Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 136 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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r *Me 8 DIE NEUE WELT Nr. 136 AUS PALÄSTINA. Die Arbeiter-Krankenkasse in Palästina. — Eine große Tat gegen den Willen der Regierung» Nach dem letzten Jahresabschluß beträgt das Budget der Kupath Chol im (Arbeiter-Krankenkasse in Palästina) für das Jahr 5690 5 2.0 0 0 P f u n d. 55,4 Prozent des Budgets werden durch Beiträge der Mitglieder aufgebracht; 25,7 Prozent durch die Zionistische Organisation, 17 Prozent durch die Arbeitgeber, 1,9 Prozent durch Einnahmen aus verschiedenen Quellen. Die Mitglieder der Kupath Cholim verteilen sich auf 77 Punkte, von denen 72 auf dem Lande sind. Die Zahl der Angestellten der Kupath Cholim beträgt 205, davon 73 Aerzte, 49 Schwestern, 9 Apotheker, 34 Bureauangestellte, 40 Hausangestellte. Die Gebäude und Grundstücke, die von der Kupath Cholim benutzt werden, erforderten 37.000 Pfund; die gesamten Investierungen in Immobilien, Einrichtung, Medikamente usw. betragen 44.300 Pfund. Von den Ausgaben der Kupath Cholim gehen 65,5 Prozent für ärztliche und medizinischeHilfe, 10 Prozent für Nachkuren, 6,8 Prozent für Ernährung von Kranken außerhalb der Hospitäler, 11,7 Prozent für Administration und 6 Prozent für Verschiedenes. Die Zahl der Mitglieder und Familienangehörigen, die Anspruch auf Behandlung durch die Kupath Cholim haben, beträgt 1930 mehr als 25.000. * Hier mußten die jüdische Bevölkerung und die Zionistische Organisation ein großes Werk gegen den Willen der Regierung schaffen, welches überall sonst nur mit Hilfe und über Betreiben der Regierungen errichtet wird, die K r a n k e n v e r s i c h e r u n g. Die Palästinaregierung, welche laut Mandat verpflichtet ist, das Land zu „entwickeln", zu zivilisieren, hat bisher beharrlich jede Initiative und Mitarbeit auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung abgelehnt. Um die Kantonalverfassung für Palästina. Dementi der Palästina-Regierung. Jerusalem, 14. April. (J. IVA.) Die Palästina-Regierung, erklärt auf eine Anfrage der Jüdischen^ Telegraphen-Agentur, daß die von „New York Times" in der vergangenen Woche gebrachte Mitteilung, daß die Regierung einen Plan für die Errichtung eines jüdischen Kantons in Palästina vorbereitet habe, phantastisch sei. Außer „New York Times" hat auch der Londoner „Jewish Chronicle" eine Mitteilung «eines palästinensischen Korrespondenten publiziert, die besagte, daß unter Major; Campbell als Spezialkommissar und einem jüdischen^ Subkomniissatr. ein neuer Kanton mit Tel-Awiw und 40jüdischen Kolonien errichtet werden soll. Der Korrespondent erinnert dabei an einen von Ben Avi herrührenden Vorschlag auf kantonale Verfassung, der sechs jüdische/, sieben mohammedanische und drei christliche Kantone , vorsieht, wobei Jerusalem eine besndere Verfassung erhalten . solle. In redaktionellen Ausführungen setzt sich „Jewish Chronicle" für eine ernsthafte Erwägung der Frage ein.; Der Arbeiterkonflikt in Klar Saba dauert fort. Jerusalem, 16; April. (J. T. A.) Der Konflikt, der in Kfar Saba, einer Kolonie der Orangen*Zotjß, entstanden ist, weil unter Umgehung des Arbeitsamts Angehörige des Brith Trumpeldor in die Arbeit eingestellt worden sind, dauert an. Der Sekretär des Arbeiterratos von Kfar Saba und zwei andere Führer der Histadruth* Arbeiter wurden von der Polizei verhaftet, weil sie den Versuch unternahmen, die Brith*Trumpeldor*Leute an der Arbeit in der Kolonie zu verhindern. Daraufhin griff eine große Zahl von- Histadruth«Arbeitern eine Orangenpflanzung an, in der 15 Brith*Trumpel* dorfLeute arbeiteten. Arabische 'Streikende lehnen Hilfe jüdischer Arbeiter ab. Jerusalem, 21. April. (J. T. A.) „Feiestin" veröffentlicht eine Erklärung arabischer Streikender in Haifa, daß die arabischen Arbeiter entschlossen seien, niemals die Unterstützung jüdischer Arbeiter anzunehmen, weil diese eine Vorhut der jüdischen Bourgeoisie und des zionistischen Imperialismus seien. Ein neues Hotel in Jerusalem. Jerusalem, 18. April. Angesichts der zunehmenden Fremdenfrequenz wird in Jerusalem ein großes, moder* nes Hotel, das „King Davids Hotel", errichtet, Im Jahre 1920 wurde zu diesem Zwecke die „Palestine Hotels Ltd." mit einem Kapital von 200.000 Pfund gegründet. In der Leitung der Gesellschaft befinden sich Nathan Straus jun. (New York), Frank Goldsmith (London), Baron Felix de Menasce u. a. Das Hotel wird den modernsten Komfort aufweisen und liegt an aussichtsreicher Lage. Die Dekorationen und Bemalungen sollen in rein jü* dischem Stile erfolgen. Das Hotel wird 200 Zimmer mit 310 Betten enthalten und soll auf den 1. November bezugsbereit sein. Ein Beamter des obersten moslenutischen Rates verhaftet. Jerusalem, 15. April. (J. T. A.) In Gaza wurde Scheich Tewfik Tahbub, ein Beamter des Obersten Moslemitischen Rates und der lokale Vertreter des Wakf (des moslemitischen Kirchenbesitzes), unter der Beschul« digung der Aufreizung während der August*Unruhen .........1..............11 ——————immihmim Die Leseu, Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien gratuliert ihrem A. tf. Dr. Sigmund Kohlberg zu seiner Ernennung zum Rabbiner in Rybnik (Polnisch - Oberschlesien) verhaftet. Er wurde nach Hinterlegung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. Weitere Strafen gegen arabische Teilnehmer an den Augustunruhen. Jerusalem, 14. April. (J. T. A.) Wegen Beteiligung an dem Mord an drei Mitgliedern einer Jerusalemer georgisch-jüdischen Familie während der Augustunruhen wurde der Araber Kamil Salim Nabulsi zu 18 Jahren Zwangsarbeit und zur Zahlung einer Entschädigung von 250 Pfund an die Familie der Ermordeten verurteilt. Der britische Einwanderungskonunissär vor dem Obersten Gericht. Jerusalem, 14. April. (J. T. A.) Der Leiter des Einwanderungsdepartements der Palästina-Regierung, Herr Hyamson, hatte sich vor dem Jerusalemer Obersten Gericht wegen einer von einer Frau Bernstein gegen ihn erhobenen Anklage, daß er sie widerrechtlich verhaften und ausweisen ließ, zu verantworten. Frau Bernstein, die seit neun Jahren in Palästina wohnt, machte vor kurzem eine Reise nach dem Ausland und kehrte, mit einem Einreisevisum des englischen Konsuls in Wien versehen, nach Palästina zurück Nach Betreten des Landes wurde Frau Bernstein auf Weisung des Einwanderungsdepartements verhaftet und aufgefordert, das Land zu verlassen. Der Prozeß wurde zwecks Erbringung weiterer Beweismittel vertagt. Die Jüdischen Aerzte in Palästina für Rücktritt Dr. Magnes'. Jerusalem, 14. April. (J. T. A.) Die Jahreskonferenz der jüdischen Aerzte Palästinas, die ihre Tagung soeben beendet hat, faßte eine Resolution, in der die Tätigkeit von Dr. J. L. Magnes als schädlich für das jüdische Volk und den Zionismus erklärt wind. Die Konferenz erklärte sich einer Meinung mit dem von-Dr. Rosenbaum, früherem Minister für jüdische Angelegenheiten in Litauen, gegenwärtig litauischer Konsul in Palästina, an das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation gerichteten , Schreiben, in dem der „ Rücktritt Dr^Maghes' ver- 1 f , i . - $ :. r; ". Ö lang t wird. , . 2 •, . . - * r. -sj* J ~i ' "/ '"' ' Die. Investitionen des JCeren Hajessed in Schulgebäuden. Während seines neunjährigen Bestehens in Palästina hat der Keren Hajessbd erhebliche Beträge für das jüdische Schulwesen in Palästina verausgabt. Außer der regelmäßigen Deckung des größten Teilesder Ausgäben für die Unterhältung der Schulen hat er auch eine Reihe von Schulgebäuden erworben, oder sich an den Kosten des Neubaus beteiligt. Folgende Aufstellung ent« hält die Schul* und Unterrichtsgebäude, die sich heute im Besitze des Keren Hajessod befinden oder durch die Zionistische Exekutive aus Keren Hajessod>Mitteln er* worben worden sind: 1. Das Technikum und die Realschule in Haifa. 2. Die städtische Mädchenschule (Lemelschule) in Jerusalem. 3. Die städtische Knabenschule A in Jerusalem. 4. Die ,;Tachkemoni'%Schule in Jerusalem. 5. Das Hebräische Gymnasium in Jerusalem. 6. Die Volksschule in Haifa. 7. Die Knabenschule „Achad Haam" in TebAwiw. 8. Die Schule in TebNordau in TebAwiw. 9. Die „Tachkemoni"*Schule des Misrachn in Tel* Awiw. 10. Die „Talpioth"*Schule des Misrachi in TebAwiw. 11. Die Schule in der Chassidim*Siedlung Nachlath Jakob. 12. Die Schule in Kfar Yecheskiel. 13. Die Schule in TebAdaschim. 14. Talmud Thora*Schule in der Yemenitensiedlung Nachliel, Hedera. 15. Kindergarten in Hedera. }6. Kindergarten in TehNordau, TefcAwiw. 17. Kindergarten in Nahalal; (Ziko.) Um das Tote Meer. Ausdehnung der Arbeiten am Toten Meere. — Die Araber wollen den Juden die Konzession entreißen. — Deutsche Industrieblätter fürchten die Konkurrenz und kritisieren das Unternehmen. Die Arbeiten am Toten Meere zur Vorbereitung der Ausbeutung der Tote-Meer-K onzession sind in letzter Zeit wiederum erweitert worden. Zurzeit werden bereits 70 judische Arbeite* dort beschäftigt und ihre Zahl soll in nächster Zukunft weiter erhöht werden. Zu den Arbeiten selbst werden, nur Personen zugelassen, die auf Grund einer, strengen, Untersuchung als körperlich tauglich erklärt .wejräen^ Diese Maßregel ist notwendig, weil die hohe Temperatur, welche den größten Teil des Jahres an der Arbeitsstätte herrscht, an die Konstitution der Arbeiter hohe Anforderungen stellt. * Die arabischen Nationalisten bemühen sich, die Konzession den Zionisten zu entreißen. In ihrem Blatte „Falastin" veröffentlicht Majdi Schawa, ein Chemiker aus Gaza, einen Artikel über die Tote-Meer- Kouzession. Der Verfasser erklärt, daß, wenn es der arabischen Delegation gelingen sollte, ihre gesamten Forderungen zu verwirklichen und nur die Tote-Meer-Konzession in den Händen der Zionisten bleibe, dies allein ausreichen würde, um den Erfolg des Zionismus zu verbürgen. Wenn die Araber glaubten, nicht selbst ein Ka* pital von 200.000 Pfund zur Ausbeutung der Schätze des Toten Meeres aufbringen zu können, so müßten sie von der Regierung verlangen, daß diese die Tätigkeit der zionistischen Gesellschaft einstelle und die Konzession nichtjüdischen Firmen anbiete. Die erste Aufgabe der Delegation sei, in London über die Tote-Meer-Konzession zu verhandeln. Zur Verstärkung wäre vielleicht auch die Entsendung einef „t r a ns j 0 r d a ni s che n Delegation" atu erwägen. * In Kreisen der deutschen Industrie wird der Ausbeutung des Toten Meeres große Bedeutung beigelegt. Große Fachzeitschriften bringen folgenden Artikel des bekannten Fach Schriftstellers Dr. A. Thdeme. Doktor Thieme sieht einerseits die deutsche Kaliproduktion bedroht und sucht andererseits zu beweisen, daß die Rentabilität des Unternehmens fraglich sei. Er schreibt: Im Wasser des Toten Meeres in Palästina sind zweifellos sehr große Mengen wertvoller Kalisalze und erhebliche Brommengen enthalten. Die Frage ihrer Gewinnung ist nunmehr durch die Erteilung einer Konzession seitens des brdtischen Kronagenten an eine Gesellschaft mit 1 0 0.000 Pfd. St. Aktienkapital aus dem Stadium der mehr oder weniger vagen Projekte in den Bereich ernsthafter Möglichkeiten getreten. Mau hofft, nach acht Jahren 50.000 Tonnen Kalisalze zu gewinnen. Es handelt sich hier zweifellos um ein Wirtschaftsproblem von großer Bedeutung, dessen Spitze sich auch gegen Deutschland richtet, das durch seine Kalilager in Mitteldeutschland ein Hauptprodukt für diese, wichtigen Düngemittel ist. Daß im Toten Meer sehr bedeutende Mengen von Kalisalzen vorhanden sind, ist seit langem bekannt. Nach neueren Analysen enthält sein Wasser neben 7 Prozent Kochsalz und 2 Prozent Qilorkxnizium immer? hin, 1,2 Prozent Kaliunichlor^d» was ein^r, Gesamtsumme von 2 Milliarden Tonnen Kaliumchlorid entspricht. Es besteht jedoch die Frage, wie die wertvollen Salze von den gewaltigen Mengen Ballaststoffen auf eine technisch-wirtschaftliche Weise zu befreien sind, und es erscheint daher vorläufig noch reichlich optimistisch, \sm\ man die Gesamtmenge der zu gewinnenden Kalisalze mit 2 Milliarden Tonnen und den Erlös hierfür auf Grund der gegenwärtigen Marktpreise mit 425 Milliarden Mark beziffert. Hierbei sind die Kosten, die das Problem der Herausschälung des wertvollen Kalis aus den großen Mengen wertloser Nebenstoffe verursacht, nicht einmal in Ansatz gebracht, so daß eine Konkurrenzfähigkeit dieses Kalis auf dem Weltmarkt ernsthaft in Trage steht. Sollte sich selbst die Anwendung der Sonnenw ä r m e, wie beabsichtigt, zur stufenweisen Abscheidung und Reinigung der Salze durch Eindünsten in flachen Becken, sogenannten Salzgärten, bewähren, so steht und fällt das ganze Projekt mit den Kalipreisen. Diese aber setzen sich zusammen aus dem Gestehungs-* preis am Ort und den Kosten des Transports zur Küste. Letztere sind bei den derzeitigen Verhältnissen in Palästina eine imaginäre Größe. Schwer dürfte es aber auch sein, die großen Mengen der Nebenprodukte (Brom und Magnesiumchlorid) auf dem Weltmarkt unterzubringen. Besonders bedenklich steht es in dieser Beziehung mit der Verwertung des jährlich etwa 200 Millionen Kilo anfallenden Kochsalzes. Es soll im Lande selbst zum Verbrauch gelangen. Da der Konsum eines Menschen aber im Jahre auf etwa 5 Kilo zu schätzen ist, so würde dieses Quantum für 40 Millionen Menschen ausreichen, oder, umgekehrt, in Palästina müßte zur Abnahme dieser Nebenprodukte allein ein Kundenkreis von 40 Millionen Menschen sein. Die Reste des Judentums m Spanien. Von MedinaAsara. (Aus dem Spanischen übersetzt von Heg*) Eine Ruine ruft Trauer hervor, sei es auch* nur wegen ihrer Aehnlichkeit mit einem menschlichen Skelett. Viel mehr Melancholie noch entsteht beim Anblick einer jüdischen Ruine, ein . Zeichen, daß die hebräische Rasse vor allem melancholisch ist und ein Zeichen, , daß alle hebräischen Schöpfungen — wie die Blume den Duft — eine tiefe Melancholie ausströmen, feind aller1 TriviaUtät. Außer diesen beiden Arten von Melancholie, welche die jüdischen Ruinen in Spanien zeigen, erhebt sich ge» spensterhaft noch ein anderes Bild: das der Jahrhunderte, Zerstörung, Kummer und Vergangenheit