Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 118 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 118 mit den anderen, sondern um eine Arbeitsgemeinschaft. Es wäre erwünscht, dal? der Delegiertentag zu diesen Fragen Stellung nimmt. Würde unsere zionistische Gemeindepolitik irgend etwas von lebendigem Geist verspüren, dann gäbe es heute keine Diskussionsnotwendigkeit, deren Ziel es ist, den Abwehrschutz der jüdischen Gemeinde „einzugemeinden". Zu den integralen Aufgaben der einzig öffentlichen Rechtskörperschaft der Juden in Deutschland, nämlich der jüdischen Gemeinde, gehört der Kampf gegen den Antisemitismus. II. Der "Vorsitzende der Zionistischen "Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, war vor einigen Tagen in Frankfurt a. M. Es verdienen zwei Erkenntnisse, die wir bei dieser Gelegenheit erhalten konnten, hervorgerufen zu werden. Erstens: Die Meinung, wonach Blumenfeld sich nicht vollständig mit gewissen defaitistischen Extremisten identifiziert, ist irrig. Es besteht eine vollkommene Einheit zwischen Blumenfeld, Weltsch und B i 1 e s k i, das heißt mit denjenigen Herren, die für den Kurs der „Jüdischen Rundschau" verantwortlich zeichnen, die eine Neuorientierung der zionistischen Zielsetzung verlangen und die das Churchill- Weißbuch als Grundlage unserer äußeren Politik akzeptieren. Zweitens wurde uns klar, daß zwischen Blumenfeld und dem Brith-Schalom starke Verknüpfungen bestehen. Blumenfeld identifiziert sich weitgehendst mit Dr. Ruppin. Das heißt in der Praxis: Blumenfeld identifiziert sich letzten Endes mit der Errichtung eines Parlaments in Erez Israel, mit dem Verzicht auf eine jüdische Majorität, mit dem binationalen Staat, mit dem Gedanken einer falschen Verständigungspolitik mit den Arabern, bei der wir nichts zu bieten hätten als unseren Verzicht auf d i e B a'1 f o u r - D e k 1 a r a t i o n. Also eine Ideengemeinschaft mit Menschen, die eine neue Diskussion über das Endziel des Zionismus eröffnen. Man soll die Dinge mit dem Namen nennen. Es handelt sich in diesem Augenblick um einen Dolchstoß in den Rücken der zionistischen Exekutive. Man diskutiert und gibt den Gegnern Argumente, Schon stellt man Erwägungen darüber an, ob nicht ■ als Endziel des Zionismus die Zahl von 400.000 Juden für ein „geistiges Zentrum" ausreichend sei, von anderer Seite aus propagiert man. einen Pakt, wobei Juden sich mit 45 Prozent der Bevölkerung begnügen sollen. Die Gefährlichkeit des Kampfes besteht darin, daß diese defaitistische Propaganda nicht klar erklärt, was sie will. Man soll offen und deutlich sagen, daß man den Glauben an die Verwirklichung des politischen Zionismus verloren hat, dann entstünden neue Kampffronten. Für viele dieser Personen ist heute der Zionismus eine romantische Jugendsünde. Bei diesem Kampf gibt es nur ein Ziel: Sturz des Regimes Blumenfeld- Weltsch-Bileski, denn diese Menschen sind nicht fähig, den politischen Zionismus zu verwirklichen, an den sie nicht glauben. III. Es wird immer interessanter. Der „Nichtzionist" Dr. Magnes, Kanzler der Universität Jerusalem, verhandelt selbständig mit den Arabern, er unterhandelt mit dem Araberfreund Philby und kommt zu folgendem Uebereinkommen: Die Juden anerkennen das Parlament. Zugleich hört man von intelligenten Aenderungen der arabischen Politik. Von arabischer Seite kann man jetzt hören, daß es nicht auf die n e g a t i v e Forderung der Abschaffung der Balfour-Dekläration ankäme, sondern auf die Anerkennung des Parlamentes. Dies bedeutet praktisch die Abschaffung der Balfour-Deklaration. Was tun unsere Brith-Schalom-Leute? Sie fallen auf den arabischen Leim herein, eröffnen von ihrer Seite aus eine Propaganda für dieses Parlament, das heißt gegen den Zioni smus. In diesem Augenblick hält Herr M a g n e s eine Verständigungsrede an der Universität und fordert erneut die Notwendigkeit einer „Verständigung" mit den Arabern, so wie er sie auffaßt. Wie er sie auffaßt, weiß jedes Kind in Palästina. Daraufhin protestieren die Studenten und auch Ussischkin, weil sie an der Universität keine antizionistische Politik'wollen; sondern Wissenschaft. Man wendet sich gegen eine Gruppe, die durch die Namen Hugo Bergmann, Hans Kohn ausreichend charakterisiert ist. Was tut die „Jüdische Rundschau"? Sie bringt einen Artikel von Gerda Arlosoroff, in dem nicht gegen Magnes Stellung genommen wird, sondern in dem sie von „kindlichem Terrorismus" spricht. Eine Mehrheit soll sich also dem volksfremden Treiben einer kleinen Gruppe unterwerfen. Wie war es seinerzeit bei dem Sprachenstreit am Technikum in Haifa vor dem Krieg? Ein Teil der deutschen Zionisten, leider auch Blumenfeld, haben ihre Vergangenheit vergessen. Unsere Sympathien gehören in vollem Maße diesem „Terror" unserer akademischen Jugend.* Wie lange müssen wir noch das Treiben die» ser antizionistisch wirkenden Beamtenschaft des Keren- Hajessod ertragen?. Brauchen wir dazu eine hebräische Universität mit einem Jahresbudget von 71.000 Pfund; für die „Numerus clausus-Studenten" aus Osteuropa ist sie doch bestimmt, ein Luxus, Gibt es ifn Augenblick keine dringenderen Aufgaben? Ob die deutschen „Allgemeinen Zionisten'* in Jena weiterhin loyal sein .werden?. 8tam Miebeifcl als Siölomatin! ... ftttn edHtfci, ftrfri' tcfj bic Scfjkfl« itidjt blenbetib/ . .. Hein, cfjct fctöu&enb. 3$ (in fei« etfc&Iaaett. ftetst mufet bu mit als SMofinuttß für meine Gktmto unb m <£t* tjohtitfl bei „Gä)iffmann" bie prädrügen Skiljnodjtöfdjlößct borffifjten (offen, frei beten ÄnMicf einem bod #erj bor $rettbc (tufgcfjr. . .. unb bie Ötioftofdjel »f»ct, ecfafci. bn toci&t bod) fdjon, ftrfe ttfflg bie mann*3$lagct" finb! Unfete fcnfotioneßen SBeftnarfjts» 6d)lager: Jßtt8ffeU)£f, au» Sclout&ftlaneD S 3.90.......S 2*98 (QlfljtStfCr ffidouts.tflantn, neuefle S)e|{ln8 ..... 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D. und insbesondere die Sehriftleihing ihres Organs, der „Jüdischen Rundschau", hat mehrfach versagt: die von der letzten A.-C.-Sitzung aufgestellten minimalen politischen Forderungen 'haben seitens der „Jüdischen Rundschau" nicht die ■ Unterstützung gefunden, die ihr von einer so entscheidenden Landes-Organisation, wie es die.deutsche ist, zuteil werden sollte; statt dessen hat die „Jüdische Rundschau" die Frage der sofortigen Verhandlungen mit den Arabern in den Mittelpunkt gestellt. Wir betrachten die Haltung der Z. V. f. D. und der „Jüdischen Rundschau" als eine gefährliche Schwächung unserer politischen Position und wollen es nicht dulden, daß eine solche Politik als Meinungsausdruck des gesamten deutschen. Zio.nIsmus gelte. Wir wünschen auf dem Delegiertentag eine klare Herausarbeitung der Stellung der verschiedenen Teile des deutschen Zionismus zu dieser eminent wichtigen politischen Frage. Darüber hinaus wollen wir es aber durch organisatorische Maßnahmen verhindern, daß immer wieder eine Gruppe im Namen des gesamten deutschen Zionismus spricht: wir fordern eine Vertretung des deutschen Zionismus durch ein mehrgliedriges Präsidium und eine solche Gestaltung der Schriftleitung der „Jüdischen Rundschau", die diese nicht einseitig zum Sprachrohr nur einer Gruppe macht. —- Vereinigung radikaler Zionisten." Die Wahlen zum Delegiertentag der deutschen Zionisten. Berlin, 17. Dezember. (J. T. A.) Die am 14. bis 16. Dezember in Berlin stattgefundenen Wahlen zum Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutsch* land hatten das folgende. Ergebnis: Gewählt wurden vom Linken Zentrum (Gruppe Btumenfel'd) acht Dcle* gierte, von den Unabhängigen Allgemeinen Zionisten (Gruppe. Kollenscher) acht Delegierte, von der Gruppe Arbeitendes Palästina (Fritz Naphtali) vier Delegierte. Damit ist das Ergebnis der Berliner Wahlen nicht er* schöpft. In Sonderverbänden wählen Misrachi fünf, Revi* sionisten vier, Hitachduth drei und Radikale Zionisten drei Delegierte. Ueber die Wahlen im Reiche liegen vor* läufig nur spärliche Resultate vor. Dr. Max Kollenscher über das Wahlergebnis. Der Führer der Unabhängigen Allgemeinen Zio* nisten Herr Dr. Max Kollenscher äußerte sich über den Ausgang der Berliner Wahlen zum Delegiertentag dem JTA.*Vertreter gegenüber wie folgt: „Die Bedeutung der Berliner Wahlen geht über Berlin und über Deutschland hinaus. Zum erstenmal hat ein Wahlkampf seit den Ereignissen in Palästina statt» gefunden. Die Gruppe der Unabhängigen Allgemeinen Zionisten, die sich neu gebildet hat, konnte im ersten Ansturm so viele Mandate für sich erlangen wie Kurt Blumenfeld, der bisherige und gegenwärtige Präsident der Z. V. f. D., der über die Presse und über alle Kräfte der Organisation verfügt. Die Wahlen führen eine deut* liehe Sprache. Die Zionisten in Berlin haben sich ein* deutig gegen die unverantwortlichen Aeußerungen und Verhandlungen zionistischer Kreise, über ein palästinen* sisches Parlament, über die veränderte Zielsetzung des Zionismus, über den Verzicht auf die Idee des Juden* Staates und einer jüdischen Mehrheit in Palästina ausge* sprochen. Sie verlangen mit überwältigender Mehrheit — wie die Zionisten Oesterreichs es auch getan haben — daß die jüdische öffentliche Meinung hinter dem Baseler Programm, der Bal'f.our*Deklaration und dem unverkürzten Mandate einheitlich und geschlossen steht, daß die Zionisten den Kampf um das Endziel nie aufgeben. . Deutsche Schundliteratur. Ein Stipendist der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. Im Münchner Verlag E. F. Lehmann, der rassen- " antisemitische Literatur verbreitet, erschien vor kurzem das Buch eines Herrn Ludwig Schemann „Hauptepochen und Hauptvölker der Geschichte in ihrer Stellung zur Rasse". Auf der Seite 391 heißt es: „. . . dies wäre natürlich denkbar gewesen, wenn nicht das aligemeine Gesetz, nach welchem das Judentum vornehmlich auf Fäulnisboden gedeiht, auch auf die Vereinigten Staaten gründlich seine Anwendung gefunden hätte." Auf Seite 396 heißt es: „Diese zersetzenden Einflüsse gipfeln in den großen Weltmächten Juda und Rom, haben neuerdings ein immer leichteres Spiel bei uns gewonnen. Ihnen ist es nicht allein gelungen, den alten Gegensatz zwischen dem Norden und dem Süden unseres Vaterlandes neu zu vertiefen, nein, was schlimmer ist, mittels des unseligsten der Werkzeuge, des Marxismus, der ja ganz jüdische Mache ist, ist unser ganzes Volk auseinandergerissen worden . . ." Seite 397: „. . . zu ersteren gehört das immer stärkere Ueberhandnehmen der Rundköpfe» die Bastardisierung durch Fremdmischungeii — der deutsche Volkskörper ist schon heute derartig jüdisch, in der weiblichen Linie zumal durchsäuert, zu scheiden . . ." In der Vorrede zu seinem Buche schreibt Ludwig Schemann: „. . . nächst und neben ihm habe ich sodann mit warmem Danke der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft zu gedenken, welche mich nicht nur durch eine zweimalige Bewilligung in den Stand gesetzt hat, mir auf Erholungsreisen die für die Abfassung der beiden bisher erschienenen Bände nötigen Kräfte zu verschaffen, welche auch durch fortlaufende Unterstützungen es bewirkt, daß ich diese Kräfte verhältnismäßig sorgenfrei in den Dienst meiner Sache stellen kann." Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft hat sich infolge des Aufsehens, das Schemanns Rüpeleien erregt haben, veranlaßt gesehen, dem Autor das Stipendium zu entziehen. Die Makkabäerfeier der Demokratischen Zionisten. Samstag, den 28. Dezember, im Hotel Continental. Der Verband der demokratischen Zionisten in Wien veranstaltet Samstag, den 28. Dezember, im Festsaal des Hotel Continental eine Makkabäerfeier, die schon durch das gewählte Programm festlichen Charakter tragen wird. Der historischen Erinnerung entsprechend wird der Abend mit dem Zünden der Lichter eingeleitet, das der Oberkantor Gerson M a r g u 1 i e s vornehmen wird. Auf dem Programm stehen ferner: Die Festrede zum Gedenken unserer jüdischen Helden; Vortrag hebräischer Lieder durch Oberkantor Margulies; Violoncellodar-hietungen des jüdischen Komponisten J. Stutschewsky; Szene aus Stefan Zweigs biblischem Schauspiel „Jeremias", ausgeführt vom jüdischen Sprechchor (Leitung Oskar Teller); Violinvorträge vom Virtuosen J ä c k e 1 und Das jüdische Volkslied, interpretiert vom Sänger M. Sakaschansky. Beginn der Feier halb 9 Uhr. Sitzplätze von S 1 bis 3. T heater, Kunst und Literatur Zur Pflege der jüdischen Musik. . Von Prof. S. Braslavsky (Boston). Wir erhalten von dem lange Jahre in Wien tätig gewesenen Prof. S. B r aslavsky betreffs der jüdischen Musikpflege einen Brief, den wir hier auszugsweise wiedergeben. Vor einigen Wochen las ich in Ihrer Zeitschrift „Die Neue Welt" einen Artikel über eine Goldmark- Ausstellung in Budapest, wobei „Die Neue .Welt" ihre «