Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 115 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen MF MEUEWEL BP ■ MW Ii Ii ■ Hl BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc., 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—vierteljährig Lei 120.—. R IV U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20: Italien monatlich, Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSOEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6-4$ Telephon: A25-2-82— Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 29. November 1929 Nr. 115 B3HES3^ REISEN nach AEGYPTEN dem NIL und PALÄSTINA Programme, Auskünfte und Fahrkarten durch Reiseöureau COOK In Verbindung mit der INTERN. WAGONS-LfiTS GES. , vJWW«' plianspiatJK xi.'- Arabisches Attentat auf Norman Bentwich» Jerusalem, 26. November.,'„(J. T. A.) In ganz Palästina herrscht Aufregung über ein Attentat, das am Sonntag,* den 24. November, nachmittags auf den Chef des Justizdepartements der Palästina-Regierung, Oberstaatsanwalt N o r ra an B e n t w i c h, bekanntlich der! einzige hohe, jüdische Regierungsbeamte Palästinas, verübt .worden ist. Als Bentwich am späten Nachmittag des Sonntag sein Büro verließ, gab der jugendliche arabische Polizeidiener Abdul Ghani Tabek, der aus Kebatya,. einem Dorfe in der Nähe von Jenin, stammt und im Department für P o- 1 iz.ei-, und Gefängniswesen als Bote .angestellt ist,, Schüsse, auf ihn . ab, eine Kugel traf Bentwich ins Bein'und verletzte ihn schwer. Bentwich wurde in das Hospital gebracht. Der Attentäter konnte an Ort und Stelle verhaftet werden. Die Nachricht über das Attentat verbreitete .sich blitzschnell über ganz Jerusalem und weckte allgemeine Empörung. Mehrere hohe Regie- . rungsbeamte, unter.ihnen dpr, Ghefsekretär Luke,:^ besuchten;sofort Bentwich im Hospital,, sprachen ihm .ihre Sympathie; aus,. und. gaben, ihrer Entrüstung über das Attentat . Ausdruck. Die Untersuchung gegen den Attentäter.undj seine eventuellen .Hintermännerführt der I*oiizeikpmmandant Ma vrogo r dat o persönlich. Man vermutet, daß der Attentäter Tahek im Auftrag .einer T e, r ,r. o r j s t e n - O r g a n i s a t i;o n gehandelt hat. Der Ueberfall erscheint. sorgfältig vorbereitet, für die Ausführung des , Attentates wurde, der . Sonntagna.chniittag. gewählt, da zu dieser Stunde außer . Bentwich keine anderen .., Regierungsbeamten im Regierungsgebäude anwesend , sind.,—■ Dr. Y a s k y,. der; im Auftrage. des ^adassah-Gesundheitswesens Bentwicti: im Regierungshospital: besuchte, hat, auch die Schußwunde untersucht. Beim Verlassen des Hospitals teilte ,Dr. Yasky dem J./I>A.-Vertreter mit, die Kugel sei in die Wadenmuskel eingedrungen und habe den Knochen nicht yer-, letzt; sie ,wird:durch eine .Operation.-leicht zu; entfernen; sein. Eine Gefahr v für . das-, Leben. Bentwichs. besteht nicht,, wennnicht unerwarteterweise sich eine-,Infektion'entwickelt. — bekanntlich - führt;. die arabische. Prpsse eine ununter,bröchene Hetze gegen; Bentwich, uqd die - arabische• Exekutive fordert >,unablässig. dessen Entfernung aus - dem- Dienste, weil .es, angeblich, für Araber, nicht ertragi?ar: spi,;daß ei» J u d e, den; Posten desi; ober;st en: Jus tizb eamt en " des-* Lances bekleidet. .,: . .. .> .,;; . i Demonstrationen an der Jerusalemer Universität. Gegen Rektor Magnes und Bibliothekar Dr. Hugo Bergs mann. ~ Die Wühlarbeit gegen den Herzischen Zio* nismus. Bei der Eröffnung des neuen Semesters der Hebräi* sehen Universität kam es zu erregten Kundgebungen, welche sich'gegen die Tätigkeit der Vereinigung „Brith S c h a Ii o m" Friedensbund) richtet, als deren Zentrum die Leitung und Lehrerschaft der Universität angeschen wird. Dieser Bund hat sich den Ab b au des Herzischen Z i o n i s m u s zur Aufgabe gemacht. Er. bekämpft nicht nur die Idee vom J u d e n s t a a t e, sondern fordert, wenn auch verklausuliert, den Verzicht auf die Balfour* deklaration, die Preisgabe des Strebens nach einer jüdischen M a j o r-i t ä t in Palästina, die Grün* dung eines b inationalep ar äb.<j üdischen Staa« t e s, die sofortige -Einberufung eines palästl» nensischen P a r l a mehtes mit arabischer Majori« tat, was natürlich die sofortige Aufhebung der jüdischen Einwanderung und Sistierung des Aufbaues des jüdisch* nationalen Heimes bedeuten ■würderund dergleichen mehr. Während früher dtey^&tfgleöit. von „B r i t h Svc h äs 1 o m" eine Schwächung des nationalen Gefühles inmäh* eben zionistischen Kreiseh zur Folge hatte, erweist sie sich jetzt, zufolge des arabische^ Aufruhrs, als Gefahr für" das Aufbauwerk; Deutlich -gesagt:• \Die Leute' des'T„Brffh, ~ SrättföfeMIlen den;ä#pip|jch'*jud Rüc^erii i In "den Ta$eu der■■■ ■''igräßlicllert''' Schlächtereien in fiebcon•"! und Safed hatte einer der Führer, Dr. Hügö Bergmann, den traurigen Mut zuirLü|e, daß die Zionistische Organi*. sation die Mitschuld an j'den Ereignissen, trage, weil sie in ihren Reihen jüdische Chauvinisten dulde. Er hat die* se ungeheuerlichen, mit Recht als verräterisch bezeich« neten Auslassungen großen europäischen Zeitungen zur Verfügung gestellt. Rektor Magnes hat sich gegen den Zionismus auf die Seite der Araber gestellt und Unter* handlungen mit diesen angekündigt, welche auf Unter* Stützung der arabischen, antizionistischen Forderungen hinauslaufen. Gefährlich ist der Bund auch dadurch gc* worden, daß es ihm gelungen ist, in den wichtigsten zionistischen Institutionen Leute an einflußreichen Stellen zu gewinnen. In der Zionistischen Exekutive, in der Uni« versität, in den Büros des Keren Hajessod, in den Redak* tionen offizieller zionistischer Zeitungen sitzen und arbeiten seine Vertreter. Das alles hat zu den Aus* brüchen des Zornes und Protestes an der Universität geführt. * Jerusalem, 22. November. (J. T. A.) Dr. J. L'. Magnes, der Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem, weihte das neue Semester bei Anwesenheit von mehreren hundert Gästen im Lesesaal der' National* bibliothek mit einer Ansprache ein, in der er einen Ueberblick über die Lage in Palästina gab. Die Rede von Dr. Magnes würde teils mit Applaus^ teils mit Zischen aufgenommen. Der dem Festakt beiwohnende Leiter des Jüdischen Nationalfonds, Herr M. M. Ussischkin, unterbrach den Redher und sagte:-„Wir sind hierher gekommen, um eine wissenschaftliche An» spräche, nicht aber eine politische Rede zu hören"; Unter,den Zischern waren Studenten de? Universität und junge Revisionisten. Dr. Magnes schwieg, bis vollständige Stille eintrat. Als er seine Rede wieder aufnahm, sprach er den Studenten, die die Unruhe ver* ursachten, seinen Tadel aus. Als er seine Rede beendet hatte, ertönte ein Pf eif ensighal, offenbar als Zeichen für eine Demonstration, die aber ausblieb. Sechs P b 1 i* z i s t e n bewachten den Eingang zum Lesesaal, hatten aber keine Gelegenheit, einzugreifen. ...„".' «äs Jerusalem, 22. November. Die Ansprache -von Dok« tpr J. L. Magnes bei Eröffnung des Semesters der Hebräischen Universität, in der er sich für eine entschie* dene Politik der Verständigung mit den Arabern ein* setzte, hat die Jerusalemer Judenheit; heftig, erregt. Es; Alle Im.redaktionellen Teil.befindlichen.entgeltlichen,!tfptti»u^siiMi-':dyr«li'.^ia;^el«#ilet«»:ß i^^fc: /.......t. Auch Sie müssen '.' . unseren KOFFERAPPARAT den klangreinen, lautstarken Sprechapparat, haben! Majestrolä I S 75.- Maiestrolall..... ..... S 120.- Majestrola Luxus . S 193.- Teilzahlung! V E R T I E' B S G E S. M. B. H, I., Bellätfasfrafle 12 TelepHon B-39-5-70 .Verlautete,.' daß' dii ■ großer Teil,der S t u d o^t'feU\deij HeWä^^e^^Uniy^t^ jprv Magi^es zum . Ausdruck gebrachten, Qefühle^ i» dek ■ S t i^ e i kv'lt^ten ^ojh^. Zum Streik kam es/nicht.- Es fand aber bei' Beginn einer' Vorlesung .von, Pfof.^essor; Pr.^ Hugö B e r g ni a n/ Bibliothekar der Hebräischen > Uniyersität;", eine Kundgebung statt; weil Dr/ Bergman einer der, : Führer der Gesellschaft Brith S c h a l o m ist, jepes jüdisch*arabischen Freundschaftsbundes, der für die Ums, Wandlung Palästinas in einen binationälen (arabisch^ jüdischen) Staat eintritt. Dr. Bergman hat auch % inj Zeitungsaufsätzen erklärt, zuerst sei man P ä l ä s t U n e n s er; und in zweiter Reihe erst Jude oder Araber. Zum Zeichen der Nichtübereinstimmung mit diesen An* sichten v e r Ii i e ß e n d i e S t u d e n t e n bei Beginn. der Vorlesung von Dr. Bergman den Saal. Deutschland als Weltzentrum des Antisemitismus. Der bekannte Führer der P a neur o-p a- B e w e g u n g, G o u.d e n h o v e - G a 1 e r g i, schreibtl unter dem vorstehenden Titel: „Vor dem Krieg war Rußland das Weltzentrum des Antisemitismus. Heute ist es Deutschland. Außerhalb Deutschlands ist der Antisemitismus in Europa' nur. noch lebendig in einigen Mittel- und Kleinstaaten Osteuropas. Diese Tatsache sollte den deutschen Antisemiten zu denken geben. Denn die drei anderen führenden Nationen Europas lehnen den Antisemitismusab. England hat seit Disraeli unter seinen politischen Führern zahlreiche Juden uud kennt weder einen politischen noch einen gesellschaftlichen noch einen wirtschaftlichen Antisemitismus. Frankreich hat seine antisemitische Pha§© in der Dreyfus-Krise überwunden. Diese Ueberwindung des Antisemitismus fällt zusammen mit der nationalen Regeneration und Gesundung Frankreichs, die ihm die Kraft gaben, den Weltkrieg durchzuhalten. Auch das extrem nationalistische Italien lehnt den Antisemitismus ab, der in den Augen Mussolinis ein barbarisches Vorurteil ist. Italien hat bewiesen, daß sich der Kommunismus auch ohne antisemitische Schlagworte überwinden läßt und'daß der stärkste Nationalismus auch ohne antisemitischen Einschlag lebens« fähig ist, Indessen hält Deutschland an der a n t i s e m i t i s c h e n E i n s t e 11 u n g fest und baut eine Theorie nach der anderen um dieses Vorurteil. Es behauptet nach wie vor, daß das Judentum nur Talente hervorbringt, aber keine Genies obgleich das anerkannteste unter den lebendeii Genies heute ein deutscherfJude ist: Albert Einste i nV und der berühm«' teste lebende, Oesterreicher ein zweiter Jude:? Siegmund Eri fiJt^. Ap&9t& Xbeoxetiker ft«hen ,v,on der Thwe 'de*