Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 110 (25.10.1929)
- Date
- 1929-10-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WEL» Nr. itö Die Juden auf deu westindischen Inseln, Vor kurzem weilte der auf der westindischen Insel A ruba lebende jüdische Kaufmann Louis Posner in New York, wo ein jüdischer Journalist Gelegenheit hatte, mit ihm über die Lage der auf der unter holländischem Schul? stehenden westindischen Inselgruppe lebenden Juden zu sprechen. Herr Louis Posner erzählte: „Ich wohne schon seit vielen Jahren auf der Insel Aruba, wo ich der einzige Jude in einer Bevölkerung von 14.000 Einwohnern bin. Bis vor wenigen Jahren noch hatte ich gar keine Gelegenheit mit auswärtigen Juden zusammenzutreffen. Seit einigen Jahren aber tauchen doch ab und zu jüdische Reisende auf dem Inselgebiet a\if, wickeln in ein, zwei Tage ihre Geschäfte ab und reise» weiter. Es ist nun äußerst bezeichnend, daß die Reisenden, auch wenn sie mit mir keinerlei Geschäfte abzuwickeln haben, mich aufsuchen, weij sie die Insel nicht verlassen wollen, ohne den einzigen Juden daselbst begrüßt zu haben. Die Begrüßung ist gleichfalls charakieristisch^Oft nämlich verstehe ich sonst die Sprache dieser Reisenden nicht gut, aber wenn er bei mir eintritt, mir seine Rechte entgegenstreckt und mir zuruft: „Schalom Aleichem, Jehudü", da werde ich doch in meinem tiefsten Innern gerührt und ich. quittiere seinen Gruß mit dem mir. geläufigen hebräischen Satz: „Kol Israel Chäwerim!" Und dann fließt das Gespräch so von selbst; weiter. Wir erfahren auf diesem Wege vom jüdischen Leben in der großen Welt, von dem wir ja dort in dem verworfenen Winkel gar keine Ahnung haben. Auch auf den anderen Inseln Westindiens leben einzelne Juden zerstreut, bei denen ein jüdischer Geschäftsreisender, mitunter auch ein jüdischer Studienreisender, mit großer Freude und erlesener Gastfreunds schaft Aufnahme findet. Regeres jüdisches Leben findet man auf der Insel Sur a'k o u, wo etwa 300 Juden unter einer Bevölkerung von* 40.000 Seelen leben. Genau so wie auf den anderen westindischen Inseln stammen auch hier die Juden aus Spanien und Portugal. Jede dieser zwei Gruppen besitzt eine Synagoge, die bereits 150 Jahre ist. Alle diese jüdischen Familien befassen sich mit dem Export und Einfuhrhandel, ejnige von ihnen haben es zu ansehnlichem Reichtum gebracht und spielen auch im allgemeinen gesellschaftlichen Leben eine bedeutende Rolle. Obgleich ihre Lebensweise eine im religiösen Sinne liberale ist, sind 3ic mit der größten Peinlichkeit auf die Reihheit ihres Blutes bedacht, so dal! sich noch kein einziger Fall einer Mischehe zwischen Juden und Christen ergeben hat. Obgleich der gesellschaftliche Verkehr zwischen Juden und Christen ein ziemlich j reger ist, hüten sich sowohl die spanischen als auch die portugiesischen Juden vor einer nationalen Assimilation. Früher hielten sich auch die beiden jüdischen Gruppen gegen einander ziemlich abgesondert. Um aber die nachteiligen Folgen einer engen Inzucht nach Möglichkeit zu mildern, sind in den letzten Jahren Ehen zwischen spanischen und portugiesischen Juden sehr häufig geworden. In letzter Zeit haben sich in Surakou auch schon einige jüdische Familien aus Polen und Litauen angesiedelt, welche gleichfalls Handel treiben, aber nicht auf so ausgedehnter Basis die wie in Westindien geborenen spanischen und portugiesischen Juden. Die polnischen und litauischen Juden haben anfangs auch mit den Schwierigkeiten der Sprache und den sonstigen Eigentümlichkeiten des Landes zu kämpfen, aber es ist erstaunlich und wird von allen anerkannt, wie rasch diese jüdischen Einwanderer aus dem nordöstlichen Europa alle diese Schwierigkeiten überwinden und den Handel beeinflussen. Es liegt in der Eigenart Westindiens, daß jüdische Arbeiter und Handwerker kaum zu finden sind, weil sie hier nicht Fuß fassen können. Die Einwanderung nach den westindischen Inselgruppen ist in einem gewissen Sinne beschränkt. Jeder Einwanderer hat, bevor er ins Land kommt, eine Kaution von etwa 100 Dollar als Garantie dafür zu erlegen, daß er der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen werde, abgesehen davon, daß er vollwertige Zeugnisse beizubringen hat, daß er ein einwandfreier Geschäftsmann ist. Im Falle nun, daß der Einwanderer sich nicht einbürgern kann oder sein Fortkommen im Lande nicht findet, so daß er der Oeffentlichkeit zur Last fallen müßte, wird er von Amts wegen mit Inanspruchnahme der erlegten Kaution über die Grenze gebracht. Das Klima in Westindien ist ein mildtropisches und auch für. den Europäer leicht erträglich. An Naturschönheiten sind die Inseln überall sehr reich. Um das jüdische Leben wenigstens in Amerika kennen zu lernen und auch um die Kinder damit bekannt zu machen, hat sich in den letzten Jahren der Usus eingebürgert, daß die Juden, wenn sie in geschäftlichen Angelegenheiten nach Nordamerika, besonders nach New York reisen, ihre erwachsenen Kinder mitnehmen, ihnen dort die jüdischen Einrichtungen zeigen und sie in die jüdische Gesellschaft einführen. Von diesen hier gewonnenen Eindrücken und Erlebnissen zehrt dann die jüdische Familie das ganze Jahr." Theater und Kunst. Die „Jüdischen Künstlerspiele" beginnen zum drittenmal eine neue Spielzeit: In einem uns zum Ab« druck übergebenen Aufruf an das jüdische Publikum wird gesagt: Zwei Jahre schwerer verantwortungsvoller Arbeit liegen hinter uns. Zwei Jahre hindurch haben wir versucht, das Interesse der jüdischen Bevölkerung Wiens für unsere Bestrebungen zu gewinnen und festzuhalten. Es galt, die Werke der ernsten und heiteren jüdischen Literatur einem Kreise vorzuführen, der Herz und Sinn hat für das Gea fühlss und Geistesleben des Judentums, wie es in den Bühnenwerken der jiddischen Literatur zum Ausdruck kommt. Mit Genugtuung können wir feststellen, daß breite Kreise des jüdischen Wien mit unserem Wirken sympathisieren. Die Aufführungen der Bühnenstücke von Sch. Alechem, J. L. Perez, A. Kazisne, Sch. Asch, D. Pinski, J. Gordin und die zahlreichen heiteren Werke fanden ein Publikum, das sich bei uns heimisch fühlte und uns ermunterte, den eingeschlagenen Weg fort zu« setzen. Um aber unser Repertoire ausbauen zu können, be< dürfen wir des regen Interesses geschlossener jüdischer Gruppen, wie sie in den zahlreichen gesellschaftlichen, philanthropischen und Bildungsvereinen zum Ausdruck kommen. Diese allein vermögen, nicht nur unsere admini« strative, sondern auch unsere künstlerische Existenz im jüdischen Wien sicherzustellen. In diesem Sinne richten wir an die jüdischen Vereine Wiens die Aufforderung und das Ersuchen, sich an uns wegen Abschlusses von Vereins* Vorstellungen zu wenden und uns ihre Vorschläge zu unterbreiten. Wir sind überzeugt, daß derart beide Teile, die Vereine und wir, ihren beiderseitigen Interessen und der Förderung des jüdischen Theaterwesens am besten dienen werden. Das Gastspiel Nina und Jakob Scheikewits wurde auf Grund des Erfolges neuerlich verlängert. Ab Freitag, den 25. Oktober gelangt diev Komödie mit Gesang und Tanz „Bejlke Masik" (Goldrie Paläste) zur Aufführung. Neben den Gästen wirken die Damen Liebgold, Weintraub, Meiseis. Weinberg und die Herren p- Oesterreicliisciie Gredit-Anstalt für Gewerbe ■an KUNDMACHUN Am Donnerstag den 14. November 1929, halb 11 Uhr vormittags findet im Großen Festsaale des- Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, Wien, I. Bez., Eschenbachgasse 9, eine außerordentliche Generalversammlung der Akt^ Beschlußfassung über den Antrag des Verwaltungsrates auf Vereinigung mit der hiedurch zur Auflösung gelangenden Allgemeinen österreichischen Boden-Creclit-Ansialt in Wien im Wege der " Uebernahme des Vermögens und der Schulden dieser Gesellschaft (Fusion) derart, daß gegen je Vier Aktien der Allgemeinen österreichischen Boden-Credit-Anstalt mit laufenden Kupons eine «Aktie der Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe mit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1950 gewährt wird, zu welchem Behufe das Grundkapital der Gesellschaft von S 85 Millionen auf S 96 Millionen durch Ausgabe von St. 275.000 Aktien zum Nennwerte von S 40.-Tmit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1930 zu erhöhen ist, sowie Ermächtigung und Beauftragung des Verwaltungsrates und des Vorstandes zu allen für die Durchführung der Fusion mit der Allgemeinen österreichischen ßoden-Credit-Anstalt erforderlichen Maßnahmen, insbesondere auch zum Abschluß des F u s i o n s v e r träges. 2.-Beschlußfassung über den Antrag des Verwal- Gegenstände des* Verhandlung: tungsrates auf weitere Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft von S 96 Millionen auf S 125 Millionen gegen voll und bar einzuzahlende Aktien zum Nennwert von je S 40.— mit Dividendenberechtigung ab i. Jänner 1930 und über die näheren Bestimmungen der Hinausgabe der neuen Aktien. S.Beschlußfassung über den Antrag des Verwaltungsrates auf jene Abänderungen und Ergänzungen der Statuten, welche durch die Fusion mit der Allgemeinen Oesterreichischen Boden-' Credit-Anstalt und durch die Uebertragung der der Allgemeinen österreichischen Boden-Credit- Anstalt zustehenden Sonderrechte auf Grund des §. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Oktober 1929, B.-Q.-Bl. Nr. 348, sowie durch die Kapitalserhöhung erforderlich oder zweckmäßig werden, insbesondere betreffend den zweiten Titel der gesellschaftlichen Statuten (Geschäftskreis der Credit-Anstalt), den dritten Titel (Grundkapital, Aktien und Aktionäre), den vierten Titel (Verwaltungsorgaue .der. Gesellschaft) und den achten Titel (besondere Vorrechte der^Credit-Anstalt), endlich betreffend die Einfügung von in den Statuten der Allgemeinen österreichischen Boden- Credit-Anstalt enthaltenen Bestimmungen, insbesondere bezüglich Ausgabe von Pfandbriefen und sonstigen Schuldverschreibungen. 4. Beschlußfassung über den Antrag des Verwaltungsrates auf Vereinigung mit der hiedurch zpr Auflösung gelangenden Bankanstalt der Ersten . österreichischen Spar-Casse im Wege der Uebernahme des Vermögens und der Schulden dieser Anstalt (Fusion) sowie Ermächtigung und Beauftragung des Verwaltungsrates und des Vorstandes zu allen für die Durchführung der Fusion mit der Bankanstalt der Ersten Österreichischen Spar- Casse erforderlichen Maßnahmen, insbesondere auch zum Abschluß des Fusions Vertrages. 5. Definitive Wahl der seit der letzten Geueralyer«* Sammlung zugewählten Mitglieder des VerwäJtungsrates.. Die stimmberechtigten Herren. Aktionäre, welche au der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien 'saj».t Kupons spätestens am" 4. November d. J. als dem statutenmäßigen Endtermine zu deponieren, und zwar: in Wien bei der Effektenabteilung der Anstalt (I„ Am Hof 6) au Wochentagen von 9 bis 12 Uhr, an Baden bei Wien, Biegenz, Feldkirch, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Leoben, Linz, Salzburg, St. Pölten bei den Filialen der Anstalt. An den übrigen Plätzen findet der Erlag bei den hiefür bestimmten Anmeldestellen statt. Je fünf Aktien geben das Recht auf eine Stimme, Wien, am 22. Oktober ,1929. Oesterreichische Credü-Anstalt für Handel und Gewerbe