Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 105 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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rsdfdS DIE NEUE WELT Nr. 105 Unglück ü b e f P a 1 ä s t i n a geh r a o h t. Schon auf dem itCongfesse im Jahw 19^ fmcti tfeiit jSrscheinen le9 sogenannten „Weißbuches" (Anmerkung: Es handelt sich um jenes Dokument, welches unter dem Einflüsse Her» bert Samuels vcrfißt -wurde , und durch dessen Unter» schrift die Zionistische Exekutive auf wesentliche zionisth sehe Rechte verzichtet hat), habe ich die Demission Professor Weizmanns gefordert. Alle meine Vor» aussagen haben sich leider verwirklicht. Die einzige Ant« wort auf die Ereignisse in Palästina kann nur sein: D es mission des Präsidenten Wcizmann und der von ihm geführten Exekutive, Nur neue Menschen, welche eine mutige Politik führen und auf dein jüdischen Rechte beharren, können unsere geschwächte Stellung gegenüber England? stark machen* - Diese Erklärung ist um so bemerkenswerter, als sie' von dem Führer einer großen zionistischen Gruppe stammt, welche bisher zur Majorität hielt, in entscheiden« den Äugenblicken immer für Welzmann und seine Politik gestimmt hat und auch jetzt durch zwei Mitglieder in der von Wcizmann geführten Exekutive vertreten ist. Der Erklärung über das völlige Versagen der bisherigen Politik der zionistischen Leitung haben sich auf der Lon* doner; Sitzung, von der radikalen und revisionistischen Opposition abgesehen, namhafte Führer der allgemeinen Zionisten, welche den Kern der Majorität bilden, ange» schlössen. Es ist heilsam, daß die Erkenntnis sich Bahn bricht, a;bcr es muß gefragt werden: Auf wen stützen sich jetzt N^eizmann und seine Exekutive? Werden die ent* täuschten Regierungsgruppen ihren ^Erklärungen die. ent« sprechenden Handlungen folgen lassen? Bloße Erklätuns gen sind keine Entscheidung. . , ■' Die Freunde titer Mordbrenner. Ein 'Manifest der Lisa gegen Imperialismus. ' Die unter kommunistischen " Einfluß geratene Liga fegen Imperialismus, die behauptet, daß sich in ihrem Ehrenpräsidium Professor Albert Ein-. Sterin befindet, hat zu den Vorgängen in Palästina in einend Manifest Stellung genommen, das wir'hier folgen lassen. Der Aufruf lautet: 4Ein blutiger Konflikt in bisher noch nicht dagewesenem Maße ist in: Palästina zwischen den arabischen Einwohnern und der zugewanderten zionistischen Bevölkerung, "die auf Grund der beHich'tigten BalfOur-Deklaration, nach Palästina . zugezogen wurde, ausgebrochen. Der : alIgemein e Auf s t'and der Araber gegentdie Zionisten ist in.Wirklichkeit ein Auf-, standCgegen dievwirfschäftH in die, sie der britische' Imperialismus in? Palästina'' ge-.' brachst hat. y ..... , Djpik dem antiimperialistischen Ohara k iie r!' dieses r Kampfes; haben die Araber Palästinas auchfdie moralische und .ma.terielle lltfterstüt^ungder Arabe. Aegyptens, Syriens und|T(r.aris jo r daniens wie auch;der Massen der indischen Bevölkerung gewönnen, die in einem revolutionären Krampf für die Befreiung aus dem Joche des britischen Imperialismus stehen. jDie arabische Bevölkerung Palästinas betrachtet die zionistische Bewegung g a n z r i c h t i g als das Hauptinstniment der britischen imperialistischen Ausbeutung ihres'Landes. Mit Hl 1 f e d e r .z,i o n i s t i s c h e n K a p ita 1 i.sten und fäschistiscb?en'Organ isafronen werden die .Araber systematisch ex- P r o p r i i e r t ü n aus gepowert und die 1 a ndlosen Bauern, werden zur Arbeitslosigkeit verurteilt oder zu Kulis herabgedrückt Unter dem „philanth'ropiscehn" Vorwand, ein Heim für. die., armen, unterdrückten Juden der Welt zu schaffen, nehmen die z i o n i s t isehen Kapita 1 isten den;Ar at e.r.n ihr Land.weg, während arme jüdische Arbeiter eingeführt werden, um für die zionistischen Kapitalisten und für di emilitärisch-strategischen Ziele d^t;^tiNf^|i) Imperialisiriüs in Palästina zu arbeiten. - : Deshalb mußte es notwendigerweise zu scharfen wirtschaftlichen Konflikten zwischen den Arabern und zionistischen Einwanderern kommen, die jetztzu. blutigen Zusammenstößen führten,. beiTwelchen die Zionisten';durch die britis c he n Imp e r i ä 1 i s t e n b e waffnet werden und ihre:n*jbes;Q:nderen Schutz genießen. Den iinperialisdien Intrigen ist es gelungen, genau so wie in Indien, diesen wirtschaftlichen und antiimperialistischen Kämpfen den Charakter religiöser und k u 11 u r e i l e r Zusammen s t ö ß e zu geben. - Der Imperialismus hat die Führung der Bewegung auf beiden Seiten in die Hände der Reaktionäre gelegt, um zu verhindern, daß sich die Arbeiter und'Bauern beider Rassen zum Sturze ihres gemeinsamen Feindes, des britischen Imperialismus und seiner zionistischen Agenten, verbinden. Bei der Ausübung ihrer Funktion als Lakaien des Imperialismus haben die Zionisten die weitgehendste Unterstützung der sozia 1 demokratischen'Pä'r-; teien der iL Internationale und ganz besonders der Mitglieder der britischen Laboür Party erhalten.! Die reformistischen Führer der jüdischen Arbeiter-; Organisationen;-in Palästina haben systematisch an das Rassengefühl der letzteren a,pp.eliierti und sie als Werkzeuge der britischen imperialistischen: Politik benutzt. ■ ■ Die Zionisten und die Sozialdemokraten sind nach wie vor die erbittertsten Feinde def jarabischen nationalrevolutionären Bewegung. Sie haben die Einheitsfront der jüdischen und arabischen Arbeiter und 'Bauern zum{ Sturz 'des britischen Imperialismus, und zur- ErricHtuhg' eines freien Palästina verbindert. S i e h a b e'n aktive Schritt e u n t e r n o m m e n, um die Umwandlung des britischen Mandats über Palästina in eine .offene Annexion durch das britische We'Itreich durchzusetzen. " 29jör\rlc]cs PrHul«lii aus gutem Hause sticht Postan als m_^m^ - üm. _ In einem frauenlosen Haushalt. Zuschriften unter „VerlässUCh" an die Ädmlnlstra'ion der ^Neucn. Welt" Als ein \ orspiel zu ..dieser Annexion werden die gegenwärtigen absiditlidi provozierten Konflikte zwisdien den Ambern und den zionistischen Faschisten von der britischen Regierung geschickt ausgespielt, um die ständige militärische Besatzung in Palästina durch Land--und Seekräfte zu stärken. Die Regimenter, die sdileunigsi und bereitwilligst auf Forderung der nationalistischen Juden in Europa und Amerika in das Land transportiert,wurden, um die „Ruhe und Ordnung" aufrechtzuerhalten und um „die Juden zu beschützen", sollen dort gehalten werden, während die faschistischenzibnistischenOrganisationen als Fr ei willigen kor ps gegen die Möglichkeit einer Vijnheitlichen «revolutionären Bewegung bewaffnet werden sollen. Die Liga gegen den Imperialismus und für die nationale Unabhängigkeit steht rückhaltslos auf der Seite der Arbeiter und; Bauern Palästinas und aller änderen arabischen Länder in ihrem Kampfe zum Sturz der imperialistischen Ausbeutung und um eine wirklidie nationale Unabhängigkeit. Die Liga zeigt die Gefahr auf, daß die breiten Massen durdi imperialistische Intrigen zu religiösen .nd Rassenkämpfen verführt werden, die nur die Feinde der Freiheit stärken. Die Liga gegen den Imperialismus appelliert an alle ihr angeschlossenen Organisationen, den Massen in den arabischehrLändem in ihrem Kampf um Freiheit ihreraktive Hilfe zuteil werden zu lassen und einen Kampf ohne jedes Kompromiß gegen den Imperialismus und gegen die zionistischen und sozialdemokratischen Agenten des Imperialismus zu führen. Nieder mit der britischen imperialistischen Ausbeutung in Palästina! Es lebe der gemeinsame, revolutionäre Kampf der jüdischen und arabischen Arbeiter und Bauern! Nieder' mit dem Zionismus! Es lebe der Bund der 1 unabhängigen arabischen Länder!".; -•• •k Wenn man die Verfasser dieses Manifestes auffordern würden einzigen Araber zu nennen, der von Zionisten expropriiert Worden ist, einen einzigen Araber, dem zionistische Kapitalisten sein Land weggenommen haben, So wüßten sie ja keine Antwort. Aber diese Kommunisten,'.', die in der Berliner „Roten Fahne" undjhrem Wienqr an sich lächerlichen Ableger jetzt in das Mordgeheul gegen did Juden einstimmen, kann man :ja^ nicht üherzc^gen. Man Kahn nur ihr'Manifest mitteilen und daran erinnern? ^«as^in der Bibel in einem ähnli^ £Dehk immer dran, was dir Ätnalek getan hat!*', % ■ , .<f» < ZweiMieiier ,. .. j.'V •'•{'• '' r . &*2k« r '•• „Palästina- VCTsainiiiiluögen". Die Union]* deutscliösierr^ichischei' Juden und die jüdischen Kommunisten ziehen an einem Strange. — Und .. .. . . die erweit.erte!;Jewish Agency? f Die jüdischen Kommunisten Wiens nahmen die blutigen Ueberfälle auf die Juden Palästinas zum Anlasse, um gegen die Zionisten als Knechte des englischen Imperialismus und Unterdrücker des arabischen "Volkes zu protestieren. Die Redner, unter ihnen der ehemalige Zionist Kohn-Ewer, sagten getreulich alle ihnen von Moskau kommandierten Lügen und Verleumdungen wideiden Zionismus her. Sie taten das so /gründlich, daß die Majorität der Versammlungen gegen sich in Aufruhr brachten. Bei Kohn-Ewers-Rede erreichte der Tumult seinen Höhepunkt und Polizei schritt ein und löste die Versammlung auf. . Auch die „Union dcutschösterreichischer Juden" konnte es sich nicht versagen, zu den Ereignissen in Palästina Stellung zu nehmen, und zwar in einer Versammlung, welcher Herr Dr. Ornstein, Vorsitzender der Union und Mitglied des Rates der erweiterten Jcwish Agcncy für Palästina, präsidierte. Nach einer Trauerkundgebung für Louis Marshäll erstattete Herr Baurat K e m p 1 e r sein Referat. Er setzte den Zionismus gründlich herab und forderte mit Hinweis auf die Araber auf, den Aufbau der jüdischen Hei ms tätte einzustellen. Den Enthusiasmus und die Opferfreudigkeit unserer Ghaluz-Pioniere deutete er dahin, daß deren „U e b e r h e b 1 i c h k e i t" (!) den Unwillen der Araber hervorgerufen habe. Das große>s o z i al e A u fba u w e r k, dessen Früchte auch( die arabische Arbeiterschaft in vollem Maße mitgehießt, versuchte er so zu diskreditieren,.daß er es als Zerstörung d e r a 11 e u a r a b i s c Ii e n ' Wirtsc h ä f t s m e t h o d e"n, '! also , als JWUBPWlflHIIItffllllWMIIIIUllllllllH Kundmachung Es wird Wemll begannt, dass wir auch heuer, wie ai'JährHcli Iri unserer rillaie »QnOnes TQrS yili., Leichenfe dcrslrässe 14, aniassllch der hohen Fe'errage einen Gottesdienst veranstalten Tempelverein de* VUl* Bezirke* Neaa«g erg«i(e iz Ü «Gefahr für; die-,5a r ab is.c Jve .K u l t u r" hinstellte. Und um auch auf die große Politik zu kommen, zitierte er englische Presscstimmenj die der -Balfour-Deklaration und der Ausübung des Mandats durch England nicht gerade sympathisch gegenüberstehen. Seine Einstellung zu Palästina, d. i. die Einstellung der Union, sei eine r e 1 i g i ö s - h u m a n i t ä r e, die ja auch die Theodor Herzls (!!) im Grunde gewesen sei. Für die unerhörte Kraftleistung kultureller, sittlicher und politischer Natur konnte er kein Verständnis aufbringen. Einige Zuhörer drückten ihm durch Zwischenrufe ihre Mißbilligung aus. Dann kam ein Herr Dr. F e 1 s b e r g dran, der im wüsten pathetischen Ton gegen den Zionismus loszog. Den im Saal anwesenden nationalen Juden ging die Geduld aus und es kam zu einer lärmenden Diskussion zwischen Publikum und Rednern. Als Diskussionsredner gelangte dann der zionistische Student Perl zu Worte, welcher die Gehässigkeiten der Unionredner und die großen Werte des Zionismus ins rechte Licht rückte. * Es muß bei dieser Gelegenheit hervorgehoben werden, daß sich die Union deutschösterreichischer Juden der Jcwish Agency für Palästina angeschlossen uhd ihren Präses Dr. Ornstein in den Rat der Agency delegiert hat. Jetzt fallen diese Herren bei der ersten und traurigsten Gelegenheit über das jüdische Palästinawerk und den von ihnen feierlich als Ziel angenommenen Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte her. Das sind nette Bundesgenossen und Mitarbeiter! Vielleicht wird jetzt manchen Zionisten der Widerstand der zionistischen Opposition gegen die Erweiterung der Agency doch etwas plausibler erscheinen. Den Herren der „Union" aber muß gesagt werden, daß ihre Haltung alles eher als politisch anständig ist. Die Shaw-Kommission. Offizielle Mitteilung. L o ri d o"n, 14. September. (J. T. A.) Das Kolonial* amt teilt mit: Der, Staatssekretär für die Kolonien hat die folgenden Mitglieder des britischen Parlaments für die Kommission ernannt, die sich unter der Führung von Sir Walter, S h a w nach Palästina zur Untersuchung der dortigen Ereignisse begibt: Sir Henry B. Betterton, R. Hopkin, Morris Henry Snell; Sekretär der Kom» mission wird Herr Lloyd vom Kolonialamt sein. Aufgaben der Kommission sind, die Ursachen, die unmittelbar zu dem jüngsten Aufruhr in Palästina, der» Anstoß gaben, zu untersuchen, Vorschläge zu machen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um eine» Wiederholung ähnlicher Unruhen zu vermeiden. Der Zeit*, punkt der Abreise der Kommission steht noch nicht, definitiv fest, doch hofft man, daß sie sich Ende S e p* tember oder Anfang Okto b c r an ihren Bestim* müngsört begeben wird. Ruhe in Jerusalem. Der kritische Freitag ohne Zwischenfall verlaufen. Jerusalem, 14. September (J. T. A.) Der Frei« tag (13. September), der vierte moslemitische Wochen* feiertag seit Beginn der Unruhen, ist in Jerusalem ohne Zwischenfall verlaufen. In den Moscheen wurden die traditionellen Freitags*Gottesdiens;te abgehalten. Es hatten sich aus Jerusalem und den umliegenden Dörfern insge» samt etwa 400 Beter eingefunden, statt 20.000 Beter an dem kritischen 23. August. Auf den Wegen, die nach Jerusalem führten, standen Posten, die alle Kommenden nach Waffen durchsuchten. Der ruhige Verlauf des Freitag hat wesentlich zur Beruhigung der Gemüter beigetragen; ein gewisses Ge« ' fühl der Sicherheit macht sich geltend. Eine Kolonistenfamilie verbrannt. Jerusalem, 11. September. (J. T. A.) Die jüdis sehen Bauernfamilien der Kolonie A i n S e i t h i m in der Nähe von Safed, die schwer unter den arabischen Angrif* fen zu leiden hatten, deren Hab und Gut ausgeraubt, zerstört oder niedergebrannt worden war, und die schließ* lieh, um'das nackte Leben zu retten, nach Safed flüchten mußten, fanden bei der Rückkehr, in die Kolonie die verbrannten Leichen des jüdischen Kolonisten Filner, seiner Frau und eines durch die Verbrennung bis zur Unkenntlichkeit entstellten jungen Mannes auf. Schon bei der Ankunft der flüchtigen Kolonisten in Safed wurde festgestellt, daß drei fehlten, man befürch* tete, daß sie von den Arabern getötet worden waren. Diese Befürchtung hat sich leider bestätigt. Waffen in Mehlsäcken.;• :;,Jer.Hisalem;; 13. September. (J. T. A.) 24 Araber ,'aü.s den Dörfer« Seidbun und Hulda, die an die iftdisdhe Kwuz.a!h Hulda grenzen, wd cinre Anzahil Araber aus einem ■ an die Jüdische Kolonie Kästln iah grenzenden Dorf, bei denen in Hulda u#d in Kastiniah erbeontete Gegenstände gefunden würden, wurden m je sechs Monaten ^Gefängnis verurteilt,; "Die Suche nach'SdiußwäMen wird, wie die arabn ^sabe Zeitung „Feleistine" ibericflitet, intensiv fortgesetzt. 'Gesitern besphilägiiato'tc die Polizei eine ganz;©- Wagenladung Mehlsäcke, bei. deren Untersuchung es sieh herausstellte, daß sie zaMrefcbo Schußwaffen und viel Munition entlhidten. _ Tel-Cnaj-Fonds. Bis'" jetzt' insgesamt «esa-mimelt: Von . ,/Brith Truimpeldor", „Zirenu" und einzelnen Privatleuten ST 811.82, ' ■