Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 119 (25.12.1929)
- Date
- 1929-12-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seife 8 DIE NEUE. WELT Nr. 119 Einige Aufklärungen« In def letzten Nummer der „Stimme" und in einer Versammlung der zionistischen Kultusmandatare haben die derzeitigen Leiter der österreichischen zionistischen Organisation heftige Kritik an mir geübt. Nicht etwa an dem von mir vertretenen Programm, nicht an der Tätigkeit der von mir geführten Gruppe, sondern an meiner Person. In einem langen Artikel, welcher unverkennbar der Feder oder dem Diktate des Obmannes der zionistischen Mandatare, Herrn Dr. D. Friedmann, entstammt, wird in sechs Spalten unter anderem der Beweis ge* führt, daß ich ein hinterlistiger Mensch bin, dessen böse Pläne „allgemeine Heiterkeit" erregen, daß ich die Partei „von einer Niederlage zur anderen" geführt habe, daß ich öffentlich die Assimilationsjuden bekämpft und dann in Priyatbriefen demütig um.Entschuldigung bitte und meine Angriffe widerrufe. Auch werde ich beschuldigt, „belanglose" Unterredungen mit Bundeskanzler Schober „marktschreierisch" aufzubauschen, ihn würdelos belobhudele usw. Auch werde ich als einer geschildert, der gewohnheitsgemäß seine politischen Anschauungen von Jahr zu Jahr wechselt ' Ich denke nicht daran, mit den Herren Dr. Friedmann und Dr. Löwenherz, den derzeitigen Führern, ein Wortgefecht darum zu führen, ob sie oder' ich die höheren Qualitäten als Führer und Menschen besitzen. Darüber haben andere zu entscheiden, die zionistische Gesamtheit, die'österreichischen Zionisten mit dem Stimm- WW<j>Wvv^/^vywyvv>AN Zum 81. Geburtstag des Herrn M. H. LANDAU Wien, Vill., Alsersirasse 43 gratulieren herzlichst Moses Engelmann und Frau zettel in der Hand. Ich will nur feststellen, daß die genannten Herren dieser Art der Entscheidung bewußt ausweichen, diese Art der Entscheidung systematisch verhindern, indem sie sich beharrlich hinter ein Wahlrecht zum österreichischen Parteitag verschanzen, welches heute zur Wahlkomödie geworden ist. Einmal konnten sie nicht ausweichen, und da ist es . ihnen nicht gut und mir nicht schlecht ergangen. Das Wahlrecht zum Zionisten k o n g r eß. ist ein gerechtes. Auf Grund dieses Wahlrechtes hat vor einigen Monaten die von mir geführte Liste fast doppelt so viele Stimmen erhalten als die von Dr. Friedmann geführte offizielle Liste. Dabei waren wir im Wahlkampfe nicht nur mit meinen schlechten Eigenschaften belastet — Hinterhältigkeit, "Unfähigkeit, Kriechertum — und hatten nicht hur gegen die hohen Qualitäten der oben genannten Herren zu kämpfen/ söndern gegen keine geringeren als Weizmann. Hieß doch die Parole: Mit Friedmann für Weizmann gegen die Demokraten und Strickerl Trotzdem sprach sich eine erdrückende Majorität für die von mir geführte Liste aus. Das Wahlrecht zum österreichischen Parteitag, welches heute ohne Beispiel im ganzen Zionismus dasteht und welchem, die genannten Herren ihre Stellungen verdanken, ist aber so beschaffen, daß neunzig Prozent aller 'Delegierten von denjenigen ernannt werden, welche sich im Besitze der Organisations- und Vereinstampi-, glien befinden. Wie es beschaffen ist, erkennt man an seiner „verbesserten" Form. Auf dem letzten Parteitage wurde eine „Reform" durchgeführt. Auf zirka vierzig' gewählte Delegierte entfallen jetzt „nur" dreiundzwanzig ernannte Virilisten, aber nicht genug daran! Die demokratischen Zionisten, meine Freunde und ich, haben überhaupt kein Wahlrecht! Sicher-ist sicher. Solange Herr Dr. Friedmann und seine engeren ,Genossen es nicht verschmähen, sich auf diese Weise ihre Stellungen und die Mittel und Waffen des Organisationsapparates zu sichern, können sie nicht beanspru-, chen, als ehrliche Gegner gewertet und behandelt zu werden. Aus einem mit widersinnig gewordenen P.aragraphen und Stampiglien sicher verschanzten "Hinterhalte „arbeiten" sie gegen meine Freunde und mich. Ich kann sie nur neuerlich auffordern ehrliches Spiel zu spielen, sich offen zu stellen, und der Entscheidung durch die zionistische Oeffentlichkeit freie Bahn zu schaffen. Wenn iph dann eine Niederlage erleide, werde ichsie gewiß einbekennen. :*..-.,; : Nur auf zwei in dem Artikel und in der Versammlung aufgestellte Behauptungen will ich doch eingehen, Hier scheinen mir die Regeln des Anstandes und der I Schnelhtugstatlon Steinach am Brenner. I I Wunderschönes SklgelVnde mit gUnetlgen | I Schneevexhiiltnl»»envpn Mitte Dezember I | Ws Ende Mörz. 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Als Bundeskanzler Schober die Regierung antrat, sprach ich bei ihm vor und übermittelte ihm die Forderungen des Verbandes demokratischer Zionisten betreffend die" Gleichberechtigung der Juden, Sicherung ihrer Ehre, einer Vertretung in den öffentlichen Körperschaften usWenige Tage später veranstaltete die „Union österr. Juden" eine dieselben Gegenstände betreffende Versammlung. Die „Neue Freie Presse" und das „Neue Wiener Tagblatt" berichteten übereinstimmend, daß der Referent dieser Versammlung, der Präsident Dr.-J. Ornstein, die Zionisten in schärfster Weise angegriffen und beschuldigt hätte, daß sie die jüdische Gleichberechtigun g zerstören, die Jtiden ins Ghetto zurückführen wollen und ähnliches mehr; Die „Neue 'Welt" brachte eine scharfe Zurückweisung und beschuldigte Dr. Ornstein, mit Mitteln* der Unwahrheit zu kämpfen. Zwei Wochen später erhielt ich einen an mich persönlich gerichteten; längerenv Brief Herrn Dr. Ornsteins. Unter Hervorhebung der besonderen: Achtung, welche er mir zollt,' beschwerte sich Herr Dr. Ornstein über die Angriffe in der „Neuen Welt" und bemerkte ausdrücklich, daß die Berichte über seine Rede in den genannten Blättern entstellt waren, der Form und dem Inhalte nach. , Herr Dr. Ornstein ist ein Mann in hoher jüdischer Ehrenstellung. Er ist über siebzig Jahre alt. Ich habe nie den,geringsten persönlichen.Konflikt mit ihm gehabt. Er hat allen Anspruch auf eine höfliche und würdige Antwort. Ich habe diesem Manne folgenden Privatbrief geschrieben: „Wien, V. Dezember 1929. Wohlgeboren Herrn Dr. Jakob Ornstein, per Adresse „Union österr. Juden", Wien, 9. Bez., Berggasse 4: Hochgeehrter Herr Präsident! Ich bitte um Entschuldigung, daß ich Ihr gesch. Schreiben vom 22. November erst heute beantworte. Ich war mit Arbeit überlastet. Ich * erkläre Ihnen, daß die in der Montag, den 30. Dezember um Va9 Unr abend im Cafe Arkaden (Souterrain) Versammlung Gegenstand: England/ Araber, Juden tieferent: Dr. Paul Dia m a n d Fi eie Aussprache \ Gäste. willkommen j „Neuen Welt" gegen Sie gerichteten Angriffe mir'keifte Freude bereitet haben. Ich bin der Ansicht, daß es in der jetzigen Zeit besser wäre, die zur Sicherung der Ehre und Vertretung der österreichischen Juden notwendigen Schritte bei der österreichischen Regierung — unbeschadet aller inneren Gegensätze — gemeinsam zu unternehmen. Umsomehr als ich glaube, daß die von mir im Namen der demokratischen Zionisten vorgebrachten Forderungen von jedem Judenunterstützt werdensollten. Aber die Angriffe waren eine notwendige Antwort auf die Berichte der „Neuen Freien Presse" und des „Tagblatt", in welchem meinen Freunden und mir Ghettogeist und fehlender Patriotismus vorgeworfen wurden. Es freut mich zu hören, daß Ihre Aeußerungen entstellt wiedergegeben würden. Dann aber wäre doch eine Richtigstellung am Platze gewesen. Indem ich der Erwartung Ausdruck gebe, daß in Hinkunft unsere Auseinandersetzungen in klarer und würdiger Form möglich sein werden, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Robert Stricker." Diesen Privatbrief hat anscheinend Dr; Ornstein seinen zionistischen Kollegen Dr. Friedmann und Doktor Löwenherz gezeigt Er konnte ja nicht annehmen und hat sicher nicht angenommen, daß diese Herren einen Privatbrief als Waffe gegen einen zionistischen Gegner erstens überhaupt benützen und zweitens fälschen werden. Denn in der „Stimme" wurde unter Hinweis auf (diesen Brief davon gesprochen, daß ich Assimilationsjuden Öffentlich angreife und mich dann in j Briefen entschuldige und krieche. Es hieß in der i „Stimme^: „Dabei gilt diese UnVersöhnlichkeit mir im 1 Kampfe gegen Zionisten. Als sich Herr Stricker vor kur, zem wegen eines in seinem Blatte veröffentlichten Au* griffes gegeu den Führer der Wiener Assimilation . zum .. „Nachweis'seines Alibis" bemüßigt sah, war er; in seinem ßntschu 1 digungsschr"efben von an-; erkennenswerter Milde .,. i Ich habe jetzt der zionistischen Oeffentlichkeit den Brief, meinen Privatbrief, vorgelegt. Sie möge entscheiden, ob ich würdelos gekrochen bin, ob ich abgeleugnet und mich demütig entschuldigt habe. Oder aber entscheiden, daß hier ein Privatbrief unkorrekterweise mißbraucht und überdies gefälscht wurde. Sie möge auch entscheiden, ob Führer einer zionistischen Organisation derartig handeln dürfen. * In einer Versammlung der zionistischen Kultusmandatare hat Herr Dr. Löwenherz gesagt, daß ich mich bemühe, „Lobhudeleien" über den Bundeskanzler Schober zu verbreiten. Er, Dr. Löwenherz, gehe zfl Schober als freier Mann und fordere. Am nächsten Tag .stand dann in der „Stimme", ich hätte „eine b edeutungslose Unterredung mit Bundeskanzler Schober marktschreierisch aufgebauscht". Jene zionistische Oeffentlichkeit, welche Herrn Dr. Josef Löwenherz und mich kennt, "möge unbeeinflußt auch nur durch ein einziges Wort von mir entscheiden, bei wem Marktschreierei, Lobhudlertum, Gesinnungswechsel und Anpassungsfähigkeit einerseits und freies Mannestum und Mut zum Fordern anderseits stärker ausgebildet scheinen. Aber wenn man über das Persönliche dieser Ausfälle als unwichtig hinweggehen kann, so muß denn doch auf das Sachliche hingewiesen werden. Schober ist einer der wenigen Nichtjuden in hoher Stellung, welche ehrliche Judenfreunde sind, und er hat tausende Juden vor schwerer Unbill bewahrt und auch dem Zionismus unschätzbare Dienste erwiesen. Ich habe diesem Manne in seiner schwersten Stunde, als er daran war, Oesterreich und seine Juden aus dem Chaos zu retten,' Worte des Lobes gezollt. Ich habe damit eine primitive jüdische Ehrenöchuld erfüllt. Und da bringt es Herr Dr. Löwenherz über sich, die „Lobhudeleien" zu verdammen, nur um mir einen kleinen Streich zu versetzen. Daß er damit der jüdischen Ehre und dem jüdischen Interesse plump ins Gesicht haut, das kann er wohl nicht ermessen. Dabei ist Herr Dr. Löwenherz immer bemüht, sein Ostjudentum hervorzukehren und sich als besonderer Vertreter der Ostjuden in Wien zu geben. Weiß er nicht, wie oft Schober die Ostjuden geschützt hat? Als alle sie verjagen wollten, hat Schober sie gehalten. Wie viele „belanglose" Unterredungen habe ich im Auftrage und über Drängen der Partei mit Schober geführt? Ich habe sie nie „marktschreierisch" aufgetan, dafür haben Juden in beklemmender Spannung auf das Resultat dieser „belanglosen" Unterhaltungen gewartet, unter ihnen derselbe Herr Dr. Löwenherz. Es war wohl auch ganz „belanglos", vom Bundeskanzler Schober Sicherheit für jüdische Ehre und jüdische Rechte zu verlangen. Ueber .alle anderen -schönen Dinge,. ..welche;- aber „ auch gesagt wurden, will ich jetzt nicht reden. Sie werden gewiß noch zur Behandlung kommen und die zionistische Oeffentlichkeit wird Gelegenheit haben, zu entscheiden und zu richten. Ueber diese zwei Dinge jetzt und ausführlicher zu sprechen, fühlte ich mich gedrängt. Nicht im Interesse meiner Person, sondern im Interesse der Organisation. Angriffe auf mich sind eine nicht sehr aufregende und erlaubte Sache. Aber daß Funktionäre und das Blatt der zionistischen Organisation sich dabei zu unanständigen Handlungen, zu plumper Undankbarkeit Dritten gegenüber und politisch schädlichen Handlungen hinreißen lassen, kann nicht bald und schärf genug gekennzeichet werden. St. Pölten. Die Zionistische O/tsgruppe St. Pölten veranstaltete am 15. Dezember einen Vortragsabend, zu welchem Herr Oberbaurat Ing. Robert Stricker aus Wien erschienen war. Der Referent sprach über das be* sonders aktuelle Thema: Die Lage in Oesterreich, und die Juden. Reicher Beifall lohnte den Referenten für seine vorzüglichen Ausführungen. Kreils a. D. Am 1. Dezember hielt Herr Oberbaurat Robert Stricker über Einladung der hiesigen Zionisti* sehen Ortsgruppe einen Vortrag über „Die Lage in Oesterreich und die Juden", der einen überaus starken Besuch aufwies. Juden aus der nahen und weiten Umgebung waren nach Krems gekommen, um den Re» ferenten zu hören. In seinen Ausführungen besprach Herr . Stricker die politische Entwicklung seit den Umsturz* tagen und die Konsequenzen, die sich hieraus für die Juden ergaben, um zu dem Schlüsse zu gelangen, daß für die österreichische Judenheit die einzig richtige Poli* t\k, die selbständig jüdische Politik und die Abkehr vom Nachlaufen nach rechts oder links ist. Dem außerordent* lieh interessanten Referate folgte die Zuhörerschaft mit regem Interesse. Die Hansfrau besorgt mit Vorliebe ihren Weihnatsfisch (Seefisch oder lebende Karpfen) bei der „Nordsee", Deutschen Dampffischerei. 31. Filialen. (Entgeltlich.) Hebräische-ßficher-Ausstellung der Histadruth iwrith vom 20. bis Inkl. 29. Dezember, II., Zlrkusgaseo 33 Juden, besuchet die Ausstellung! Programm der Ausstellung. Donnerstag den 20. Oezember um 4 Uhr nachmittag ßesicnti ung. um 8 Uhr abends teieiltche Eröifnung. Freitag den 27. Dezember von i» hi*W um vormittags BesichU'Iuiig itir Jugei.dlio e. Fünre : Lehrer LHeirberg. Samstag den 28. Dezember um ö Uhr nachmj. tags Verlos ng heuriu«cher bucher, um 8 Uhr abends Vortrag. Uber das hebräische 'luch. Sonnten den 20. Dezember von 9 Uhr trüh bis 10 Uhr abends eslcTO PersKi. Verkauf. Jeder Besucher der Au8ti*eliun? ernalt ein Los untnt eltlich, mit dem er die Mö^iichKeit hat, ein Buch zu erlangen. Die ttucher sind vom Verlag „Menorah" und der Buchhandlung Dr. Qianz-Sobar.