Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 127 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ivrfhtn . «a.t».*. DIE NEUE WELT Nr. Uf Iftmpegftt. X3fti Wahlparole War blutrünstiger AntKiemltitmus. In Erku bestand damals eine Agrarbank, in deren Leitung ein oder zwei Juden saßen. Nachdem die Wahlennassen durch den antisemitischen Kandidaten bis zur Siedehitze aufgehetat waren, zog der PÖbel Unter Führung de» Franz Toth vor die ««jüdische" Agrarbank und holte vom Giebel des Hauses die sym« bofeche Statue eines ungarischen Bauern herab und hingt* an deren Stelle eine bereits vorbereitete Puppe, die einen Juden im Kaftan mit langen Peijes darstellte, auf. Das Volk jubelte, die Judenpuppe baumelte im Wind und.Fran* Toth konnte seine Erpressungen an den geifigstigten Juden straflos verüben. Später genoß er die Segnungen der Amnestie, aber was ein echter Erwachen« der Ungar Ist, verleugnet sich auch später nicht und so mußte dieser Mörder aus Ueberzeugung schließlich doch ins Zuchthaus Wandern, nicht etwa weil er nicht den Gajgett verdiente, sondern weil ihm ein Mord als Tot« •etyatf aosgefegt wurde. Zweite Palästinäreise 5690. Veranstalter: Vorband demokratischer Zionisten und Palestme Touring Club Wien. Auf Anregung mehrerer R^seteÜaehmer wurde die Reise nach Erez Israel auf den Monat April verlegt. Die Reise wird von Wien aus im i; April angetreten und dauert .bis einschließlich 39.>April. Die Pessachtage werden im Lande verbracht, der Seder in Jerusalem abgehalten. Das sonstige , Programm bleibt unverändert. Prospekte und Auskünfte durch Frau Pauk Stricker, Wien, IL, Hol« kndstraßo 10, Telephon R«45<6*89 und Frau Berta taubes, Wien, IL, Böcklinstraße 92, Tel. R«45s°05. AUS PALXSTINA. Arabische Hausbesitzer fordern die Einstellung des /'».;. Boykotts. 1 >'■ V Jerusalem, 15. Februar. Die Befürchtungen über die Abwanderung der jüdischen Mieter aus den arabischen Häusern haben zu einer Beratung der arabischen Hausbesitzer in Jerusalem geführt, in'der Maßnahmen besprochen wurden, die drohenden Yefluste abzuwenden. In der Zusammenkunft, die im Hause der Familie C h a I d i stattfand, wurde festgestellt, daß viele jüdische Mieter bereits ndch den Unruhen aus den arabischen Häusern ausgezogen seien, aber auf Grund der Mietsverträge ihre Miete bis zu Mu harr im weiter bezahlen, zu Muharrim müsse man aber. zweifellos damit rechnen, daß ein noch größerer Teü der, von Juden bewohnten.arabischen. Häuser 1 e e r s:t-eh;en bleiben werde. Die Mehrzahl der Anwjesenden bezeichnete den arabischen Boykott gegen dje Juden als Ursache für die Gegenbewegung. Wenn der Boykott nicht wäre, würde sich der Eindruck der Ereignisse schneller verwischen und die Juden in ihre früheren . Wohnungen zurückkehren. Die Boykott- Propaganda verschärfe jedoch die Beziehungen und ^re.rde. dein Arabern schließlich große Verluste bringen. EJiner der .Anwesenden erklärte, daß eralljährlich 7000 ifj. St., M;iets ein nahmen von jüdischen %iet4t t-n-: b, e'«*) g e n h a b e, von denen die meisten ^^egrilte ständen, seine Häuser zu verlassen. Schließlich wurde r-einei Resolution gefaßt, der arabischen E^e^u^vi? mitzuteilen, daß sie den Boykott u.nterfyr;e c^e n und r mit den Juden Frieden schließen möge.:.3m anderen Falle werde man die arabische Exe- ^u^iye füt ajle Verluste der Hausbesitzer verantwortläch machen und ihr die Schlüssel der leeren Wän ef*e. r ^ergeben. Juden verlassen Jaffa, Steigerung der Bautätigkeit *:■!• in Tel-Awiw. / Jerusalem, 13. Februar. (J. T. A.) Die nach den Üpruhjen .unter der Judenschaft von Jaffa entstandene ^wiejpuiig?üt' Abwanderurig nach der jüdischen Stoßt /r.el-4wiw hält an. In den letzten 14 Tagen Ija^nVvweitere 15 jüdische Ladeninhaber Jaffas die tff^bers|edju^jj mich Tel-Awdw vollzogen. Als Ergebnis ^i^9?JJüo^|äen Abwanderung aus Jaffa, wird eine. ^|c||^rb^le|)UjBg, der Bautätigkeit in Tel-Awdw und eine, w^j^rW,beträchtliche Ausdehnung der Stadt erwartet. typZievel- und Schieferplatfenfabrik der Paleetine ^pa^e Company 4n Tel-Awdw wird in den. nächsten Tagen wieder eröffnet. (Tel-Awiw wurde bekanntlich vor 21 Jahren von e^wa'400 Jaffaer Juden gegründet, die Jaifa verlassen Ipbeo, um eiife jüdische Stadt j zu gründen;) Von der Orangensaison. '* ' , pie direkte Verschiffung von Orangen nach England beträgt bis Ende Jänner zirka 900.090 Kisten ge^eaüber 600:000 Kisten der Saison des Vorjahres. Nach dfciv'l|'»':n;t 1 n;en_ t wurden zirka 250.000 Kisten gegenüfjiqr 140.000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres expjprtfert, Ueber Port Said und Alexandrien belief sich dje Verschiffung bis 18. Jänner auf 130.000 Kisten. Die %ge auf den Märkten ist weiter sehr gedrückt und die «Reiten Preise wesentlich niedriger als im Vorjahr. Pps^Mordes angeklagte Juden freigesprochen. ] Jerusalem, 14. Februar. (Jf T. A.) Vor dem Jeru- «ajbmer Kreisgericht begann am 13. Februar der Prozeß gfftflt Benfläon Ka h n, Abraham: Go ld« t ei n, Abodiah J#41djf h ««4 Darjd Joche vki «1, die beschul*. fa<mm*t m U September 1999, in der. Unr^eepoehe, An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Neue Welt** ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freund« liehst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Nene Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns nei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Verpflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt". in Jerusalem einen Araber ermordet z>u haben. Nach kurzen Verhandlungen hat das Gericht unter Verzicht auf Anhörung der Verteidiger alle vier Angeklagten freigesprochen. Das Gericht stellte ihre vollkommene UnschuM fest. Das freisprechende Urteil gegen die vier Juden hat in der Jerusalemer jüdischen Oeffentlichkeit, in der man an der Unschuld der Angeklagten nicht zweifelte, große Befriedigung hervorgerufen. Weitere Araber zum Tode verurteilt. Jerusalem, 11. Februar!. (J. T. A.) Das Gericht in Haifa hat am Sonnabend gegen neun Araber aus Saf ed verhandelt, die angeklagt waren, während des Judenmassakers in Safed am 29. August den Direktor der Safeder Misraohi-Schule Efriat und seine Gattin ermordet zu haben. Das Gericht fand die Angeklagten für überführt und verurteilte sie zum Tode. Am Montag, den 10. Februar trat in Jerusalem das Berufungsgericht zusammen, das sich aus den Richtern MacDonnel, Baker und Copeland zusammensetzte, um in der von den Verurteilten eingelegten Berufung eine Entscheidung zu treffen. Nach einem zweistündigen Plaidoyer des arabischen Anwalts verzichtete das Gericht auf die Anhörung der Erwiderung des Staatsanwaltes und bestätigte das neunfache Todesurteil de« Erstgerichtes. Gedenkstein weihe an den Gräbern der Hebron- Opfer.— Der. verlassene jüdische Boden wird von den Arabern okkupiert. Jerusalem, 15. Februar. (J. T. A.) 60 jüdische Einwohner von Hebron, dessen gesamte jüdische Bevölkerung nadi den August-Massakers nach Jerusalem floh, besuchten am 11. Februar Hebron, um die Gedenksteine (Mazewoth) über den Gräbern der während der Massakers getöteten Juden einzuweihen und um die in den jüdischen Häusern zurückgebliebenen Kleider und andere blutbefleckte Gegenstände zu begraben. Seit den Massakers beherbergte Hebron, die Stadt, in der seit dem Altertum immer jüdische Gemeinden bestanden haben, nur 15 jüdische'Arbeiter, die mit der Herstellung der zahlreichen Grabsteine für die jüdischen Opfer beschäftigt waren, und einen j ü d i s c h e n P o 1 i z i s t e n, der diesen Arbeitern zur Sicherheit beigegeben worden war. Den zurückkehrenden jüdischen Einwohnern wurde nicht erlaubt, die Höhle Machpe.lah zu besuchen, in der sich laut der Bibel die Gräber der Erzväter und Erzmütter befinden, weil der Polizeiinspektor Lamont einen Angriff d&r Araber auf die die Höhle besuchenden Juden befürchtete. Araber aus Hebron haben sich in den Besitz der von den Juden verlassenen Böden gesetzt, die sie kultivieren, wobei sie. behaupten, daß sie nun durch Gebrauch JRechte auf diese Böden erworben haben* Der katholische Bischof von Haifa erzählt Sirr John Chancejlor* daß die Juden keine Semiten sind, sondern von Russen abstammen. Jerusalem, 12. Februar. (J. T. A.) Der katholische Bischof, von Haifa H a j a r, ein Araber, besuchte den Oberkommisjsär Sir Johm Chancellor und sprach ihm gegenüber seinen Protest gegen die Balfour-Deklaration aus. die nach seiner Meinung den Juden Privilegien zum Nachteile der Araber einräumt. Die Araber, erklärte der Bischof, sind die wirklichen Abkömmlinge der uraprünglipheu Einwohner Palästinas, die heutigen Juden aber stammen nicht von den Hebräern ab, die einst in Palästina lebten, sondern von einem russischen "Stamm, der im 7. Jahrhundert zum Judentum übergetreten ist. (Bisohof Hajar spielte anscheinend auf den einstigen Uebertritt der Chaizaren zum Judentum «in.) Verhinderung der Einschmuggelung deutscher Waffen nach Palästina. Jerusalem, 11. Februar. (J. T. A.) Vier Kisten mit je 120-Gewehren und je 20.000 Ladungen Munition, die an den palästinensischen Mehlhändler Ahmed S t a mff»** IIIHMIMIIIIHH Dipl. Ingenieur anfangs der Dreißigerjahre, § m cht Bekannt* . schaft mit junger gebildeter Dame aus gut jüd. Hause mit Vermögen oder Eineirat. Diskretion zugesichert. Anträge erbeten unter »jüdisches Helm 1930** i v an die Expedition dieses Blattes - mmm b o u 1 e adressiert waren, wurden im Zollhaus zu Beirut beschlagnahmt. Waffen und Munition waren zwischen Glas verpackt. Ussischkin über Gegenwart und Zukunft des Zionismus. Vor kurzem fand in Tel-Awiw zu Ehren der russischen Chaluzim ein Abend statt, an welchem M. Ussischkin als Hauptredner eine aufsehen» erregende Ansprache hielt. In einem ausführlichen historischen Rückblick schilderte er die Bedeutung der russischen Juden für die Entstehung und Entwicklung des Zionismus, des materiellen, politischen und kulturellen Aufbaues Palästinas, wobei er auch den Verdiensten der amerikanischen Juden gerecht wurde» und kam dann zu folgendem Schluß: „Alles, was ich bisher ausführte, ist nichts Neues und von jeher bekannt. Es sind unerschütterliche historische Wahrheiten, enthalten aber durchaus noch keine „Richtung"« Ich habe es für notwendig gefunden, all diese Dinge anzuführen, nicht etwa um ein Loblied auf das russische Judentum zu singen und all das, was von den übrigen Teilen des jüdischen Volkes in Palästina geschaffen wurde, herabzusetzen. Das war nicht meine Absicht. Aber gerade in der heutigen Zeit, da man geneigt ist, unsere große Vergangenheit zu vergessen, nur von der Gegenwart spricht und uns in unserer Entwicklung für die Zukunft zu stören sucht, ist es am Platze, die vergessenen Tatsachen aus den vergangenep Tagen in Erinnerung zu bringen, da ich den festen Glauben habe, daß das russische Judentum und seine heute im Verborgenen sprudelnden Kräfte noch nicht für alle Zeiten verloren sind, daß sie vielmehr wieder in Erscheinung treten werden, um unsere Bewegung in entsprechendem Maße zu beeinflussen. Besonders notwendig erachte ich es, hierüber gerade jetzt in diesen schweren Tagen unseres Volkes und unserer Bewegung zu sprechen. Vergleichen wir doch einmal die Charakterzüge der Seele des östlichen Juden und des westlichen Juden. Und wir werden finden, daß jeder dieser beiden Volksgruppen besondere Charakterzüge eigen sind. Schließt sich ein russischer Jude der Arbeit unter einer bestimmten Fahne an, so wird er vielleicht der Fahne untreu werden, sie verlassen, aber niemals die Fahne selbst erniedrigen. Kompromisse und Opportunismus sind Charaktereigenschaften des westlichen Juden, Radikalismus und Hartnäckigkeit gehören zum Charakter des russischen Judentums. Heute nun« da das Kompromiß und die Anpassung an die Interessen der Gegenwart im Gegensatz zur Arbeit für die Zukunft zum politischen System gemacht worden sind, ist es notwendig, den lebenskräftigen Charakter als entscheidendes Gewicht in die Waagschale zu werfen. Die Anpassung an die Forderungen der Gegenwart ist geeignet, ein schweres Volksunglück nach sich zu ziehen. Ich will euch ein historisches Beispiel' anführen: Vor 120 Jahren versammelten sich die Männer des französischen Synhedrions und beschlossen auf Wunsch des Kaisers Napoleon, daß das jüdische Volk aufgehört habe zu existieren und an seiner Stelle nunmehr bloß die jüdische Religionsgemeinschaft anerkannt werde. Frankreich werde Palästina ersetzen und Paris das neue Jerusalem sein. Die Mitglieder dieses Synhedrions waren die Präsidenten der Gemeinden, angesehene Rabbiner und bekannte Notabein. Sie alle haben ohne Zweifel bloß das Wohl und den Frieden des Judentums gewollt, aber sie akkommodierten sididen Forderungen der Gegenwart und ließen die Folgen ihrer Entschließung für die Zukunft völlig außer acht Diese Folgen waren bekanntlich das nationale Unglück des jüdischen Volkes, das sich nunmehr seit 120 Jahren hinzieht. Die gesamte Ideologie der Assimilation, die Verleugnung der jüdischen Nation und ihrer Zukunft in Erez Israel haben aus dieser Quelle ihre Kräfte geschöpft, aus jener Weltanschauung, welche die Männer des Synhedrions in Paris .verkündet haben. Auch wir hier im Lande stehen heute vor einem schweren Dilemma. Was ist das Richtige und das Bessere? Die Interessen der Gegenwart oder der Vorausblick in die Zukunft? Die opportunistische Anpassung an den Zustand des Tages oder Aufrechtstehen, ohne Erniedrigung der Fahne der Zukunft im Namen der Vergangenheit? Wofür sollen vfir uns entscheiden? Nun haben wir zwei Gruppen von Wegweisern im Leben unserer Nation vor uns. Auf der einen Seite angesehene Politiker, Professoren, Schriftsteller, Männer der Praxis und fleißige Mitarbeiter. $ie fordern eine Realpolitik, Anpassung an die Forderungen der Stunde, Kompromisse, Erniedrigung der Fahne. Auf der zweiten Seite unsere Jugend |'n Rußland. Jene wandernde Insel inmitten der Hochflut der Assimilation und der Verfolgungen. Diese Jugend ist durchaus nicht praktisch, sie hat nicht die Absicht, sich dem Leben anzupassen, sie geht in die' Verbannung, in die sibirischen Steppen, wird zur Zwangsarbeit kommandiert, gemordet wegen ihres Ho.chhaitens des Ideals in seiner Reinheit und erhebt,die Fahne in ihrer vollen Pracht. Für die Gegenwart hätten alle diese Opfer gar keinen Sinn und Begründung. Unsere Jugend in Rußland besitzt weder Geld noch politischen Einfluß, auch nicht, viel kulturelle. Kräfte. In den Augen der praktischen Menschen sind alle diese/. Opfer vergeblich; umsonst gerächt. Trotz aUedem rufe ich euch