Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 105 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 105 DK NEUE WELT Seite I Die Ergebnisse des Aguda-Kongresses. Trennung der Einheitsgemeinde. —- Jewlsh Ageticy. — Palästina. — Galuth und Sowjetrußland. — Agudlstische Landespolitik. Wien, 18. September. Nach zehntägigen Beratungen hat die in; Wien- -tagende IT. Kenes'Sio Gedaulo ihre Beschlüsse gefaßt; Diese Beschlüsse wollen im Rahmen der Erklärung des Rabb. T. M. Lewi n (Warscihau) stehen, wonach die K en e s s i o G c d a u 1 o d a s W e 11 p a r 1 a tri e n t d e s j üdischen Volkes darsteflc, das alle Jüdischen Probleme in umfassender Weise einer Erledigung zuzuführen .trcei'gnet sei. Das Bild, das der Kongreß bot, stand allerdings im Widerspruch zu diesem hochtrabenden, höchstens ein Lächeln der Ironie hervorrufenden „Bekenntnis". Es soll nicht geleugnet werden, daß an der Asuda-Versammhrog eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten teilnahm, die starke Potenzen des traditionellen Geistes des Judentums darstellen: in der Fortsetzung des Thorastudiums-, der Gesetzeslehre, des jüdischen Religionsethos, der jüdichen Lebensart. Ein Wirken ausschließlich auf diesen Gebieten seitens dieser Persönlichkeiten wäre gewiß wertvoll für die gesamte jüdische Welt. Aber das Ueberschreiten dieser Grenzen, dadurch, daß sich die Vertreter der Agudas Jisroel auf die politische Ebene mit der Methode politischen Klcrikalismus begeben, der dem Judentum bisher fremd war, führ!: zu Gefahren verschiedener ArJ: zunächst zur Sprengung des olnheitlichen politischen Wullens durch Aufbtirdung eines Gewissenszwanges; zur Lösung von Bindungen an die noch stark lebende Tradition: zur politischen und zur — kulturellen Assimilation. Der Charakter der Versammlung; war höchst wunderlich. Als sich gebärdende Einheit neben dem Wunderrabbi der Doktorhut eines Frankfurter Akademikers, neben denn chassidisehen Stiefel der «nodäne Lackschuh, neben dem Patriarchenbart das mit Aurum glattgeschabte Gesicht; neben Tönen der chassidischen Klaus' die eingedeutschten Synagogehphrasen, neben dem schlichten Bibel- und Talmud wort modern tuende philosophische Konstruktionen. Schon der Auftakt mußte der Agudas Jisroel ze&en, daß die Sucht, sich mit einer weltpolitischen Atmosphäre zu umgeben, die Würde der Zionistenkongresse nachzuahmen' mm "Scheitern ve'rurletlt?fe£' Diö" Vertretung" der akkreditierten MRchte durch Funktionäre dritten Grades, das Ig-norieren der Tagung seitens der großen Presse zeigte deutlich, welche politische Bedeutung man der Aguda beimißt. Bin weiteres Symptom für das Unorganische der Agttda-Politiik bot die Entgleisung des Präsidenten Dr. Kohn (Frankfurt), dessen Dankworte an die rumänische Regierung für die Zerschlagung der jüdischen Einheitsg em eind e in Rumänien der Führer der rumänischen Agaida Rabbiner Z i r e 1 s o h n als Kämpfer für die Einheitsgemeinde später dementieren mußte. Ebenso erging es dem andern Frankfurter Jakob Rosenheim, den die gesamte Aguda-Versammlung bezüglich, seiner Enunziationen in der „Neuen Freien Presse" desavouieren mußte. Rosemheim hatte sich nämlich die Erklärung angemaßt, daß Juden und Araber in Palästina bereits selbstregierungsfähig seien und keines Mandats mehr bedürfen. Nichtsdestoweniger quittierte der Rabbinische Rat diese Leistung-mit den) Beschluß, Herrn Rösenweim "dien ra/bbinischen Eihrentitel eines Morenu Haraw zu verleihen. Die Tagung befaßte sich mit der Konstituierung des Rabbi n i sehen Rates, der eine Art diktatorischer Vollmachten besitzt und alle strittigen Fragen definitiv zu erledigen hat, mit Fragen der Festlegung der religiösen Erziehung und des Studiums, mit wir.tschaftlichen Fragen in den Ländern der Massensied- 1-ung und . Palästinas, mit Fragen der, 0 rg a n is a 11 o n, die in den Kommissionen heftige Kämpfe auslösten. Der Kampf um die Frage des Eintritts in die J ewish Agency drohte die Aguda in zwei Lager zu trennen. Es zeigte sich, daß die Mehrheit der Delegierten im Nichteintritt ein völliges Verlieren ihres Einflusses sah. Wie sehr aber die westliche Gruppe noch immer die Oberhand besitzt, erhellt aus ,dem angenommenen „VermittlurigsvorscMag", demzufolge „die Teilnahme an der Agency In ihrer gegenwärtigen, zu Gewissensfragen führenden Verfassung verboten wird, eine solche Teilnahme aber für den Fall einer Beschränkung der Agency- Kompetenz auf wi rtschaf tliche u nd politische Aufgaben in Aussicht, gestellt wird." Nahezu kläglich nahmen sich die Beschlüsse in bezug auf die Palästina -Arbeit aus. Die Aguda, die bei . jeder Gelegenheit sich vor dem .Völkerbund, zu beschweren weiß, und sich vor der jüdischen Welt erdreistet, die Führung im Palästina-Aufbau zu beanspruchen, mußte 3olus=5e|tnio(f)cn! «WI M. «njUm*« »I» 1«. OMrtw IM*. öfüatcrics %tmmmx 9Sm 23. &t»imbtv 6te 28, ggptetttpcr 1929 t l 0fnnö« &*f>nMtt am Äo»ffa«U*bttdel Ät«ffiiM»aff«r — für 3 SUÖOIlilOrf (65 Sencflolncset) ticöen 3frfus 3enttol Sftüitttttf, grauen traft atnder ttt ityren h«taatftd)cn eilt«« «ttft «t*t finita — )ft« S $*ftt««8«d)ff«*«% gern 30 gtpfgmbtr 6tg 8. 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Oftobcr im $olu§*3etttraI»$rämicn&urcau, XVII., ßttaittogetftrafe« 24, in allen VfUialen be3 <StnunpftoamibaufeS SBernbarb ©djön, Sfrutg & ©djormamt, IL, §cineftra|e. 5, @iutoerfftü&e 85, .etruwjjffdifciemjne, ill., grb&ergftra&e 85, Äauf^aug 5öobic!a, XXI., Stm @pi^. Solu?»löu^fto»«n fmb in icber SDofc 2)oIu§=.@cbuljcreme, 2)oIn§»pu6bobenpafta am JBobcn ber SDofc unb febet 5ßatfunfl .; iKctn^cifcn^iifücr eingelegt. 2)ic SohtS^cfthJo^cn ficllcn bic größte 33ratnien*.Hftibn Hat, h)eld)e bie S5oIu8^Sd)uBcteme^aBrif i^ren ßunben BiS^eic gc<* Wim hat. Stitd) neuen 2(mic5mcrn'lottb (SJelegettBcit gegeben, [idi bon bet etftllafftgen Qualität bet ®oIu8»ftaBritate jtt' üBerseugcn. 5iBcr; c t'SolH^öu#öBeu famnteU, ber roitb ftd; auf ©runb be§ Ußerteä obiger «Prämien leidjt ettedjnett tonnen, baft ti)n bic 35oIit5»©t8eitgrtiffe nut bic J&älftc foftc«.; ©reintat fc&neaer sur Prämie, ioenn ©ie 2)oIu§*@cfiuBcteitie; ©oKus^tt^bobenbafta, unb Wa^dfe^ttltKt'..'.itt--;iB^em'5 $djtt#4. Oarte oetlocnben) oa in[febet 2>ofe iwb in jeher «ßarfung, ein 2)oI««.»tttt)fiaBe-;• :etnoiiIegt ^■. \'A;\ v «uSf^neibctt «nb anheben!; w , < - «««Wneibit ttn^ aitfft^tnt sich zu einem kraft-- und irichtungJosen GeMammel bequemen. Ihre diesbezüglichen Resolutionen münden in die Parole, „die bisherigen''. Positionenr''**u erhalten und zu {e;stigen, in Polen' eiinfen" •iGeti^lflSfet&*6-tar',,-föi''" alle Anige^- legenheiten Palästinas., wlrtschaf^j^ie^»,, wie ut erziehlicher Art anzustellen, eine ,große Prop£fc£nda ,für , den Keren Hajischuw in Szene;zu< setzen." Piesos Programm ist gewiß nicht sehr impouierend. Bezüglich-.der Galuth- ■ Arbeit wurde die .Schaffung eines nach kaufmännischen Grundsätzen zu fuhrenden Bankinstituts beschlossen, der Sabbatschutz .proklamiert,- die,Gründung von Handwerks¬ und Gewerbeschulen angeregt und .der.,.Ausbau; der. ag'üdjf.; stischen - Arbeiterorganisation P o a l.e. A g u,d a s I s.r o e l zu einer Weltorganisation statuiert,]: Bezüglich S.o w j e tr.u ß 1 a n d hat die Tagung „die .Bildung einer .ständigen Kommission beschlossen, die die•„ religiösen Notwendig-, keiten der tboratreuen .Kreise in Sowjetrußland studieren urtd im Rahmen der Möglichkeit der Sowletgesetzgebung betreuen soll?4 ' Oharakteristisoh ist dae Tatsache, daß seitens der Tagung eine agudistische Landespolitik nicht festgelegt wurde. Diese Ziellosigkeit wird sich, wie bisher hauptsächlich in Prien auswirken,, wo die.,Aguda jeweils nach Maßstabe d«r Regierungspolitik!ihre pottHscbJen Schaohzüge zum Nachteil der jüdischen Massen^ weiterführen kann.',.: ' .. ,r;'• ■;• y/.;",■.,;.j k ■?( Die zweite Kenessiö Gedaulb1 .hat'^«be'nsiD^ii%?'''^e die erste die Möglichkeit erkennen lassen, im jüdischen Leben' eine positiver politische Macht darzustellen. Au;ch: die zweite. Tagung hat kein Verständnis .für, die Reichen' der Zeit gezeigt. Darum;Äst^' es- -"'iilö"--''-«;auoif-: hersagt: blieben, an die Wurzeln des jüdischen Problems zu * rüh-' ren, das sich im nationalem Kampf in der Galuth u-nd im Aufbau Erez Israels manife'stiert. 1 '<: ' C - ". . T M- LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch Robert Stricker über die poM^ Sitzung des zionistischen Aktionskomitees in London. — Wie die Palästinaregfierung arbeitig — Bankrott der bisherigen politischen Führung. — Die Opposition wollte mitarbeiten. ||j Der Jischuw: 19t stark. Am 14. d. M. veranstaltete der Verb and demokratischer Zionisten in Wien eine große Versammlung, in welcher der Obmann' Robert S t r i c k e r, welcher an der Aktionskomiteesitzung in London teilgenommen hatte, den Bericht: über' diese Sitzung 'und die politische Lage erstattete. Der große' Saal' des Hotel' Post war überfüllt. Der Versammlungsleiter Obmannstellvertreter Dr. Leopold P1 a s c h k e s eröffnete die Versammlung mit einer würdigen Gedenkrede auf den verstorbenen jüdisch-amerikanischen Führer und Präsidenten des Councils der Jewish Agendsy Louis M a r s h a 1, welche von der Versammlung stehend angehört wurde. Dahn erstattete Robert Stricker ein fast zweistündiges Referat, welchem wir folgendes entnehmen: Nichts ist geschehen, was den Zionismus tief erschüttert. Es gab keinen vernichtenden Ueberfall in Erez Israel, es gab K ä m p f e. Und die Eindrücke aus den Berichten, die uns zugekommen sind, ergeben den zwingenden Schluß: Es mußte nicht sein! Was uns jetzt nottut, ist die absolute Wahrheit, mag sie auch für den Augenblick Feinde des Zionismus ermutigen. Wir weisen die lächerliche Ansicht zurück, daß es notwendigerweise zu Auseinandersetzungen mit den Arabern kommen .mußte. Ebenso absurd ist die Be» hauptung, daß die arabische, die mohammedanische Welt nichts anderes zu tun hat, als sich auf Palästina zu stürzen. Es handelte sich nur um die Attacken palästinensischer, durch Agitatoren aufgehetzter Araber, während von einer Invasion durch fremde Stämme nicht die Rede sein kann. Der Jischuw hat sich als gesund erwiesen. Von den Hilferufen, die wir während der A. C.-Sitzun« in London erhielten, lautete keiner: Helft uns, wir sind verloren! Sie lauteten: Schützt uns, aber nicht vor ,. ■ ' '' ' den Arabern, sondern vor> den palästinensischen Be« 1 , amten, die ~ über uns und die Araber zu Gericht.; sitzen werden, heute schon Juden verurteilen und <: Araber freilassen, heute schon IVfaterial sammeln, um uns schuldig werden zu lassen. Charakteristisch für die Einstellung, der palästinensischen Beamtenschaft ist die Tatsache, daß Hausdurchsuchungen nach Waffen' bei den Juden, nicht bei den Arabern veranstaltet werden. Man statuiert zwar Exempel an einzelnen plündernden Arabern, indem man sie verhaftet (!), sperrt aber Juden, in deren Besitz Waffen gefunden werden, ein, nur um dann gegen sie in den Zeitungen Stimmung zu machen. Mit .der Durchsuchung ist die arabische Polizei, betraut, die natürlich alle schuldigen Exzedenten entlastet. Ueber den angerichteten Schaden haben wir zurzeit noch keine Uebersicht. Jedenfalls kann, mit' den Summen, die aufgebracht wurden, (bisher ungefähr 300.000 Pfund) die augenblickliche Not gelindert werden. Dem realen Schaden aber steht der Schaden an Kredit gegenüber, der nicht so leicht gutzumachen' ist. Der Referent beschäftigte sich in der A. G.-Sitzung mit dieser Frage und stellte, bei der mit der Hilfsaktion betrauten Kommission den Antrag, aus den über den aktuellen Bedarf hinausgehenden Sammelbeträgen einen Kreditfonds für die Gewerbetreibenden und Kaufleute zu schaffen, Die Vertuschungsmethode der palästinensischen Beamtenschaft zeigte sich auch darin, daß sie die gefallenen Juden ohne Protokollaufnahme begraben und die Leichen erst nach heftigen Protesten ausgraben ließ, worauf von einer Kommission (drei jüdische, drei arabische, drei englische Aerzte) Protokolle, die vorläufig nicht veröffentlicht wurden, für die Untersuchuags-