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Die neue Welt · 1929-10-11 · Heft 108 (11.10.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 108 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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preis 35 Graschen V« b« b« BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.-—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. - 6.—, vierteljährig Kc. 1$ —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar: 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—.. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franc« 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6*~8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint reden Freitag Jahrgans 3 Freitag, den 11. Oktober 1929 Nr. 108 KOHLE «*. KOKS ANTHRACIT höchster Qualität BÄSCH. IV. ArgeQflnfersfrafle 22 TolanltAii U-46-403 Telephon y.4fl.2..87 Antisemitische Demonstrationen in Budapest. An den Hochschulen, Budapest, 8. Oktober. Wie „fCsti Kurir" meldet, haben sich heute an den Budapester Hochschulen wieder antisemitische Demonstrationen ereignet, ohne daß es jedoch' zu Schlägereien gekommen wäre. An der philosophischen Fakultät zogen kleine Trupps von Studenten» antisemitische Rufe ausstoßend, durch die Gänge, worauf die jüdischen Studenten das Gebäude verließen, Aehnliche Zwischenfälle trugen sieb auch an der j u r ist is'c h en und an der medizinischen Fakultät zu. Wie das Blatt hinzufügt, werden an der Technischen Hochschule seit mehreren Tagen Flugzeit e 1 verteilt;' in' idehen ein energischer' Kampf für don-Nu-: merus: icUxisus angekündigt wTrdi l;.*'-'- >. ' . . . Die litauischen Pogrome. Woldemaras als der Organisator bezeichnet? K ow n o, 3. Oktober. (J. T. A.) Beamte der. litauischen Regierung, die mit dem vor einigen Tagen zum Rücktritt gezwungenen .Ministerpräsidenten Woldemaras zusammengearbeitet haben, erklären, daß der beseitigte Diktator Woldemaras selbst die Pogrome gegen die Juden in den Kownoer Vorstädten Slobodka und Schanz organisiert hat, um seinen Gegner, den Innenminister, zu kompromittieren. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht tiefe Genugtuung über die Niederlage des Diktators. In einem Gesprach mit einem Mitarbeiter der „Ydischen Stime" sagte Woldemaras es seien bis jetzt über dreißig beim Pogrom schwer mißhandelte Juden vernommen und einige der Veranstalter der Pogroms eruiert worden. Das Gericht befasse sich mit der Angelegenheit, er könne nicht sagen, wie sich diese nuu entwickeln wird. Herbert Samuel. Rücktritt von der Leitung der Liberalen Partei; London. 9. Oktober. Herbert Samuel hat auf der Konferenz der Liberalen .'/Partei in Nottingham den Vorsitz in der Leitung niedergelegt; Nach einer Aeußer.tingi-.tioyd .Georges .scheinen irn^Bi^läM^ vorzustehen. . : ■ - m Die Vorgänge in Palästina. Ruhiger Verlauf der Feiertage in Jerusalem. — Erbitterung der jüdischen Einwohnerschaft gegen die Palästina-Regierung. — Die Ergebnisse der Untersuchung in Hebron. ~; Maschinengewehre an der Klagemauer. Jerusalem, 8. Oktober. Man kann von einer Ruhe., im Lande nur insoweit sprechen, als größere Aktionen der arabischen Banden aufgehört haben. Kleinere Zwischenfälle, die in normalen Zeiten viel Aufsehen erregt hätten, kommen noch immer vor und werden einfach registriert. Sie sind nur mehr als Symptome der Lage zu werten, die nach wie vor unklar bleibt lind nur nach der Richtung durchsichtig ist, als der jüdischen Bevölkerung jedes Vertrauen in die politische. Verwaltung genommen wurde. Dazu trägt vor-allem;; - . ■ > - - ilas Verhalten der Gerichte bei,- die sich, für - ihre Verhandlungen über die Exzesse ei^a einfaches Schema, gebildet haben, nach welchem iu -flagranti^ ertappte Araber und die. in Verteidigung, Handelnden Juden gleich behandelt werben. , - Diese; Tätigkeit ergänzen die'Beamten der Regierung* die für die kommende Untersudiungskommissipn, deren Eintreffen für Ende dieses. Monats;erwartet wird, das Material präparieren. Die Befugnisse dieser Kommission waren bereits in-London stark eingeschränkt worden. Sie hat nur „die unmittelbaren Anlässe" der Vorgänge in Palästina festzustellen, und es ist der Kommission ausdrücklich untersagt worden, „zu irgend welchen wesentlichen politischen Fragen,' die mit der Ansr Übung des Mandats zusammenhängen", Stellung zu nehmen. Es entsprach diesem beschränkten Mandat, daß alle Engländer und Parlamentarier, die man als; Orientkenrier bezeichnen konnte, rundweg ablehnten,'" in der Kömmission mitzuarbeiten. Ein emeritierter Richter, der in Singapore als Angestellter der Kblonialverwaltung tätig war und noch heute von ihr'seine Pension erhält, ist Vorsitzender der Kommission. Die Konservative Partei wird durch den reaktionärsten G e g n er des A rb e i t erschutzes, einen Anwalt, dem mau mindestens keine Sympathien für die jüdische Heimstätte nachsagt, vertreten. ■■ Die L i b e r a 1 e Partei ist offiziell im Ausschuß eigentlich überhaupt nicht vertreten, da der liberale Abgeordnete, den man endlich gewonnen hat, jahrelang weder als Mitglied in die Fraktion noch in das Hospitantenverhältms aufgenommen wurde. Von dem „liberalen Vertreter*' weiß1 man nur, daß er ebenso haltlose wie übertriebene und ehrenrührige Angriffe gegen Lloyd George, Reading und Samuel gerichtet hat. Der persönlich sympathischeste Abgeordnete im Ausschuß ist der Abgeordnete S n e 11, der sich in der Arbeiterpartei vom landwirtschaftlichen Arbeiter zu einem Spezialisten für Volkswohlfahrt hinaufgearbeitet hat und zuerst als Methodist, dann: als Mitbegründer einer christlichen Monistenorganisation sich auch religionspolitisch betätigt hat. . Sämtliche Ausschußmitglieder sollen keine : Kenntnis orientalischer Sprachen besitzen, sondern darauf angewiesen sein, daß ihnen etwaige Zeugenaussagen der Eingeborenen, von den Dolmetschern übersetzt werden, die ausgerechnet von der Regierung Palästinas gestellt wer1« den müssen. Alle, im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch' ein beigefügtes E be>zeicbnet. : 1 : ~~w~ Wir faden StehöfLmr ßßsicMigungmserw MMtiffot,^^ etn. * J^w*£*$j V /' Modelt Überraschend/ VII. KAISER.STRAS8E 46. IM STOCK. Leiden Sie an X-oderO-Beinen? Original-Spezial.fPARADRÜI'T' i (gesetzl. gesch.) 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Es ist aber auch! ^mögli^i^ <jtaB die .Juden als der angreifende Teil; erklärt Vgid&n> und;zwar . aus der schon von der Ha-yvc^r afirKommi ssi an ^erper! 3;a nr;u ^l,* im Jahre 192J. getroffenen Motivierung, ' . , . daß die Juden durch ihre Existenz die Araber beunruhigen. Diese Tendenzen sind schon bei der Hebron- Affäre zutage getreten. Unmittelbar nach der Schlächterei wurde , den Juden verboten, die verstümmelten Leichen als Beweismaterial zu . photographieren. Das Gesundheitsdepartement bestätigte auf Grund . eines Berichtes des. Hebroner Gouverneurs Caf f er ata und des Kreisarztes Mac Queen, daß, Verstürnmelungen nicht: vorgekommen seien, obwohl der. Arzt des Hebroner Hadassa-Kranke'nhauses, der bei den Toten und Verwundeten ununterbrochen geweilt hatte, vom ersten Augenblick an bis zu ihrem. Abtransport nach Jerusalem öffentlich und bis heute unwidersprochen feststellte, daß Herr Cafferata keinen-der Verwundeten und keine der Leichen gesehen und Herr Mac Queen höchstens zwanzig Verwundete untersucht hat Der Krankenhausarzt selbst führt eine. Reihe unw-iedergebbarer Verstümmelungen an, die er an den Toten wahrnahm. Die Exhumierung, die auf Verlangen jüdischer . Aerzte, stattfand, wurde drei Wochen lang ver* zögert, bis wegen der schnellen Verwesung nicht.' mehr festzustellen war, was auf Fäulnis, was auf Verstümmelung zurückzuführen ist, •' und' die Kommission veröffentlichte darauf , eihen' Bericht, der erklärt, daß der Vorwurf der Vier-_ Stümmelung unbegründet sei,: obwohl bei der Exhumierung unter anderem zwei entman,ni,e Leichen, eine mit a a s g e s t o di et» e ui Auge, eine vierte ohne Ohr und eine fünfte mit gespaltenem Kiefer gefunden, außerdem zwei abgehauene.Fr a ueil- Ojder Kinderhände und ein abgeschlagenes bärtiges Kinn ausgegraben wurden. Herr Heron, der Chef des Gesundheitsdepartements, ging bei seinem Besuch im* Jerusalemer'Krankenhaus, in dem die 42 mit dem Leben davongekommenen Opfer der Schlächterei liegen «— davon eine beträchtliche Anzahl mit" elf bis sechzehn, rurid die Hälfte mit drei, und mehr Wunden, darunter'Frauen und Kinder zwischen ein und zehn Jahren und eine R^ihe von Leinten vrn mehr als sechzig Jahren — so weit, a b g e s c h n i 11 e n e Finger nicht als Verstümmelung zu.erkl är en. 1 Zur Beunruhigung trägt auch die polizeiliche Drangsalierung der Juden in der Hauptstadt viel bei. ■>

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