Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 124 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 124 „Gerne", erwiderte der König. „Bedenkt jedoch, daß diese Kronen zu schwer sein werden für euer zartes Köpfchen." Aber die Vögel beharrten auf ihren Bitten und erklärten, daß sie wohl imstande sein würden, eine Krone zu tragen. So ließ denn Salomo für jeden der Vögel eine mit Edelsteinen verzierte Krone aus Gold anfertigen und setzte sie ihnen aufs Haupt. Einige Tage später erschien die Abordnung der Hoopoes vor dem König, diesmal kamen sie jedoch nicht herangeflogen, sondern wackelten zu Fuß einher. . „Habt ihr wieder einen Wunsch, meine lieben Freunde? Aber warum geht ihr zu Fufl, anstatt wie sonst durch die Lüfte zu fliegen?" fragte der König die traurig dreinblickende Abordnung. „O Herr und König, du hattest recht", sprachen die Vögel, „die Kronen sind für uns zu schwer. Nimm sie, bitte, wieder zurück." „Gut denn, ich will sie euch wieder abnehmen. Da ihr jedoch dem Tempel so wertvolle Dienste geleistet habt und ihr gar so gerne Kronen tragen möchtet, will ich an Stelle der Kronen aus Gold und Edelsteinen Kronen aus Federn setzen. König * Salomo tat, wie er sprach, und seit jenem Tage tragen die Hoopoes ihre Federnkrone auf dem Haupt. Rührend ist auch die folgende Volkssage, die ich in Kaschmir gehört habe: Als Salomo sein Ende nahen fühlte, beschlich ihn die Befürchtung, daß, wenn er, der den Tempel beschirmt und verteidigt hat, nicht mehr am Leben sein werde, der böse Geist alles daransetzen könnte, das Heiligtum zu zerstören. Um das zu verhüten, stieg der weise König in die Grundmauern des Tempels hinab und hier hauchte er,, in aufrechter Stellung auf seinem Szepter gestützt, seine fromme Seele aus. Als der böse Geist die aufrechte Gestalt Salomos erblickte, glaubte er, der König stehe leibhaftig unter den Grundpfeilern und überwache sein Werk. Da überfiel den Bösen eine höllische Angst und er wagte nicht, das Zerstörungswerk auszuführen. Nach einer Reihe von Jahren kam ein riesiger Entenschwarm und biß und nagte an dem unteren Ende des Szepters so lange, ins es, entzweigebrochen, zu Boden fiel und auch der durch ein Wunder bis dahin vor Verwesung bewahrte Körper des Königs zusammenstürzte. Da erkannten die bösen Geister, daß König Salomo tot ist, und die Zerstörung .des Tempels vollzog sich unaufhaltsam. Ich traf überall soviel Sympathie und Uebereinstimmung zwischen den Idealen Israels und jenen des Moslems, daß es mir schwer fällt, zu glauben, daß die jüngsten Gewaltausbrüche in Palästina ihre Wurzeln im Rassenhaß hätten. In Hamadan, Persien, erklärte mir ein weiser Mann: „Nicht nur die Juden sind .Israel', alle Menschen, die Gott suphen, sind „Israel*." Eine Bitte an die Freunde und Verwandten der ersten Mitarbeiter Theodor Herzls! Die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem, Abteilung Dr. Schwadron, bittet um ein Bild (es genügt eine kleine Photographie) und einen; Originalbrief von Jakob Herzl, Dr. Leopold Kahn und Dr. Osias Kokesch. Gefl. Zusendung an die Redaktion der „Neuen Welt" erbeten, ' Die Tribüne. Beschämende Taktlosigkeit eines Kultusvorstehers. / ■ Die „Neue Welt" erhielt folgendes Schreiben: An die Redaktion der „Neuen Weltl"! Mein Kind besucht die Bibelschule IX., Müllnergasse, wo aus AnJaO des Chanukahfestes am letzten Chanukahtage eine interne Kinderfeier, von der Kursleiterin Fräulein Erna Haber veranstaltet, stattfand, bei der ich auch zugegen war. Die Veranstaltung nahm einen sehr schönen Verlauf, bis die Stimmung von einem häßlichen Zwischenfall gestört wurde. Am Ende der Feier ergriff der unter den Gästen anwesende Obmann des Tempel verein es und Kultusvorsteher Herr Börsenrat Glück das Wort Die Anwesenden — in der Meinung, Börsenrat Glück wolle einige Dankesworte für die gut gelungene Feier an Fräulein Haber richten —- wurden auf das Unangenehmste enttäuscht, denn in taktlosester und verletzendster Weise, in Gegenwart der Kinder und Eltern, griff der Herr Kultusvorsteher gehässig die zionistische Anschauung Fräulein Habers an, indem er auf das Lied „Dort, wo die Zeder" hinwies, in welchem Palästina als unser Heimat- und Vaterland verherrlicht wird. Seiner Meinung nach sei dies „unpatriotisch" und ein Unrecht, „denn Oesterreich, in dem wir geboren sind, in dem wir leben und dessen Kultur wir genießen, sei unser Vaterland"! Eine der anwesenden Mütter, die diese Gehässigkeiten nicht länger anhören konnte, wandte sich gegen Herrn Glück. Es entstand ein hitziger Streit, in dessen Verlauf Herr Glück zu der Dame sagte: „Wenn Sie Zionistin sind, dann gehen Sie nach Palästina. Aber Zionisten sind nur diese Leute, die nichts dagegen haben, von uns Nichtzionisten Geld anzunehmen und hier im Lande leben." Nur dem ruhigen, vernünftigen Eingreifen Fräulein Habers ist es zu danken, daß der Streit ein Ende nahm. Sie erklärte dem Herrn Börsenrat, daß sie die Kinder nicht anders erziehen könne und wolle, als nach ihrem Empfinden und ihrer Ueberzeugung. Sie habe nicht gescheut, sich als Lehrerin vor der öffentlichen Behörde frei zu ihrer Gesinnung zu bekennen. Sie werde dies um so weniger vor Herrn Kultusvorsteher Glück unterlassen. Fräulein Haber erklärte, unter solchen Umständen den Unterricht nicht weiter leiten zu können. (Herr Glück ist Vorstand des Tempels, welchem die Schule angegliedert ist.) Hochachtend J. Sch." * Anmerkung der Redaktion. Es erübrigt sich, viel Worte zu machen. Jedenfalls scheint ein Herr, welcher in Gegenwart der Kinder zur Lehrerin solche Worte spricht, zu jeder anderen Beschäftigung besser geeignet, als zur Vertretungder Wiener judengemeinde bei festlichen und sonstigen Anlässen. Daß die Zionisten mindestens so pflichtbewußte Staatsbürger sind wie Herr Glück, und daß der Zionismus doch noch andere Aufgaben hat, als vom Herrn Börsenrat und seinen Gesinnungsfreunden Geld zu nehmen, braucht wohl nicht erst bewiesen werden. Sonntag den 2. Qebruar Zwei Vorstellungen: 7 Uhr und 10 Uhr Abend Wilnaer Truppe ,DER SÄNGER SEINER TRAUER* Jüdische ^Künstlerspiele IWPflr^rrWWWrlW!IPWTr?PWffWP^W?IBr?P iiiiiiiiiiiiiiiirv T heater, Kunst und Literatur Die „Wiliiaer" in Wien. Sjichwer zu sein ein Jud. Nach den düsteren „Tag und Nacht" und „Der Gedanke" mußte Schalom Alejchems klassische Komödie „Schwer zu sein ein Jud" erfrischend wirken. In der Regie Alex Steins bezw. in seiner Auffassung wurden die tragischen Töne stärker angeschlagen. Dadurch bekämen die lüstspielhaften Elemente etwas Gedämpftes,( Sardiniertes, von dem sich nicht sagen läßt, ob es in des Dichters Absicht lag. Jedenfalls bestehen für Schalom Alejchems Bühnenwerke verschiedene Stilarten: es kommt darauf an, für welche nian sich entscheidet. Die Schauspieler der „Wilnaer" entschieden sich für einen im Szenischen aktuelleil, im Mimischen stilisierten Naturalismus, der ihnen allen im Blut liegt. Im Haus lag ein unterdrücktesLachen. Es wurde selten laut. Schalom Alejchems Schwer-zu-seinein-Jud-These ergriff mehr als sie erheiterte. Nichtsdestoweniger war alles vom Zauber der Aufführung gefangen, die das, was sie an Tempo vermissen ließ, durch ausgespielte Details ersetzte. Alex Stein als Iwanow zeigte Frische, Schmiß, blondslawische Munterkeit, Man ja Pikus sympathische Sentimentalität. Mit reizenden Einfällen stattete Samuel Scheftel den drolligen Sjomka aus. Israel Kamay trug die Last des Juden mit Würde. Das Ehepaar Schapiro wärmte das Familienidyll auf. Frau Sonja A 11 b a u m war neugierige Hausfrau, zärtliche Mutter, heroische Gattin. Und Adam D o m b brillierte wieder in seiner Gabe, Töne des Ernstes und des heiteren Gemüts wundervoll zu mischen. Pas Gastspiel verlängert. Es ist der Direktion der „Jüdischen Künstle r s p i e I e" gelungen, das Gastspiel der Schauspieler der „Wilnaer Truppe" unter der Leitung von Alex Stein für kurze Zeit zu verlängern. Freitag, den 31. Jänner gelangt Osip Dymows Märchenkomödie „DerSänger seiuerTrauer" zur ersten Aufführung. In den Hauptrollen sind die Damen Sonja A11 b a u m und Man ja Pikus und die Herren Alex Stein, Adam Domb, Samuel Scheftel, Israel Kamay und S. Sorokin beschäftigt. Samstag, den 1, Februar wird „Der Sänger seiner Trauer" wiederholt. Für Sonntag, den 2. Februar ist dieses Stück zweimal, und zwar um? Uhr und um 10 Uhr (Nachtvorstellung) angesetzt. ScbuJgemelnde des Chajes-Realgymnaslutns. Die Maftiraklasse lädt alle zu dem am 5. Februar im Festsaale des Hotels Post, I., Dracbengasse 4, stattfindenden Theaterabend-herzlichst ein. Öle zionistischen Veretoe werden ersaicfot, für diesen Albernd keine Veranstalrttn-g anzusetzen. Schülern Podzamcze?0 Jahre alt. Schülern Podzamcze, der mit Recht als der jüdische Girardi bezeichnet wird, ist 70 Jahre alt geworden. Anläßlich dieser Feier und seines 55jährigen Bühnenjubiläums veranstaltet die Jüdische Bühne. II., Taborstraße 12, am 6. Februar einen großen Ehrenabend. Es sind seitens der jüdischen Künstlerschaft verschiedene Ehrungen für den Künstler vorgesehen. Bereits mit 16 Jahren wandte sich Podzamcze der jüdischen Bühne zu. Er wirkte bei den ersten jüdischen Bühnen in Europa (H o r o w i t z in Lemberg, und Gimpel in Czernowitz) mit. Vor dreißig Jahren gründete er in Lemberg eine jüdische Bühne und betätigte sich seit damals als Theaterdirektor. In dieser Eigenschaft hatte Podzamcze Gelegenheit, fast alle Länder Europas und Amerikas zu besuchen. Sein hervorragendes Charakterspiel, getragen von großer Liebe zum Zionismus, begeisterte die jüdischen Massen. Im Jahre 1902 gründete er in Wien die erste jüdische Bühne. Podzamcze hat auch zahlreiche jüdische Künstler erzogen und wirksam gefördert. Es ist zu erwarten, daß anläßlich des Ehrenabends des ältesten jüdischen Künstlers, der sich noch heute als aktiver Schauspieler betätigt, das jüdische Wien durch zahlreichen Besuch seine Anhänglichkeit beweisen wird. e. f. Jüdische Bühne, II., TaborstraBe 12. Ein derzeit aktuelles Problem wird In dem Lebensbild „Die Jüdische K.rojn" auf der Jüdischen Bühne behandelt. Das vom Ensemble vorzüglich gespielte Stück behandelt das Thema: Abfall vom Judentum. Die Hauptrolle wurde von Herrn S i c g I e r meisterhaft dargestellt. Sehr gut waren die Damen Pastor, E. Siegler, R. Siegle r. Dreiblatt, Kosowski, E. Silber und die Herren Pastor, Kosowski, Waldberg, Reismann und Hausknecht. Freitag gelangt die von Herrn S i e g 1 e r neuinszenierte Komödie „D u s P I nt e I e J ü d" zur Erstaufführung. Das Stück wird Samstag und Sonn« tag wiederholt. Jehuda Ehrenkranz, der bekannte Rezitator und Schauspieler, absolviert zurzeit eine Tournee durch die Tschechoslowakei und Deutschland, die ihm überall <.!ie größten Erfolge bringt. Die Presse feiert ihn als Interpreten der jüdischen Dichtung in enthusiastischer Weise. Im Februar finden in Berlin zwei große Vorlesungen in jiddischer und deutscher Sprache statt. „Revision der zionistischen Politik" von Richard Lichtheim. Zu beziehen durch Dr. David Bukspan, III., Aspangstraße 11-9. Preis S 1.70. Eine deutsche Wochenausgabe von „DAWAR". Die hebräische Tageszeitung der palästinensischen Arbeiterschaft „DAWAR", die im Laufe ihres nunmehr fünfjährigen Bestehens sich im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben von Erez Israel eine beachtete Stellung erworben hat, hat sich entschlossen, neben ihrer englischen und beabsichtigten arabischen Wochenausgabe auch eine Wochenausgabe in deutsch erSprache zu schaffen. Die deutsche Wochenausfabe wird imstande sein, dem Leser in deutschsprechenden «ändern eine unmittelbare Information über das Leben und Schaffen im Lande zu geben. Alle Probleme, die mit realem Leben in Erez Israel verbunden sind, die Immigration, die wirtschaftlichen Errungenschaften, die sozialen Neuerungen, die Jugendbewegung und ihre Ausdrucksformen, die Kulturscböpfungen. die neuhebräische Literatur, die politischen Fragen, die Schwierigkeiten und die Fortschritte der Arbeit, werden in der Wochenausgabe ihren lebendigen Widerhall finden. Adresse: „DAWAR", Deutsche Wochenausgabe, Berlin N. 24, Auguststraße 17. Das Grammophon ist kein Modeinstrument, sonr dem das Resultat viel jähriger Forschung und eine Errungenschaft der Technik, eine Spitzenleistung, die kaum mehr zu überbieten ist. Mit Hilfe einer guten, modernen Sprechniaschine ist es ermöglicht, die besten Musiker, Kapellen und alle Sänger zu jeder gewünschtein Zeit vorzuführen. Es ist deshalb jedermann die Möglichkeit gegeben, sich ■ selbst ein erlesenes Programm zusammenzustellen und sich, seiner Familie und seinen Gästen manch schönen Abend zu verschaffen. Beim Ankauf einer Sprechmascbine sowie von Schallplatten wende man sich natürlich nur an ein wirklich leistungsfähiges Spezialgeschäft, da nur in einem solchen die Gewähr eines dauernd zufriedenstellenden Einkaufes zu finden ist. — Das Musikhaus Excelsior, Wien, I., Adlergasse 5, welches auf diesem Gebiete bahnbrechend ist,- ist stets gerne bereit, Auskünfte an jedermann unverbindlich zu erteilen. Auch alle modernen Radionetzanschlußgeräte sind immer lagernd. Austritte aus dem Judentum. Kadanka Josef, 26. 4. 1875, Brünn, gei. gesch., XVI., Degengasse 49. — Sannel Ludwig, 5. XI. «1877, PI., Laufbergergasse 6. — Suschny Helene, 19. X. 1880, Groß- Meseritsoh, leddg, VI., LoquaipHatz 12. — Llpschütz Natalie, 5. IX. 1892, Baden, 'ledk?, IL, Große Mohrengasse 14. — Brum Felix, 15. VII. 1914, Wien, ledig, VI.. Mollardgasse 67. — Goldberg Valerie, 3. VI., 1877, Wien, ledig, VI., Gtunpendorferstraße 71. — Schmer Elsa, 1892, Wien, Jeddg, Adresse allbekannt. — Schmer Erika, 12. VIII. 1923, Wien, tedi«, Adresse «»bekannt. — Belnkeles Egon, 3. II. 1908, Wien, ledig, IX., Clusiusgasse 4. — Zelsel Richard, 22. V. 1907, Wien, ledig, IX., Giestergasse 8. — Korfmann Leo Theodor, 25. II. 1904, Wien, ger. gesch., IX., Seegasse 16. — Groß Marie, 24. I. 1904, Wien, 'ledig, IX., MüMnergasse 3. — Warmer Franz Josef, 12. II. 1894 Wien, verheiratet, XVUJI., Witithauergasse 13. — Eichewbaum Rudolf, 28. XI. 1902 Czernowitz, ledig, Xtf'M., Testarellogasse 9. Wiedereintritt. Der Matrikenführer der Judengemeinde Hollabrunn gibt bekannt, daß Herr FriedrichRanzenhofer, Knopfdrechsler in Hollabrunn, geboren am 2, Jänner 1891 in Eggendorf i. T., zuständig nach Wullersdorf, N.-Oe., seinen Wieder* eintritt in den Verband der israelitischen Kultus* gemeinde zur Anmeldung gebracht hat. Zweite Palästinareise 5690. (25. Februar bis 25. März 1930.) Veranstalter: Verband D e m o k r a t i s c h e r Zionisten und Palestine Touring Club Wien. — Der Anmeldungstermin für diese Palästinareise läuft am 15. Februar ab, es ist daher empfehlenswert, die Anmeldungen ehestens vorzunehmen. Die Zuteilung der Kabinen auf dem Luxus-Expreßdampfer „Ausonia", mit welchem die Seereise zurückgelegt wird, erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen und es sind nur noch einige wenige besonders gut gelegene Kabinen zu vergeben. Die Reise geht über Genua, Neapel,