Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 131 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.»; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. IR Ei \l IE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße j6-$ Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 21. März 1930 Nr. 131 Lord Balfbur gestorben. * London, 19. März. (Reuter.) Lord Artur Jumes Balfour ist heute früh gestorben. Lord Balf our - ist nicht mehr. Gerade im Augenblick, da die Frage des jüdischen Nationalheims in seiner ganzen Breite und Tiefe aufgerollt ist, -da die wort- und sinngemäße Ausführung jener Deklaration umkämpft ist, die dem gesamten jüdischen Volk sein Vaterland verbrieft hat,; haben sich die Äugen Lord Artur James Balfours für immer geschlossen. 4Die Deklaration, die für ewige Zeiten seinen Namen trägt, die Balfour-Deklaration, war für ihren Schöpfer nicht ein Akt aktuell-politischer Raison,' geboren aus den Machtverhältnissen des Jahres 1917, da England weitgehende Berührungspunkte mit dem Judentum der Welt fühlte; sie war ' noch weniger die Geste eines einzelnen Mannes. Die. Balfour-Deklaratiön war die Kristallisation des Willens des britischen Imperiums, dem jüdischen Volke den Wiedergewinn seiner alten Heimat zu ermöglichen. . fIn.den 13 Jahren, die seit dem Zustandekommen dieses. Vertrages verflossen sind, hat sich Lord Balfour als dessen treuester Hüter bewährt. Er war es,. der, in der Konferenz von San Kemo dafür sorgte,' daß das zwischen den Ententemächten und der 'Türkei geschlossene Abkommen die Balfour- Deklaration, voll und ganz berücksichtigte. Mit der gleichen .Zähigkeit, Tatkraft und Treue brachte Balfour das Palästinamandat zustande, worin alle die * jüdische * Heimstätte betreffenden Elemente veräpkert und völkerrechtlich gebunden sind. Die.se unvergeßliche Arbeit war begleitet von einer* Reihe staatsmännischer Verhandlungen und gypßarigelegter, ' tief durchdächter Reden vor dem Völkerbünde und dem fcritisohen Parlament, den höchsten politischen Tribünen der Kulturwelt. ' Die psychologische Voraussetzung für dieses Schaffen war das volle Erfassen des Wesens des Zionismus in seinem politischen, sittlichen und nationalen Umfang, das Verständnis für ein Problem, das Millionen Menschen bewegt. Der Minister eines Weltreiches trug die mächtigsten Impulse sefn^r .Seele: dorthin, wo sonst mv rechnender Verstand und kaltes Abwägen walten. Alle Phasen seines Lebens, vom Moment an, da er die große sittliche Aufgabe, das ist die Wie-* dergutmachung einer unverjährbaren Schuld am jüdischen Volk, erkannt und die Verwirklichung eingeleitet hatte, fanden ihn unerschütterlich am Werk, den Hindernissen zum Trotz, die sich dem von ihm so sehnsüchtig erhofften Aufbau in den Weg stellten. Der Mann, dessen ethisches Fundament die Bibel war, hatte Vertrauen zum jüdischen Volke, zum Volk der Bibel; er hatte Vertrauen zum Willen des jüdischen Volkes, das ihm seinerseits legendenhaft anmutendes Vertrauen mit Recht entgegenbrachte. In den schönen Tagen der Erfüllung war Lord Balfour da: im Frühling 1925. eröffnet er am Skopusberg die hebräische Universität; er wandert durch, den Emek und was seine Augen dort gesehen haben, bleibt ihm unvergeßlich. In düsteren Tagen war er ein nie versagender Freund. - /v " 1 ■ Die "Last von mehr als 80 Jahren auf den Schultern hinderte ihn nicht daran, nach den furchtbaren Augustereignissen in Palästina dem jüdischen Volk in einem Brief zuzusichern, daß jede englische Regierung die Pflichten der seinen Namen tragenden Deklaration erfüllen werde. Einige Zeit später rief er gemeinsam mit Lloyd George und General Smuts die englische Regierung zur Pflichterfüllung auf. Lord Balfour ist nicht mehr. Sein Herz hat aufgehört zu schlagen. Aber die edelste Tat seines Lebens ist nicht aus der Welt zu schaffen^ Die tschechoslowakische Republik und die Juden. Zu Thomas Garrick Masaryks 80. Geburtstag. Als Th. G. Masaryk, der Präsident der Tschecho* slowakischen Republik, vor einigen Jahren Palästina be* suchte, legte er am Grabe Achad Haams einen Kranz nieder. Das Oberhaupt eines Staates huldigte dem Geist eines jüdischen Denkers, der in einem gewissen Sinne Wegbereiter war — Symbol angewandter Geistigkeit. Ma# saryk fühlte sich zu Dank verpflichtet einem Menschen gegenüber, der die Bestimmung hatte, für ein Volk zu denken, er, Masaryk, der zu denken und zu handeln hatte; er, Masaryk, für den Politik stets ein Stück an» gewandter Geistigkeit war; er, Masaryk, bei dem die Füh* rerschaft von dort her kommt, wo sein Typus Mensch die äußerste Höhe erreicht hat. Und jetzt wird, unweit des Alle Im redaktionellen Teil befindlichen entgeJiHcfoen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet füvfrt ntgttfctte «Stoffe ^2fgdedr.V191 -s»s^ WIEN I. FREISINGERGASSE f Telephon U 2o-3 «/ Seim Sdjmeraeu♦. ♦ SogaläaMettett! £ogal«Xa&!erten ffab unübertroffen jut öelämbfung rheumatischer, gichtischer und nervöser Schmerzen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankhelten. £oga! ftfjeibet bie$arnfäure au* unb gebt bajjer bireft jur 2Burjel be* UebelS! SBenn Saufenbe bott Äcrjten biefe* SKittel öerorbnen, tönnen aüdj ©te eS berttouenSootl taufen, fragen Sic 3§ren Slrjt! 3n allen tyotbeten. ffitciS S 2.40._ , _ö 83/84 Kranzes, den er niedergelegt hat, von jüdischen Händen in der Ebene Jesreel bei Sarid, der Siedlung der tschecho» slowakischen Kwuzah Bibrachah, ein Wald gepflanzt, der den Namen Masaryk*Wald erhält; Innerlich wahr schließt sich der Ring. Die Saat geht auf, Völker verstehen ejn* ander. * Im alten Böhmen waren die politischen Traditionen der „res publica" lebendig; sie waren wachgehalten von den großen böhmischen^ Menschen, die ihre Mitbürger zu freien, ihrer Rechte und Pflichten dem Volksganzen gea genüber bewußten1 Bürgern erziehen wollten, im! Gegen* satz «um, Untertan, wiesich ihn die mittel^ Monarchien wünschten. Unterirdisch nt^e^^^^^tx* fläche vöUz,pgj«ichr: der, J&f dieser beiden ^©Ijtansciiau* ungen. Auf dem Wege ständen Hus, Komeiiskyi Pilacty, Rieger und Masaryk. Diese Spannung ist;'.u9OTelieljtaft' eine der Ursachen['"des großen Krieges, der '(die; U<nfte,r* t a n e n unter sich begrub und freie Völker schuf. Nicht von heute auf morgen ward die /Tschechoslowakische Re« publik. Ihrer Schaffung gingen Jahrhunderte intensivster politischer, kultureller, sittlicher Erziehung voraus: Der Wille der Führer baute nicht auf Phantasien, er baute auf Realitäten. Die großen Männer der Tschechoslowaken waren Realisten. Politik ist Schicksal, aber nicht Fatum. Fatum wurde ersetzt durch einen bewußten Zielplan. Der Professor Masaryk, der vor 40 Jahren zum Führer der tschechischen Realistenpartei wurde, ging über „Pa« lackys Idee des böhmischen Volkes" hinaus» Das histo« rische Recht war auf seiner Seite. Das sittliche Recht erkämpfte sich sein Volk. Das reale Recht war das Resultat der Organisation. Derart ergibt sich ein wun« derbarer Parallelismus zum jüdischen Volk. Das Werden der Tschechoslowakischen Republik ist ein Musterbeispiel für jedes freiheitlich gesinnte, ethisch starke, historisch beglaubigte Volk; Die Freiheit der Gesinnung, die An« erkennung des moralischen Rechtes führte Masaryk zu den Juden. « Die Anerkennung der Rechte des jüdischen Volkes in der Welt durch Thomas Garrick Masaryk ist keine Nachkriegserscheinung. Zu einer Zeit, da die jüdisch« nationale Idee, der Zionismus, noch keine Volksbewegung war, fühlte sich Masaryk zu den Ideen des erwachenden Judentums hingezogen, als Bürger eines staatenlosen Vol« kes, als Verfechter des Ethos im Völkerleben, als sitt» licher Mensch, als — Realist. Wenn er sagt, daß es ihm bei der Affäre Hilsner nicht um das Auftreten gegen den Ritualmord>Aberglauben ging, sondern „um die Rettung der Ehre des tschechischen Volkes", so bedeutet diese Erklärung eine Bestätigung für den Wert der sittlichen und politischen Erziehung eines Volkes; die Rettung der Ehre des eigenen Volkes schloß in sich auch die Ehre des jü« dischen Volkes ein. Da Masaryk die sittliche und poli» tische Bedeutung des Zionismus erkannt hatte, war es ihm eine Selbstverständlichkeit, den Juden das Recht zu« zusprechen, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen. ' Und'im Zusammenhang damit die aktuelle Volkszählungs* frage bereits im Jahre 1899 vorwegnehmend, schrieb; Ma« saryk: „Die Juden sind ein eigenes Volk, wenn, sie auch bereits ihre gesprochene Sprache aufgegeben haben. Aber die Sprache allein ist nicht das ethnographische Merkmal einer Nationalität." ♦ Die geistige und moralische Haltung der Tschecho« slowakischen Republik als Resultat eines Jahrhunderte« langen Erziehungsprozeses hat die warme, freundschaftliche. Atmosphäre geschaffen in der. das jüdische und d»a