Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 133 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 133 darf von Tel-Awiw mitdeckten. Kleinere jüdische Eisfabriken versuchten ohne besonderen Erfolg mit der billigen arabischen Produktion zu konkurrieren, Inzwischen haben mit dem steigenden Bedarf der Stadt Tel-Awiw auch jüdische Unternehmer in Tel-Awiw die Eisfabrikation begonnen. Heute versorgt allein die Fabrik „Mandan" in Tel-Awiw TO Prozent der Eisverbraucher in Tel-Awiw; das frühere Syndikat der Eis* Produktion wurde aufgelöst, der Preis durch die Steigerung der Produktion und die. Kpnkurrenz der Produzenten reduziert. Der tägliche Verbrauch von Tel- A w 1 w belauft sich im Sommer auf nahezu 20 T o n n e n. Die Aussichten für eine Steigerung des Absatzes und eine weitere Entwicklung der Eisindustrie sind weiterhin sehr günstig, nachdem durch die Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Tel-Awiw eine immer größere Zahl von Haushaltungen im Sommer regelmäßig Eis bezieht. Auch sind die Bemühungen der Produzenten, den Verbrauch von Eis zu popularisieren, von sichtbarem Erfolg begleitet gewesen. Eine andere Neuerung, die für die Lebensmittelversorgung von Tel-Awiw im Sommer eine wesentliche Erleichterung darstellt, ist die Einrichtung von Gefrierräumen zur Aufbewahrung von frischen Lebensmitteln. Dadurch wird es möglich sein, auch in den Jahreszeiten, in denen die Versorgung des Marktes mit frischen Früchten, Gemüsen usw. sehr knapp ist, eine gleichmäßigere Belieferung des Marktes und eine Stabilisierung der Preise zu erzielen. Die Ernicnussichten. Nach einem Bericht des landwirtschaftlichen Departements der Regierung sind die Emteaussicht e n infolge der sehr guten Wetterverhältnissc in diesem Jahre sehr günstig. Die Kulturen haben sowohl Regen als Sonne in ausreichendem Maße erhalten. In den letzten Wochen hat sich auch der Preis auf dem englischen Markt etwas gebessert, so daß für die im März und April zur Verschiffung kommenden Früchte ein günstiges Ergebnis erwartet werden kann. Auch waren die Früchte bei ihrer Ankunft in besserer Verfassung als die in den Vormonaten zum Versand gelangten Transporte. Von der Versuchsstation der Zionistischen Exekutive wurde eine Probeverschiffung von Frühkar t o. f f e'l n nach England durchgeführt. In den Weizenkulturen von Samaria und anderen hügeligen Gebieten des Landes ist eihe Krankheit auftreten, die von einer Insektenpest herrührt; die Krankheit kann nur durch einen Wechsel im Anbau der betroffenen Flächen mit Gemüsekulturen usw. ausgerottet werden. Eine neue Eisenbahn von Akabn nach Haifa. Die englische Presse berichtet, daß ein Ingenieur aus Manchester mit der Ausarbeitung eines Planes für den Bau einer Eisenbahn von dem Roten Meer- Hafen Akaba nach Haifa betraut worden ist. Die Eisenbahn, die auf diese Weise den Indischen mit dem Atlantischen Ozean verbinden würde, erstreckt sich über 249 engl. Meilen; während der nördliche Endpunkt Haifa bereits einen ausgebauten Hafen aufweisen wird, wird es für den südlichen Endpunkt der Bahn notwendig sein, einen neuen Hafen zu errichten. Die Kosten des gesamten Planes sollen sich auf 6,000.000 bis 7,000.000. 250 Pfund für.einen getöteten Ehemann, 100 Pfund für eine getötete Ehefrau. Jerusalem, 27. März. Das Amtsblatt veröffentlicht soeben eine offizielle Mitteilung.über Entschädig u n.g für Verluste, die während der Unruhen im August 1929 erlitten worden sind. Laut dieser Mitteilung sind von der Regierung für zu. leistende Entschädigungen insgesamt 100.000 Pfund bewilligt worden. Die Entschädigungsskala ist die folgende: Für Getötete unter 14 Jahren wird eine Entschädigung nicht.geleistet, für getötete Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren wird an die Angehörigen eine Maximal« entschädigung von 100 Pfund ausgezahlt. Für einen getöteten Ehemann werden 250 Pfund, für eine getötete Ehefrau 100 Pfund, für ein getötetes Ehepaar 350 Pfund geleistet. An Personen, die infolge von Verletzungen, die sie während der Unruhen erlitten haben, vermindert erwerbsfähig geworden sind, werden Summen zwischen 5 und 100 Pfund ausbezahlt. Personen, die gemäß dieser Skala entschädigt werden, verzichten auf jeden Anspruch auf Entschädigung gemäß der Verordnung über Kollektivbestrafung. Vier des Mordes beschuldigte Juden freigesprochen. Jerusalem, 28. März. Das Gericht hat vier Juden aus dem Mea-Schearim-Viertel zu Jerusalem, die beschuldigt waren, am ersten Tage der August- Unruhen einen Araber getötet zu haben, freigesprochen. Sie wurden, nachdem sie mehr als sechs Monate in Untersuchungshaft gehalten wurden, sofort auf freien Fuß gesetzt. Vor der britischen Untersuchungskommission wurde bekanntlich von arabischer und zum Teil auch von englischer Seite behauptet, daß der im Mea-Schearim-Viertel getötete Araber das erste Opfer der August-Unruhen gewesen war, woraus der Schluß zu ziehen sei, daß die Juden mit den Unruhen begonnen hatten. Ein erheblicher Teil der Erörterungen vor der Untersuchungskommission drehte sich um die Frage, zu welcher Stunde der erste Tote zu verzeichnen war und ob dieses erste Opfer der Unruhen ein Jude oder ein Araber gewesen ♦ »»IMMMHII.........MMMMMM............MMMM»j Die Misrachi-Zentrale in Wien hat den Beschluß gefaßt, eine großzügige Aktion für Palästina- Produkte in Wien durchzuführen. Damit will sie allen an dern religiösen Aufbau brez Israels Interessierten Gelegenheit stehen, denselben ohne Jedwede Opfer zu fördern. Die Weine, die von der bekannten Firma „M!SRACHT\ Tel« Awlw. stammen, sind vorzüglichster Onalltlt und verläßlich riOS? Die OriginaMlechscheritn aus Ercz Israel erliegen bei uns. Alle unsere Gesinnungsgenossen und Freunde werden ersucht, ihren Bedarf an Weinen und Mazzoth bei uns zu decken. Bestellungen sind zu richten-an die Mlsrachl-Zentrate. Wien. It.. PratorstraOe II. Telephon 6-28. von 9 bis t Uhr vorm. und halb 4 bis 8 Uhr abends. Niederlage: Wien. II.. Große Stadigutgasse (Stadtgutkcltcr ..Kawc"). (Samstag geschlossen.) Ferner zu haben bei: Isak Weiden. III.. Adamsgasse 5: Josef Breuer. II.. Schönngasse 5: Panzer. Wien. IX.. Berggasse 20; Teitelbaum. II.. Am Tnbor 22. war. Ein britischer Polizist namens Dove sagte aus, die Tötung des Arabers durch die Juden geschah in Notwehr; eine Menge Araber brachen in das Mea-Schearim- Viertel ein und warf sich auf die Juden, in diesem Augenblick fiel ein Schuß, und bald darauf sah er, wie sich ein arabischer Polizist über einen mit Staub und Blut bedeckten Araber beugte. Er, D o v e, brachte den Bewußtlosen mittels Auto in das Deutsche Krankenhaus, wo der Arzt Dr. Sternberg den bereits eingetretenen Tod feststellte. Abermalige Störung des jüdischen Gottesdienstes an der Klagemauer. Jerusalem, 26. Miirz. Wie seit einigen Monaten wurde auch am letzten Freitagabend der jüdische Gottesdienst an der Klagemauer zu Jerusalem durch ohrenbetäubenden Lärm der Moslemiten, die in der Nahe das seit kurzem erst eingeführte sogenannte „Zikhar" feierten, erheblich gestört. Jüdische Touristen, die zufällig an der Mauer weilten, ersuchten die Polizei, das Spielen auf den Geräusch-Instrumenten zu verbieten. Die diensttuende Polizei erklärte, von der Regierung eine Weisung zum Einschreiten nicht zu besitzen. Anscheinend ist die Regierung entschlossen,, bis zum Eintreffen der Klagemauer-Konimission des Völkerbundes und bis zur Entscheidung über Rechte der Juden und der Araber an der Klagemauer nichts zur vorläufigen Regelung der Gottesdienstyerhältnissc zu unternehmen. \ Zum Araberbrief , Professor Einsteins. Wir haben in der letzten Nummer zum Briefe Einsteins an die'Araber ablehnende Stellung genommen und vor dieser Art von Politik gewarnt. Nun meldet man aus Palästina: .w. Der Brief von Prof. Einstein an den Redakteur des „Falastin", in welchem der Vorschlag gemacht wird, zur Lösung des jüdischrarabischen Problems eine Kommission aus je vier Vertretern beider Seiten zu 'ernennen,.- wird : von ■:: der h e b r ä i s c h e n Presse eingehend kommentiert. In einem Artikel von M. B eilinson im „Dawar" wird bezweifelt, daß der Vorschlag irgend etwas zur Lösung des jüdisch-arabischen Problems in; Palästina beitragen könne. Das Problem liege viel schwieriger, als es der gutgemeinte, aber naive und an der Wirklichkeit vorbeigehende Vorschlag von Prof. Einstein glauben lasse. Man dürfe nicht'vergessen, daß es sich in Palästina um tiefgehende Differenzen in den politischen Forderungen beider Parteien handle und nicht um die Frage g uten Wi 11 ens von beiden Seiten, den man durch einen engeren Kontakt von Juden und Arabern" erreichen könne. Die Juden verlangten, daß ihnen jede Möglichkeit gegeben werde, ihre Kräfte im Lande ohne künstliche Einschränkungen und Störungen, mit aktiver Hilfe der-Mandatsregierung zu entwickeln. Sie stimmten nur [einer einschränkenden Bedingung zu: Daß aus ihrer Tätigkeit kein tatsachlicher Schaden für die arabischen Einwohner des Landes entstehe. Die arabischen Führer erkannten die Forderung nicht an und bemühten sich, die Juden bei ihrer Arbeit' im Lande zu stören. Dies sei der Konflikt. Ein guter und ehrlicher Wi}le könne nur unter einer Bedingung helfen: ebenso wie die Juden bei ihrer Tätigkeit niemals für die Araber schädliche Pläne verfolgt haben, so müßten sich die Araber jeder Störung der jüdischen Arbeit und jeder künstlichen . Beschränkung dieser Arbeit enthalten. Wenn die Bedingung erfüllt werde, werde es möglich sein, die Mißverständnisse zu beseitigen. , jppr Artikel. bestreitet im übrigen die Beieifschaft des arabischen Blattes, die jüdisch-arabischen Probleme im Sinne eines wirklichen, für beide Teile akzeptierbaren Friedens zu behandeln. Da in dem Briefe Einsteins keinerlei Bedingungen, weder politische noch wirtschaftliche, für solche Verhandlungen gesetzt wer» den,, sei das Eintreten des „Falastin" für den Vorschlag ein billiger und risikoloser Versuch, durch'«ine1 zu nichts verpflichtende Geste den Eindruck rwecken, als ob.auf Seiten der Araber volle\Bereit« schaft für die Aufnahme von, Friedensverhandlungen vorhanden sei. Auch der „Haarez" kommentiert in einem Leitartikel den Vorschlag von Prof. Einstein und hält ihn für wirklichkeitsfremd und undurchfUhr« bar. Man dürfe, um die Frage zu lösen, die Differenzen zwischen den Juden und den Arabern nicht verwischen, sondern müsse ihre prinzipielle Klärung anstreben. Doch sei nicht einzusehen, warum nicht inoffizielle und unverbindliche Besprechungen von Vertretern beider Seiten über schwebende Probleme stattfinden sollen. Antritt der zweiten Palästina-Reise. Dienstag, den 1. April, abends, haben die Teilnehmer der zweiten vom Verbände demokratischer Zionisten veranstalteten Reise die Fahrt nach Erez Israel angetreten. Es beteiligen sich Reisende aus Oesterreich, Jugoslawien und Polen. Frau Berta Taubes, die auch die vorjährige, erste Reise in vorbildlicher Weise vorbereitet und durchgeführt hat, hat auch diesmal die Führung inne. Zur Abfahrt hat sich eine große Anzahl von Freunden und Gesinnungsgenossen am Bahnhof eingefunden. Als sich der Zug in Bewegung setzte, stimmten die zum Abschied erschienenen Freunde die „H a t i k w a h" an. Kaufet Palästinaprodukte! Palästinaöl in Wien eingelangt! Die palästinensische, jüdische Oelfabrik „Schemen" hat in Wien ein Lager feinsten palästinensischen Olivenöls (Speiseöl) errichtet. Auch Koscher Lepesach. Preis S 4.50 per Kilogramm. Bestellungen an S. Rnbinowicz, IL, Zirkusgasse 10. * Dieser Versuch des Absatzes eines wichtigen Palästinaproduktes in Wien ist sehr begrüßenswert. Kein Jude soll sich die Gelegenheit entgehen lassen, durch den Bezug hochwertiger, preiswürdiger Palästinaprodukte die jüdische Arbeit in Palästina zu fördern! Vom Palästinaamt Wien. Am 25. März 1. J. reisten mit einem Sonderzug aus Polen etwa 220 Palästinafahrev (zumeist Chalüzim und Chaluzoth) über Wien. Diesem Transport hatten sich einige Chalüzim und Heimkehrer aus Wien angeschlossen. Es war dies der dritte geschlossene Zug, der in den letzten vier Wochen von Polen direkt nach Palästina reiste. Auch diesmal hatten sich viele Gesinnungs* genossen am Bahnhof eingefunden. Die Durchreisenden erhielten eine Jause, um deren Zustandekommen sich in dankenswerter Weise besonders die Z. M. V. „Mirjam" und die „Wizo" bemü'ijjten. ~ Der nächste .Separatzug mit Chalüzim aus Polen dürfte am ö. Mai über Wien reisen. (Ankunft 7 Uhr abends auf dem Nordbahnhof.) Wiener Kinderheim in Grado, In Grado, dem Eldorado für Kinder, wird ein erstklassiges Kinderheim in. herrlichster Lage eröffnet. Bei mäßigen Preisen wird beste Verköstigurig und individuelle Pflege geboten. Saisonbeginn 26. Mai. Gemeinsame Hins und Rückreise unter Aufsicht bewährter Pflegerinnen. Aerztliche Leitung Dr. Erna Spitzer, Wien, VI., Webgasse 25 (Tele* phon B»2?*7*05). Prospekte gratis. Goldstein — Cohen — Goldstein. Wir haben . wiederholt über Fälle berichtet, in denen Judentum auch den letzten Schein ihres Judentums abzustreifen, ihren gut klingenden, oft gar biblischen Namen in. deutsche, französische otjer, wie es jetzt in Amerika häufig, vorkommt, in englische umtauschen wollten, dabei aber eine gründliche. Abfuhr erlitten. Ueber einen ähnlichen Fall tragikomischen Assimilantentums lacht gegenwärtig ganz New York, und zwar nicht nur die Ostseite, denn auch die englischen Blätter haben sich der lustigen Geschichte bemächtigt. Lebt da in Brooklyn ein Jude, namens Louis GqIdstein. Er stammt aus Polen und fristet sein Leben in der Neuen Welt als Agent. Man weiß nicht recht, warum, aber Louis Goldstein erscheint eines Tages , bei dem Rechtsanwalt Cohen mit dem Auftrag, ihm bei Gericht die Aenderung seines Namens in „Golding" durchzusetzen. Er wählte Mr. Cohen wahrscheinlich. deshalb als seinen Rechtsvertreter in dieser heiklen Sache, weil er sich dachte, daß Cohen selbst unter seinem Namen viel zu leiden habe, und daher bei Gericht mit der nötigen Wärme und Ueberzeugung für die Befreiung Louis Goldsteins von der letzten Silbe' seines jüdischen Namens werde plädieren können. Mr. Cohen übernahm den Fall und bereitete ein geharnischtes Plädoyer vor. Aber da lauerte das Verhängnis in der Person des Richters. Der Zufall wollte es, wie in mancher Posse, daß der Richter, der über die Seelenpein des Agenten Louis Goldstein zu urteilen hatte, selbst den vom Bittsteller so verachteten Namen trug: Auch dieser Richter der Vereinigten Staaten von Amerika heißt L o u i s Goldstein. Und nun entwickelte 'sich1 unter schallender Heiterkeit des Auditoriums das Verhör: Mr. Cohen setzte in langer Rede mit einem einer besseren Sache würdigen Eife|; a^sein^e^ s^|, dem1' P a| rjfoti sjv|e|ie8 Klienten #rde?»d «jatgegenzukommen, wenn er auch durch Namensänderung seine v ö 11 i g e . A m e r i k a n i s a t i o n bekunden wolle. Richter Lguis Goldstein unterbrach hier d©ft redseligen Rechtsanwalt u|d.vn^te; r; .r/> ,t . . v ,,Anj|^|^^t^f W#MW: Wählt d«p Ijjir Klient ausgereih^jU den[ffiqnfifari^djn£?: Walsum'; nipht; den Namen irgend eines alt e n 1 h d i a n e r h ü u p t'l t h g s, sagen wir Haajewata. Das wäre ein unver« fälschter amerikanischer Name, denn einwandfrei festgestellt ist, daß die Urbewohner Amerikas Indianer waren. Aajewata oder Kalamasu wäre noch begreiflich, aber Golding? , .