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Die neue Welt · 1930-04-11 · Heft 134 (11.4.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 134 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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185 TW. Uitive Preis 3 rslfätsMbHofhek V« b* bi BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Itaifen monatlieh Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franc« 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephons A25-2-82 — Erscheint reden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 11. April 1930 Nr. 134 U0RANZEIQE 2U TO GEBURTSTAG 1 Wl 'AM \. m\ 1930 UM HALP NEUN UHR AßENDS IM C0NTINE:NTAL-5flAL QR055E QEDENKFEIER REDNER TlEINRICM T0RK-5TEINER DER FREUND UNP MIT¬ ARBEITER DES E0HRER5 QR055E5 K0N5TLERI5CME5 PR0QRAMM KARTENBESTELLUNGEN BEI DER flDfl!NI5TR/VTI0N DER „NEUEM WELT" UND AB NEUN UHR RBE.ND5 in CAFE PRODUKTENBÖRSE /4ueß faß Mcuife ■^un<M " VUMt" m Msstansky-dchuhe Vff./TA/S£ßSTM6 Imsrool Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein belgefÜKt^E hozejebnet- , *;. <-rm: . ',1 w<&"-:.-mx„'- ÄK'. jtV' Wie die zaristischen Pogrom-Kommissionen. — Die Lüge von der Verdrängung. — Unsere englischen Freunde. — Eine sonderbare Rede Weizmänn's. — Der Zionistenkongreß muß tagen und sprechen! Die Londoner Zeitung „J e w i s h C h r o n i c 1 e" hat für die Kommission die richtige Bezeichnung gefunden. Sie Yergleicht sie mit den Kommissionen, welche die russischen Zaren nach Judenpogromen einzusetzen pflegten, um der Empörung der gesitteten Menschheit zu begegnen. Diese Kommissionen hatten die Aufgabe, die Judenmörder reinzuwaschen, die pflichtvergessenen oder böswilligen Behörden zu entlasten und die mißhandelte Judenschaft ins Unrecht zu setzen. Um den Preis der Wahrheit! Und dies alles hat die von der britischen Regierung nach Palästina entsandte Shaw-Kommission auch nur reichlich'''besorgt Auch alles um den Preis der Wahrheit! Sie hat 6s zuwege gebracht, aus Aussagen, welche die Regierungsbeamten im ungünstigsten Lichte erscheinen ließen, Ehrenzeüghisse für diese Beamten zu fabrizieren. Sie hat es zuwege: gebracht, den Großmufti, der schon im Jahre 1921 als Pogromhetzer im Kerker gesessen ist und jetzt ohne jede Scheu von höchster Stelle aus die Flammen schürte, als Unschuldslamm hinzustellen. Sie hat es zuwege gebracht, die jüdische Jugend Palästinas, welche ihrer Entrüstung über Mißhandlung jüdischer Greise und Greisinnen an der Klagemauer demonstrierend durch Rufe, und Fahnen Ausdruck gab, gleichzustellen den Mordhetzern von Hebron und Safed. Und sie hat es schließlich zuwege gebracht, die jüdische Arbeit, diese grandiose Arbeit, welche eine Welt zur Bewunderung hingerissen hat, zu besudeln und zu beschimpfen. Sie stellt diese opfervolle Arbeit, welche dem Lande und seinen arabischen Einwohnern nie gekannten Segen gebracht, förmlich als räuberisch dar, als geeignet, die Araber mit Befürchtungen für ihre Freiheit und ihren Besitz zu erfüllen. Das war wohl die Glanzleistung. Arbeit, mit der auch ehr Zar hätte zufrieden sein können. * Manche meinen, die Verdrehungen und Ueber* treibungen im Berichte seien so offensichtlich und ge* waltig, daß dadurch die Gefährlichkeit des Dokuments herabgemindert, vielleicht beseitidjjterscheint. Die so denken, irren. Es hat antisemifSHpi Lügenberichten nie etwas von ihrer Wirksamkein|enommen, wenn sie übertrieben und plump waren. Gibt es noch Plumperes als das Ritualmordmärchen, als die „Protokolle der Weisen vonZiou"? Und haben sie nicht trefflich gewirkt? Das Märchen von der jüdischen Arbeit in Palästina, welche den armen Fellachen aufzufressen droht, ist plump. Aber e« wird wirken! Achtlos, geringschätzend daran vorbeigehen wäre selbstmörderische Torheit. Jetzt heißt es kämpfen, um die Wahrheit kämpfen. * Die interessierte Oeffentlichkeit hat die Tragweite des Berichtes richtig einzuschätzen gewußt. Die a r a b i« sehen Führer und Zeitungen sind zufrieden, frohlocken und rüsten auf Grund des guten Resultates zu neuen Attacken gegen die Juden. Die palästinensische Judenschaft schreit auf. Sie ist von Empörung, gerechtem Zorne erfüllt Sie spürt die gefährliche Tücke, den Wortbruch, den Rechtsbruch in allen Gliedern. Und die englischen Freunde der. zionistischen Sache — es gibt glücklicherweise noch welche — halten mit ihrer Meinung nicht zurück. Sie werfen der Kommission öffentlich vor, das Amt mißbraucht und das Recht gebeugt und England kompromittiert zu haben. Allen voran der alte, dem Zionismus ergebene Robert Cecil und seine Freunde. Sie fordern von der britischen Regierung, Einhaltung aller gegebenen Ver» sprechen und ehrliche Erfüllung des Mandats, allen Umtrieben zum Trotz 1 * Das jüdische Volk wird einen schweren Kampf gegen den Lügenbericht, für die Erfüllung des Palästinamandates, für sein Recht führen müssen. Eine Stütze in diesem Kampfe der Judenschaft Palästinas sind diese Menschen mit ungebrochenem Willen ,»ur Arbeit und zum Kampfe, sie, deren heldenhafter Widerstand den arabischen Sturm brach. Eine Stütze sind die ehrlichen Freunde in England, welche in den Tagen der Not treu zur Sache des jüdischen Rechtes stehen. Der entscheidende Faktor aber ist jene Körperschaft, in welcher der nationale jüdische Wille zusammengefaßt ist, die Zionistische Weltorga- Wieder 2 Haupttreffer mit Schelhaminer-Losen gewonnen! Bei der am 3. April d. J. beendeten Ziehung der Y, Klasse der 22. Klassenlotterie entfiel der Haupttreffer von S 100.000 auf das Los Nr. 7303, und de* Haupttreffer von S 40.000 auf das Los Nr. 57.728, welche Löse vom Bankbause Schelhammer & Schattera, Wien, I., Stephansplatz 11, verkauft wurden. Außerdem entfielen zahlreiche Treffer zwischen S 40.000 bis S 2000 auf vom Bankbause Schelhammer & Schattera verkaufte Lose, E ®S ift oim toityüfllK&eS ©or&eiwuitflSmiirtel fielen SStttt* <mtwt, iDtofgenleifeen, Budetfornilrjeit; tnegen feines 5tetdj» iirntä an ÄoMi-en uttib S&itantttten toerttooH für &M>er. 3>a8 eituiffe S3ti>t in bl^ieniijcbßr 5&t£aduiwj. $n ben fptett C^toftßanMitnacn unlb ©cKseixien crhältltt^. ©eüjt frequ/cm: ©imonS&roi in ©djeifcen (Stannio^üdung). <3tmpttdbvotfabrt& 38tettsftagran Ii ..... Säfiltger $9ftocr|aitb — @gpott , S n i 8 a t i o n. Ihr obliegt die Führung im Kampfe. Auf ihr liegt die Verantwortung. Ist der Zustand, ist die geistige Verfassung der Zionistischen Weltorganisation, ist ihre Führung der Schwere der Aufgabe entsprechend? Nein! Die Schwäche der zionistischen Führung hat die antizionistischen und antijüdischen Kräfte in der britischen Palästinaregierung wachsen lassen, jene Kräfte, ohne deren Wirken es nie zur August-Revolte gekommen wäre! Die Schwäche der zionistischen Führung ist in den Verhandlungen vor der Untersuchi'ugskommission verhängnisvoll zutage getreten. Sie hat den arabischen Erfolg ermöglicht. Sie dokumentiert sich in ihrer ganzen Gef ährlichkeitin einer Rede, welche der Präsident Weizmann am Tage nach der Veröffentlichung des Lügenberichtes in London vor den Vertretern der. Preise gehalten hat. Mit bezug auf die Behauptung im Berichte, daß durch den Zionismus mehr Juden nach Palästina gebracht wurden, als das Land wirtschaftlich verträgt, äußerte sich Präsident Weizmann -— nach dem Berichte der Jüdischen Telegraphen-Agentur — so: „Es gibt zwei Kategorien von Einwanderern. Eine Kategorie, für welche die zionistische Organisation der Palästina-Regierung gegenüber Haftung trägt Haftung dafür, da« diese Einwanderer während eines Jahres dem Lande nicht zur Last fallen, anderenfalls aber aus dem Lande geschafft werden. Die zweite Kategorie ' von Einwanderern sind jene, welche gegen Vorweisung einer bestimmten Geldsumme, früher 500 Pfund, jetzt 1000, ein Visum erhalten. Für diese Kategorie kann die Zionistische Organisation nicht verantwortlich gemacht werden. Es ist klar, daß der . Besitz von 500 Pfund nicht bedeutet, daß der Besitzer für Palästina geeignet ist; und ein Mann, der ohue Mittel kommt, ein wertvoller Bürger sein kann. Wir würden gerne so viele Juden als möglich in Palästina sehen, aber waren sehr unzufrieden mit dieser Kategorie von Einwanderern, weil sie zu sehr von den ökonomischen Bedingungen, ihrer Herkunftsländer abhängig waren. Mit Bezug auf diese finanziell unsicheren Einwanderer, drückte ich meine h nzuf riedeuheit in einer Rede in Jerusalem aus, in der ich sagte, daß die Gefahr besteht, daß Palästina mit Juden überschwemmt werden könnte, welche keine Muskelarbeit verrichten können. Es ist ein starkes Stück, wenn der Bericht jetzt uns der Ueberschreitung der Grenzen der ökonomischen Möglichkeiten des Landes beschuldigt" Diese Rede ist mit der Bezeichnung „unüberlegt** nicht abzutun. Ihre Folgen sind unter den gegebenen Umständen unübersehbar. Sie ist eine ganz gefährliche Förderung der Tendenzen des Berichtes, die jüdische Einwanderung zu unterbinden. Sie muß und wird sowohl von den Arabern als von der Umwelt und selbstverständlich von der antizionistischen Palästina-Regierung als Preisgabe der mittelständischen Einwanderungaufgefaßt werden. Jener Einwanderung, mit welcher Palästina steht und fällt, jener Einwanderung, welche die größten palästinensischen Werte geschaffen hat TeJ-Awiw,' die Orangenkultur, die Industrien, den Handel usw. Jener Einwanderung, welche allein die Grundlagen: für die Existenz industrieller und landwirtschaftlicher Arbeitermassen bilden-kann. Die Rede stellt falsche Behauptungen auf. Die starke mittelständische Einwanderung in den Jahren 1933-26 hat Opfer erfordert, schwere Opfer 1 Aber wer hat die Opfer getragen? Das Land? Nein, das Land hat ungeheure Weite erhalten. Das Opfer haben jene gebracht die ins Land kamen, Geld und Glauben hineinbrachten. Wenn ein Drittel von ihnen mit leeren Händen abziehen mußte, sohaben sie doch das Opfer ge-

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