Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 116 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seife 8 DIE NEUE WELT Nr. i U Londoner Pro-Arab Wo mens National and Polifical Lcague und erzählte, daß während der Militäradministration unter General Sir Louis Bols britische Beamte ihr offizielle Dokumente gezeigt hatten, damit sie in die Lage komme, die arabische,Bevölkerung hinsichtlich der britischen Intentionen in Palästina zu beruhigen. Der Regierungsanwalt Kcnelm Preedy tadelte die Zeugin wegen ihres Vertrauensmißbrauehes. Ihren weiteren Aeufierungen war zu entnehmen, daß sie Herrn Jeffriers, dem damaligen Korrespondenten des „Daily Mail" in Palästina, viel Material für seine. Artikel geliefert hat, die auch später unter dem Titel „The Palestine Deception" (Die Palästinatäuschung) erschienen. Kenelm Preedy forderte Miß Newton auf, den Offizief zu nennen, der sie informiert hat. Es stellte sich heraus, daß es nicht General Bols selbst, sondern sein Militärgouverneuer von Haifa war. Unter den ve r t r a u 1 i c h e n, I n f o r m a t i o n e n, die Miß Newton dem Zionistengegner Jeffriers lieferte, befand sich auch die Abschrift einer privaten Depesche von Sir Louis Bols an das Hauptquartier der ägyptischen Expeditionsarmee, in der Bols von der auf seiten der Zionistischen Organisation herrschenden Halsstarrigkeit spricht. Der Regierungsanwalt Preedy forderte Aiiß Newton auf, ihre Behauptung, britische Offiziere hätten ihr vertrauliche offizielle Dokumente gezeigt, zurückzunehmen, weil sie durch diese Behauptung die Offiziere des Vertrauensbruches beschuldigt. Miß Newton gab dieser Aufforderung nicht Folge und sägte, sie brauche Zeit, um darüber nachzudenken, was sie hier vorgebracht habe. Ein arabischer Beamter. ' Der'Hilfssekretär George Antonius, der sich ausschließlich mit arabischen Angelegenheiten befaßt, sagte aus, daß er der Verfasser der in den Unruhetagen herausgegebenen Bulletins gewesen sei und daß er auch die Nachricht über die Beschlagnahme von 25 Gewehreu bei Juden in Haifa, wo in Wirklichkeit nur zwei Gewehre beschlagnahmt wurden, verbreitet hat. Er klärte dies folgendermaßen auf: Der Haifaer Distriktskommissar meldete, daß 25 Juden wegen Waffenbesitzes verhaftet wurden, und da er das Wort „Juden" in diesem Zusammenhang nicht erwähnen wollte, habe er es d/iirch das Wort Gewehre ersetzt Sir Boyd wies' durch Zitate nach, daß Antonius, obwohl er einen Ruf als Kenner der arabischen Presse genießt, doch falsch berichtete, als er. behauptete, die arabische Presse habe ihre. Befriedigung über das Regierungsweißhiich bezüglich der Klagemauer geäußert. Es erschienen mehrere Artikel, in denen gegen das Weißbuch scharf gehetzt wurde. Der arabische Anwalt Silley fragte Antonius, ob/ die von der Haycraft Gommission 1921 gemachte Feststellung, daß faktisch die ganze nichtjüdische Bevölkerung den Juden gegnerisch gegenübersteht, zutrifft. Antonius erwiderte, dies trifft heute zu. Diese Gegnerschaft richtet sich jedoch nicht gegen die Juden, sondern gegen gewisse Aspekte des Zionismus. Antonius bestritt, daß er den amerikanischen Journalisten Sbean dahin beeinflußt habe, daß er seine dem Zionismus günstige Einstellung ändert.' Auf Befragen Sir Boyds berichtete Antonius, daß der Großmufti nach den Unruhen im Jahre 1921 in contumaciam, verurteilt worden sei. Sir Boyd ergänzte diese Mitteilung durch die Hinweise, daß der Mufti sein Wort gebrochen habe und aus dem Lande geflohen sei, daß der damalige High Commissioner Sir Herbert Samuel den Mufti in die ' damals proklamierte allgemeine Amnestie nicht einschloß i|nd daß der Mufti erst später auf Grund einer Sonderpetition begnadigt wurde. Pas Attentat auf Benhvich. Bei Beginn/ der Sitzung der Untersuchungskommission am/25;/Nbyember ergriff der Anwalt der arabischen Exekutive "'W. H. Stoker das Wort, um seinem „tiefsten fSptsetzen", seinem „grenzenlosen Abscheu" uind seiner1 _u|ieingeschränkten , Verurteilung angesichts des Attentatsversuches auf den Oberstaatsanwalt, Herrn Bentwidi, Ausdruck zu geben. Ich, mein Anwaltskollege Sifley, die anderen arabischen Anwälte und die arabische Exekutive — fuhr Stoker fort — sind tief beunruhigt durch diese Ausschreitung und erfreut, daß das Attentat in der Hauptsache mißlungen ist. Die arabische Exekutive hat diesen Gefühlen in einem Telegramm an den High Commissioner, Sir John Chanccllor, Ausdruck gegeben Eine arabische Abordnung hat auch Herrn Bentwich heute morgens im Krankenhaus besucht. Nach Stoker gab der Regierungsanwalt Kenelm Preedy im Namen der Regierung und im eigenen Namen der tiefen Empörung über das Attentat Ausdruck. Der Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman, schloß sich diesem allgemeinen Ausdruck der Empörung tjbpr das Verbrechen an. Auch der Vorsitzende der Kommission, Sir Walter Sb a w, verdammte in einer Ansprache im Namen aller Mitglieder der Kommission dieses „schrecklidie, böswillige, verapsäieuungswürdige und törichte Ver«' brechen". S o } c h e A k t e, fuhr er fort, können der Gemeinschaft, der der Attentäter angehört, niemals Nutzen bringen, sondern sie sind im Gegenteil dazu angetan, d i e Sa che dieser Gemeinschaft in den Augen der •Welt zu beeinträchtigen. Die Kommission zieht (Ii.;c Schlußfolgerung nidit, sie ist der Ansicht, daß es sidi um den Akt einer törichten und verantwortungslosen Person handelt. Herr Herbert Bentwidt, der Vater Norman Bentwichs, wohnte der Sitzung bei. Arabischer Terror fn Safed. Jerusalem, 1. Dezember. (J. T. A.) Ein Trupp Araber zu Pferde drang um 11 Ohr abends in das jüdische Viertel von Safed'ein, obwohl in Safed noch immer der Straßen« .verkehr nach 8 Uhr a'bends verboten ist. Die Arabef schleuderten Steine in ein Fenster, an dem ein Jude saß. Der Jude wurde getroffen und schwer verletzt ins Hospital gebracht. Acht Araber, von'denen man atinimmt, daß sie am Angriff beteiligt gewesen waren, wurden verhaftet. Eine Abordnung der jüdischen Gemeinde von Safed ersuchte den in Safed eingetroffenen Kommissär des Norddistrikts, die Zahl der in Safed stationierten britischen Polizisten sowie die Zahl der jüdischen Nachtwächter zu erhöhen, damit eine Wiederholung solcher Angriffe verhindert werde. Der Distriktskotnmissär versprach, diese Forderung in Erwägung zu ziehen. Er Heß sodann.die arabischen Notabein von Safed zu sich kommen und erklärte ihnen, daß jeder weitere Angriffsversuch strengstens geahndet werden wird. Drei Araber, die Feuerwaffen aus Transjordanien nach Palästina einschmuggelten, wurden in der Nähe der jüdischen Kolonie Rosch Pineli bei Safed verhaftet. Truppenablösung in Palästina. London, 1. Dezember. (J. T. A.) Aus Malta wurde das erste Bataillon des Northamptonshire-Regfonents, ein Detachement des Stafferdshire-Regiments und ein Detachement der R. A. M. C.-Truppe nach Palästina beordert. Aus Londoner offiziellen Kreisen wird der J. T. A. mitgeteilt, daß diese neuen Truppenseiidungen aus Malta nicht das Ziel haben, die Palästinabesatzung zu verstärken, sondern jetzt in Palästina stationierte Truppen abzulösen. Die jüdischen Abgeordneten in der Tschechoslowakei. Trsg, i; Dezember. (LT.' A.) Die Grup-pe der. jüdischpolnischen Abgeordneten hat beschlossen, bei der tschechischen sozialdemokratischen Partei in der kommenden Parlamentsr>eriode zu; hospitieren. Dieser Gruppe gehören bekanntlich die' beiden jüdischnationalen Abgeordneten Dn-Ludwig Singer und Dr. Julius R e i s z an. In einer der Presse übergebenen Information erklären die beiden Abgeordneten, sie hätten sich bei den Regierungsverhandlungen nicht nur von dem Prinzip leiten lassen, eine, beliebige Majorität durch ihre Stimmen zu stänken, sondern, sie wollten sich einer einflußreichen, staatserhaltenden Partei abschließen, mit der nicht programmatische Uebereinstimmung bestehen müsse. Immerhin sei die Forderung nach einer weltanschaulichen Gemeinsamkeit ebenso unabweislich gewesen wie die Not* wendigkeit, sicherzustellen, daß die Partei, auf die die Wahf der jüdischen Gruppe fallen sollte, alles daransetzen werde, den jüdischen Forderungen im Parlament stärksten Nachdruck zu, verleihen. 40.000 Juden in Frankreich naturalisiert. Aus Faris, 29. November, meldet die J. T. A.; Von den etwa 80.000 Ausländern, die im Jahre-192? als französische Bürger naturalisiert wurden, sind ungefähr die'Hälfte, rund 40.000* Juden, die aus verschiedeheri. Ländern in Frankreich eingewandert sind. '" ■ . - V\:--> ' * . . .; . Iii def'ganzen Welt wird eine, in ihrer Tendenz mittelalterliehe Hetze gegen die „Fremden" betrieben und piit dem Schlagworte von der heiligen „Bodenständigkeit"t jede Brutalität gegen Eingewanderte als nationale und soziale Notwendigkeit hingestellt. und gedeekt.; Die ^Chauvinisten und die sozialistisch Organi-r siebten, Haken'kreuzler und Sozialdemokraten sind darin einig, ..FreinVie*' fernzuhalten. Selbstverständlich hat dias Wande^volk der Juden unter dieser reaktionärsten aller] NachHriegserscheinungen in erster Linie und am meisten vzu leiden. Frankreich ist heilte wohl der einzige :tStai|£?: der ' fremde Juden nicht nur aufnimmt;'' sondern aji'ch zu Staatsbürgern macht, , zu. treu ergebenen Staatsangehörigen. Frankreich ist in: dieser Hinsicht> das " bestberatene und vbestregierte Land. Es wird auch die guten Früchte dieser freiheit^clien Fremderipolitik genießen. r \ «miHnn«! ■m*tnmi Zionistisch Bezirkssektion Leopoldstadt. Bei der Generalver* sammlijnic wurden folgende Funktionare gewählt: Dr. N. M: Oelber, Präsident; .'■Dr./ A,. Schnieder und Isidor Lebcnsohii, Vizepräsidenten; Solomon Sphaplera, Kassler-, Natan Spindel, Verwaltung; Kollier Josef. Scjuftnihrer; : Josef Singer, Keren Hajesspd; Frl. Finl Schächter, Keren KaJeniethi Karl Heller und Keßler, Schekel. . > MIIhMlIMI Schnellzug**'*!«! SUincch am Branii«r. Wunderschön»* SMgalNnd« fflR gUnsügen SehnetverhlttnlMen von Mitte Pjuember bis Ende Mira. Skikurs«, Rodelbahn, laufptatx. Behaglicher Aufenthalt Im HOTEL UHD PENSION TRINSERHOF 1314 m U. d. M., in sonniger lag«, neu er» baut, modern und gediegen eingerichtet, SO Betten, fllaOendes Ka». und Wann, wasser, Zentrelhefceung und Bldar, Grefe klasslga Wlana/KUctt«. ftnsfenjprelee£ Wk. 740. Auf Variangen PreepeMe. iHBftiMiiiHnmwmntrrmiimHwnn^ . ^*^''''^*W.OTIWM»^<Wt,,mtiB»H^>,),www,ww,w,WH^^^w^^n>fT<rw rflTTHl KtMWrl HH HUHN III HM| H Iftf r mhmmrttmmimrmiimrwiimmT^ SIEGM. 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Ueber diesen letzten Juden befragt, er« klärte der Minister, auch dieser werde entlassen werden, weil Juden nicht zu gehen verstehen. Hörst du, welcher Vorwurf dir gemacht wirdl —- Jude, ewiger Wanderer, du verstehst nicht zu gehenl Sogar die Träger auf den Bahn* höfen haben die Entfernung aller jüdischen Träger gefordert und erreicht. Der letzte Streik in Lodz wurde von den polnischen sozialistischen Arbeitern ins Werk ge* setzt, um auf diese Weise gegen die Beschäftigung j ü d i« scher Arbeiter in den Fabriken, deren Inhaber Juden sind, zu protestieren. Auf allen Seiten wie von Eisenwänden umgeben, haben sich die Juden nach N a« lewki (Judengasse in Warschau) zurückgezogen." Die Losung der polnischen Gesellschaft heißt: „Rien que les Polonais." Der Präsident der Republik ist Präsident der Polen und nicht Präsident der Juden. Pil« sudski war bestrebt, die Geister für eine Verfassung zu gewinnen, die nicht antisemitisch ist. Es gelang ihm nicht. In Polen gibt es dreiundeinhalb Millionen Juden. Die Ge» samtzahl der Bevölkerung betragt dreißig Millionen. Ein Jude kann weder Mitglied der Administration, noch der Armee, noch einer Universität sein. Der Proletarier wird von den Erwerbsquellen ferngehalten, er wird in die Fa« brik nicht zugelassen, der Intelligenzler kann die höheren Stufen der gesellschaftlichen Leiter nicht erklimmen. Warum dies alles? Weil jede polnische Regierung machtlos wird, wenn sie vor die Notwendigkeit gestellt wird, das jüdische Pro* blem zu entwirren. Der ererbte Judenhaß ist stärker als alles. Die Juden in Polen durchleben heute den schlimm« sten Abschnitt ihrer Knechtschaft, Polen haßt die Juden zweifellos, es hat sie. außer« halb des Rahmens des nationalen Lebens gestellt. — Und dies in viel energischerer Form, als die zaristische Re« gierung.es tat. Polen lehnt die Juden ab, welche sich nicht assimilieren wollen. Polen will nicht mehr. jüdisch, sein, als die Juden polnisch sind. Polen ist stärker als die Juden. Man knebelt sie, man reibt sie auf, man bewirft sie mit Kot. Aber glaubet nicht, daß sie um Gnade winseln! Wenn du dein Ohr hinneigst, wirst du immer das Bc« kenntnis hören: „Wir sind Judeh." Vernichtung jüdischer Existenzen. Eine in Warschau unter dem Vorsitz von Senator Trasker und Silferstein tagende Konferenz der Delegierten, der jüdischen S p i r i tu o s e n h änd 1 e r und Res tau?' rateure In Polen iha-t die folgende EntechHeßiin« angenommen: Im Hinblick darauf, daß zehntausenden jüdischen Familien infolge der Entziehung der von ihnen inneg e h a b t e n Konzession für den Verkauf von Spirituosen die Gefahr des wirtschaftlichen Ruins droht, ersucht die Konferenz die Regierung, mit der Entziehung solcher Konzessionen aufzuhören und die bereits liquidierten Konzessionen den früheren Inhabern zurückzugeben. Neue Zionistenverfolgungen in Rußland. Mehr als 100 Zionlsten in der Ukraine verhaftet. Moskau, 24. November. (J. T. A.) Die behördlichen Zionistenverfolgungen in Rußland, namentlich in der Ukraine, haben in den letzten Tagen erneut eingesetzt. In Kiew, Torc-schtscha, Pastow und einer Reihe Städte des Gouvernements Tschernigow wurden mehr als , 100 Personen unter der Beschuldigung, daß sie zionistische Werbearbeit leisten, verhaftet. Verein für Jüdische Geschichte und Literatur fit Wien, II.. FerdlnanUstraBe 23/8. Am 9. d., halb 8 Ubr abends, im Klubsaale1 der Hakooh, I.. Wieslnserstraqe 11 (Caf6 Atlashof. jUener Elnganar Souterrain) Vortrag dea Herrn Medlzlnalrat Dr.Heinrich Haaie: „Schleidens Wissen um das Judentum". Eintritt frei. CHste willkommen. Verband »Ion, MUtelschQleir und Jüdische)* Zentrum GH A J ES ^GEDENKFEIER Samttag, 21. Dezember, 7>8 Mhrv rlQlel Po»t Gedenkrede» H. Rebelner Dr. Peuehtwang Qestnoe « Sprechen«« Allegorls^He AuffUhruna Karten von S 1.- Ms t» 9.- im Jüdischen Zentrum und bei M. Rath