuch. „Einem Volke kann man nicht philanthropisch helfen, sondern einzig und allein politisch ... denn die Judenfrage ist nicht gelöst, wenn wir ein paar hundert oder einige tausend Familien in Palästina ansiedeln. Ich glaube vielmehr, daß die Gefahr für die Angesiedelten wächst, je zahlreicher sie werden, ohne ihren eigenen staatlichen Schutz zu besitzen." Gegen das Vertuschen des Endzieles. „Alle Mißverständnisse müssen im vorhinein beseitigt werden. Alle Welt muß klar sehen in dem, was wir wollen, und wenn wir die Sache audi mit der ganzen Behutsamkeit politischer Unterhandlungen anfassen und betreiben, so haben wir doch nichts zu verbergen." Eröffnungsrede zum II. Kongreß (189?). Kongreß, Jewish Agency, Notabeinsystem. „Unsere Sache ist zu groß für den Ehrgeiz und die Willkür einzelner Personen. Sie muß ins Unpersönliche hinaufgehoben werden, wenn sie gelingen soll. Und unser Kongreß soll leben, nicht nur bis zur Erlösung aus der alten Not, sondern nachher erst recht." Der ewige Jude. („Daily Chronicle", 1897.) E,rez Israel, England und d er Suez-Kanal. „Von Anfang an war ich der Ansicht, daß eine diplomatische Initiative von England werde kommen müssen, weil England, wenn es — gleichsam in der Luftlinie — nach Indien blickt, Palästina streifen muß, und weil England heute noch eine gewisse „serenity" in der Auffassung der Judenfrage besitzt." Mauschel. („Die Welt", 1897.) Ein Wort für viele. „Dort angelangt, spielt er sich nach kurzer Zeit auf den Chauvinisten hinaus, erteilt Unterricht im neuen Patriotismus und verdächtigt alle, die nicht sind wie er. Dabei begeht er die wunderliche Inkonsequenz, sich von den Juden loszusagen und gleichzeitigin ihremNamenzu sprechen." „Da ist der Advokat mit einer Kündschaft, die sich an den Grenzen der Paragraphen aufhält. Da ist der rotgeschminkte Politiker, der jetzt den Sozialismus betreibt, a u s n ü t z t und!e n t w e r t e t. Da sind die zweifelhaften GescMf tslejite, die falschen Ehrbaren, die heuchlerisdheri Frommen, die verlogenen Biedermänner, die findige^' Ausbeuter." Herzls erste KoiigreBrede. Geehrte Kongreßmitglieder! Als einem der Einberufer dieses Kongresses ist mir die Ehre zugefallen, Sie zu begrüßen. Ich will es mit wenigen Worten tun, denn jeder von uns dient der Sache gut, wenn er mit den kostbaren Minuten des Kongresses spart. In drei Tagen haben wir viel Wichtiges zu besorgen. Wir wollen den Grundstein legen zu dem Haus, das dereinst die jüdische Nation beherbergen wird. Die Sache ist so groß, daß wir nur in den einfachsten Worten von ihr sprechen sollen. Soweit es sich jetzt schon beurteilen läßt, wird in diesen drei Tagen eine Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der Judenfrage geliefert werden. Der gewaltige Stoff gliedert sich unter der Hand unserer Referenten. Wir wollen Berichte hören über die Lage der Juden in den einzelnen Ländern. Sie alle wissen, wenn auch vielleicht nur in einer unbestimmten Weise, daß diese Lage " mit wenigen Ausnahmen" eine nicht erfreuliche ist. Wir fänden uns wohL; kaum zusammen, wenn es anders wäre. D i e Ge»! njeinsamkeit . unserer Geschicke hat e/ine lange Unterbrechung erlitten^ obwohl, die versprengten Teile des jüdischen Volkes a l l e n;t h a 1 b e n A e h nv; liches erdulden mußten. Erst in unserer Zeit ist durch die neuen Wunder des Verkehres die Möglichkeit einer Verständigung und Verbindung der Gfetrfenüten gegeben. Und ik cliesef Zeit, die sonst so hoch ist, sehen, fühlen wir uf& überall vom alten Haß umgeben. Antisemitismus ist der Ihnen nur zu wohlbekannte moderne Name der Bewegung. Der erste Eindruck, dert die Juden von heute davon hatten, war Uebertasebung, die in Schmerz und Zorn überging. Uiisete Gegner wissen vielleicht gar nicht, wie tief im Innersten sie gerade diejenigen unter uns Verletzt häben, die sie möglicherweise nicht in erste* Linie treffen wollten. Das moderne, gebildete, dem Ghetto entwachsene, des Schacherns entwöhnte Judentum bekam einen Stich mitten ins Herz. Wir können das heute ruhig sagen, ohne uns verdächtig ZU machen, da"ß wir an die Tränendrüsen unserer Gegner appellieren wollen. W i r sind mit uns im reinen. Man war in der Welt von jeher schlecht über uns unterrichtet. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches man uns so häufig und grimmig vorwarf, es war in voller Auflösung begriffen, als uns , der Antisemitismus anfiel. Dieser hat es wieder gestärkt. Wir sind sozusagen nach Hause gegangen. Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland. Wir heimgekehrten Söhne finden im väterlichen Hause manches, was der Besserung bedarf; wir haben namentlich Brüder auf tiefen Stufen des Kurort Baden bei Wien. Unternehmen Sie Bade- und Trinkkuren im Frühjahr! Alle Kureinrichtungen Badens stehen bei wohlfeilen Preisen zur Verfügung und gewährleisten einen angenehmen und erfolgreichen Kuraufenthalt. E Elends. Man heißt uns aber in dem alten Hause willkommen, weil es wohl bekannt ist, daß wir nicht den vermessenen Gedanken hegen, an Ehrwürdigem zu rütteln. Das wird sich bei der Entwicklung des zionistischen Programmes zeigen. Schon hat der Zionismus etwas Merkwürdiges, ehedem für unmöglich Gehaltenes zuwege gebracht: die enge Verbindung der modernsten Elemente des Judentums mit den konservativsten. Daß sich dies ereignet hat, ohne daß von der einen oder der anderen Seite unwürdige Konzessionen gemacht, Opfe't| 'deV Intellektes gebrächt worden wären, ist ein Beweis; meh'r, wenü es noch eines Beweises bedürfte, für das Volkstum, der Juden. 5 ■"' ' Ein solcher Zusammenschluß ist nur möglich auf der Grundlage der Nation. Es werden-;>4üc]^.^P^aujBii> stattfinden r über eine Organisation;: deien sj?6tw,encligkeit jeder einsieht. Die Organisation ist der Beweis des Vernünftigen in einer Bewegung. Hier ist aber ein Punkt, der nicht deutlich^ und energisch genug herausgearbeitet werden kann. .Wir Zionisten wünschen zur Lösung der Judenfrage nicht etwa einen internationalen Verein, sondern nur die internationale Diskussion. Der Unterschied ist für uns von der höchsten Wichtigkeit, wie ich Ihnen nicht erst auseinanderzusetzen brauche. Dieser Umstand legitimierte auch die Einberufung unseres Kongresses. Es kann sich bei uns nicht um Bündeleien, geheime Interventionen und Schleichwege handeln, sondern nur um eine freiwillige Erörterung unter der beständigen und verständigen Kontrolle der öffentlichen Meinung. Es wird einer der nächsten schon jetzt in großen Umrissen wahrnehmbaren Erfolge unserer Mir schadet kein Wetter und mich ermüdet nichts, denn ich verwende ständig DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Montiiol Für alle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens bewährt Soll In keinem Haushalt fahlen. Achten Sie auf die Marke .Diana". Wertlose Nachahmungen sind entschieden zurückzuweisen.' UBER ALL ERHÄLTLICH I aiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiit. wm 2 S Verband demokratischer Zionisten I m =: Mittwoch, den 7. Hai 1930 um halb 9 Uhf abends im Cale Produktenbörse, II., Taborstr. 10 Große a Tagesordnung: I Der kommende ™. kann die* Organisation i | ausrichtet werden? i s Referenten: 5 | RobertStricker, Dr.LPIaschkes, HansKandl | ^iiiiiiiiiHiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiumiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin? Bewegung sein, daß wir die Juclenfragc in die Zionfrage umwandeln Averdcn. Eine so große Volksbewegung muß von allen Seiten angepackt werden. Der Kongreß wird sich daher auch mit den geistigen Mitteln zur Wiederbelebung und Pflege des jüdischen National b ewußtseins beschäftigen. Auch auf diesem Punkt haben wir mit Mißverständnissen zu kämpfen. Wir denken nicht daran, auch nur eines Fußes Breite von erworbener Kultur aufzugeben, sondern denken an ein weiteres Vertiefen der Kultur, wie es jedes Wissen bedeutet. Uebrigens ließ das geistige Leben der Juden von jeher bekanntlich weniger zu wünschen übrig, als das ihrer körperlichen Betätigung. Dies haben die praktischen Vorläufer des jetzigen Zionismus eingesehen, als sie anfingen, einen jüdischen Ackerbau hervorzurufen. Von diesen Kolonisationsversuchen in Palästina und Argentinien können und werden wir alle nie anders als mit aufrichtiger Dankbarkeit sprechen. Aber sie waren nur das erste, sie sind nicht das letzte Wort der zionistischen Bewegung. Diese muß größer sein, wenn sie überhaupt sein soll. Ein Volk kann sich nur selbst helfen; kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu helfen. Wir Zionisten wollen aber das Volk zur Selbsthilfe anregen. Dabei sollen keine verfrühten, ungesunden Hoffnungen angeregt werden. Auch aus diesem Grunde ist eine Oeffentlichkeit der Verhandlung, wie sie unser Kongreß bezweckt, von hohem Wert. Wer die Sache ruhig bedenkt, wird sich doch sagen müssen, daß der Zionismus auf andere Weise als durch eine rückhaltlose Auseinandersetzung mit den beteiligten politischen Faktoren sein Ziel nicht erreichen kann. Die Schwierigkeiten der Kolonisationsbefugnis wurden bekanntlich nicht erst durch den Zionismus in seiner gegenwärtigen Gestalt geschaffen. Man muß sich fragen, welches Interesse die Erzähler solcher Märchen denn eigentlich haben. Das Vertrauen der Regierung, mit der man über eine Ansiedlung jüdischer Volksmassen im großen Maßstab verhandeln will, läßt sich durch offene Sprache, durch ein loyales Vorgehen erreichen. Die Vorteile, die ein Volk als Gegenleistung zu bieten vermag, sind so bedeutend, daß die Unterhandlungen von vorneherein mit genügendem Ernst ausgestattet sind. In .welcher rechtlichen Form die Einigung schließlich stattfinden soll, darüber heute viel zu reden, wäre ein müßiges Beginnen. Nur das eine ist unverbrüchlich festzuhalten: Die Basis kann nur ein Zustand des Rechtes und nicht der Duldung sein. Mit der Toleranz und dem Schutzjudentum haben wir nachgerade genug Erfahrungen gemacht. Unsere Bewegung hat folglich nur dann einen vernünftigen Zug, wenn sie öffentlich-rechtliche Bürgschaften anstrebt. Die bisherige Kolonisation hat das erreicht, was sie nach ihrer Anlage erreichen konnte. Sie hat die vielbestrittene Tauglichkeit der Juden zur Landarbeit erhärtet. Sie hat diesen Beweis, wie es in der Rechtssprache heißt, zum ewigen Gedächtnis erbracht. Aber die Lösung der Judenfrage ist sie nicht und kann sie in der bisherigen Form nicht sein. Sie hat auch, gestehen wir es uns offen, einen bedeutenden Anklang nicht gefunden. Warum? Weil die Juden rechnen können, es wird ja sogar behauptet, daß sie es zu gut können. Wenn wir nun annehmen, daß es neun Millionen Juden gibt und daß es der Kolonisation gelänge, jährlich zehntausend Personen in Palästina anzusiedeln, so würde die Lösung der Judenfrage neunhundert Jahre in Anspruch nehmen, Das sieht unpraktisch aus. Nun wissen Sie aber, daß die Ziffer von zehnr tausend Ansiedlern jährlich geradezu phantastisch ist, unter den jetzigen Verhältnissen nämlich. Die türkische Regierung würde bei einer solcheu

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