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Die neue Welt · 1929-09-13 · Heft 104 (13.9.1929) · page 11

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 104 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 104 DIE NEUE WELT Seite 11 IMac CIa cti#liAft ««OÖiMERgstaHBHaaBaHl^ MMsornnMiiuM WaS *IV SUinvn ■mm m m*m m m I T^kAfadtin, Bitten*, HtrNn*u. Kinder wasche, Pyjamas, Lelnenwarea, Bullulflffl ULtllUlfl Hill« IIhiIaii CIa p%aI iiiiilPHli^ 191«*-«««^« ^■"^■^»■.^■■■■••■■m» I Inden #16 0«l Um * inlotsttkleIntrRtflienfpoHbilligl I, Rabensteig 3 (EtkiSiltmtittwie) Verbunden. Es ist schwer eine Familie zu finden, die dort! nicht Verwandte oder Freunde hätte. Und jetzt hat man - diese dort eingeschlossen und schlägt sie und schlachtet : sie und zündet ihre Häuser an. In dieser Minute viel* ' leicht. .. eine grausame Sache Ist das Leben und ein grausames Tier der Mensch. Man liest Zeitungen — englische» französische — und man sieht klar, daß sogar jetzt; nicht , alle mitfühlen. Es gibt Zuschauer von der Ferne, die sich ob unseres Unglücks freuen, und es gibt auch einfach gleichgültige Räsoneure. Man liest und erlebt wieder das Elend, von welchem im erwähnten Telegramm von Jerusalem nach Kairo die Rede: „Wir sind von der ganzen Welt abgeschnitten". Einer der jungen Poeten Erez Israels hat ein Lied geschrieben. Das singen oder — richtiger gesagt■—haben gesungen» als man noch sang, die Arbeiter im ganzen Lande: „Wir gehen in Lumpen, .wir sind hungrig. Am Feiertag flicken wir die Flecken und essen ein Stück vertrockneten Brotes. Und unser Merz geht auch in Lumpen und das Herz zerrt auch vor Hunger — und das Herz singt mit Jubel: Haleluja, Haleluja, Halelujat — aus der Tiefe der Leiden heraus!" Dort ist keine Phrase. Selbst in den besten Tagen ist es keine Phrase. Wer weiß*, viel* leicht singen sie dieses Lied irgendwo im Emek auch ' heute Abend. Bei ihnen muß man. lernen, bei dieser Jugend; bei dieser ganzen „Jugend" des jüdischen Volkes, clie Jischuw heißt, mit seinen Greisen und Kindern und Lehrern. Haleluja — aus der letzten Tiefe der Leiden., Wir'glauben. Sie werden durchhalten.' Es ist nicht wahr, daß wir elend sind. Leere Leute schreiben leere. Worte, in den Zeitungen. Aber das 'menschliche Gewissen ist auf unserer Seite. Alles wird hoch anders werden. Was. man uns heute verbrennt, werden wir morgen aufbauen, zehnfach aufbauen. Das jüdische Volk ist kein Waisenknabe und keine Mißgeburt'. Das jüdische Volk ist eine große Kraft und das Gewissen der zivilisierten Welt ist eine große Kraft und dieses ist für uns. Es werden auch . diese Opfer nicht umsonst sein. Wehn der blutige Rauch sich verziehen wird, so werden Wir für den Zionismus neue breite Wege geöffnet sehen. Wir beugen Uns tief vor unseren Pionieren, die heute unter Feuer stehen. Jeder Äugenblick ihres Leidens ist' eiü Schritt Vorwärts und ein Gruß jenem Traum, cW sich jetzt aus dem bluti* >t gen Rauch immer wirklicher herausschält Es 1Ät kein 'Traum mehr, sondern die Wirklichkeit des morgigen, Tags: ein Gruß der künftigen Erde Israels^der „jüdischen,: wie! England englisch ist" jggi beeiden Seiten De* Bolschewismus an der Arbeit;; Synagogen als Klubs.. Aus Moskau, 6. <U meldet die J. T. A.: Das Zert» tralexekutivkomitee der ukrainischen Sowjetregierung hat beschlossen, das große Berti Midrasch in Poltawa; dte Stadtsynagosre in Rökitno, die alte Synagoge in Korstth, die alte Synagoge in Konopot und die Stadteynagogen in Llsbar, Jamisohpoi, Siwkow und Uzschursk In Arbeiter-, khbs umzuwandeln. In Charkow zögen 3000 Jüdische Arbeiter mit Musik und roten Fahnen in die söge-' nannte „Podoriscbe Synagoge" ein, die in einen Ktüb umgewandelt wurde. Streik gegen Schachtverbot Sämtliche jüdische . Einwohner , des Städtchens Nossowitscfci, Kreis Hornel, traten In den Streik, weil der Stadtsowjet das Schächten von Vieh und den Verkauf von Koscherfleisoh verboten hat. Die Judenschaft der Stadt tat ein Gelöbnis, so lange, als das Schächtverbot besteht, sich des Fleischgenusses *u enthalten. ' ■ . Die jüdische Einwohnerschaft des Stadtchens T o 1 o t s c h 1 n, Kreis Minsk, verharrte einen Monat lang im Verbrauchexstreik; sie enthielt sich vollkommen des Genusses von Fleisch, bis die" Stfwfotreglening in Mlm>k eingriff und das Schächten wieder erlaubte. Die. verkrachte Kolonisation. Aus Moskau, 6. September, meldet die J. T. A.: Die Tatsache, daß die Jödlschen Kolonien Inder Krim und d e r U k r a i n e in Ge^ijden ( liegen, die Är. Tr o cke nheit und Miß Wae h s ausgesetzt sfod, veranlagte die Regierun«skomrnJs$lon Koimet, die Frage einer Aenderung des Systems der Jüdische» JColonjaa11 oa w-erwägen.,Die^e Fraqe siand in «iiter von Komzet einberufenen gemeinsamen Beratung der Vertreter von Agrojoint, Ica, Ort, Ojtöl uhd Ktfniet.awr £e* ratung. Der Vizepräsident von Kcuraet Mereschih unterbreitete einen Plan der Entwicklung von Industrien im Jüdischen porto; BW Antrag auf; Kofi «kT tlvlsl'erung der Jüdischen Kolonien fättd bei d*n Vertretern von Agroloint und anderer »Midlicher 'OtpM», sRtionen wwte Anklang. Die Beratw«; -l^ia^ife^e.v das Sekretariat von Kotnzet,. eii\en konkreten Plan /der' Umstell««« der jüdischen Kolonisation auf neuen; gefestlg* teren Grundlagen auszuarbeiten. <; \i\>. „ ,! * Der Pogrom In der Jüdischen Kolonie In Penvomofek., Das Kreisgericbt in Mariupol hat die beiden Bauern* Jefim Dergal und Iwan fec.Mr.ban, die,den po^rdni .gegen die J ü dl sc he h Kol ö n I e n Hummer Drei im Rayon Perwomelsk organisiert haben, «um Tods verurteilt. Iwan Dergal und JewseJ Dergal wurden .wegen Mitschuld zu acht, beW. fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der. Chef der Kfeispolizei Tsch ft p 11 n i n und •sein Gehüte ßrltschkln wurden wegen Vorschublelstung '■M je eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt; Der Zugtand Louis Marshalls ernst. Ih dem Befinden Louis Marshalls, des Präsidenten dMAmörfcatt Jewish Comrnittee und des Council derjeiwish Agehöy, der unmittelbar nach der Tagung des Council in Zürich erkrankte und sich einer schweren Operation untergehen mußte, Ist in den letzten Tagen elfte Verschlimmerung eingetreten. Die Professoren Clalrmont, Libman«, und Löfficr, die Marshail operierten und auch die Nachbehandlung in die Hand nahmen, haben am 5. d. ein Bulletin herausgegeben, In welchem es heißt: Die Lungentätigkeit des Patienten hat sich weiterhin gebessert, dagegen ist eine fortschreitende Pancreasnekfose eingetreten, die eine Schwäche des gesamten Organismus zur Folge^ hat. Der Zustand des Patienten muß als ernst betrachtet werden* Die; Frau und die Kinder Louis Marshalls Weilen am Krankenlager. Mendelssohn-Feiern. . Die Mendelssohn-Feiern in Dessau begannen am 6. September, der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns, mit einer Festvorstellung des „Nathan der Weise"" von Gotthold Ephraim Lesslng, dem Mendelssohn als Vorbild jür seine Nathan-Gestalt diente. Die Vorstellung, die'die Stadt Dessau zum Andenken an Ihren großen Sohn gegeben hatte, Wurde mit einem Prolog von Arnold Zweig eingeleitet und. hatte große Form. Der Schauspieler August Eichhorn gab die Rolle des Nathan in der Maske Mendelssohns.- Im Berliner Leasing-Museum, das Im Nicolai-Hause, dem Hause des, Freundes Mendelssohns, untergehr acht ist, 'wurde am 6. .September,^ abends eine Mendelssohn-Feier 'aibgehä'lten, die sehr wendig verlief* Paul Alfred Melbach «eichnete das. WesensblW des Mensdrheltserzjeb.ers und *Relfeion«philos6phen nach, In-dem Lessing .„das Urbild des .Weisen. Nä•tftan,^^•*©hlhd•e,nr!•.hÄ^le. Merbach schilderte das Leben Mendelssohns, der,' die, deutschen Juden aus geistiger Bedrückung .und.,sozialer.Gebundenheit , in dte,Freiheit ■führte. Der Refdner;er.ö(t?teEte die Beziehungen,1 :MendeJs-;sohns zu xJem -BiichhäTidle'r Nicolai, Lavaters Bekehrungsvdirsuch, ttnd''formui^rte :s«n>.Ürteil-vöber den Philosophen: fiEr bildete kein neues System; er suchte das Ideal menschlioher Glüdkseihikeitu.- : ' Man hörte noch das letzte Kapitel aus Meüdelssohns „Phaidon'V Felix; Robert Mendelssohn spielte, mit seinem Trio Kompositionen Felix; Mendelssohn-Barthoklys. Mendelssohns Lieder sang die Sopranistin Susanne HoHaehder. feiiie Mendeissohn-Schrllt der „Encyclopaedla . judälca*'. ÄniäOUCh der 20M^rigen Wiederkehr des Geburtstages von Moses, Mendel^sohh hat die „Encyclopäedia Juda4cä" im Vorlag Unib^rt Schneider, Befiin, eine Schrift ,über MosöS; Mendelssohn ^eröffentiieht. Die SchrWt enthalt Aijfsäteö von Professor Ernst Cässirer, Dr. Bruno Strauß und Dr. Simon Bernfeld Sowie eine ausführliche brbHographische Uebersicht der Möses Mehdetssolin-Uteratur"(vön Hermann Meyer). Sie ist auch mit einer Reihe unverMte'htllc.hter Bildnisse^ sowie' einem ünveröffenHtöhten Brief Von Moses Mendelssohn an Herder ausgestattet. 'i r . '. ,ff' -■' ' Theater und Kunst* Ein modernes Judenstück. *Defr Kaafmann von Berlin" bei Piscätor. Der bekannte . Berliner Schriftsteller Wftltet Mehri n g hat für Erwin Piscators Experimentierbuhne ein. zeitgefnSß gedachtes, aber unzeitgemäßes Stück ge< sehrieben, den „Kaufm*nn von Berlin", das er ein histori« sehe« Schauspiel aus der Inflationszeit nennt. Im Mittel* jjtihkt der lose .aiieinandergsreihten Szenen steht der aus dem tO«ton nach Berlin gekonimehe Jude Kaftan, der abhiebt und geschoben wird. Kaftan assimiliert sich sehr rasch, wird reich, sbeltuliert, macht alle Erscheinungen 'Jer, gr^(i£i||^iäeh&n ,^^«^8*611 mit, um Wieder Im i Dunkel d& yen«)iw)^<ih. Neben ihni. ateJit §ei^ Tdehter kessle, an der sich sein Vaterherf etitztthdet. Beir Sumpf Berlin zeigt alle Schreclien und politischen Kämpfe der Inflationa^it. ^ird spekMUerts jUrt d*h Haß gegen die Sehieberbourgeolaie; auf das Jüdische Her«; a«f den von der Jiddischen Bühne geholten Paul Bbabrbäbtbobw (Ben Zwl), der die Titelrolle spielt. 'j;* itöok :*Wfr •telit* d»tn großen Sehau^pieler keihe große, d. h, denkbare Aufgabe, Neben leerlaufenden Saenen'gab es allerdings auch packende Momente, be# sonders In den Monologen. Das Publikum kannte sich in der tenäen« des StUekes nicht recht «uti so daß zum S(ehruß ^olitisth, und künstlerjseh streitende Parteien ent» itändAri, deren Toben die - Premiere «i einer Sensation .toaejiti, \ :>A ' . : •'. Die Jüdischen Künsderspiclc für Palästina. Samstag, den?. und Sonntag, den 8. d. fanden in den „Jüdischen Künstlerspielen" (Theater Reklame) Sonder* Vorstellungen statt, die im Hinblick auf den Zweck (Rasche Hille für Palästina) ausgezeichnet besucht waren. Die beiden Abende wurden durch Ansprachen des Dok* tor Oskar Rosenfeld eingeleitet, welcher auf die Proteste und Kundgebungen der ganzen zivilisierten Welt gegen den planmäßigen Versuch, das jüdische Aufbauwerk zu zerstören, hinwies und an das Publikum appellierte, sich der Hilfsaktion anzuschließen. Eine besondere Attrak* tion war Frau Vera K a n j e w s k a, die in einer Reihe von Liedern und Soloszenen das Publikum hinzureißen ver« stand. Verdienstlich wirkten auch die Damen L. Wein» traub*Graf und B. Liebgold, und die Herren Nathan Breitmann und A. Grimminger mit. Außerdem gab es biblische Tänze von Gertrud Kraus. Neuos Jüdisches Thaater. PfotcrstrnQe 60. Gastspiel des berühmten amerikanischen Charakterkomikers Alb Kar» und der berühmten russlsch-Jüdischcn Soubrette Dlna Podlnbna. Ab Freitag, den 13., bis Sonntag, den 15, Seotmber wird zam ersten Male In Wien Z. Llbins drelaktlKcs Lebensbild. Musik Von A. Körp. „Der maseldllter Bucher", aufnefUhrt. Beginn »ii9 Uhr.__ Jtisendvereln „Er«« Israel". Am 5. September wurde das neue Semester eröffnet. Am 1. Oktober beginnen zwei hehrälsche Kurse (Anfänger und Fortgeschrittene), Anmeldungen werden letzt Im Verelnslokale entgegengenommen.- Dl6 XIV.. ordentliche Generalversammlung findet am 28. September statt. Ort und Zeit worden In der nßclisten Nummer bekanntgegeben. _ ' Der lüdlsohe Kindergarten (Montessorl). VIII., Bennobicttz 1. wurde eröffnet. Anmeldungen Utsllc» von 9 bis 11 Uhr dortsetbst. ' Katastrophen in aller Welt! Und doch — unbeirrt und ungerührt von allem mensch* liehen Geschehen — geht die Natur ihren seit Jahrtauaen* den geregelten Weg. Auf jeden Sommer folgt, oft ünver* mittelt und ohne jeden Uebergang, der Herbst. Die Tage werden kürzer, die so gefährliche Abendkühle kommt, einige Tage früher oder später, aber sie kommt unver* meidlich. Die Natur zeigt jetzt öfter, ihre Laünenhaftig* keit, das Wetter — darum sagt man ja auch „werter* wendisch" — wendet sich jäh* in plötzlichen Uebergän* gen... Sie müssen sich daher rechtzeitig vorsehen, gnädige Frau! Das Warten hat keinen Zweck. Wenn plötzlich, über Nacht, herbstliche. Nebel und Regenschauer , kommen und das Thermometer rapid sinkt, dann, müssen Sie sich rasch entschließen,', zu rasch, um in aller Ruhe das für Ihre FJgür, Ihren Teint; Ihren Geschmack; und Ihr Toilet. tehbudget passende Kleid, den der neuesten Mode:.und den Wetterbedürfnissen entsprechenden Mantel wählen zu können. Wollen Sie einen guten Rat, der Sie nichts kostet und Ihnen doch viel Zeit, Mühe und' Geld, viel verspäte* .ten Aerget Und Verdruß erspart?, Sehen. 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