Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 118 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tin. v Preis 35 Groso.. ****«*b^ V. b. b. DIE NtÜE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN. Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 20. Dezember 1929 Nr. 118 Die Juden von Temen. Seite 3 Was van Paassen erzählt Seite 6 Wieder die rumänischen Studenten. Unruhen in Temesvar. Aus Bukarest, 15. <1., wird gemeldet: Arn 10. Dezember, •dem. Tage, den die. reaktionäre rumänische Studentenschaft' aH'jährlich. als Gedenktag des Numerus clausus- Kampfes feiert, fanden in Klauseliburg. '(Chili) und in Temesvar .(Timisoara). Studentendcmonstration.eu statt. In Klausenburg wurden , jüdische Kaufläden angegriffen. In Temesvar hat eine große' Grup,pe_ demonstrierender Studenten, michdem sie in dpr Redaktion; einer, ungarischen Zeitung und in einer DruckereiVerw'üstungen angerichtet hat, die Fensterscheiben am ' Gebäude ' d-e's jüdischen G y m n a s i u m s 'eingeschlagen. Fünf ■Studenten wurden verhaftet. - ';■''. v .'. .• '; .;; ,■ •. Ausschreitungen vor dein Parlament. \ Im "Parlament wandte sich der; jüdische Deputierte Fi sc fr er gegen die letzte Rede '-des 'Unferrfchtsnlinisters C oVt a ches cii, .der u. a.-gesagt haiv'Ich' bin- <i$- 'sc'hon gewohnt, daß „sie" bei jeder Kleinigkeit Härm schlagen, Hin .-.unseren guten Namen im - Ausland zu verunglimpfen. Soweit der. Minister nrit.dem W Örtchen „sie" die Mitglieder des .jüdischen Parlamentsklubs gemeint hat, müsse er, der Redner, feststellen, daß der Deputierte Landau, der über Begünstigung des antisemitischen Studenteritums Beschwerde geführt hat, n i ciri'a n d' beleidig e n, sondern, nur ein Problem des rumänischen öffentlichen Lehens VERBAND DEMOKRATISCHER ZIONISTEN. Große Makkafoäerfeier. Sanistag, den 28. Dezember 1. j., halb 9 Uhr abends, im 'Festsäale des Hotel Continental, IL, Taborstr. 4. Reichhaltiges künstlerisches Programm; u. a. Festrede, Lichterzünden und Gesarigsyortrag: Oberkantor Gerspu Margulies, Cellovortrlige: Prof. Joachim Stutschewsky, Violinvorträge: M. Jäckel, Sprechchor, jüdische Volkslieder usw. Preise von S 1 .bis 3, Stehplätze (nur für jugendliche) zu .'. ' 50 Groschen. Karten sind jeden Mittwoch und Samstag abends im Cafe Produktenbörse, IL, Taborstraße 10, oder gegen schriftliche oder telephonische Bestellung bei Frau Else Nebenzahl, III., Rasoniüfskygasse 1, Telephon U-12-2-16, und bei Frau Paula Stricker, IL, Hollandstraße 10, Telephon R - 45-6-89, und an der Abendkassa Hotel Continental zu haben. Kinder^Chanukali-Feier. Donnerstag, 26. Dezember 1929, 3 Uhr nachmittags, Theatersaal. Reklame, IL, Praterstraße 34. — Zur Aufführung gelängen Puppen- und Tanzspiele, n u r. y o n K i n d e r n ausgeführt. Jedes Kind erhält ein Geschenkpaket. Karten ausverkauft, keine berühren wollte. Die jüdischen Parlamentarier haben stets gegenüber dein rumänischen. Staate Loyalität bis zum Aeitßersten geübt. Stets haben' wir uns mit unseren Wünschen an die Regierung und ihre verantwortlichen Repräsentanten gewandt, just in dem Augenblick, wo M i <n i s t e r Costadie scu seine P h r a s e au sge sp r o chen ha t, wurden jüdische Passagiere auf der Bahnlinie Ci e s c i a- Clin edi n in i ß h a n d e 11. Mit den Studentenexzessen in Klausenburg und in Temesvar werden wir uns In einer speziellen Anfrage beschäftigen. Wir anerkennen, daß die Regierung die Exzesse verhindern will, sie kann sie aber nicht verhindern, so lange nicht gegen die Exzedenten die Gesetze mit alier Strenge angewendet werden. Minister ' C o s t a c h e s c u erwiderte, man werde gegen die schuldigen Studenten mit schärfsten Strafen vorgehen. Minister Joanizescu führte aus, man ha'be den Studenten am 10. Dezember ^erlaubt, durch die Straßen zu ziehen,-nachdem sie versprochen hatten, Ruhe zu haken. Mit Ausnahme von Klauserjbu'rg' und Temesvar verliefen" die: Kundgebungen .überall.. ruhig. Es, ist möglich, daß in. den genannten Städten. Provokateure anf Werke waren.: pic .Untersuchung wird fortgeführt-, die Schui-, digen 'werden bestraft werden. Abg.-Fischer erklärte sich von den Antworten befriedigt. Eine neue Regierungserklärung.; Aus Bukares t, 13. d., wird gemeldet: In der Kammer fragte Deputierter .L a z a r die Regierung, welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenke, um künftighin Vorfälle, wie-sie sich in Temesvar gelegentlich des Studentenk'ongresses ereignet haben, zu verhindern. Uhterrichtsminister Costa che scu antwortet sofort und sagt: Die Tatsache, daß die Studentenunruhen sich gerade in einem Zeitpuukt ereigneten, da die Regierung zu den Minoritäten gute Beziehungen wieder herstellen will, beweist, daß die Studentenschaft dies verhindern will. Die Regierung ist aber entschlossen, jeden Chauvinismus zu beseitigen, muß aber auf die Tatsache verweisen, d a ß d i e ungarischen Schulen ein Hort kommunistisch - i r r ed e n ti s ti s ch e r Prop ag.anda seien, von welchen aus verschiedene Elemente in aufhetzerischer Weise agitieren. Wären die Studenten von den ungarischen Zeitungen nicht angegriffen worden, hätten sie auch weiter Ruhe "behalten. Er gibt wohl zu, daß derartige Ausschreitungen eine Kulturschande seien. Die Regierung wird dafür. Sorge tragen, daß die Schuldigen' bestraft und künftighin solche Vorfälle sich nicht. mehr ereignen. Unterstaatssekretär J o an i ze scu sagt, die Regierung habe alle Maßnahmen getroffen, um Zwischenfällezu .verhindern. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. KOHLE» KOKS ANTHRACIT höchster Qualität BÄSCH. IV. Argentlnlerstralle 22 TaIohIiah U-46-403 Telephon g.41.2.87 Vom Wesen des Antisemitismus. —y. Richard Co udenhove-Kalergi, der Verfechter der Paneuropabewegung, hat die Neuauflage des vor etwa 25 Jahren erschienenen Buches seines Vaters, des Grafen Heinrich Coudenhove, „Das Wesen des Antisemitismus", mit einem Vorwort eingeleitet, in welchem er die gegenwärtige Lage des Judentums darzustellen versucht. Den Anlaß zu diesem Essai darf man wohl in dem Paneuropagedanken suchen. Der Autor empfindet es als einen Widerspruch zu seinem politischen Plan, daß ein Mitglied der europäischen Völkerfämilie und nicht das schlechteste, von einem bis' in-die Tiefe der>SeeIe greifenden Haß umgeben ist. Diese Feme ist eine starke Gefährdung aller aus politischer Etfyik hervorgehenden Bestrebungen, der gelbe Fleck auf der Zivilisation und die unaufhörliche Verneinung aller positiven Politik. Sie ist aber in noch höherem Grade eine Negierung der Demokratie und der Beweis für die innere Schwäche der europäischen Kultur. Solange-antisemitische Tendenzen sich in Erziehung, Wirtschaft und Politik breitmachen, die Grundlage für Parteiprogramme bilden und sogar in der oder jener Form offiziell anerkannt werden, statt mit Irrenhaus honoriert zu werden, solange bilden sie die geistige Quelle jeder Art Verfolgung von Gesinnung. Wenn Menschen für ihre Abkunft gehaßt werden und kein Strafgesetz dies unter Sanktion stellt und wenn dieser Haß und seine Straflosigkeit sogar als charakteristische Kriteria der europäischen Kultur gelten können, so ist die Nachahmung in den Gebieten außerhalb Europas und ihre Projizierung auf alle europäischen Elemente eine selbstverständliche Erscheinung. Paneuropa ist einstweilen nur eine Idee, der Antisemitismus aber eine Tatsache. Es tut wenig zur Sache, daß diese Tatsache von moralisch minderwertigen Individuen gestützt wird und daß noch immer wie zu Zeiten des Kaisers Friedrich sich im Judenhaß die Gesinnung der Kanaille niederschlägt/ Er besteht und er könnte nicht in solchem Umfange bestehen, wenn er nicht seit je von den Mächtigen, von den Herrschenden und den Regierungen als Ablenkungsmittel innerer Spannungen in den Nationen in Ehren gehalten worden wäre. Der Judenhaß ist aber —• vom jüdischen Gesichtspunkt aus gesehen — nur eine Erscheinungsform der abnormalen Lage des jüdischen Volkes, und wer sich mit dem Antisemitismus als einer soziologischen Entartung beschäftigt, muß auch die Zerstreuung und die ynie IDezImatg^