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Die neue Welt · 1929-11-22 · Heft 114 (22.11.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 114 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seife 8 DIE NEUE WELT Nr. 114 «lud einige hundert Soldaten gefallen, welche auf einem gemeinsamen Kriegsfriedhofe, jedoch In besonderen Gräbern bestattet wurden. Auf Veranlassung der jüdischen Knltusgemeinde Ztirawno wurden nach erteilter Bewilligung der zuständigen Vojevodschaft Stanlslau am II. November I, J. zwei jüdische Soldaten, und zwar: Becher Hermann, K. D. A., gefallen am 3. Juni 1915, und Brust Emil, Reservist, 43. Reg., I. Komp., gefallen am 24. Juni 1915, vom obigen Gesamtfriedhofe exhumiert und auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt Diejenigen, welche an der Erhaltung dieser Gräber Interesse haben, wollen sich diesbezüglich mit der Kultusgemeinde Zurawno Ins Einvernehmen setzen. Polnischer Jud — keine Beleidigung Sagt ein Wiener Richter. Der Kaufmann Salo Viertel klagte den bekannten Möbelhändler Otto Pach wegen Ehrenbeleidigung. Der Kläger hat bei der Möbelmesse mit einem Angestellten des Pach gesprochen. Als Pach dies bemerkte, habe er dem Angesellten zugerufen: „Gehen Sie in die Koje. Sie toaben mit dem polnischen Juden nicht zu reden." In der Bezeichnung „Polnischer Jude" erblickte der Kläger eine empfindliche Verletzung seiner Ehre. Der Klagevertreter betonte, daß die Bezeichnung „Polnischer Jude" in Wien als eine Beleidigung angesehen werde, weil damit jemand als minderwertig gekennzeichnet werden soll. Viertel sei wohl aus Polen, aber auch Herr Pach sei von diesem Gesichtspunkt aus nicht ganz einwandfrei, da er vor zehn Jahren noch nicht römisch-katholisch war... Der Richter sprach Pach mit folgender Begründung frei: Der Kläger Ist, wie er zugibt, tatsächlich ein Jude aus Polen, infolgedessen ist die Bemerkung nur als eine den Tatsachen entsprechende Aeußerung anzusehen, ferner sei die Bezeichnung eines Menschen seiner Nation oder seiner Abstammung nach nicht als eine Beleidigung anzusehen. Das hat der Richter gesagt. Was er sich wohl gedacht haben mag? Ueberfall auf eine jüdische Zeitung. Warschau, 18. November. (J. T. A.) Etwa fünfzehn junge Leute drangen in der Nacht in das; Gebäude der in polnischer Sprache erscheinenden jüdischen Tageszeitung „Nasz Przeglond" ein, richteten Zerstörungen an und mißhandelten zwei Angestellte. Als die Druckereiangestellten herbeieilten, entflohen die Rowdies. „Nasz Priegiond" weist darauf bin, daß die antisemitische „G azetta Warszawskä" eine unaufhörliche Hetze gegen das Jüdische Blatt führt, und bringt den Ueberfall mit dieser Hetze, in Zusammenhang. Die 76. Friedhofsschänchuig. Berlin, 14. November. (J.; T. A.) Auf dem jähr* hundertealten jüdischen Friedhof in Floß bei Weyden in Bayern wurden —' wie der „C. V.*Zeitung" mitgeteilt wird -—. in /ier Nacht zum 28. Oktober zwei Grabsteine umgestürzt und; zwei Kindergräber verwüstet. Die Fried» hofsmauer wurde beschädigt und der Ausgang in der ge« meinsten Weise beschmutzt. Die Gendarmerie hat die Verfolgung der Täter aufgenommen. Es ist dies die 76. Friedhofsschändüng, die seit Ende 1923 in Deutschland festgestellt worden ist. Anfrag auf Schächtverbot in Sachsen. Drechen, 14. November. (J. T. A.) Die Frak* tioneri .der Deutschnationalen Velkspartei und des Sächsi* sehen Landvolks haben im sächsischen Landtag folgenden Antrag gestellt: Der Landtag wolle beschließen, die Res gierung zq ersuchen, 1.. mit größter Beschleunigung gesetz« liehe Anordnungen zu erlassen, wonach Rinder, Schafe, Ziegen und, sonstige Wiederkäuer, Pferde, Esel, Maulesel, Maultiere," Schweine und Hunde, die geschlachtet werden, vor Beginn der BlutentZiehung zu betäuben s i n d, 2. durch gesetzliche Anordnungen sicherzustellen, daß überall dort, wo es möglich erscheint, die Be» t ä u b u n.g des Schlachtviehs statt durch freien Kopf» schlag dujrch mechanisch wirkende Geräte (Schußbolzen usw.) erfolgt, die geeignet sind, die Betäubung oder den sofortigen Tod des Tieres herbeizuführen. Per Tote^Meer-Streit zwischen England und Frank- ■t reich. London, 14. November. (J. T. A.) In der heutigen Sitzung cjes Unterhauses richtete Howard B u r y, der als Vorposten einer englischen Finanzgruppe die Verleihung der Konzession zur Ausbeutung der Kalischätze des Toten Meeres an die jüdische NovomeyskUGruppe unablässig bekämp,f t, an die Regierung die Frage, wie es um die Ansprüch^je.nier französischen Gruppe bestellt ist, die behauptet/ im Besitze einer Toten»Meer*Konzes*ion W sein. Bekanntlich ist in der letzten Zeit eine französi» sehe Gruppe, hervorgetreten, die angibt, sie habe eine von der türki sehen Regierung noch in der Vorkriegs» zeit vergebene Konzession zur Ausbeutung der Schätze des Totojn(Meedes erworben. Die französische. Regie* rung unterstützt die Ansprüche dieser Gruppe und hat sich diesSprh&Jb bereits wiederholt an die englische Regie* rung gewiend^. Der Minister Henderson erwiderte auf die Frage Howard Burys, die französische Regierung habe vorgeschlagen, die Angelegenheit dem Haager Inter» nationalen Gerichtshof zur Entscheidung vorzulegen; da SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEAEI 7*ntra»e IX.. Ber«Tg««.«i> 19, iy*Phon 17-3-99 ti 16-9-34 Lieferan' ■ ü r Heilanstalten Abteilungen für ■^■Fletsch unter Autsicht des Ehrwürdigen Kabbmats der isr. Kul* rusjjemeinde Wien Aiatosiistellung koatenlo« IX. Berggaise 15 / XVill., Währlngarstr. 97 wiiHnnnfltmhimtnnrmmn'i itfrnni irmnnm*tniiniiiii ni rnirnnmittrrtrntmmrmmtirftnrirt i die britische Regierung jedoch den Anspruch jener f r a n* z ö s i s c h c n Personen als ohne Rechtsgrundlage ansieht, habe sie sich nicht bereit gefunden, die Ange* legenheit vor ein internationales Forum zu bringen. AUS PALÄSTINA. Mordüberfälle auf Dr. Ticlio und andere« Jerusalem, 13. November. (J. T. A.) Ein Mord* Anschlag auf den berühmten jüdischen Augenarzt Doktor Ticho, der von einem Araber unmittelbar vor dem Polizei» büro durch Messerstiche in den Rücken schwer verletzt wurde, hat unter der Bevölkerung Jerusalems ungeheure Empörung hervorgerufen. Dr. Ticho befand sich auf dem Wege zu dem von ihm geleiteten Ambulatorium, in weis chem er in zwanzigjähriger Tätigkeit Tausenden von Menschen, und besonders Arabern, das Augenlicht ge* rettet hat. Der Attentäter konnte unerkannt entkommen. Dr. Ticho wurde in das Hadassah*Hospital gebracht, wo er einer Operation unterzogen wurde. Sein Zustand ist bedenklich. Dieser sowie andere Anschläge aus dem Hinterhalt, die seit einiger Zeit vorkommen, lassen auf das Bestehen einer arabischen Terror*Organisation schließen. In der Gegend von Haifa hat eine andere Gewalttat große Empörung hervorgerufen. In der Nacht zum Mitt« woch, den 13. November, wurden Jeschaja Levit und Frau Fanni Badash, die sich im Wagen auf dem Wege nach ihrem Wohnort Kerkur befanden, in der Nähe von Che* dera an der Eisenbahnstation von einem Trupp Araber angegriffen. Frau Badash wurde in grauenvol* I e r Weise e r m o r d e t, Jeschaja Levit durch Schüsse lebensgefährlich verwundet. Die Pferde wurden aüsge* spannt und weggeführt, der Wagen wurde geplündert. Sechs Araber wurden als der Tat verdächtig verhaftet. * Jerusalem, 15. November. (J. T. A.) Das Ober* rabbihat ordnet an, daß in allen Synagogen für die Wiedergenesung des von einem Araber durch Mes* serstiche schwerverletzten berühmten Augenarztes Doktor Ticho gebetet wird. Wie es heißt, hat sich der Zustand Dr. Tic hos etwas gebessert. Die arabische Zeitung „AI Arain" versteigt sich zu der Behauptung, daß es Juden waren, die Dr. Abraham Ticho die Messer* stiche versetzt hatten, weil Ticho Gegner des Zionismus sein soll. Mehrere Araber wurden, als des Ueberfalles auf Ticho verdächtig, verhaftet. '\. * ... Jerusalem, 16. November. (J. T. A.) Gegen das von Juden bewohnte Jerusalemer Stadtviertel „M ekor Chajim" wurden in der letzten Nacht mehrere Schüsse abgegeben; es ist nicht gelungen, den Tätern auf die Spur zu kommen. Im westlichen Teil der Stadt Safed haben Araber plötzlich eine Schießerei begonnen, die 30 Minuten lang fortgesetzt wurd° n. n g 1 i s cher So 1 d a t wurde getroffen und schwer verletzt in das HadassahsHospital gebracni. Den Urhebern gelang es zu entkommen, bevor britisches Militär an Ort und Stelle angelangt war. Pica erhöht ihre Tätigkeit in Palästina. Haifa, 13. November. (J. T. A.) In das neue Bud* get der-Palestine Jewish Colonisation Association (PICA), die die Rothschildbesitzungen in Palästina ver* waltet, wurde außer den normalen Posten eine außer* ordentliche Summe von 500.000 Dollar eingestellt,- die für Häuserbau, Bewässerung, Brückenbau und für all* gemeine Verbreiterung der Arbeit der PICA verwendet werden soll. Den Häuptnutzen aus der erweiterten Tätig* keit der PICA werden die jüdischen Kolonien in Ober* und Niedergaliläa ziehen. Die PICA* Kolonien haben unter den jüngsten Unruhen fast nicht zu leiden gehabt; die außerordentliche Ver. l.»rkung des Bud* gets dieser Körperschaft wird darum als eine nachdrück* liehe Antwort auf den Zerstörungswillen, der sich an anderen jüdischen Siedlungen Palästinas versucht hatte, gewertet. Wie der JTA*Vertreter aus zuverläßlicher Quelle er* STRENG "Vi SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX«, KlosterntuburgerstraBe 00 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes de polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Kabbiners M. Mayeraohn?V-3NB-fV *K"?*>Vt "»TO QPTDon 'wn wi *>v nw nrown nnp •y*p no 'ws rrnn Taa .«ww tintvnü tnp , Täglicn uisene und esiklassige apezial-Eueugnisse reinster Wurst« u. Selchwaren. - Pjovinzversand SEUHWAREN.FABRIK WIIHEIM PETYAN, fVtjen, XX»» Klostcrncuburgerstra&e 60 Tcephon AH3iiiiii.ii i im im iti 19 i9iinnrnTiiti MI999HIIT fährt, ist der PICA durch einen frommen französischen Juden eine iv.mme zur Verfügung gestellt worden, die zur Ansiedlung von 20 traditionell gesetzt streuen jüdischen Familien auf eigenen Farmen ausreicht. Mit der Ansiedlung dieser 20 Familien, von denen mehrere in Paris als russische Flüchtlinge leben, wird demnächst begonnen werden. Die PICA, die von je ein Interesse an der Entwicklung des religiösen Lebens in Palästina be* kündet, erwägt Pläne zur Errichtung von Synagogen in vielen jüdischen Kolonien. Die PICA wurde auf Grund eines Abkommens zwischen Baron Edmond de Rothschild und der JCA am 15. Dezember 1923 begründet. Baron James de RothschiH, Sohn von Baron Edmond de Rothschild, ist gemäß den Statuten für Lebenszeit Präsident der Ge* setlschaft. Dem Rate gehören zwei von Baron Edmond de Rothschild und zwei von der JCA ernannte Personen an. Belsan-Böden für den Jüdischen Nationalfonds. Jerusalem, 13. November. (J. T. A.) In diesen Tagen ist durch die Palestine Land Development no. Ltd in Jerusalem die offizielle Uebertragung von 200 Dunam Boden in Beth Schcan für den Keren Kajemeth L& jisroel durchgeführt worden. Diese Fläche ist ein Teil der Staatsböden (G'iftlik), die die Regierung vor einigen Jahren an Fellachen verteilt hat. Es wurde damals an diese mehr Boden verteilt, als sie brauchten und bear* beiten können. Neuerdings sieben Juden unter Mordverdacht verhaftet. Jerusalem, 14. November. (J. T. A.) Sieben Ein* wohner der jüdischen Vorstadt von Haifa, Hadar Ha* karmcL, wurden auf Grund arabischer Behauptungen, daß sie während der Unruhetage versucht haben, zwei Araber zu töten, verhaftet. \ Weitere arabische Ausschreitungen. — Vier Kommunisten verhaftet. Jerusalem, 13. November. J. T. A.) Arait»*« gaben aus einem Auto Schüsse auf einen Schüler des Diskin*Waisenhauses ab, die Insassen des Autos wurden verhaftet. Auf dei. Wächter des Stadtviertels Rechawia wurden Schüsse abgegeben, die aber nicht trafen. Die Täter entkamen unerkannt. Vier Kommunisten, die am 7. November, dem Jahrestag der bolschewistischen Revolution in Rußland, in Jerusalem Proklamationen verbreiteten, wurden ver* haftet. _ Vom jüdischen Nationalfonds. Höchster Büchsenertrag seit Februar 1928. Bei der Leerung September-Oktober 1929 wurden rund S 9000 erzielt. Seit Februar 1928 ist das der höchste Ertrag einer Leerung. Es wird die Aufgabe der Mitarbeiter des Keren Kajemeth sein, einen Betrag zu erreichen, der schon vor einigen Jahren bei einer Leerung erzielt wurde, und zwar S 15.000. Keren Kajemeth-Sondertagung. Am Mittwoch, den 27. November . 1929, 7 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel Post, I., Fleischmarkt, die bereits angekündigte Tagung des Keren Kajemeth statt. Tagesordnung: 1. Eröffnung durch den Vizepräsidenten Dr. David Rothblum; 2. Referat des Präsidenten des Keren Kajemeth, Herrn Adolf Böhm, über „Die Bedeutung des Keren Kajemeth im Hinblick auf die letzten Ereignisse in Erez Israel"; 3. Referat des Leiters des Keren Kajemeth, Dr. Chaim Tartakower, über „Die Zionisten Oesterreiche und der Keren Kajemeth"; 4. Resolutionen. Beteiligung: t. Die zionistischen Mandatare; 2. die Führer der Sektionen, Sondereruppen und Föderationen; 3. die Keren Kajemeth-Kommissäre; 4. die Selbstkontingentler des Keren Kajemeth, Amtliche Verlautbarungen der Israelit. Kultusgemeinde Wien. Zahl 7803 ex 1929 Kundmachung. An den im Schuljahre 1929/30 neu erriqhteten Bibelscmilen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien findet der Unterricht ab Sonntag, den 24. November I. J. in folgender Einteilung statt: a) II.. Tempel gas se 3 1. für Volksschüler Dienstag von 3 bis 3 Uhr nachm.. Mittwoch von 2 bis 4 Uhr nachm. und Freitag von 3 bis 4 Uhr nachm.: 2. für Volksschülerinnen: Dienstag von 2 bis 3 Uhr nachmittags und Freitag von 2 bis 3 Uhr nachm.: 3; für Haupt- und Mittelschüler: Mittwoch von 3 bis 5 Uhr nachm.. für Haupt- und Mittelschülerinnen: Dienstag von 3 bis 5 Uhr nachm. 4. Weiters ist die Errichtiunsr eines Talmudkurses für reifere Jünglinge in Aussticht genommen, soferne eine genügende Teilnehmerzahl sich meldet: die Festsetzung der Unterrichtsstunden für diesen Kurs wird mit den sich meldenden Teilnehmern vereinbart. Anmeldungen für denselben werden sowohl Im Schulamte der Israelitischen Kultusgemeinde. I.. Seitenstettengasse 4. III. Stock, als auch bei dem Leiter d,es Kurses für Haupt- und Mittelschüler (Mittwoch von 3 bis 5 Uhr nachmittargs) entgegengenommen. b) II.. Sebastian-Kneipp-Gasse 14. Für Volks-. Bürger- und Haiuptschüler und -sehülerirmen: Sonntag von 9 bis 12 Uhr vorm. und Dienstag von 3 bis 5 Uhr nachm. V c) XV.. Turnergasse 33. . . Für Hauptschüler und -Schülerinnen: Dienste« von 6 bis 7 Uhr abends und Mittwoch von 6 bis-7 Uhr. aberjl& S/ch üle ran meidungen für diese Bibelscbulen finden an den obbezeichneten Unterrichtstagen statt. Der Unterricht an allen Abteilungen ist unentgeltlich. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien. <

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