Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 132 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 8 DU NEUE WELT Nr, m piiniiiiiinniiniinimiiiiiinm^ I DER JÜDISCHE HOCHSCHULAUSSCHUSS veranstaltet Dienstag, den 1. April, 8 Uhr abends, in den Räumen der Zionist. Sektion VIII, Bennoplatz 1 eine lr——- Studenten, erscheinet zahlreich! Gäste willkommenI auch die durch seine Methode gefundenen Zahlen keinen Anspruch auf Genauigkeit erheben könnent In den letzten 100 Jahren hat sich das jüdische Volk um das Fünffache vermehrt, wobei die größte relative Zunahme auf die Jahre 1850 bis 1880 fällt. Dieser Befund geht auf das Sinken der Sterblichkeit bei den Juden der ganzen Welt zurück. Am Ende des 19. Jahrhunderts setzt eine Wendung in der Zunahme der west* jüdischen Bevölkerung ein, indem zwar die Geburtenhäufigkeit zu sinken beginnt, dieser Verlust aber durcn die Abnahme der Sterblichkeit bei den Ostjuden reichlich kompensiert wird. In den Jahren 1825 bis 1850 belief sich der jährliche Zuwachs auf nur 1,81 Prozent, in den Jahren 1900 bis 1925 bloß 1,58 Prozent, da bei den Westjuden die Natalität sehr gesunken war und bei den Ostjuden die Sterblichkeit zunahm, hauptsächlich durch die Kriegs-, Revolutions- und Pogromjahre. Die durch Uebertritt entrissenen Glieder haben keine große Rolle gespielt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verließen rund 205.000 Juden, also etwa 2 Prozent des Weltjudentums im Jahre 1900, ihre Religionsgemeinde. Allerdings waren es in der Hauptsache geistig und wirtschaftlich bestsituierte Elemente: Disraeli, Börne, Heine, Marx, Ricardo, Simmel, Mendelssohn-Bartholdy und andere zahlreiche Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler und Politiker. Im 20. Jahrhundert, mit dem Fortschreiten der nationalen Bewegung u n t e r d e n Juden, werden nicht mehr die geistig und wirtschaftlich stärksten Kräfte dem Judentum durch die Taufe entrissen; sie verteilt sich auf alle Schichten des Judentums und ist heute nur die Assimilation eines gänzlich unwesentlichen Teiles der jüdischen Bevölkerung an die Umgebung, verbunden mit dem Problem der Mischehen. Aber selbst in den Katastrophenjahren betrug die jährliche Zunahme immer noch 170.000 Seelen, das ist 1,5 Prozent jährlich. Wir können daher eine absolute jährliche Zunahme des Welt judentums auf 200.000 Seelen veranschlagen, was dem natürlichen Zuwachs des deutschen Volkes entspricht. Es erscheint daher das Gerede von der Degeneration des Judentums in seiner Gesamtheit lächerlich — wenn sich auch bei einzelnen' Teilen des Judentums (bei den westlich-assimilierten und den sephardischen Juden) Anzeichen, der Entartung bemerkbar machen. Die Umwälzung der Verhältnisse in der Verteilung dies Weltjudentums auf die einzelnen Weltteile im Laufe der 100 Jahre von 1825 bis 1925 ergibt folgendes Bild: Im Jahre 1825 wohnten in Asien und Afrika 16,4 Prozent, das ist der sechste Teil der Juden der ganzen Welt, 540.000, während sie im Jahre 1925 bloß 7001000 ausmachen, also bloß einen Zuwachs von 160.000 Seelen im Laufe von 100 Jahren ausweisen. Fügen wir den 700.000 sephardischen Juden (das heißt den eigentlichen spanisch-jüdischen Nachkommen und den versprengten Stämmen der asiatisch-afrikanischen Juden, die hier bereits vor der Vertreibung aus Spanien und Portugal wohnten) noch die anderen sephardischen Juden hinzu, so erhalten wir 900.000 Seelen in dieser Gruppe, somit 6, Prozent des für das Jahr 1925 errechneten Welt- Der Jüdische Hochschulausschuß gratuliert herzlichst seinem Präses Dr. DAW1D BUKSPAN anläßlich seiner Vermahlung mit Frl. cand. med. OLLY SONNENSCHEIN Wien,-30. März 1930. judentums von rund 15 Millionen Seelen. Vor 100 Jahren hingegen gab es bei der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Juden 2,68 Millionen oder 82 Prozent Askenasim und 600.000 oder 18 Prozent Sephardim. Der prozentuelle Anteil der sephardischen Juden hat sich also um zwei Drittel verringert. Um 1825 lebten in Europa fast 84 Prozent aller Juden, im Jahre 1925 nur noch rund 63 Prozent. Der größte Nutznießer des natürlichen Zuwachses des europäischen Judentums ist: Amerika. Vor 100 Jahren lebten hier 0,3 Prozent, 1925 gibt es hier bereits 29,5 Prozent, das fyejflt fast ein Drittel des Judentums. Trotz dieser kolossalen Auswanderung ist die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Europa in ständigem Wachsen begriffen. Den stärksten Zuwachs weist das Judentum Europas in den Jahren 1825 bis 1880 auf, eine Vermehrung um das Zweieinhalbfache; in den Jahren 1880 bis 1925 nur um ein Drittel, da während dieser Periode 3,25 Millionen Juden aus Europa, davon 3 Millionen nach Amerika ausgewandert sind. Die höchste Zunahme zeigt Amerika: in den ersten 25 Jahren des 19. Jahrhunderts eine Vermehrung um das 25fache, in der zweiten Periode um das 17fache, davon 80.000 jährlich durch natürliche Vermehrung, 40.000 durch Einwanderung. Auch Asien und Afrika zeigen in der zweiten Periode einen Zuwachs, der allerdings hauptsächlich die Folge der Einwanderung von Juden aus europäischen Ländern ist. Während vor 100 Jahren in den rückständigsten Agrarwinkeln Europas 86 Prozent des Westjudentums wohnten, nur 14 Prozent in den westeuropäischen Kulturländern, finden wir 1925 in den rückständigen Agrarländern nur noch 60 Prozent, in den Ländern der westlichen Kultur volle 40 Prozent des Gesamtjudentums. Diese Verschiebung großer Teile des Judentums war ausschlaggebend für die Entwicklung aller Seiten des jüdischen Lebens im 19. Jahrhundert. Die zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus Osteuropa ausgewanderten Massen des jüdischen Volkes flößten den westeuropäischen Juden, deren nationales Bewußtsein äußerst gering war, neue Lebenssäfte ein und schufen kompakte jüdische Zentren. Ohne Zufluß osteuropäischer Juden hätten sich die Geschicke der französischen und englischen Juden vom nationalen Standwmmwitiiitiiirmiitiiinrtiimimm^ uiimiiiiiinininrntimiiiiiiiititmiimitiimiiiimmnimni ""'utiiimiitmmHHMtiHimiiiMMiimiHmMiiiiiiiu^ SIEGM. KORNMEHL I GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX., Bcrggaase 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 ] Lieferant tür Heilanstalten | jÄMeBlunje^ i unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kul- | tusgemeihde Wien | Autozust»lluftg jkostenlos § IX., Berggaise IS , Xtf III*, Währlngersf r. 97 1 «ItttUtllllllllHIHUilllllltllJli lummiriiif riHtiiinuiiHtitmii «ituuimni illllMlMlIllfUIIIIIIIIIItlllltUIIMIIIIIIIItlllll^ fcnmiHMiuumiiiiiutftujiiitffliu^ ' punkt aus noch trister gestaltet als die der deutschen Juden, die durch den frischen Zustrom der russischpolnischen Ostjuden genährt wurden, weswegen man ruhig behaupten kann, daß die heutigen deutschen Juden; zum großen Teil aus Kindern und Enkelkindern osteuropäischer Juden bestehen. Nicht minder nachhaltig war der soziale Einfluß auf die deutschen Juden durch den Zustrom osteuropäischer Elemente. Während nämlich das deutsche Judentum größtenteils aus Händlern bestand, waren die in den letzten 50 Jahren eingewanderten osteuropäischen Juden in der Hauptsache Handwerker und Arbeiter. Im Zeitabschnitt 1825 bis 1850 stimmen die Zuwachswerte in Ost- und Westeuropa fast überein. Im zweiten Zeitabschnitt 1850 bis 1900 steigt der Zuwachs der Juden in Osteuropa trotz der lebhaften Auswanderung. Wir kommen auf Grund einer ziemlich genauen Berechnung für das Jähr 1900 auf eine Zahl von 8,41 Millionen osteuropäischer Juden (Zuwachs 145 Prozent), während die westeuropäischen Juden im gleichen Zeitraum nur einen Zuwachs von 7? Prozent erfuhren. Das osteuropäische Judentum erfreut sich also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eines doppelt so hohen Zuwachses wie das westeuropäische. Es ergibt sich, daß sich das westeuropäische Judentum in den letzten 100 Jahren kaum verdreifacht, das osteuropäische sogar versechsfacht hat. Dies ist eine biologische Erscheinung von gewaltiger Tragweite. Die Zunahme der Juden in England beträgt: 1825 zählt man 20.000 Juden, 1925 300.000 Juden; Belgien: 60.0QO im Jahre 1925 gegen 2000 im Jahre 1825; Schweiz: Steigerung von 2000 auf 22.000. Die Zunahme in Böhmen, Mähren, Niederösterreich ist ausschließlich die Folge osteuropäischer Einwanderung. Die Wiener Judengemeinde zählte 1825 bloß 1000 Seelen, gegenwärtig verfügt sie über mehr als 200.000 Seelen, die allerdings größtenteils auf galizische Einwanderung zurückzuführen sind. Wenden wir uns Osteuropa zu, fällt zunächst das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung in der Buko- Landesverein vom Röten Kreuze f (irWien Niederösterreich und Burgenland Werl-Lotterie 2286 Treffer Kaufet Rote-Kreuz-lose! Ziehung 4. April 1930 Nur 1 Schilling mmmm Zu haben in allen Trafiken wina (von 8000 auf 120.000) auf. Die jüdische Bevölkerung in Ungarn hat sich fast verfünffacht, in Galizien trotz der überaus starken Emigration verdreifacht, während der letzten 25 Jahre (durch Kriegsfolgen und Auswanderung) wieder verringert. Unter den Gebieten des vorkriegszeitlichen Rußland zeigt das sogenannte Weißrußland das stärkste Anwachsen des Judentums von 25.000 auf 460.000, also um fast das Zwanzigfache. Den geringsten Zuwachs erfuhren Litauen und die nordwestlichen Gouvernements des ehemaligen Rußland, da aus diesen Gebieten große jüdische Massen ans Schwarze Meer, Großrußland, Polen und nach Uebersee auswanderten. Krieg und Ausweisung brachten weitere Verluste und Verschiebungen. In Kronpolen stieg die Zahl auf das Dreieinhalbfache, da die starke Auswanderung durch Einwanderung aus Litauen und der Ukraine wettgemacht wurde. In der Ukraine, in Neurußland und Bessarabien hat sich die jüdische Bevölkerung ebenfalls um das Dreieinhalbfache vermehrt, da große jüdische Massen aus anderen Teilen Rußlands hierher einwanderten. (Ein Schlußartikel folgt.) T heater, Kunst und Literatur Professor Julius Wolfsohus Konzert. Das am 24. März 1930 im Musikvereinssaale abge* halten© Konzert war, wie zu erwarten, ein voller Erfolg. Deutsche, jüdische und polnische Musik, von Prof. J. Wolfsohn meisterhaft vorgetragen, entzückte das Publikum, In sinnfälliger Weise führte Professor Wolf* söhn seine begeisterten Zuhörer in die Musikwelt dreier Nationen ein: Brahms, Chopin und das jüngste Werk des Künstlers „Fünf Stimmungsbilder aus der K i n* derstube" (Uraufführung) gelangten zum Vortrag. Pro* fessor Wolf sonn erbrachte durch sein hinreißendes Spiel den Beweis, daß die Pflege jüdischer Musik keines* falls der Pflege der allgemeinen Musik hinderlich ist. Jüdische Musik bildet keine Ablenkung. Drei ver* schiedene Gefühlswelten verband Wolfsohn durch reinstes Künstlertum. Und nur dies ist maßgebend. Denn wahres Künstlertum sprengt die Grenzen und erhebt nationale Eigentümlichkeiten ins Uebernationale, „wo alle Menschen Brüder werden". In Brähms Gedankenwelt (Sonate F*Moll) ist Wolf* söhn tief eingedrungen. Die ungeheuren technischen Schwierigkeiten dieser Sonate (di so selten gespielt wird) bewältigte Wolfsohn vorbildlich und wahrte die gran* diose Linie dieses Werkes. Ueber Wolfsohn, dem weit* bekannten Chopin*Interpreten, erübrigt sich, zu berichten. Er spielt Chopin vollendet. Hinreißend, überzeugend und für die jüdische Musik werbend brachte Prof. Wolfsohn sein jüngstes Opus: „Fünf Stimmungsbilder aus der Kin* derwe 11" zu Gehör. „An der Wiege" heißt das erste Bild. In diesem, wie auch im zweiten „D i e schlimmen Schulbuben" und im „Fest der Lichter" verwendet Wolfsohn jene eigentümliche jü< dische Tonskala, bekannt vom Lesen der Thora, den T r o p p s t i 1, dem er als erster das Musikleben er* schlössen hat. In dem Bilde „M ärchenerzählung" verwendet Wolfsohn die neuartige, pianistische Koloristik. Das Grundmotiv bildet das bekannte Volkslied: „A mul ys gewein a mahse . . .". Eigene, aus tiefster Gefühlswelt kommende Grund* themen erklingen als Apotheose im „Chanukah" be* nannten vierten Bilde. Die Harmonik des ganzen Werkes ist auf der besonderen, aus der jüdischen Musik resul* tierenden Skala geschaffen. In ähnlicher Ausarbeitung, wie diese „Stimmungs* bilder", kennt das Konzertprogramm kein zweites jüdi* sches Werk. Der Künstler und Komponist wurde durch frenetischen Beifall des übervollen Saales belohnt. Das begeisterte Publikum erzwang sich mehrere entzückende Zugaben. Dr. T. N u s s e n b 1 a 11. ' „Das Teilerl vom Himmel", Revue in den „Jüdi* sehen Künstlerspielen". Im Rahmen des Gastspiels des „W arschauer Jüdischen Theaters" findet Freitag den 28. März die Erstaufführung der Revue „D a s mmm nur KÄRMEl ORIGINAL ist OER ECHTE . U. UNVERFÄLSCHTEI PALÄSTlNAWEi N ^MAN BEACHTE DAHER. DIE MARKE * IftWUMg fo\ *5«L MM KARMEL ORIGINAL Ä*sm AUF KORK,KAPPEL,PLOMBE U. ETIKETTE N.SPINDEL, M.BARTFELD,, WIEN, lvLAURENZERBERG ,3 jmseff m