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Die neue Welt · 1929-09-27 · Heft 106 (27.9.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 106 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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fette 8 DIE NEUE WELT Nr. 106 III durch den Besitz elnes Ingelen Neophon der idealen Vereinigung von Radio und Schallplattenmusik. (An jedes Gleichstromnetz anzuschließen) Radiofabrik Ingelen Wien XVII, Bergsteigg. 36 Pfund hat er in die Sache gesteckt. Furchtbar. Noch stehen die Kolonien Sichron Jakob, Rosch Pinah, Rischon, Rechoboth, Petach Tikvah, Benjamina, Chedernh Charkur und die Rutenberg-Station Jisr el Mujemmieh wohl verteidigt von hünderten Juden. Wer weiß aber, ob die Regierung, diese Regierung diese Kolonien nicht entwaffnen wird, um sie nachher ä la merci den umliegenden Arabern zu überlassen? Noch sind wir, ich und meine Familie und die anderen von Bath Galini verschont geblieben, wir haben sogar einen militärischen Schutz von 14 Marincsoldaten, einem Leutnant und einem Maschinengewehr, aber wir passen selbst auf und verlassen uns nicht auf diesen Schutz. 0 Wir alle aber sind entschlossen, diese Position bis zum letzten Tropfen Blutes zu halten und in ganz Erez Israel herrscht derselbe Geist. Wir werden lebend nicht weichen und nicht wanken, komme, was da wolle. Wir tun zu unserem Schntze alles nnr erdenklich Mögliche, aber wir sind bis znm Aenßersten entschlossen. Viele Tausende denken heute an die Worte und die Argumente unseres Führers Jabotinski. Ich kann Euch nut das eine mit allem Ernst und mit dem vollen Bewußtsein einer Verantwortung sagen: Hätte diese Regierung nur tausend Gewehre an uns Juden verteilt, oder hätte sie tausend Chaluzim als Miliz etabliert, nichts wäre in Erez Israel geschehen, kein Aufstand und keine Plünderungen, kein U e b e r f a 11 und keine Verhetzung von primitiven wilden Menschen; Durch Verhaftung der paar Rädelsführer noch vor 14 Tagen wäre alles in schönster und bester Ordnung vorübergegangen und wir hätten nicht 120 Tote, 800 Verwundete dem englischen Bilderjournalisten zum Photographieren hinlegen müssen. . Während ich in der Selbstwehr meinen Dienst tue, liegt, U r i e 1 mit 40 Grad Fieber im Bette und Zippr ah, ermattet von den Aengsten und Aufregungen der letzten .Tage, Abgemagert, und schlecht aussehend, .wälzt: sich schlaflos im Bette, hungrig, denn wir haben seit sechs Tagen kein Fleisch, keine Eier, keine Butter, nur Brot und Reis] und Oliven, und sie, die . Zuckerleidende, kann das alles nicht essen. Bei jedem Hundegebell schrickt sie zusammen und das, was ich verhindern wollte: Ueberanstrengung und. Aufregung ist ohne mein Verschulden in einem Maße über uns hereingebrochen, daß wir alle Kraft zusammennehmen müssen,' um durchzuhalten . . . „DieStadt hinter der Front" ..Wie es in Jerusalem aussieht. ,Von Pierre von Paassen. ., < y^;- Der bekannte holländische Publizist, der sich im Auftrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur nach Palästina begeben hat, gibt die folgende Schilderung des Jerusalem von heute: Die Atmosphäre ist die einer Stadt hinter der Front, wie sie etwa 1914 in den Städten Frankreichs und Flanderns herrschte: mit Flüchlingen aus den Gefahrenzonen überfüllte Schulgebäude, mit Verwundeten überfüllte Spitäler, Mobilisierung der gesellschaftlichen Nothilfe, Eskortierung von Gefangenentrupps. Von Panik istaber nichtszu spüren. Die Judenheit Jerusalems, wie des gesamten Landes ist von unerschütterlichem Mut beseelt und entschlossen, in dem Aufbau des jüdischen Nationalheims nicht zu rasten. , Der Eindruck eines Kriegszustandes wird erhöht durch das Brüllen und Surren der Motore und Propeller der britischen Kriegsflugzeuge, die zeitweilig sogar den Vielklang und Mißklang des Basars übertönen. An allen, Ecken, wie auf den Plätzen, in den Kaffeehäusern,'Khaki-; bekleidete Tommls und Blaujacken, Kuriere auf Motorrädern rattern durch die Straßen; Beflaggte Stabsautos jagen hin Und zurück. Infanteriepatrouillen ziehen noch' immer neue Posten ins Land hinein. Wachtposten mit; aufgepflanzten Bajonetten bewachen die Zugänge-zu den heiligen Stätten: Klagemauer, Omar-Moschee, Heiligengrab-Basiiika u. tu m. An den Wänden kleben Befehle und Proklamationen. Um 9 Uhr abends setzt das Vespergeläute ein. Von dieser Stunde an herrscht in Jerusalem Grabesstille, die nur unterbrochen wird,durch den Marschtritt der kommenden und gehenden Posten. Gegen Sonnenaufgang erwacht Jerusalem bei einem unheimlichen Tongemisch des Gesanges der Muezzins und des Schmetterns der Militärtrompeten, Die jüdischen Läden in der Altstadt sind wieder geöffnet. Auch die arabischen Obstverkäufer sind im Basar auf ihren Posten« Es entgeht aber dem Beobachter nicht, daß,Bo.ykot:t noch die Parole des Tages ist Um 5 Uhr nachmittags sind die Obstbestände der arabischen Händler hoch aufgeschichtet, während sie früher schon um die Mittagsstunde ausverkauft zu sein pflegten. Die sorgenvollen Gesichter der Kaüfleute; sprechen eine deutliche Sprache. Doch werden schon Straßen und Märkte von Pilgern und Touristen aus Europa und Amerika belebt Jeden Tag treffen neue Touristen ein. Die Flüchtlinge in ihren beengten Behausungen haben sich den Verhältnissen angepaßt. Es herrscht Disziplin und peinliche Sauberkeit Die Verteilung der Nahrungsrationen klappt sehr gut, die gesundheitlichen Einrichtungen sind mustergültig. Yemcnitische Juden aus Siloam und Juden aus Dörfern in der Nähe von Jerusalem weigern sich, in ihre Heime zurückzukehren, bis nicht ihre arabischen Mitbürger die Garantie für ihre Sicherheit übernehmen. Ein ehrwürdiger Rabbi erklärte, die Propaganda unter den Arabern sei erbarmungslos, in seinem Heimatdorfe wurden die Araber von den Agitatoren getadelt weil sie ihrer Mörderpflicht nicht Genüge getan haben und d\£t Juden fliehen ließen. In der sephardischen Talmudachüle. sind fast 200 Flüchtlinge ungebrächt; schreiende Säuglinge, kranke Greisinnen mit ihrer in Tüchern gebundenen kärglichen Habe; an allen Ecken im Gebet sich rhythmisch bewegende Körper. Die Drangsale der Flüchtlinge werden durch folgende Zahlen illustriert: in der Mädchenschule der Alliance Israelite sind 105 Flüchtlinge auf 230 Quadratmeter, in der Knabenschule 500 Flüchtlinge auf 1000 Quadratmeter, in der Lemmel-Schule 190 Flüchlinge auf 639 Quadratmeter, im Gebäude des Hasolel 133 Flüchtlinge auf 230 Quadratmeter, in der Ckurva-Synngogc 225 Flüchtlinge auf 200 Quadratmeter untergebracht; ähnliche Verhältnisse bestehen in anderen Unterkunftshäusern. Hingegen sind die. Angehörigen der britischen Armee so untergebracht, daß 6 Quadratmeter auf eine Person kommen. „Doar Hayom" Wieder erschienen. Am 22. September ist „Doar Hayoin", der zehn Tage lang durch die Behörden verboten war, wieder erschienen. In dein LeitartiKoI weist die Zeitung darauf hin, daß dieser Sonntag der 30. Tag seit Ausbruch der arabischen Unruhen ist. „An diesem Gedenktag (Schloschim)44, heißt es in dem Artikel, „ist es unsere Pflicht, zu geloben, der für das Judcntumgc-. fallenen Opfer nicht einen Augenblick zu vcrgessen. Reines, unschuldiges* Blut ist auf dem Boden des jüdischen Vaterlandes .vergossen worden, und noch .immer : hängt die . GejFahr^über Ijtns. Wachsamen Auges müssen wiriin/deni^Tag blicken und beobachten, was geschieht ...und allestun, iini i'unser Land zu schützen und - eine Wiederholung der Katastrophe zu •vermeidend',. \ ' I ■ :,\V, Schutz für^das Rahel-Grab. . Aufv Ersuchen' des '•palästiiienslsc'hen Obe rrabbinats läßt die Regierung das Grab Rahel und den Weg, der von Jerusalem.; zu ..diesem Grab i$bxU;durchv:^IiHt'äPpätTOUiij|hv bewachen. Während des jüdischen Monats Ellul bildet das Rahel-Grab das Ziel zahlreicher Pilgerzüge. :> Abrahams Stimme aus der Höhle Machpelali. „Pajle$tine Bulletin" veröffentlicht eine Mitteilung aus H e b r o n, der zu entnehmen ist, daß den Arabern, die an der Abschlachtung der Juden beteiligt, gewesen sind,, das Gewissen zu schWeii begonnen hat. Ein Araber erzählte, daß er Nacht für Nacht die - Stimme des Erzvaters Abraham aus der Höhle Machpelali rufen hört: .„Ihr Söhne Ismaels, w>arum habt Ihr m eine Kinder Abgeschlachtet, warum habt Ihr die Na-.mcn Eurer Vä t e r. in Unc h r^e' g eb r ach t? Anfangs, so erzählt der Araber, klingt die Stimme leise, mit dem Dunkel der Nacht steigert sie sich zu 'einem mächtigen Ruf. Die Erzählung dieses Arabers., hat unter den Mosjetniten Hebrons Besorgnisse hervorgerufen. Es melden sich weitere Araber, die die gleiche Stimme zu vernehmen glauben. Die Moslemiten beraten über Mittel, die Patriarchen zu besänftigen. . Kleider- und Wäscheaktion. Wir erhalten von Frau Rebekka W e i n e r, welche ganz allein die Kleider- und Wäscheaktion für Palästina in vorbildlicher Weise durchgeführt hat, folgende Zuschrift: Für die ärmsten der Armen, die all ihrer Habe beraubt wurden, habe ich eine Sammlucig Von Kleidern, Schuhen und Wäsche eingeleitet Der Lloyd Triestino und die Speditionsfirma Caro u. J e hl i n e k haben es in liebenswürdigster Weise übernommen,-diese- Gegenstände, etwa zehn Kiijten, g r a-t i s n a-c h ' P a 1 ä s t i n a zu befördern. Dafür gebührt diesen beiden Firmen Dank und Anerkennung und ich ersuche höflichst, diese anerkennenswerte Tat der genannten Firmen in Ihrem geschätzten Blatt« freundlichst veröffentlichen^ zu wollen. Rebekka* W'e;i'n e r, IX., Servitengasse: mganuiiapnainiuiMUttH^ lÄ5£ji^ii««jil|IWi0uuiWW^! SIEOM. KÖRNMEHL QROSSFLEISCHHAUERII Zontralp IX.; Berggaw 19; T^cphon 17*3-99 q. t6»9f34 L i et e r a o » » u r Heilanstalt e n Abtammen für *gre»Ff lieh ^i^«^iiiiicbt-;d*- Ehrwürdigen Rabfc^ hir. Kul»-1 tu^epMfino« Wi«n; . . JMrto*«tt*llwng| k9«t«itl«Hi IX. Bb/09«tf« 15 ✓ XVIII.« W»hrlH8«r.itr. «7 0m§tMrn,^T^l^,^'^^^^MUUMt^^^m^u'^MtM^^ HM*Hmiwh>mm*kutHiuHM*iMimumutiwmniit. iUjWjjjj^ Das goldene jüdische Herz* Es schlägt wieder einmal so rasch, so heftig, daß die ganze Welt bewegt ist von seinem Rhythmus. Im Heiligen Lande wird jüdisches . Blut vergossen! Trotz . strenger Zensur, trotz systematischer Vertuschung seitens der Palästina-Regierung dringen unmittelbar nach den furchtbaren Geschehnissen Nachrichten in die Welt. Die Post leistet ungeheure Arbeit — Depeschen, Anfragen, drahtliche Geldsendungen aus allen Teilen der Welt. Die erste große Spende — 5000 Pfund von Nathan Strauß — wird gemeldet und schon ein paar Stunden später kommen trostreiche Berichte von weiteren großen Spenden. Bis heute — eine Woche nach den ersten blutigen Verlusten — sind mehr als hunderttausend Pfund für die Allgemeinheit gesammelt und überwiesen worden. Dazu kommen private Spenden von Angehörigen des palästinensischen Jischuw im Auslande, jeder hat ja drüben Verwandte, und jeder Verwandte, der nur selbst nicht in bitterer Not lebt, hat spontan, meistens telegraphisch, den hier lebenden Familienmitgliedern materielle Hilfe zukommen lassen. Es kamen also wieder sehr große Summen jüdisches Geld nach Palästina. Z u r größten Freude der Araber und zur nicht geringeren der englischen Beamten. Während noch die wunderschöne Proklamation dea Oberkommissafs Chancellor an den Mauern von Tel- Awiw prangt, die besagt, daß die Greueltaten strengstens geahndet werden und daß die Tüter zur vollen Verantwortung gezogen werden, antwortete Luke, der Stell* Vertreter des Oberkommissars, auf eine Anfrage, .aus wessen Gelde die rekonstruierenden Arbeiten ausgeführt werden: „Es wird ja jetzt für euch genug Geld gesammelt!" Als Illustration dieses Ausspruches wirkt folgendes Vorkommnis: In den Schulen von Tel-Awiw hausen etwa 1200 Flüchtlinge aus den gefährdeten Vierteln von. Tel-Awiw. Juden, die zwischen den Arabern verstreut und in arabischen Häusern in Jaffa wohnen, weigern sich, dorthin zurückzukehren, obzwar ihnen versichert wird, daß sie ruhig in ihre Wohnungen zurückkehren können. Sie haben kein Zutrauen mehr zu den Versicherungen der Regierung und ziehen es vor, in deir Schulen ihr armseliges Lager zu behalten, als heimzukehren — wohin? Sie wissen ja nicht, ob sie ihren armseligen Hausrat finden werden, und scheuen davor zurück, ihre verschleppte Habe bei den benachbarten Arabern zu suchen. Avv Die Vereinigung der hebräischen Frauen (Histadruth Naschim ivrioth) stellte sich die Aufgabe, das Los. dieser Flüchtlinge zu erleichtern. Dieser Tage waren "wir recherchieren. Fanden, daß die Versorgung der Flüchtr linge, die vom Gemeindekomitee durchgeführt wird; völlig unzulänglich ist. Nahrung, medizinische. Hilfe wird spärlich geboten, denn tlie Gemeindeverwaltung steht auf dem Standpunkte, daß die in Jaffa wohnhaften Juden in ihre Behausungen zurückkehren sollen.] Wir wurden angewiesen, dies den Leuten, anzuraten, lehnten aber ab. Die Verantwortung für eine solche! Rückkehr ist ungeheuer — die Gemüter sind beiderseits zu erregt Wir forderten vom Hilfskomitee Mittel zur Durchführung einer Hilfsaktion für diese Familien aus dem Fonds der eingelaufenen Gelder. . Man wies uns ab mit der Motovierung, daß diese Gelder ausschließlich, für „konstruktive. Arbeit" für den Wiederaufbau der Kolonien und der: zerstörten Judenviertel in Safed, Hebron usw. verwendet werden müssen. Also man macht es den Engländern und den Arabern wieder leicht. .Statt diese Gelder dazu zu verwenden, um dringende erste Hilfe zu leisten, um das Ausbrechen von.Epidemien zu vermeiden, um zerstörte kleine Existenzen wieder aufzurichten, spart man das Geld für Reparationsarbeiten, die ins Gebiet der englischen Regierung gehören. Sie hat durch eine beispiellose und leichtsinnige Ungerechtigkeit den Juden gegenüber diese Wirnisse heraufbeschworen, und an ihr ist es, die Schäden gutzumachen. Es ist eine; Sünde, jüdisches Geld auszugeben, um England zu unterstützen ~ um reichen Arabern, die raubten oder Räuber gedungen haben, zu helfen, ungestört die Früchte ihrer Tat zu genießen. Das Geld, das jetzt ins Land kommt, darf nur zur Linderung momentaner Not und mehr noch dazu verwendet werden, um einen Schutz zu schäffen gegen Vorkommnisse, wie wir sie jetzt erlebt haben. Wir wehren uns dagegen, daß wieder Chaluka ins Land kommt ... Die Energien des Weltjudentums müssen sich jetzt darauf konzentrieren, Pogrome in Erez Israel unmöglich zu machen, Schutz brauchen wir und nicht Spenden! .* Ohne Selbst wehr und ohne Schutz seitens der Mandats macht können wir hier nicht leben — es ist sinnlos, daß das goldene jüdische; Herz wieder in Aktion tritt um letzten Endes den Arabern - zu - helfen. Tel-Awiw, Epima Freund-barst, JBtfftcJfeB Zentrum der fcoiUien HHfs*ome1nscbatt, Mitte Oktoter begjnnt 4er kubische Sprachkurs (Leitung Qr B. Benter). Am 15. Oktober beglnut der schwedische Turnkurs für Frauen und Mädchen (ohne Geräte. Leitung Ins. Patlaschenko). Anmeldungen für dies« Kurse sowie für die Englisch* und Hebr&ischkurse» für Anfänger und Fortgeschrittene, jüdische Geschichte, Bibel, im Sekretariate. IL, Unter« AusartenstruBe 35,

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