Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-02-28 · Heft 128 (28.2.1930) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 128 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711746--1690-2714923
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

f &ife8 Die neue welt Nr. 128 sächlich über Wien—-Triest Alle vierzehn Tage kommen zwei größere Auswanderertransporte nach .Wien (Ankunft Ostbahnhof 6 Uhr 40 Min.), von wo sie nach eineinhalbsttindigem Aufenthalt die Reise zum Einschiffungshafen Triest (ab Stldbahnhof 8 Uhr 10 Min.) fortsetzen. In Wien werden die Wanderer von einem hiezn bestellten Vertreter des Palästinaamtes abgehölt, der ihnen bei der UeberfUhrttng der Gepäcksstücke zum Anschlufizug und auch sonst in jeder Weise behilflich ist. Es wird auch dafür gesorgt, daß die über Wien reisenden Palästinawanderer aus Polen via Wien—Triest nach stück erhalten. Seit Jänner dieses Jahres sind etwa 500 Palästinaauswanderer aus Polen via Wien—Triest nach Erez Israel gereist. Außerordentliche Aktion des Jüdischen Nationnlfonds. j Die Zionistische Organisation und der Keren Kajemeth werden sich an die gesamte Judenheit Wiens wegen Sonderspenden wenden, und zwar mit Hilfe eines Aufrufes. Dieser Aufruf soll von allen zionistischen Führern und aktiven Zionisten gefertigt sein. Jeder, der seinen Namen unter den Aufruf, setzt, muß bereits selbst seine Sonderspende gegeben haben. Denn nur, wer selbst spendet, ist berechtigt, andere zu Leistungen anzuhalten. Alle Gesinnungsgenossen, die den Aufruf unterschreiben wollen, müssen bis spätestens 3. März an den Keren K a je.meth ihre Spende abgeführt haben. (Mindestbeitrag S 10.) Dieser Aufruf soll durch die eigenen Leistungen der Zionisten .eine würdige, weil moralische Manifestation für die Dringlichkeit der raschesten Lösung des Bodenproblems sein. -- Die Landeskommission des Keren Kajemeth. AUS PALXSTINA. Abklingen des Boykotts in Jerusalem. Der Boykott in Jerusalem hat sich in den letzten Wochen abgeschwächt. Die Gerichtsurteile gegen einige der aggressivsten Boykotthetzer haben dazu beigetragen, den Umfang der Boykottbewegung und das Öffentliche Auftreten der von arabischen Firmen bezahlten Agitatoren wesentlich einzuschränken. Trotzdem ist der Boykott noch nicht beendet und es muß damit gerechnet werden, daß die Initiatoren der Bewegung mit Unterstützung der Nutznießer des Boykotts ihre Anstrengungen fortsetzen, die Boykottparole wirksam zu erhalten. Die Wirkung des Boykotts hat sich insbesondere in* der inneren Stadt in Jerusalem gezeigt, wo ein größer Teil der jüdischen Händler s e ine Läden aufgegeben hat und in die neuen jüdischen Stadtviertel unigezogen ist. Bemerkenswert ist die Tatsache, die immer wieder in der arabischen und jüdischen Presse berichtet wird, daß arabische Firmen, die selbst aktiven Anteil nn der Boykott-Propaganda nehmen, ihren Warenbedarf bei jüdischen Firmen de c keo. (Ziko) Die Lage auf dem Orangenmarkt. Die großen Preisreduktionen auf dem englischen Or'angenmarkt haben in palästinensischen Pflanzerkreisen starke Depression hervorgerufen. Vom Beginn dieser Saison bis Ende des ersten Drittels des Monats Februar wurden 1,400.000 Kisten Orangen, vorwiegend nach Eng* land exportiert. Nach sachverständiger Schätzung ver« bleiben* noch weitere 1,400.000 Kisten zum Export und die Aussichten für ein günstiges Endergebnis sind gut. Die letzten Preise in England zeigen bereits ein Wiederans steigen der Preise; Frühjahrswetter wird auch die Halts barkeit der Früchte erhöhen, so daß sie in besserer Ver* fassung in England ankommen. In den Laboratorien in Cambridge werden zurzeit durch den „Empire Marketing Board" Untersuchungen über die Ursache des Verderbens der, Orangensendungen in diesem Jahre angestellt und nian erhofft sich von ihnen wertvolle Ergebnisse. Die Jn Deutschland und anderen Ländern des Kointinents erziel» ten Orangenpreise waren gut; der Preis für Grape«Früchte blieb aüch in England sehr einträglich. Zu einer Depression, die auf Grund des Verlaufs dieser Saison in manchen Kreisen eingesetzt hat, liegt nach den Aeußejungen eines Experten im „Dawar" vom, 12. Februar keinerlei Grund vor. Zwar war der Verlauf dieser Saison nicht sehr günstig, aber die Gewinne der Pflanzer selbst waren auch dieses Jahr genügend hoch gewesen. Die Juden müßten nach wie vor neue Pflanzun* gen anlegen. In dem Maße, in dem ihr Anteil am ge» spmten Export steige, werden sie die Möglichkeit haben, den Markt zu organisieren und ihn von den schädlichen Einflüssen der wilden Fruchtspekulanten zu befreien. Diese Elemente seien in besonderem'Maße am Rückgang der Preis und der Prestige*Einbuße der PalästirauOrangen schuldig. Die Bedeutung einer guten Organisation habe sich auch wieder in diesem Jahre in der Tatsache ge* zeigt, daß die Orangen jüdischer Pflanzer im Durchschnitt z^j höheren Preisen als die der unorganisierten Erzeuger verkauft wurden. Bisher sei der Durchschnittspreis für «jne Kiste Orangen, die durch jüdische Exporteure ver* aandt wurde, 514 Schilling gewesen, so daß dem Pflanzer tatsächlich immer noch eine Netto*Einnahme von Pfund. 20 pro Dunam verblieben sei, was bei einer Investie* rung von Pfund 100 eine sehr angemessene Rendite dar» st«lle. Der Hauptverlust durch die großen Preisrückgänge treffe in diesem Jahre vor allem die arabischen für 12 Gutschein« 3C»f verläßlichst ailllK schätzender Normalqualltat in bekannter Packung. __________ SßeaialquallUt In besonders dla« kreier Packung. In Jeder Packung fOr 3 Stttek ein fltitsctteln. etnlflsbar in sämtlichen Siai-Depotstellett. Händler, die bisher etwa Pfund 100.000 verloren haben dürften, während der arabische Pflanzer im allgemeinen einen angemessenen Preis für seine Früchte erhalten habe. Die ganze Entwicklung lehre-jedenfalls, däfir mit der Verbesserung der Verpackung, der Versendung und des Verkaufs, Dinge, die eine starke Organisation der: jüdi* sehen Pflanzer erfordern, ein hoher Stand und Stabilität der Preise gewährleistet seien. * Infolge eines Konfliktes zwischen den englischen Importeuren spanischer Orangen und den Orangendetail* listen in England beschlossen die letzteren, für kurze Zeit den Verkauf spanischer Orangen zu unterbrechen und dafür eine großzügige Werbckämpagne für die Jaffa«Oran* gen zu veranstalten. Die Durchführung dieser Kampagne wurde dadurch erleichtert, daß gleichzeitig große Sendun» gen palästinensischer Orangen in englischen Häfen ein* trafen. Die Preise für Jaffa*Orangen sind in England in den letzten Tagen wieder wesentlich gestiegen. (Ziko.) Neue 950 Einwanderungszertifikate für Palästina. — Sie sind vornehmlich für russische Juden bestimmt. London, 21. Februar. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, hat die Palästinaregierung in Anbetracht der zahlreichen Gesuche um Einreisezertifikate, die in der letzten Zeit beim Palästinaeinwanderungsamt eingelaufen sind, beschlossen, der Zionistischen Palästinaexekutive 950 Zertifikate für neue Einwanderer auf Rechnung der für März dieses Jahres vorgesehenen neuen Einwanderungsquote schon jetzt zur Verfügung zu stellen. Von den Zertifikaten1 sind 800 für Männer und 150 für Frauen bestimmt Die R e g.ie r u n g hat bei Bewilligung dieser Zertifikate dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß möglichst viele derselben Juden aus Ru ßland zugeteilt werden, und zwar „im Hinblick auf die sch wereu Verfolgungen, denen sic ausgesetzt wäre n".; Amerikanische Chaluzim begeben sich nach Palästina. New Yorky. 21.- Februfg$ ,(J. "A.) 50 Chaluzim: schifften sich heute, den 19f Februar an Bord der „Mauretania" nach P a 1 ä s t i n a ein;" es sind hauptsächlich junge Ar b e i t e r "u n dc Arbeiterinnen. Am Dienstag abend fand den Chaluzim" zu Ehren eineAbschiedsvorstellung statt, bei der Dr. Schmarjahu Lewin, Dr. Stephen S. Wisef und Richter; Bernard Rosenblatt Ansprachen hielten. Revision im Prozeß HIhkis. Jerusalem, 24. FebruarV'(J; T. A.) Arn 27. Februar beginnt vor dem Obersten Gericht in Jerusalem die; R e v i s d o n s v e «r h a n d '1 u n g in dem Prozeß des jüdischen Polizeibeamten ans. Tel-Awiw, Sinncha Hänkis, der'von dem Jaffaer Gericht unter der Beschuldi-' gu>mg, eine fünfköptfiige arabische Familie getötet zu haben, zum Tode verurteilt' worden war. Hinkis, der sein« ' Unschuld beteuert, wurde auf Grund einseitiger Aussagen arabischer Zeiiigen verurteilt.; Der erste weibliche Rechtsanwalt. Jerusalem, 20. Februar. Nach siebenjährigem Kampfe hat Frau Rosa Ginsburg, die Schwiegertochter des verstorbenen großen jüdischen Denkers Ach ad Ha am, durch ' Entscheidung des Jerusalemer Obersten Gerichts das Recht erhalten, als Rechtsanwalt bei Gericht zu fungieren. Nach ottomanischem Gesetz war der Frau die Anwaltspraxis verschlossen. Die arabische Delegation verschiebt ihre Londonreise. Jerusalem, 21. Februar (J. T. A.). Die arabische Exe» kutive, die am 20. Februar ihre Reise nach London hätte antreten sollen, hat auf den Rat Jemal Husseinis die Reise verschoben im Hinblick darauf, daß der Bericht der Shaw» Kommission erst Ende Februar fertig vor* liegen wird. Die Delegation wird ihre Reise anfangs März antreten. Ein Jude von Mordbeschuldigung freigesprochen. Jerusalem, 24. Februar. Vor dem Jerusalemer Kreis« gericht hatte sich der in Rumänien geborene Jude Gob dental, ein angesehener Kaufmann und Präsident Wl«n, XX., avrhordutfl. 20, Tel. A«43'9»«4 offeriert sämtliche Flaschen für den ÖS TERBEDARF der Haifaer Handelskammer, unter der Be« schuldigung zu verantworten, daß er während der August* unruhen einen Araber ermordet hätte. Nachdem sich im Verlauf der Gerichtsverhandlung seine vollständige Un« schuld herausgestellt hatte, wurde Goldental freigespro* chen und nach fünfmonatiger Untersuchung«* haft aus dem Gefängnis entlassen. Die elektrische Konzession für Jerusalem. Die Konzession für die Erzeugung und Verteilung von Elektrizität ist jetzt definitiv der „Jerusalem Electric & Public Service Corporation" bestätigt worden. Der ursprüngliche Konzessionsinhaber, Mr. M a w r ommatis, verkaufte die Konzession seinerzeit an die „Power Securities Corporation"» Diese hat dann die Konzession an die „Jerusalem Electric & Public Service Corporation" weiterveräußert. Die Jerusalemer Gesellschaft hat, wie bekannt, im Jahre 1929 ein Elektrizitätswerk in Jerusalem errichtet und die Stromerzeugung aufgenommen. Die Bestimmungen über die Uebertragung. und Einzelheiten der Konzession wurden in einer Sonderausgabe der „Official Gazette" veröffentlicht. Die Auszahlung der Entschädigungen wiederum vertagt.. Die Auszahlung der Entschädigungen an die von den August-Unruhen Geschädigten wurde neuerlich vertagt. Die ersten Beträge sollten ursprüng* lieh Anfang Februar zur Auszahlung kommen. Die Auszahlung wurde dann auf den 15. Februar und neuerdings auf den 1. März verschoben. 300.000 Kisten Jaffa-Orangen gehen nach Deutschland. Berlin, 20. Februar. Die „Industrie« und Handels* zeitung" berichtet, daß in diesem Jahre die Orangen* ernte in Palästina auf 2% Millionen Kisten geschätzt wird; davon gehen etwa 300.000 Kisten nach Deutaqhliand (1928: 200.000 Kisten). Palästinawein für Frankreich. Paris, 18. Februar (J. T. A.). Der erste größere Weintransport aus Rischon 1 e Zion seit dem Kriege ist soeben in Frankreich eingetroffen. Die fran* zösische Regierung hat im Hinblick auf die religiösen Be* dürfnisse der französischen Juden und als Ausdruck der Sympathie für das Palästina*Aufbaüwerk der Gesellschaft „Garmel Oriental" erlaubt, von jetzt ab Süßwein aus Pa* lästina einzuführen, was in den letzten Jahren ver* •bot e n war. . ,■ ■ Die Palästina-Unruhen haben die britische Regierung f 1 99.000 Pfund gekostet. ,:; London, 24. Februar. (J. T. A.) Der Unterstaats-. vsekretär für die Kolonien Dr. Shiels teilte im Unterhaus1 auf eine Anfrage mit, daß der Britischen Regierung ,im Zusammenhang mit den Uuruhen in Palästina Kosten in der Gesamthöhe van 99:000 Pfund entstanden siind. 'Bs ist darüber noch kein Beschluß gelaßt worden, ob diese : Kosten aus dem Budget der Pa;läst3inar'R«gierunig ge-' deckt werden sollen.. , . Safed-Mörder nach Kampt festgenommen. Jerusalem, 22. Februar, Ibrahim Yakoüb Ii, 'eiuer, der; Tcilheihmer an dem lAugustmassaker in S.afcd, wurde von ,einer Abteilung des palästinensisch« transjordanischen Grenizkorps in der Nähe eines Dorfes bei Tiberias zusammen mit d&r von ihm geführten Brfc gantenrotte nach vorausgegangenem heftigen Kampf g?e- •fän-gen genommen. Ibfahira Yakoubi wurde im Kampfe schwer v e r 1 e t z t und ist nün in das Hosipiral zu zu Tiberias eingeliefert worden. Bin Mitglied seiner Rotte' wurde getötet. — Ein anderer Safed-Mörder,' Ahmed Tap'isc h, der an der Ermordung des Direktors des Hä- 'dassah-Hosipirals in Safed, Dr. Isaac Maina a n, bete!-, ligt war und dann mach Tranisjordanien floh, wird nach' Palästina ausgeliefert und hier abgeurteilt werden. Ein Druzen-Rebell, der verdächtigt ist, an dem Safed- Massaker teilgenommen zu haben, wurde in Kunaitra voji 'den syrischen Beihörden festgenommen und an die PaJäs stima/poliizei ausgeliefert. Henri Ford noch immer Kronzeuge für den Antisemitismus. Zur Abwechslung in Belgien. Wohl! hat Henri Ford, als seine Geschäftsinteressen! es erheischten und er sich durch die Angriffe der führen«! den jüdischen Persönlichkeiten von Amerika zu arg bei drängt sah," in öffentlichen Erklärungen seinen Antisemit tismus widerrufen und auch seine Verleger aufgefordert, alle Fordschen antisemitischen Bücher und Broschüren aus dem Verkehr zu ziehen; die internationale AntU semiteniiga hat diesen Widerruf einfach nicht zur Kennt* nis genommen und führt ihre Agitation gegen die Juden mit voller Ausbeutung der ungeheuren Popularität, dj* Henri Ford gerade seit seiner Rückkehr zur Vernunft .int der ganzen Welt genießt. Daß im Orient dieser Miß« brauch fortgeführt wird, ist weiter nicht zu verwundern* Daß arch an westlichen. Hochschulen Professoren in ihren Vorlesungen über Nationalökonomie sich' auf Henri . Ford als den Antisemiten. berufen, zeigt, daß die antisemitische Internationale als verläßliche hi« storische Quelle nur das anzuerkennen und zu lehren ent» schlössen ist, was gegen das Judentum gerichtet ist, hin«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.