Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 130 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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ffoÜB 8 Offi NEUE WELT Nt. m SIEGM. KORNMEHL motmuscmtAuiftii Z«otfJe lX^,Bcr««iW 19. Telephon 17*3-99 u., 16»9«34 Lief eru t tür Heilanstalten M^SSXS^m^SSmmä^ ontfr-Aufsicht du Ehrwürdigen Rabbinats der Itr. Kol« tusffemeinde Wien Autoatmttlttmg kosttnle» lX^**fffff«sM IS / XVIII«. Wlhrlrtfftrttr. 97 .. , Die jüdische Kolonisation, sagte Sir John, könne nicht nach gewöhnlichen ökonomischen Maßstäben be* urteilt werden. Imponderabilien) insbesondere „Senti* ments" spielten bei ihr? eine, sehr bedeutende Rolle, die oft übersehen werde. Das große Problem in Palästina sei die Wasser« fragte.'AuscMangel anentsprechenden Vorkehrungen werde das Wasser in großen Mengen vergeudet. Eine Lösung liege in der Wiederaufforstung der Hügel, da" nur der Humusboden der Wälder eine Versickerung des Regenwassers verhüten könne. Die Regierung sei sich der Dringlichkeit dieser Frage vollkommen bewußt.. \ Der Redner vefglich dann die kommunisti« sehen und die auf individueller Basis geführten Wirtschaften. Seiner Ueberzeugung nach werden die letzteren viel rationeller geführt; die besten Leute verließen daher mit der Zeit die Kwuzoth und wanderten in individuelle Betriebe ab. Worte der Anerkennung fand Sir John auch über die alten, von der pYca angelegten Kolonien, in denen, abweichend von den zionistischen Siedlungen, auch arabische Arbeiter beschäf» tigt werden. .,..>• Besonders rühmend hob der Redner die Tatsache hervor, daß den Einwanderern die Leiden und Mühen der kanadischen und australischen Siedlungspioniere erspart bleiben, Während diese gezwungen seien, jahrelang in primitiver Weise in Hütten und Zelten, aller Er* •Vi'.. » . ■ ■ leichterungen, bar, zu leben, erhielten die zionistischen Kolonisten durch ihre Organisation neue Häuser und qie modernsten, Behelfe. Obgleich diese Investition unter c|em Gesichtspunkte der vollen Verzinsung des Kapitals qie gerechtfertigt werden würde, sei sie doch ganz aus» gezeichnet, besonders im Interesse der Frauen und Kinder;; er habe übrigens nirgends in der ganzen Welt glücklichere und gesündere Ipi-nder gesehen als. in den jüdischen Ko«. taini^n Paläs.ti.nas. ....;;; _• '. :Sir John Russell wandte sich dann engeren land«: wirtschaftlichen Fragen, zu. : Er .erklärte, daß er es als; i^nklü g erachte, wenn die Juden mit der "viel billigeren: ^Itbischen G e treideproduktion konkurrieren wollten; Getreidebau benötige wenig Handfertigkeit. Da der jüdische. Arbeiter doppelt so . .hohe Löhne bean* spruche' -als der arabische Arbeiter, so wäre es klüger, wenn sich der jüdische Kolonist auf den Anbau höher be? w;e r t e t er Erzeugnisse konzentrieren würde, wie z. B. Milch« und Geflügelprodukte, für deren Efzeugüng größere Geschicklichkeit und Fachkenntnisse notwendig seien, als sie der Araber besitze. (Ziko.) * Wie man sehen kann, stehen die Ansichten des gewiß unvoreingenommenen englischen Fachmannes zu denen des Herrn Dr. A. Ruppin, des bisher allein Maßgebenden Landwirtschaftsreferenten der zionistischen Orgahisätion, im Gegensatz. Zweite Palästinareise 5690. 1. bis 29. April 1930. V er a n $ t a 11 e r: Verband Demökratisdier Zionismen -und Pajestine. Touring Club, Wien. Wie bereits mitgeteilt, wurde die diesjährige Palästinareise auf den ^onat. Aprij verlegt, wodurch den Reiseteilnehmern die Gelegenheit geböten wird, die Pesachwoche in grez Israel zp verbringen. Die Preise für diese Reise getragen von tV*en bis Wien bei Benützung der 8. -Schiffsklasse S 2225, bei Benützung der 3. Schiffsklasse S' 1625. Die Anmeldungen werden bis zürn 20. März entgegengenommen. Auskünfte und Prospekte durch Frau fyiula Stricker, Wien, II., Hollandstraße 10, Telephon |U45-6-$9, und Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinttraße 92, Telephon R-45-905. Ehrung .Kramenetzkys durch dieZ. A. V. BarKochba. Anläßlich des 80. Geburtstages überreichte der Z. A. V. §ar Kochba seinem Ehrenmitgliede Herrn Ing. Johann Treffpunkt aller Zionisten lI,Täborstr.70 Momimtntalstes Kaffeehaus Wiens i Kremenetzky ein Ehrengeschenk, den „Juden« staat" Herzls, in einem blauen Lederband mfKe» silbernen Plakette. Die Abordnung bestand aus Herrn Df. Nachum Samonsky, Präses, Dr.* Zwi Wieae 1* berg, A H. Reich und B.B. Schindler. Herr Dr. Sa* monsky begrüßte den Jubilar und betonte , in seiner Rede, daß der Z. A, V. Bar Kochba auch weiterhin dem Gcdäfl* ken des Judenstaates treu bleiben wird. Ing. Johann Kremenetzky sprach über die gegenwärtige Situation im Zionismus und meinte, das Hauptproblem sei, eine Mas* s «. n iniffli fr ftt i o n. zu inaugurieren. „Wenn wir eilte Million- Juden in Palästina haben werden, dann wird das Land jüdisch sein. Verhandlungen mit den Arabern im gegenwärtigen Augenblick sind twecklos. Ich gehe in eini» gen Wochen nach Palistina und werde wieder versuchen, etwas, für das Land zu tun. Unsere Jugend muß sich auf Palästina einstellen; sie muß praktisch denken, sie muß hinuntergehen 1" _______ General Brussilow über die jüdischen Soldaten Soeben sind in tschechischer Sprache die„Memoiren desGeneralsBrussi* 1 o w" erschienen. Brussilow war einer' der er* folgreichsten russischen Feldherrn im Welt» krieg und hatte speziell-im Jahre 1916 den Zentralmachten schwere Niederlagen zugefügt, Er war Liebling ties Zären und trat später in die Rote Armee ein» 'Ich . glaube, daß ich vollständig . unparteiisch urteilen kann, da ich weder in Gutem noch in Bösem voreingenommen gegen diese Rasse bin und während des Krieges Gelegenheit hatte, mir ein Urteil zu bilden* Es ist kein Zweifel, daß die Mehrzahl der Juden mittel« mäßige und viele auch schlechte Soldaten waren. Manche ließen sich gern gefangennehmen, da sie sich in der Gefangenschaft wohler fühlten. Die Deutschen und Oesterreicher machten sie dann zu Kommandanten: ihrer russischen Genossen, mit denen sie dann öfters nicht sehr gut umgingen. Aber es gab auch andere Beispiele, allerdings nicht gerade oft, daß die Juden über* ragende Tapferkeit und Heimatsliebe be« kündeten. Um nicht ohne Beispiele zu sprechen, möchte ich einige anführen. Als wir am Bug standen, führte man mir bei einer Inspektion bei einem Regiment einen jüdischen P a t r o u i 11 e u r vor, der nicht nur als der beste im Regiment, sondern in der ganzen Division bezeichnet wurde. Er stand im Felde seit Anfang des Krieges, nahm tapfer an allen Kämpfen teil, war dreimal ver» w u n d e t, kehrte aber immer wieder ohne Zwang sofort zum Regiment zurü^l^^elde|^;:^ich,. freiwillig zu den schwierigsten und geföhrlich^en Ühternehmungen und war berühmt Idürcn sei&eK ü h jth ei t und G e'w a h d t teeii t. \' ■; f.i ■ va*'--*' *sr<kv J'(r.-^' 'jtSfi »*.' * 'l/ Er hattef als;Auszej^hnu^g|iv i e?.r■ M^e d a ill e'n; vom jr|lg. Georg und drei Georgskreuze und hatte Anspruch auf das Georgskreuz 1. Klasse, aber der Korpskom* mandant meldete mir, < daß er sich nicht getraue, den . Mann für diese hohe Auszeichnung vorzuschlagen, da ihre Verleihung mit der Ernennung zum Fähnrich verbun* den sei und die Ernennung eines Juden zum Fähnrich sei verboten. Und so war der Mann, obwohl er auf Grund seiner Auszeichnungen schon längst zum Unteroffizier hätte ernannt sein sollen, weiter gemeiner Soldat ge» blieben. Zur Charakterisierung dieses jüdischen Soldaten ist nochc hinzuzufügen, daß ihn diese Ungerechtigkeiten keineswegs erbitterten, sondern daß er auch -weiter« hin tapfer-und ehrenvoll seine militärische Pflicht; erfüllte. Es ist ^begreiflich, daß ich diesen Mann vor der Front u,ma r m;te und küßte und ihn, wenn'auch vielleicht gegen das Gesetz, sofort zum Fähnrich ernanntevünd. ihm das Großkreuz 1. Klasse anheftete. - V! Per zweite Fall ist dieser: Zu einem der Infanterist regimel^ter vkam ungefähr zu derselben Zeit .ein vpeu» ernannter Fähnrich p r avoslawischer Kon f s* sion. Er bewährte sich als eifriger und tapferer Offizfel, erhielt eine JKeihe Auszeichnungen und für ein G^f^ht^ bei dem, er sich besonders ausgezeichnet, hatte, war. er für den Vladjimirorden 4. Klasse mit Schwert und »arfti' vorgesc|i»|ageja^ worden. Bei der Ueberprüfu^''..si(n^'. Personaldpkumente zeigte es sich, daß er ein g e tla'u f t et Jude;war, der nach dem Gesetz nicht das Repht bätt^, in dielF.ä h.n r i c h sc hüte aufgenommen zu werden und noch weniger das Recht besaß, Offizier zu wenden., AiJ[g kpmmanjjanteh kamen in die größte Verlegen] ' " alle vj^ren überzeugt, daß er ein hervorragender Ö f f iVi e r sei. Und nun zeigte es sich, daß es nicht'nur unmöglich sei, ihn für seine hervorragende Tapferkeit auszuzeichnen, sondern daß er sogar degfj^di^rt werden müsse, was mir denn auch der Kqrpskom» mandant vorschlug. Ich stimmte absolut nicht mit. diesem Vorschlag überein und befahl, daß diese Frage überhaupt nicht in Erwägung zu ziehen sei und daß mir der Aus« zeichnungsantiag vorzulegen sei. Ich fügte hinzu, daß: ich alle Verantwortung auf mich nehmen werde, wenn jeman« dem meine Handlungsweise nicht gefiele. :. <. Aus diesen zwei Beispielen geht hervor, daß' die Juden^keinerlei Ursache hatten, die Heimat auf TodyUnd Leben zu verteidigen, jeq| H/iMfe die^ihnen eine Stiefmutter war. I^hab^ es^4ej^lb fi^ni Juden itfe^ ü^el genpmmen, w^;:^' ef schlechter Soldat war. Ich hielt immer dafür, 'daß z.ji Kriegszeiten-strenge Gerechtigkeit herrschen muß und dje Juden spielte^ bei uns doch nur die Rolle der Pa Es wäre interessant zu wissen,, schließt Brussiloi diesen Absatö, wie sich die Juden in der deutschen ün^l nftnaetttikh der Ö8terreichisch*ungarischen,Y.Ar^ hielten, wo sie volle Bürgerrechte ■ge'nQMejL'"';"'"",''7\*';,.f Eine neue Verschleißstelle der streng ortfi. 1»3 Selchwarenfabrik PETYAN ÄCO, miniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir Wien, XX., Willen8teln8tr. 45 (vorm.Lazar) // Zu jeder Tageszeit kalte «nd warme Selchwaren zu konkurrenzlos niedrigen Preisen 1 Die religiöse Erziehung der jüdischen Kinder in New York New York, 2. März. (J. T. A.) Auf der in Baltimore unter - Teiltfahme Von jüdischen« katholischen und protestantischen Erziehern abgehaltenen Konferenz der »Gesellschaft für religiöse Erziehung", teilte :der Vertreter des New Yorker Jüdischen Lehrerseminars Dr. Julius M a 1 e r mit, daß von den jüdischen Kindern der großen New Yorker Schulen 69,6 Prozent der Knaiben und 37,2 Prozent der Mädchen eine jüdische religiöse Erziehung genießen. 1909 biMeten die jüdischen Kinder New :Yorks 31 Prozent aller New Yorker Kinder, die sich Gesetzesübertretungen zuschulden kommen ließen; 1929 war der Prozentsatz solcher jüdischer Kinder nur 14. Meist wurden jüdische Kinder wegen verbotenem Hausierhandel, Straßenbettel und groben Unfug verhaftet. Demgegenüber ist die Zahl der jüdischen'Kinder, die wegen Raubüberfälle, Die bs t ah'l und ähnlicher schwerer Verbrechen bestraft wurden, eine sehr kleine. Die Utopie einer jüdischen Republik in Spanien. Kui*2 bevor der spanische Diktator Primo di R i v e r a gestürzt wurde, flog im New Yorker „T o g" eine Sensation auf. Der Redakteur des genannten , Blattes, Rubin st ein, erzählte, daß der spanische Diktator bereit sei, in Spanien ein großes Gebiet für eine jüdische Masseneinwanderung zur Verfügung zu stellen, die viel mehr wirtschaftliche und politische Chancen hätte als die Palästinaeinwanderung oder auch der sowjetrussische Plan einer jüdischen Rer publik in Biro Beidschan. Die Anregung Rubinsteins wurde fast von der gesamten amerikanischen Presse aufgegriffen, machte dann als Sensation durch die europäische Presse die Runde, und wäre Primo nicht bald darauf gefallen, so hätte diese unverantwortliche politische Blase weiß Gott noch wie lange fortgewuchert und manches Unheil angerichtet. Aber es hat gar nicht des Sturzes des spanischen Diktators bedurft, um sehr ' rasch von der Utopie, osteuropäische Juden in Spanien anzusiedeln, geheilt zu werden. Gleich nach Bekanntwerden des Artikels im „Tog *' hat sich die Madrider Handelskammer mit der. Frage beschäftigt und sich dem Standpunkt des Präsidiums angeschlossen, daß von vornherein offen erklärt werden solle, daß die spanische Handels- und Industrierwelt es entschieden ablehne, europäische Juden durch besondere Privilegien heranzuziehen. Jüdische Einwanderer, welche mit amerikanischer Geldstütze nach Spanien kommen wollen, mögen vielleicht einzeln zu Erfolgen gelangen. Das spanische Gesetz verbiet e die Einwanderung von Juden nicht. Aber Massenein Wanderungen mit besonderen Vorrechten sind unerwünscht. Ueberdies braucht Spanien keine neuen Arbeiter. Zum Schlüsse erklärt die Handeiskammer, daß die Regierung mit allen Mitteln dem „jüdischen Problem'V mit welchem andere Länder so sehr belastet sind, aus dem Wege gehen müsse. Wollen aber die amerikanischen Juden — heißt es in dem Beschluß ironisch — ihren Brüdern in Osteuropa wirklich helfen, so mögen sie doch lieber auf die amerikanische.Regierung wirken, daß sie die Juden aus Osteuropa hereinlasse. Noch unerbittlich deutlicher spricht sich der wegen seiner hervorragenden Beziehungen im Ausland bekannte Bostoner „Christian Science Monitor" aus. In einer Meldung aus Madrid macht sich das genannte Blatt lustig über die giiiiiiiiiiiiiiiiu AC HTU N G! iiiiiiiiiimiiiiiis s In Aroma und Geschmack vorzüglich S Pfellt« i 1, «QVBt&Ti&JS* 19.— It^WQtmMJ^JlmWlrri °H>ni»^|^^v#vS'.^ «.so aewltt 6rrglnal PalSstlna-Wdlne! S'BwMluugW mcb null Him. tu OriglnaipMkung >wtt1lbiir I Samuel Halpern | Wl«n, W., FortttrgaM« 6 // Tel.-Nr. R-40-4-12 aillllllllllllllllilUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII