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Die neue Welt · 1929-10-04 · Heft 107 (4.10.1929) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 107 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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FftReU DIE NEUE WELT Nr. WT Der Inquisitionspalast in Evora. 4 In ein Hotel umgewandelt. Nach Lissaboner Blättermeldungen hat eine Finanzgruppe den einstigen Inquisitionspalast in Evora zu dem Zwecke erworben, um dieses Gebäude in ein großes modernes Hotel umzuwandeln. Evora, in der Provinz Alcntejo gelegen, war einst die Hauptstadt von Portugal und hier begann unter König Johann im Jahre 1536 die Inquisition in Portugal ihr mörderisches Handwerk. Der Erste, der in den Kasematten des lnquisitionspalastcs zu Tode gemartert wurde, war David Reubeni. Portugal hatte damals drei Inquisitionsämter, eines in Evora, eines in Lissabon und ein drittes in Coimbra. Das Lissaboner Inquisitionspalais wurde im Jahre 1755 durch das furchtbare Erdbeben, das die ganze Stadt Vernichtete, dem Erdboden gleichgemacht. Heute steht an dieser Stelle das Nationaltheater von Lissabon. Auch das Inquisitionshaus von Coimbra ist spurlos verschwunden, bloß das seinerzeit gefürchteteste Inquisitionspnlais von Evora hat sich bis zum heutigen Tage erhalten, aber auch nur deshalb, weil eine der ältesten portugiesischen Adelsfamilicn das Palais in Besitz nahm und durch die Jahrhunderte hindurch für seine Erhaltung Sorge trug. Die Besitzer dieses historischen Gebäudes hielten es nach einer Tradition der Familie vor neugierigen Besuchern verschlossen und gewährten selbst Geschichtsforschern keinen Eintritt; Die letzten Besitzer des Palais scheinen in Geldnot geraten zu sein, die sie zwang, sich dieses Besitzes zu entäußern. Die Finanzgruppe, welche nunmehr aus dem Inquisitionspalais ein Hotel machen will, hat die Absicht, auch aus der Vergangenheit des Gebäudes Kapital zu schlagen, denn sie beschloß, bei dem Umbau ganz besonders d i c unterirdischen Gänge, Gefängniszellen und Folterkammern unberührt zu lassen, und selbst die hebräischen Inschriften an den Kerkerwänden, welche von den jüdischen Märtyrern mit eigenem Blut als Anklage gegen die katholische Kirche und ihre Häscher angebracht wurden, bleiben bestellen. In einem Prospekt "stellt'die'Finarizgrüppc in Aussicht, daß alle die uralten historischen Räume den Hotelbesuchern gegen eine Eintrittsgebühr zur Besichtigung zur Verfügung stftien werden. TJ&newschek, Graanmophone!^$S#y WienI.NeuerMarkt3 Telephon Nr> RJ^-O-IQ: ' Hebräische Aufnahmen IIIIIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH Rosenblatt, Kwartin, Lewandowski u. A. Theater und Kunst/ Zur Frage der jüdischen Musik. Von Joachim Stutschewsky. Im Vierteljahrhundert der ersten Phase der jüdis sehen Musik hatten wir öfter dem Vorwurf zu begegnen, daß es widersinnig sei, heute etwas „Nationales" schaffen zu wollen, wo doch die Kunst auf dem Wege sei, international zu werden. Davon abgesehen, daß hier Kunst mit Politik, Nationales mit Chauvinismus verwech« seit wird, ist das Wort „national" in der oft gebrauchten (mißbrauchten) Form für die Kunstbetrachtung ungeeig« net und nur danach angetan, Verwirrung zu stiften. D i e K ü n s t ist in ihrem i n n erstenKern n a t i o n a 1. Die Seele einer Nation, der wahrste Ausdruck eines Vol* kes ist die Kunst. Die nationale Gebundenheit der Kunst, ganz besonders der Musik, hat jedoch nicht den gering« sten Berührungspunkt mit dem „Nationalen" in der Politik. Chauvinistische Politik trennt, die nationale Musik einigt. Sie verbindet die verschiedenen Elemente und Temperamente des eigenen Volkes und besitzt in sich die gewaltige Kraft, auch zwischen verschiedenen Nationen eine Brücke zu bilden, sie einander näherzubringen. Die Musik (Kunst) kann national sein und international wir« ken. (Nur die durchschnittliche Begabung wird durch das einseitig „Nationale" beschränkt; das Talent, das Genie aber vermag national zu schaffen und international ver» stauden und empfunden zu werden.) Das Entscheidende jedfiB Erlebnisses, das im schöpferischen Menschen zum Kunstwerk wird, ist seelisch und geistig zu tief im Volks* tum verwurzelt. Im Volkstum jedes Künstlers sind die organischen Wesenszüge und die Umrisse seiner Werke betgründet. Der wahre Künstler schafft aus dem tiefen Empfinden, aus der Seele seines Volkes heraus. Seine Werke sind, vom eigenen Geist und eigener Phantasie be* fruchtet und geboren, vom Rhythmus seines Blutes durch» pulst. Das Ursprüngliche in uns ist die Quelle alles Schöpfertums. Das „Nationale" — stets volksüäßig, nicht „völkisch" gemeint — in der Kunst, darf selbstverständlich weder Selbstzweck noch, Endziel sein, sondern bloß Urelement, das im Künstler wirkt und zum Kunstwerk führt. Somit ist der wahre Künstler stets Repräsentant seiner Nation, der als Mensch inter* national denken und handeln kann. Dies gilt auch für das jüdische Volk, für die jüdische Kunst. Jahrhundertelang waren alle lebendigen Impulse des Judentums durch Einriegelung in „Wissen" und „Tra» dition" eingeschnürt und verschüttet. Es fehlten die weckenden Kräfte des Erlebens, des befreienden, weiten« den Erlebens außerhalb der „Lehrstube", außerhalb der engen Gasse. Wir sind Geschöpfe des Buchstaben, nicht der lebendigen Natur geworden. Die letzte Epoche der jüdischen Geschichte jedoch hat in uns etwas Neues ents stehen lassen: ein neues Lebensgefühl, eine neue Wirklich« keit; das Bewußtwerden des lebendigen Menschen, des eigenen Ich und seiner ureigenen Substanz. Sobald die Ein« zäunung durchbrochen ward, erwachte im Juden das Empfinden für das Unmittelbare, er fand wieder sc;,n naturverbundenes Fühlen und lernte wieder horchen auf das, was in ihm und um. ihn lebt und wirkt. Das war auch die Geburtsstundc der jüdischen Kunst, der jüdischen Musik. Mitten im allgemeinen Wandlungsprozeß sickert ein neues Kunstgefühl, ein neues Musikempfinden durch und befruchtet eine junge Generation begabter jüdischer Musiker. Die neue Einstellung, das neue Gefühl hat ihre Individualität und ihr Schaffen von Grund aus umgeformt. Sic entdecken die sceliscjbgcistige Verbundenheit mit dem Volke und lernen seine Grundschwingungen heraushören, die lebendige Funktion, Impuls und Intuition als die treu benden Kräfte in der Musik zu erfassen. Aus bewußt intuitivem Schaffen heraus suchen und finden sie einen eigenen, unmittelbaren Ausdruck für das neue aufkei* mendc Gefühl. Nicht Bekenntnis, sondern Er* kenntnis; nicht Nachahmung, sondern Neu* b i 1 d u n g! Auch die „jüdische Musi k" bedeutet für uns keine nationale Abschlicßung, vielmehr eine internationale Weitung. Es geht uns nicht um ein Schlagwort, nicht um die Ucbcrlcgcnheit über ein anderes Volk, sondern— aus not« wendiger, endlich erreichter Selbsterkenntnis — um die Erhaltung und Wahrung der jüdischen Besonderheiten im Kunstschaffen, um das Recht auf ein Gestalten der jüdis sehen Seinsart und um Respektierung des eigenen Schaf« fensbedürfnisses: Nicht um Musik von Juden, sondern um jüdische Musik. „Neues Jüdisches Theater" (Praterstraßc 60). Arn '6. Oktober gelangt das in Amerika mit großem Beifall aufgenommene Schauspiel „Der letzte Tanz" von Z Libin, Musik von A. Karp, zur Aufführung. In dem Stück treten alle.Damen und Herren des neuengagierten Ensembles auf. mit dem beliebten Chara'kterkomiker Aib Kays an der Spitze; Beginn viertel 9 Uhr abends. Jüdische Künstlerspiele. Donnerstag den 10. Oktober findet in den „Jüdischen Künstlerspidlen" (Theater Reklame) eine Sondervorstellung mit literarischem Programm statt. Zur Ausführung gelangen die Einakter „Der Kommunist" von T s c h wirk i n, ,yDic Rabulisten" von J. L. Perez und „Ja heiraten — nicht .heiraten" von Tunke ler. Jehuda Ehren kr anz 'hat seine Vortragstournee unterbrochen, mm an diesem Abend vor 'das Waener jüdische Publikum treten zu können. Neben ihm wirkt der bekannte Schauspieler Dr. N. Brind mit. Außer den (beiden Hauptdarstellern Brincl und Ehrenkrahz wurden einzelne Wiener Kräfte verpflichtet. — Sonntag den 6. Oktober gelangt die Komödie mit Musik „So wird geheiratet" von A. Rakow mit den Damen Meiseis, Lie<bgold, Weiintraub- Graf, Zucker, Vaiberg und den Herren Br eitmann, Zucker, Valfocrg, Dr. Bri n d, Merschk o wd t z und D ai 'ku s aur AiifSüThrttinig. —. Die neue Spielzeit (beginnt nach den fliehen Feiertaigen. Prof. Juliiisz Wolf söhn hat im Sommer ein größeres Werk jüdischer Musik vol* lendet. Unter dem Titel „Stimmungsbilder aus der Kinder* weit" schuf der Künstler Werke echtester jüdischer Musik, in der sich synagogalc und weltliche jüdische Volksmusik verbinden. Der Künstler wird diese Stücke in Wien und im Auslände mehrere Male spielen. Diese Stücke werden vom Autor selbst für andere Instrumente gesetzt. Max Darewski gestorben. Im Alter von 34 Jahren starb am 27. September in London der Pianist und Komponist Max Darewski. Er hatte mit fünf Jahren den vielgespielten Walzer „Der Traum", mit sieben Jahren zu Ehren der Krönung König Eduards „Englands Crown" komponiert. Mit acht Jahren leitete er ein großes Orchester,t das seine eigenen Kompositionen zur Aufführung brachte. Mit elf Jahren komponierte er aus Anlaß des hundertsten Jahrestages der Schlacht von Trafalgar „Nelsons Victory"; im gleichen Jahre leitete er im' Crysta'l Palace ein Orchester von 500 Musikern. Als Pianist bereiste er Frankreich, Belgien, Rumänien, Italien und Deutschland. Amtliehe Verlautbarungen der israelit. Kultusgemeinde Wien. Lehrkräfte für israelitischen Religionsunterricht. Mit Schluß des Schuljahres 1928/1929 halben 22 Kandidaten lund Kandidatinnen an der „Bildungsanstalt für israelitische Religionslehrer in Wien" nach vierjährigem Studium die Reifeprüfung mit gutem Erfolge abgelegt. Deren Heranziehung für den öffentlichen Schuldienst in Wien 'kommt nur jeweilig nach Maßgabe des Bedarfes in I Eine große, fremdsprachige §3 Buchhandlung 1 •licht einen gelernten Buchhändler als § Geschäftsführer 3 HIHHHMHHHHHHHHHBHMHHHHMHHHHVBHHHHHHI sa E Kapital von 250 engl. Pfund als Kaution er- | I wünscht Offerten mit Photographie und Res I ferenzen an die „Neue Welt" unter „Buchhand- I I Jung In Palästina". § iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiy Betracht und es konnten für das Schiiiiahr 1929/1930 mir 5 Kandidaten seitens der Wiener Israel. Kultusgemeimi« in Verwendung gestellt werden* Durch die Verfügbarkeit dieser sorgfältigst für das Lehramt vorbereiteten Kandidaten ergibt sich für die auswärtigen israelitischen Kultusgemeinden die Möglichkeit," wissenschaftlich und pädagogisch geschulte Kräfte für die Erteilung des Religionsunterrichtes zu gewinnen. Aber auch die Bibelschulen, die jüdischen Fürsorge- und Erziehungsinstitute werden guttun, im Bedarfsfälle auf diese Lehrkräfte zu greifen. Schließlich empfiehlt es sich, für den Privatunterricht, der vom Besuche des öffentlichen Religionsunterrichtes dispensierten Schulkinder solche Lehramtskandidaten heranzuziehen. Nähere Auskünfte erteilt das Schufbüro der Israel. Kultusgemeinde, Wiien, I., Seitenstettengasse 4. Der Jugeudgottesdienst im Schuljahr 1929/1930. Wegen der kalendarischen Verhältnisse hinsichtlich der diesjährigen hohen Feiertage wird der Jugendgottesdienst in diesem Schuljahre erst am 2. November 1929 aufgenommen werden können. An die Elternschaft ergeht da* dringende Ersuchen, die Kinder an den hohen Feier-! tagen auch ihrerseits über den Sinn der Feste ztt bei lehren, sie zu veranlassen, die Festtage in Andacht zu be* , gehen und soweit dies möglich ist, auch am öffentlichen* Gottsdienste teilnehmen zu lassen. ' Die Hilfsaktion für die Opfer der Ereignisse In Palästina. Die unter der Aegide der Israel. Kultusgemeinde ■ Wien vom „Zcntralhilfskomitee für die Opfer der Breis-, nissc in Palästina" durchgeführte Zentralisierung der Sammelakton hat sich bestens bewährt. Das bisherige Gesamterträgiiis der Sammlungen belauft sich auf wind S 82.500. In diese Ziffer erscheinen einbezogen: Die Widmung der Israel. Kultusgemeinde Wien und der „Israelit. Allianz zu Wien'" per je S 10.000, das Erträgnis der Sammlungen der „Neuen Freien Presse" mit zirka S 15.000, vom „Zionistischen Landesikomitee für Oesterreich" gesammelte S 8396 und die Widmung des „Verbandes der Israel/ Humanitätsvere'ine B'nai B'rith für Oesterreich" von S 3000 sowie das Ergebnis einer Sammlung der Israel. Kultusgemeinde und der Zionistischen Ortsgruppe St. Pölten mit S 1060. Die Sammelaktion wird eifrigst fortgesetzt und es ergeht an die Ge- ■ meiiidemitiglieder die Bitte, ihre Spenden, soferne dies noch nicht (geschehen ist, ehestens an die Kassa der Israel. Kultusgemeinde als Zahlstelle des Zentralhilf skomitees gelangen zu lassen. Die ausgeschickten „Amtlichen Sammel* listen" wollen tunlichst in den nächsten Tagen, spätestes* aber bis 15. Oktober d. J., zur ,;.Abrechnung gebracht werden. - . ■ ' . ' - ^."^ '• Statistisches über Bevölkerungsbewegung in den Monaten Juni, Juli und August d. J. Tirlauu.nig1 en wurden vorgnomroen: Monat: A) In Gemeindcbethäusern ^beUiättsern'nS" Zn03«'«« Juni 84 115 199 Juli 75 29 104 August 38_33 71 197 177 374 Ehescheidungen. Vor dem Rabbinate der Israel. Kultusgemeinde Wien wurden im Monate Juni 27, im Juli. 30, im August 24, zusammen 81 rituelle Ehescheidungen vorgenommen. < Beim Matrikenamte der Israel. Kultusgemeinde wurden G e b tt r t e n e i n t r a g u n g e n vorgenoinnjen, wie folgt: Iui Monate miinnlich weiblich ZuBanunan Juni 92 80 172 Juli 63 52 115 August 1 39_47 86 194 179 373 An S te r b er all eai gelangten zur Eintragung: im Juni 193, im Juli 210, im August 157, zusammen 560. Anzeigen von Austritten aus dem Judentum sind eingelangt: 5m Juni 42, Juli 75» August 78, zusammen 195. Eintritte, beziehungsweise R ü c k t tf# 11 e in s Judentum erfolgten: Gm Juni 38, im Juli 30, im August 23, zusammen 91. Mediziner-Stiftungen. (Bewerbungsausschreibung.) Anzahl der Plätze: 1 im Betrage von S 135 für die Dauer der gesetzlichen Studienzeit lind iür elttj weiteres Jahr nach Beendigung desselben; 4 im Betrage von je S 70 einmalig. Bewerbung® bei echt igt ® i nd: mittellose," fleißige, unterstützungswürdige jüdische ordentliche Hörer' der Medizin an der Wiener Universität. G e s u c h s b e i1 a g e >n: Geburtsschein, Mitteltosig», keitszeugnis, Inskriptionsnachweis. Sfcudienzeuignlwe. Letzter Tag der Einreichtingsf rlafc- 29. November 1929, Einreichstelle: f., Seitenstöttenga^e 4, III. Stock (Amtsdirektion). Wien, am 1. Oktober 1929. Der Vorstaua der israelitischen Kultusgemeinde Wtien. Zur Bewerbung sind Gesuchsbogen zu ver-: wenden, welche in der Einreichstelle (l, Seltetwtetten-. L I i ,

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