Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 132 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein illustrierte« Palästina-Werk In Halienisdier Sprache, Im Verlag von Dr. Luciano Morpurgo in Rom erschien soeben ein prächtig ausgestattetes Bilderwerk über Palästina. Die Bilder sind mit einein Text an italienischer und französischer Sprache versehen. Das Buch hat in Italien großen Beifall gefunden und begegnet großer Nachfrage. Der Verlag bereitet auch Auflagen in deutscher, hebräischer und in anderen Sprachen vor. Der Preis des Buches, das durch den Verlag, Rom, Via delle Coaivertite 21, zu beziehen ist, beträgt 3 Dollar. Die Palästina-Unruhen hatten keine Wirkung auf den Touristenverkehr. Jerusalem, 20. März. Die Unruhen vom August 1929 in Palästina haben, wie aus den soeben veröffentlichten Zahlen hervorgeht, keine besouders naditeilige Wirkung auf den Touristenverkehr ausgeübt. Im Verlauf des Jahres 1929 haben 60.212 Reisende und Touristen (gegen 63.319 im Jahre 1928) Palästina besucht. IL Palästinareise 5690. 1. bis 29. April 1930. Veranstalter: Verband demokratischer Zionisten und Palestine Touring Club, Wien. Die Reise wird programmgemäß in Wien am Diens« tag den 1. April abends angetreten. Es beteiligen sich Reisende aus Oesterreich, Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien. Die Reiseleitung kann noch einige be« sonders gut gelegene Kabinen vergeben, wenn die An* meidung und die Einzahlung des Pauschalpreises bis spätestens Montag den 31. März, 10 Uhr vormittags, vor* genommen wird. Auskünfte und Prospekte durch Frau Paula Stricker, Wien, II., Hollandstraße 10, Tel. R*45*6*89, und Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstraße 92, Tel. R*45*905. Hermann Hödel Clara Andermann Verlobte Wien, im Mörz 1930 Die Tribüne. Ein gefeierter deutschösterreichischer Schriftsteller. Mit Beziehung auf die jüngst in Wien veranstaltete Feier zum Gedächtnisse des Dichters Emil Ertl erhalten wir folgende Zuschrift: „Vor einigen Tagen wurde an dem Geburtshause Emil Ertls eine Gedenktafel angebracht und sein litera* risches Schaffen in allen Wiener Zeitungen gewürdigt. Ich fühle mich verpflichtet, einiges hinzuzufügen. Der Held der Ertlschen Novelle „Die Familie Mar* tin" ist Sohn eines Schusters, Doktor der Philoslophie, kann zu keiner stabilen Existenz kommen und ist ge» zwungen, Stunden zu geben. In der Novelle heißt es: „Gegen ein mäßiges Honorar unterstützte Karl seit einiger Zeit die Söhnchen des Theateragenten Goldbaum in der Nestroygasse bei der Ausarbeitung ihrer Schul* pensa. Aber da der alte Goldbaum stets genau wissen mußte, was er für sein Geld bekam, so hatte Karl schriftlich garantieren müssen, daß die beiden Jüngel auch wirklich glänzen deZeugnisse nach Hause bringen würden, ebenso wie ein Uhrmacher wenn man eine Uhr kauft, garantiert, daß sie auch wirk» lieh geht. Die beiden Goldbäume, Daniel und Siegfried, waren nämlich, wenigstens nach der Ueberzeugung des Herrn Papas, ein Paar geradezu phänomenal begabter Knaben, welche nur deshalb in der Schule nicht reüssier«, ten, weil ihnen die Herren Professoren aufsässig waren. In Wahrheit konnte man sich freilich keine unwissende« ren und keine anmaßenderen Jungen vorstellen." Man kann aus dem Buch selbst beurteilen, ob es unbedingt notwendig war, diesem unglücklichen Philo* sophiedoktor, der sich zum Schluß umbringt, jüdische Schüler zuzuteilen. Karl besaß auch einen Freund, Pollak*Nordenhof, dessen Vater fallierte. Es heißt clann von diesem jüdi* sehen Freunde: „Es fiel ihm nicht schwer, sich einen vor* nehmen Anstrich zu geben, denn nicht nur hatten sieh bald nach dem Fallissement seines Vaters die Vermögens* Verhältnisse seiner Eltern in sehr erfreulicher Weise ge* hoben, so daß die Familie einen regelmäßigen Sommer* auf enthalt in Ischl nehmen und in ein prunkvolles Ring* straßenpalais übersiedeln konnte, sondern Louis hatte auch unvorsichtig, wie er war, sein Herz verloren, und die. Toöhter des Börsenbesuchers Samuel David Pollak, der nach Erhalt der Eisernen Krone nur mehr S. D. Rittvon Nordenhof, genannt wurde, Else von Norden* hof geheiratet,. ein Mädchen, das zwar um einen Kopf größer war, dafür aber eine Mitgift von 250.000 in Häuser* anteilen und Wertpapieren besaß." Auch dieser Satz hat mit der Fabel gar nichts zu tun. Man merkt, daß er rein aus böser Gesinnung heraus eingefügt wurde. Das Häßlichste und Unwürdigste aber Rasche Heilung durch Radium HotWrequewibwtrahSuna. Gegen Gicht, Ischias, Rheumatismus, Nervenleiden. Undesbeh. konz. dermato-physikalisehe Heilanstalt «,Sol-R*" I., Kärntneratraße 10. Eingang Seitengasse. Das Beste Schmidlvom Outem sind dt« In Geschmack und Qualität unübertroffenen ersifclaMig»al!renomm!ertan welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden Die Mazzoth werden aus dein feinsten Mahl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die „Schmldl-Massoth" das beste Renommee und werden vor allen anderen bevorzugt ÄÄÄfö SPEZIAL-MARKE „N.B.««ES! Zenrole: N. Brodetzki, II. Leopolds gas se43 Tel.R-4e*1-90 A-40-2-B3 A-40-9-62 P I L M. Wildmann, I, BäckerstraBe 1« Ignas Fleischer, 11, PratafstroRe 44 Jaicob Wala, II, Untere AugartenstraQ« 25 S. Schneider, II, Miesbachgaste S I A L f Nt David Raab, II, Schiffamtsgasse 7 M. Spiegel, Hl, RadetzkystraBe 4 Max Silberberg, IX, Rotenittwengasse 8 Leib Mandl, IX, Grllnentorgaase 41 enthält der folgende Satz: (Der Schuster Martin sagt zu seinem Sohn über den jüdischen Freund) „Der kann's tun, denn er hat's, oder vielmehr sein Vater hat's i . . . . . und seine Frau hat's, die fette, dumme Gans,' die PollakoNordenhof, obgleich ihr Herr Papa sich noch vor 20 Jahren nicht Seife spendieren mochte, um sich die Läuse vom Leib zu waschen, die er im Kaftan aus Ga* lizien mitbrachte." Auch dieser Satz hat nichts mit der Erzählung zu tun. Und nun wundert man sich, daß die deutschester* reichische studierende Jugend den Frieden an der Wiener Universität stört. Emil Ertl als Erzieherl Wäre Herr Ertl bloß ein niedriger Pamphletist, dann bliebe nichts zu sagen. Aber er hat auch gute Bücher geschrieben und dieser Umstand stempelt derlei Ergüsse zu einer wirk« liehen Gefahr. Sisyphus. Wien, 11., l'aborstr. l -Tel. R-41-2-4* Das Fllmthpa'er der au>\ LIANE HAID ' ■ in dem qroßen deutschen SpreCii'- u. ronfilm def Joa-Nlay-Pro- . duktio$'der Ufa LUMP mit H.A.Sohlettowu. Carl Gerhardt. Manuskript: Robert Liebmann u. Karl H»tt\ nach'Feilx üoermann u.-Edmund EyMer. Regie: GUSTAV UCICKY. Musik! Ralph Benatzky Prachtvolle Orlglnalaufnahmen aus den Usterr. Alpanlündarn lind Wien! Beßlnn: Wochentag 5. 7 9 Uhr — Sonn- und Feiertag 3, 5, 7,9 Uhr Das jüdische Volk im letzten Jahrhundert. Die Vorbedingungen für Umsiedlung und Umschichtung. II. Von 1825 bis 1925 hat sich das jüdische Vqlk verfünffacht, Es ist anderthalbmal so stark angewachsen wie die Bevölkerung Europas, Hier macht Lestschinsky eine wichtige Feststellung: Bei dem staatenlosen jüdischen Volk ist neben der zahlenmäßigen Stärke die Frage nach (1er Konzentration die wichtigste. Kleine Ansjedlimgen können noch ihr nationales Gepräge bewahren, eigene Lebensformen erzeugen, solange sie in sozialer, politischer, kultureller Isoliertheit leben, „Anders", erklärt Lestschinsky, „gestalten sich die Geschicke kleiner Ge« nieinschaften in den modernen Großstädten, mit ihren sozialen Kämpfen, dem politischen Ringen, der kulturellen Nivellierung, . . , Unter solchen Verhältnissen ist die Assimilation unausbleiblich, ist die Auflösung, das Untertauchen in die Bovölkerungsmasse der Umwelt der einzige natürliche Ausweg. Grqße, dicht zusammengefügte Massen aber erstreben und erzeugen eigene Lebensformen, suchen und finden unwillkürlich Wege für kollektive Erlebnisse, für kollektive Geltung und Ent- ■.....■! i i ......■' ........... "f.....1 ■ i ■!» ............i...... ' n Wochen-Kalender Mftrz'April 1930 IDTVM srin Adar-Nissan 5690 28 Freitag 28-na Sabbateingang 6.15 29 Samstag so--« Sabbatauspang 6.59 'on nnn 'd »mpe^ro 90 Sonntag l~H mr\ rtn 81 Montag 8-a ■* / > j ■, 1 Dienstag ....... a Mittwoch l-J. 4-n -----■'........,■; ■■......~- 3 Donnerstag 5-n Wicklung, kompakte Massen alter gcschichtlidier Formationen mit ihren Hunderte von Generationen fortdauernden Geschicken und Traditionen finden instinktiv die Gleichgewichtslage zwischen dem zuträglichen Maß der Anpassung an die fremde Umwelt und der nötigen Erhaltung und Pflege der eigenen hergebrachten Kulturformen und Lebensbesonderheiten." Diesem Gesetz entspringt also die Notwendigkeit einer selbständigen nationalen Politik dort, wo größere jüdische Massen in fremder Umwelt leben. Das Bild, das uns Lestschinsky vom Wachstum des jüdischen Volkes und seiner Ausbreitung über die einzelnen Länder, Staaten und Weltteile während der letzten 100 Jahre vermittelt, basiert nicht auf genauen Daten, da diese selbst für die Gegenwart nicht zur Verfügung stehen: wir sind auf Schätzungen' und Mutmaßungen angewiesen, da in vielen Ländern bei den Volkszählungen weder Nationalität noch Religion registriert werden. Die Angaben und Zahlen, welche angesehene Statistiker und Institute angeben, müssen schon bei flüchtiger kritischer Betrachtung Zweifel erregen. Bezeugt können diese Zweifel durch zwei Beispiele werden: Die Anzahl der Juden im alten Oesterreich ist für 1830 mit rund 300.000, für 1870 mit rund 800.000 angegeben, was einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 1,7 Prozent (von 1830 bis 1850) und von 3,8 Prozent (von 1850 bis 1870) entspräche, während er bei der Gesamtbevölkerung desselben Territoriums bloß 0,76 Prozent beträgt, daher die natürliche jüdische Zunahme fünfmal so groß gewesen sein müßte wie die der Nichtjuden. Aehnlich widersinnig sind die offiziellen Angaben der russischen Regierung, wonach in Kongreßpolen der durchschnittliche jährliche Zuwachs der jüdischen Bevölkerung von 5 Prozent im Jahre 1816 auf 0,17 Prozent fiel. Zum Teil lag die Ursache für die falschen Zahlen in der Scheu der Juden vor Volkszählungen und Revisionen, solange als sie unter Ausnahmsgesetzen standen. Wenn schon die statistischen Daten der europäischen Länder ungenau oder direkt falsch waren, so stößt man bei den Juden in Asien oder Afrika auf Kuriositäten und1 Anekdoten. So schreibt ein hervorragender Fachstatistiker über die Verteilung der Bevölkerung nach Konfessionen im Jahre 1851: „Die Juden haben in der Welt noch immer ihren Hauptsitz in Palästina . . . verhältnismäßig wohnen die meisten Juden auf der Erde von Weltteilen in Asien; ihre Zahl wird auf 3 Millionen angegeben ... man kann %xk Millionen Juden in Afrika rechnen . . . Auch in betreff der Juden möchte die Zahl von 8 Millionen nicht erhebliqh geändert werden können.". Da Lestschinsky die in den offiziellen und nichtoffiziellen Veröffentlichungen angegebenen Zahlen über die Stärke der jüdischen Bevölkerung nicht übernehmen konnte, wählte er als Basis für seine Untersuchungen die Daten derjenigen Volkszählungen,, die als die zuverlässigsten gelten dürfen. Für die Länder, in welchen bei Volkszählungen weder Konfession noch Nationalität registriert oder überhaupt keine Volkszählungen vorgenommen wurden,, bedient sich Lestschinsky der glaubwürdigsten Schätzungen« Allerdings muß er zugeben, daß ffliiiiwn«aiM BUMMSCHBINS «W3 I PFLANZEN - Margarine Vntrreicht in Qualität und Preis t Brzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrajbjner* & Fürst Darf l« keinem JUdltlIhm Hsut*«K («Mmi noß bv *m> Ueberau Mhaitllob KARL BMIM3CHEINS Vereinigte Margarine- und Butterfabriksa, Wien, XIV., Diefenbacbgasse 59