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Die neue Welt · 1930-01-24 · Heft 123 (24.1.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 123 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite l DIE NEUE WELT Nf. m JCA-Farmcr in Brasilien schicken Geld für Palästina. Paris, 12. Jänner. Das Zentralbureau der JCA in Paris erfährt aus Rio de Janeiro, daß die jüdischen Farmer von Quadro-Irmaos dreidreiviertel Contos (ein Conto rund 500 RM.) als Hilfsgelder für die Opfer der August-Unruhen in Palästina gezeichnet Jiaben. Es ist das der größte Beitrag, den eine jüdische Gemeinde Brasiliens, einschließlich der großen Städte, wie Rio Grande und Porto Alegre, die unverhältnismäßig große jüdische Gemeinden aufweisen, für diesen Zweck gesammelt hat. Dieselbe Kolonie hat fast zwei Contos für die von der Hungersnot betroffene jüdische Bevölkerung Bessarabiens gezeichnet. Sie leistet auch regelmäßige Beiträge für den Jüdischen Nationalfonds und den Keren Hajeasod und schickt außerdem durch Vermittlung der ICA regelmäßig Geldsummen zur Unterstützung ihrer Verwandten in Europa. Eröffnung des Spinoza-Museums im Haag. Haag, 15. Jänner. (J. T. A.) Das Spinoza-Haus im Haag, das die Spinoza-Gesellschaft vor wenigen Jahren erworben hatte und zu dessen Erwerb auch das Auswärtige Amt unter Stresemann ebenso wie die französischen Ministerien des Auswärtigen und des Unterrichts unter Briand und Herriot beigetragen haben, wurde beute als Spinoza-Museum der Oeffentlichkeit übergeben. Die durchgeführte Restauration hat im wesentlichen den alten Zustand herstellen können. Der Bürgermeister vom Haag, Patijn, begrüßte die Erschienenen. Dr. Gebhardt (Frankfurt a. M.) gab auf Grund archivarisoher Forschungen einen Ueberblick über die GescWohte des Hauses, das der Maler Jan van G r i j e n für sich erbaut bat, und legte die weiteren Pläne der Spinoza- Gesellschaft, Ausgestaltung des Hauses zum Spinoza- Institut und " Abhaltung internation.aler akademischer. Kurse dar. Revision der zionistischen Politik Eine Warnungsschrift von Richard Lichtheim. In einer Zeit, in der die politische Situation des Zionismus sich derart gestaltet hat, daß gerade die Verantwortlichen sich weder zum klaren Denken noch zum entschlossenen Handeln aufraffen, muß eine mahnende und warnende Stimme Beachtung finden. Diese Stimme kommt aus dem Munde des bekannten Berliner Revisionisten ßicbard Lichtheim: eine schmäle, ein halbes Hundert Seiten umfassende Schrift „Revision der zionistischen Politik" im Verlag der Ewer-Buchhandlung Berlin W 15. Lieh-heim geht vom Herzl-Zionismus aus, der im Begriff „J u d e n s t a a t" die volle staatliche Souveränität: des jüdischen Gemeinwesens als letzten möglichen Ausdruck einer allmählichen Entfaltung der jüdischen Heimstätte sah und die Erreichung dieses Zieles als daV Resultat eines allmählich sich steigenernden dynamischen Prozesses verstanden wissen wollte. Für den kolonisatorischen Rahmen mußten die politischen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Erlangung der Balfour-Deklaration und des Palästinamandates waren die Folge einer mutigen Politik, aus der ersichtlich ist, daß seinerzeit England und der- Zionismus in der Deutung des Endzieles einig waren. Das arabische Element in Palästina gab zu keinem Problem. Anlaß, weil die arabischen Führer von einer prozionistischen Politik Englands überzeugt waren. Und, noch ein wichtiger Faktor war vorhanden: das Bewußtsein von der Ausführbarkeit des Zionismu s, basierend auf der historischen Verbundenheit mit Palästina, auf dem Willen des jüdischen Volkes und auf der historischen Gerechtigkeit. Richard Lichtheim zeichnet nun die retardierenden Tendenzen. Er sieht sie zunächst in der Verzichtsstimmung im Zionismus seitens der Anhänger des „BT Üh Schal om", welche die im Mandat verankerte , Vorzugsstellung preisgeben und sich geradezu zum Anwalt arabischer Interessen machen, ohne jene Bedingungen ins Auge zu fassen, die eine Verständigung mit den Arabern möglich machen. Er sieht sie ferner in der politischen Degeneration des um die „Jüdische Ru n d s c h a u" gescharten deutschen Zionismus, der in seiner Mut- und Wilienlosigkeit von einer Wochen-Kalender Jännei 1930 reo srin Tebeth 5690 24 Freitag 24-13 Sabbateingang 4.35 25 Samstag 25—ro Sabbatau8gang 5.26 nvcD. wwn o'wan wn fnw 26 Sonntag 2«-» 17 Montag 27-13 28 Dienstag 2$-ro 29 Mittwoch «W""?3 |öp ikd cm m any : 80 Dosnerstag SO-M B9V VW VÄT Acnderung der politischen Ideologie faselt und damit den Verzicht auf die im Mandat festgelegten Forderungen deklariert. Er sieht schließlich die Tendenzen der Unterminierung in der gedanklichen Entartung des Zionismus, der sich vom Zielgedanken des Judenstaates völlig entfernt hat und vor der eigentlichen politischen Aufgabe resigniert: die Balfour-Deklaration und das Mandat in lebendige Wirklichkeit zu verwandeln. Dieser mehr ideologisch orientierten Einleitung folgt eine Darlegung der englischen Verwaltung i n Palästina und der Aera Weizmann. Lichtheim zeigt, daß schon im Jahre 191? die prozionistische Politik Englands auf den Widerstand des Generals Allenby stieß und schon damals die Londoner Exekutive die Gefahren der Situation nicht sehen wollte. Eine weitere Etappe bildete das Regime des Gouverneurs Sir Herbert S am u e 1, der den Arabern fortwährend gegen die Balfour-Deklaration Konzessionen machte, nicht eine einzige Maßnahme traf, um die Bestimmungen des Mandats betreffs der jüdischen Ansiedlung auszuführen und die Basis für jenes System schuf, das die späteren englischen Beamten anwendeten. So kam es, daß die englische Administration, obwohl alle Möglichkeiten eines „Kolonisationsregimes" ohne Widerstand der Araber vorhanden waren, nicht nur dem Zionismus brutal Schwierigkeiten bereiteten, sondern mit der ihnen bequemen antizionistischen Politik auch die Araber infizierten.. All das ist nicht ein naturnotwendiges Ergebnis der Umstände, sondern menschlicher Unzulänglichkeiten, falscher Verwaltungspolitik und Schwäche unserer Leitung. Bezüglich der Aera Weizmann analysiert Lichtheim alle Epochen der zionistischen Kriegs- und Nachkriegspolitik, er beleuchtet die politischen Rückschläge, deckt die falsche Taktik der Leitung und ihre Verschleierungsmanöver auf und kommt zum Schluß, daß Weizmanns Haltung aus seiner spezifischen Einstellung zur innerjüdischen und innerzionistischen Situation und damit zur Denkart in außerpolitischen Fragen stammt. Weizmanns Ageney-Politik war eine Flucht aus der Zionistischen Organisation, die er nicht mehr stark genug hielt zur Verwirklichung der Palästina-Sache, die darum die Führung der Palästina- Politik aus ihren Händen lassen mußte. Damit war auch Weizmanns Rückhalt, seine innere Freiheit gebrochen, damit die Bahn für alle Defaitisten freigegeben, damit auch die große politische und wirtschaftliche Aufgabe einer Resignation anheimgefallen. Der Zionismus hat unter seiner Leitung seine Schlagkraft eingebüßt. Zum Schluß stellt Lichtheim der Programmlosigkeit der offiziellen Leitung die revisionistischen Forderungen entgegen. Auf der Basis der moralischen und materiellen Kraft des jüdischen Volkes, soll Palästina aufgebaut werden. Kolonisation als Staatsaufgabe, Schutz der Kolonisation, Immigrations- und Wirtschaftssystem, Landwirtschaft und Industrie, sozialer Friede — das sind die aktuellen Probleme. Die Verwirklichung des Zionismus kann nur durch eine E rneüerung geschehen. Lichtheims Schrift ist eine Mahn- und Warnungsschrift. Sie trägt in sich das, was Tausenden Zionisten verlorengegangen ist: den Glauben an die Verwirklichung des Zionismus und den Willen ihr die Wege zu bereiten. o, r. Zweite Palästinareise 569Q, (25. Februar bis 25, März 1930.) Veranstalter: Verband Demokratischer Zio« nisten und Palestine Touring Glub in Wien. — Das Inter* esse für diese Reise ist ein großes. Die Anmeldungen laufen nicht nur aus Oesterreich, sondern auch aus der Tschechoslowakei, Polen und Jugoslawien ein. Es ist für die Reiseinteressenten vorteilhaft, die An» meidung ehestens vorzunehmen, weil die Schiffs» kabinen schon in den nächsten Tagen zur Vormerkung gelangen und die Zuteilung in der Reihe der Vormerkun* gen erfolgt. Die auf Verlangen kostenlos zugeschick* ten Prospekte enthalten ein ausführliches Reise» Programm mit Angabe der Abfahrts» und Ankunftszeiten, der Aufenthaltsdauer in den einzelnen Orten, der zu besichtigenden ' Sehenswürdigkeiten usw., ferner die Pauschalpreise, die Anmeldungs* und Zahlungsmodali? täten, eine Beschreibung des Luxusdampfers „Ausonia'\ mit welchem die Seefahrt zurückgelegt wird, die Brief* und Telegrammadressen während der Reise, sonstige wichtige Informationen für die Reiseteilnehmer und eine Landkarte Palästinas. Schriftliche oder telephonische Aus* künfte erteilen: »Frau Paula Stricker, Wien, IL, Hol* landstraße 10, TeL Nr. R*45*6*89, und Frau Berta T a u b e s, Wien, IL, Böcklinstraße 92, Tel. Nr. R»45»9*05. Gründung einer arabischen Arbeiterorganisation in Palästina. Antizlonistlsche Beschlüsse. — Jüdische Pressevertreter werden »lebt zugelassen. ~~ Gelegentliches Zusammengehen mit den Eifendls. — Forderung nach einem unababhängigen Südsyrien (Palästina). In Haifa wurde eine Konferenz arabischer Arbeiter abgehalten, die von der neuerdings geschaffenen arabischen Arbeiterorganisation einberufen war. Obwohl der 1 ü d 1 s c h e A r b e i t e r r a t von Haifa unter den Delegierten Broschüren mit Aufsätzen über Fragen der Arbeiterbewegung und ihrer Organisation verteilte, um diesem ersten Versuch, die arabische Arbeiterschaft zu organisieren, seine Unterstützung zu leiben« wurden Vertreter der jüdischen Presse zu der Konferenz nicht zugelassen. Die Organisation, von der die Initiative zu dieser Konferenz ausging, ist neuerdings mit der Absicht gebildet worden, zunächst die arabischen Arbeiter in den Steinbrüchen von At feilt und in der Streiohholzfabrik „Nur" in Akko zusammenzufassen. Die jetzt auf der Konferenz neugebildete Arbeiterpartei hat in ihr Präsidium ausschließlich Mohammedaner gewählt. Die Konferenz hat beschlossen, die Organisation der arabischen Arbeiter nicht nur in Palästina, sondern auch in Syrien, Irak, Bedschas und Transjordanien in die Hand zu nehmen. Das Exekutivkomitee, dem die Erfüllung dieser Aufgaben zufällt, besteht aus 21 Mitgliedern. Der Hauptsitz der Organisation ist Haifa, Zweigstellen werden in allen wichtigen Städten errichtet. An der Konferenz nahmen 59 Delegierte, darunter 8 Christen, teil. Aus Gaza, Nablus, Bethlehem, Titberias, Safed und Tulkerem fehlten Delegierte, ebenso aus den arabischen Dörfern, von denen einzig das bei Jerusalem gelegene Dorf Lrftah, .dessen Bewohner bekanntlich mit zu den Hau-ptträgern der Unruhen in Jerusalem gehörten, durch drei Delegierte vertreten war. Arabische Steinbrucharbeiter aus Liftah haben damals ihren jüdischen Arbeitskollegen Schutz gewährt. Bin Arbeiterfunktionär aus Jaffa namens Georg N a s s a r, von dem es heißt, daß er einer iiiegalen (kommunistischen) Arbeitergruppe angehört, wurde mit den Rufen „Verräter!", „Zionistl" aus der Konferenz verjagt. * ' Die von der Konferenz angenommenen Resolution enthalten auch die Forderung der vollständigen Unabhängigkeit Palästinas innerhalb eine r panarabisch, en Konföderation. Es wird .protestiert gegen eine Einwanderung, die den ökonomischen Bedürfnissen des Landes nicht angepaßt ist,, sbwie gegen die seitens der Regierung angeblich geübte, Bevorzugung jüdischer vor arabischen ^Arbeitern, schließlich gegen die Unterdrückung der Rede- und Versammlungsfreiheit. Um ihre Haltung klarzumachen, hat die Konferenz auf die vor dem Kriege für Palästina übliche Bezeichnung „SüdSyrien" zurückgegriffen.;und erklärt, daß sie das politische Regime sowohl in Syrien als auch in „Südsyrien" (Palästina) nicht anerkenne. Die Exekutive der palästinensischen arabischen Arbeiterpartei wird aufgefordert, Polikliniken mit kostenloser Behandlung, sowie Abend-Fortbildungskurse einzurichten und eine arabische Arbeiterzeitung herauszugeben. Die Exekutive hat das Reoht erhalten, wenn nötig, einen arabischen Generalstreik zu proklamieren. Die Konferenz hat sich bereit erklärt, in allen Dingen, d/e nicht den Interessen,.,und-.Grundsätzen..der Arbeiterschaft, widersprechen, gemeinsam mit der .ganzen arabischen Nation vorzugehen.. Gegen die Verhängung von Kollektivstrafen über die der Teilnahmean den August-Unruhen schuldig befundenen arabischen Dörfer wurde ein scharfer Protesfcbesohhiß angenommen«. Jüdische Pressevertreter hatten zu der, Konferenz keinen Zutritt. . , AUS PALÄSTINA. t Ein neuer Bodenkauf des lateinischen Patriarchen von Jerusalem. Jerusalem, 17. Jänner. (J. T. A.) Das lateinische Patriarchat von Jerusalem hat von Em In Ab;dul Hadti, einem Mitglied des Obersten Moslemitischen Rates, den g esamten Boden des nordöstlich von Nablus gelegenen arabischen Dorfes Rameh käuflich erworteni Es ist'dips die dritte große Bodenerwerbung des Patriarchats innerhalb weniger Wochen. Vor 14 Tagen envaTb es bekanntlich 14.000 Dunam Boden in der Nachbarschaift der judischen Siedlung Beth Alpha im Emek. Große Bodenkäufe amerikanischer Juden in Palästina« Jerusalem, 16. Jänner (J.T.A.) Die „Palästtae Land Develoement Co. Ltd." hat in den lezten Tagen die Grundbuchtitei über 760 Dunam au die Kolonie Herzliah 'angrenzenden Bodens für die „Aebusa Aleph", New York, erhalten. (5300 Dunam in derselben Gegend wurden kürzlich für den Keren Hajessod zur Befriedigung einer Gruppe amerikanischer Käufer der „American Zipn Commonwealth" schon übertragen.) — Die „Achusa Alepn'* hatte vor etwa sieben Jahren durch die P, L. D. C. schon zirka 6000 Dunam erworben und darauf die Kolonie Raananah gegründet. Sie hat noch verschiedene Flächen bei der P. L. D. C. bestellt, um anschließend an das a*n Meer gelegene Herzliah und Raananah neue zu gmrKien und auf diese Welse einen geschlossenen Judischen Bodenv besitz in dieser Gegend zu. schaffen. Die Legende vom jüdischen Komplott gegen das Leben des Großmufti. Jerusalem, 17. Jänner (J. T. A.) Die Legende yan einer jüdischen Verschwörung' gegen das Leben des Großmufti von Jerusalem, wegen deren Veröffentlichung das Organ des Obersten raoslenutiscfeea Rates „Dschamea el Arabia" beschlagnahmt worden {ist, wird -— wie die Ita erfährt — in der ganzen arabische* Welt als Flugblatt verbreitet, auf dem Name unjd Adresse des Herausgebers fehlen. Man ^weif^It abW. nicht daran, daß die Verbreitung von einer autoritativen arabischen Stelle in Jerusalem ausgeht.

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