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Die neue Welt · 1929-09-13 · Heft 104 (13.9.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 104 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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( f M f TW» ■» Hf.OT DIE NEUE WELT Seite t 1 in de* Mandatsurkunde. Der britische Vertreter in der Mandatskommission glaube annehmen sm können« daß diese sich auf ihrer Novembertagung noch« mala mit der Angelegenheit befassen ]»»nn, ehe die britische Regierung zu entscheidenden Maßnahmen schreitet. Ich hoffe sehr, betonte Dr. Stresemann, zum Schluß, daß dies geschehen wird, und daß es der Zusammenarbeit zwischen der Mandatskommission und der Mandatsmacht gelingen wird, die Frage im Sinne der Völkerbundssatzung und des Mandatsgebietes endgültig zu bereinigen. Zur Tagmig der „Kenessio Gedaulo". Der Kongreß der Aguda. Im reichen Kongreßjahr 1929 fühlte sich auch die Agudas Jisroel verpflichtet, sich auf die Existenz zu besinnen und der jüdischen Welt ihre Tagung zu präsentieren. Die „Kenessio Gedaulo" tagt gegenwärtig in Wien. Es ist die zweite nach sechs Jahren, nach Ablauf eines Zeitraumes, in dem in der jüdischen Welt sich viel Umgestaltendes, Tiefgreifendes ereignet hat: in Osteuropa hat das Leben der jüdischen Massen einen wirtschaftlichen Vereledungsprozeß sondergleichen durchgemacht. Die Judenheit der westeuropäischen Länder, bis zur allgemeinen Inflation einen gesicherten wirtschaftlichen Faktor scheinbar darstellend, ist gleichfalls ins Wanken geraten, um (allerdings in geringem Umfang sichtbar) den gleichen Weg der Verarmung und Proletarisierung zu gehen. In geistiger ßezie- hung hat sich in Ost und West eine Krise geltend gemacht, die die jüdische Struktur aufzulösen drohte. In diesen sechs Jahren wurde buchstäblidi der Kampf um jede jüdisdie Seele geführt. Es gab nur eine Geisteshaltung, die die Kraft besaß, den zum Niedergang führenden Strom in das Bett positiver jüdischer Gestaltung zu lenken: der Kampf um die Rechte in der Galuth und das gigantisdie Werk in Erez Israel. Was hatte in dieser Epoche des Ringens um die Existenz jüdischer Werte in der Welt die Agudas Jisroel dem Judentum zu sagen, an ihm Bleibendes zu erfüllen? Die; Aguda in ihrer heutigen Gestalt ist das Produkt des Weltkriegs. Gab es vorher eine orthodoxe Richtung Frankfurter Observanz mit zartem politischem Einschlag, gab es vorher da und dort politische Machinationen des einen oder anderen Wunderrabbi mit der Tendenz, den oder jenen „Poritz" in den Sattel zu heben und ihn dann als Machtfaktor gegen den aufstrebenden Nationalgedanuken zu verwenden, als Handlanger der korrumpierenden politischen Assimilation, so haben sich die Bestrebungen mit der Okkupation Polens durch die Deutschen unter geschickter Frankfurtei Leitung zu so etwas wie einem organisatorischen Apparat geformt. Alles, was dunkel war im Judentum, alles was die Herrschaft über die politisch nicht erzogenen und unreifen jüdischen Massen zu verlieren fürchtete, wurde von den Herren, die in Frankfurt und Umgebung keine politische Rolle spielen konnten, mit Hilfe deutschen Geldes, zur Aguda gesammelt. Ihre Politik im Kriege war mit den anrüchigsten Mitteln geführt worden. Die Gründung von Zeitungen auf Kosten der deutschen Militärkassa, Denunziationen, Intrigen; die Packelung mit den antisemitischen polnischen Nationalisten; die Infektion des polnischen Judentums mit einer farblosen, unjüdischen orthodoxen antinationale n Konfessionsideologie — diese Methoden kennzeichnen das politische Wesen der „orthodoxen" Neugründung. Damit war für die Aguda auch der Gang der Entwicklung gegeben. Sie hat im Verlauf der Jahre alles bekämpft, was lebenskräftig im Judentum war. Sie ist dem Kampf des Judentums im Osten um die nationale Gestaltung seines Lebens einschließlich seiner ganzen traditionellen religiöcen Kultur und Uebung in den Rücken gefallen, indem sie bei Wahlen zu politischen Körperschaften und sonstigen politischen Aktionen die jüdische Einheitsfront sprengte; indem sie die Bestrebungen zur Formierung der jüdischen Gemeinden als Bollwerk für die Gesamtbedürfnisse der Judenheit (die religiösen, sozialen, nationalen) sabotierte, ja aufs heftigste bekämpfte und damit den jeweiligen Regierungen, auch den radikalantisemitischen, die Waffen zur Unterdrückung des jüdischen Seibatbewußtseins lieferte. Noch unvergessen ist ihr verbrecherisches Spiel während der letzten Sejmwahlen in Polen, wo ihre Vertreter zusamr men mit den Regierungsantisemiten gegen die jüdische Liste Sturm liefen» allerdings eine vernichtende Nieder* läge einstecken mußten. Nicht minder verderblich wirkt sich ihre Herrschaft in zahlreichen jüdischen. Gemeinden aus, in denen sie die Mehrheit haben, Sie ist gekennzeichnet durch die terroristische Handhabung der religiösen Administration, die im jüdischen Volksleben Polens noch tief eingreifend ist; sie zeigt ihr Zerrbild in den Bemühungen, das moderne jüdische Schulwesen zu vernichten und es durch einen „modernisierten" blutleeren Assimilationscheder zu ersetzen» Die Gemeinden der westlichen Länder bedroht und terrorisiert die Aguda durch das Spiel mit der Trennung, wovon wir in den Krisenjabren der .Wiener jüdischen Gemeinde ein Lied zu fing«« wissen. * Aber der große Machtkampf der Aguda geht um E r e 3 J i a r o e 1. Ist ihre Zersetzungsarbeit in der Galuth von verderblicher Wirkung, so stellt ihr Verhalten zum Palästina-Zionismus ein Verbrechen an Land und Volk dar. Ihre Petitionen an den Völkerbund, ihr Sabotieren der Einheitsfront des jüdischen Palästina, symbolisiert durch den Waad Leumi, ihre Ak* tionen zum palästinensischen Gemeinde» gesetz, ihr Verhalten in der Frage der Jewish Agency, ihre frivolen „arabischen" Machinationen durch ihren ermordeten FUhrer, de Haan, werden als die schwärzesten Taten der neuen jüdischen Palästinageschichte verzeichnet werden. Das ist das historisch beglaubigte Wesen und Wirken der Agudas Jisroel, die in diesen Tagen vom Wiener Sofiensaal aus sich der Welt als Vertreterin der jüdischen Religiosität präsentieren möchte. 600 sich selbst ernennende „Delegierte" wollen den Schein einer organisierten orthodoxen Judenheit erwecken und uninformierten Kreisen den Schwindel vormachen, als wären sie die. verantwortlidien, auserwählten Sachwalter des religiösen Judentums. Die jüdisdie Welt aber weiß, wo das echte religiöse Judentum mit Willen und Herz für sein religiöses und nationales Leben zu finden ist: beim religiösnationalen Misrachi. * Dienstag, den 10. September, 5 Uhr nachmittags, wurde die Tagung der II. Kenessio Gedaulo im Sofiensaal eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt der Frankfurter Dr. Pindias Kohn. öberkantor Braun s&ng das „El mole räch mim" für die in Palästina Gefallenen. Es folgten Begrüßungsansprachen des Oberrabb. Aaron Lewin (Rzeszow), des Großrabb. Friedmann (Gzortkow) und des Gerer Rebben Alter. Referate hielten Dr. Nathan Birnbaum („Israel und die religiöse Krise der heutigen Menschheit") und Jakob Rosenheim aus Frankfurt (»Der agudistische Einheitsgedanke"). Ufa-Ton-Kino Bttiflt Wien II, Taborstnße 8 — Telephon R-42-3-41 Das Filmtheater der fluten Gesellschaft Brigitte Helm Frans Lederer / Warwick Ward In Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna Ein Großfilm d. Erich Pommer-Produktion der Ufa Regle: Manns Schwan Vorstellungen: Wochentags 7*6,7,8,9Uhr \: Sontj-Ü.Feiertags:4, l/A \f,8,GÜhr «•■■■■•■•»••»•»»•■•■»■■ssesssafasawwsssesessss'st^eeesi Londoner Polizei nach Jerusalem Besserung der tage in Palästina, London, ll. Septe-rrfber. (Privat;) In de-rn gestern veröff entweihten offiziellen Bericht des K o l o n ti a 4» aint es wdrd eine aJfeemetoe Besserung der Lage in Palästina als unwrikenntrar ' bezetölmvet. Die Angriffe auf Isoliert gelegene Jüdische Siedlungen haben aufgehört. Die gegenwärtige Tni'pipeniiahil in. Palästina wird als durchaus ausreichend, betrachtet, tum Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. ' W4e weiter beikanintgegeben wird, soll die englische Polizei In Palästina verstärkt werden. 100 Polizisten we r d en :lb e r e i ts (heute vom London nach Palästina abreisen. Die Untersuchung über die Zusammenstöße zwischen Juden und Arabern wird >mtit aller Energie von den englischen Behörden betrieben, Gebietedie sieb als besonders führend toi den Känupifein erwiesen haben, Werden mit Geldstrafen, belegt*, Nervosität In London. London, 11. September. (Privat) In den Kolonialkreisen herrscht «roße Nervosität wegen der über die politischen Verlhältnisse in Palästina eLntrctffenden' Nachrichten. Es sind. Kuriere des Groß-MiUti mit Briefen abgefangen wovcbiv in den>en aus Kairo und Bagdad -Waffen bestellt werden. Die Regierung bat beschlossen, die Kriegssch'ilfife, die vor Haifa und Jatöa liegen, welter dort %u belassen, bis1 auf 'das Flugaeuigmaitterschitf ^Goura«eous"y das nach Malta aurücikibeord»ert wurdeu Erklärung des britischen Kolonialamtes. „Die weiteren Richtlinien.*4 Am 4. September hat das britische KolonUlamt eine ausführliche Erklärung hinsichtlich der britischen Politik in Palästina im Zusammenhang mit den let2terj Ereignissen herausgegeben. Es heißt darin; Die Regierung Palästinas hat vor ehugen Tagen Instruktionen gegeben, daß sofort das Beweismate» rUl üher Ursprung und Verlauf der letzten Unruhen ge# sammelt werde, bevor noch dieses Material verschwindet. Die Untersuchung soll * sich darauf erstrecken, ob die Unruhen, die am 23. August begonnen haben, spontan ausgebrochen oder vorher verabredet waren. Während die Streitkräfte seiner Majestät Hand in Hand mit der Palästina>Regierung aktiven der Wieder» berstellung der Ordnung arbeiten, werden .seitens def zivilen Behörden energische Schritte unternommen, um die schuldigen Personen den Gerichten «u übergeben. Zahlreiche Verhaftungen wurden bereits vor« genommen, ein beträchtlicher Fortschritt würde auch bei der Behandlung summarischer Fälle erzielt. Besondere Maßnahmen wurden ergriffen, um die Einsetsuhg un< parteiischer Gerichte sieherjtuätfellcn und um eine wahr» scheinlich sehr große Zahl von Straffällen bewältigen tu können. Auf ErsueheTi des OberkommlMärs von Palftettaft —■ heißt es weiter irt dem Statement des- Kolonlalamte» —• hat der Staatssekretär für die Kolonien eine Unter* suchungskommisslon ernannt, die sich noch im Vertauf des Monats September von London nach Palästina begibt. Aufgabe dieser Kommission wird es sein, die unmittelbaren Ursachen, die zu dem jüngsten Ausbruch der Unruhen geführt haben, die: Ausdehnung der Unruhen und die Frage, bis stu welchem Grade sie als vorher verabredet zu gelten haben und wieweit sie auf eine organisierte Aktion üuKIeinführen sind, gründlich zu untersuchen. Im Hinblick auf Andeutungen, die in gewissen Kreisen hinsichtlich der .britischen Politik in Palästina gemacht werden, legt der Staatssekretär für die Kolonien Gewicht darauf, klar tu sagen, daß die britische Regierung nicht die Absteht hat, die Frage der Verwaltung des Mandates für Palästina durch Großbritannien einer erneuten Erwägung snt Unteraichen, und daß eine neuerliehe Prüfung, die die Position des Landes in betrag auf das Mandat oder die in der Balföur»Deklarätion vom Jahre 1917 fest« gelegte und in dem Mandat aum Ausdruck gebrachte Politik der Errichtung eines Nationalheims für die Juden In Palästina ändern könnte, in keiner Weise in Betracht gezogen wird. Die jetzt eingeleitete Untersuchung ist deshalb auf die unmittelbare kritische Lage beschränkt und wird sieb nicht auf Erwägungen höherer Politik er» strecken» Der Bericht der UnterBUchungskommission wird — sobald er vorliegt Angelegenheit der ernstesten Er« wägung seitens der Regierung Seiner Majestät seih und wird als. Grundlage dienen für die Richtlinien, nach denen innerhalb der Bestimmungen des Mandates die zukünftige Politik in Palästina geleitet werden soll. Viscount Chehvood übet die britische Politik. In Beantwortung einer Anfrage der Jüdischen Tele» graphen*Agentur telegraphierte Viscount GhelWood (Lord Cecil) aus Genf, wo er als Mitglied der britU sehen Delegation an der Völkerbundversammlung teil» nimmt, die Morde und Verbrechen in Palästina haben sein tiefstes Entsetzen hervorgerufen; niemals a b 6 i w e r« d e n s o 1 c h e T a t e n d i e P o 1 i t i k d e r b r i t i S c h e n Regierung beeinflussen können. Die «ttktinftige Politik in Palästina. New-York, 8. September. „United Preß* v.eröffenfr licht ein Interview ihres Vertreters mit dein englischen Staatesekretär für Kolonien, Lord PäSsf.le'ld, Übet die letzten Geschehnisse in Pälitstlna. Lord Pässtield erklärt« i Das Regieren. Palästinas Ist eine selhf Undankbare Sache.., Trotzdem wird Großbritannien die Erfüllung; seiftet schweren Aufgabe in diesem' Lande fortsetzen mit/dein Zwecke der Schaffung der jüdischen Hfedihs t M t e. Lord Passfield hofft, daß nach WiederhCiÄUftg der Ruhe in Palästina, die gegenseitigen jüdisch-afäblsöhen. Wünsche ihre zufrdedWteliende. Lösung: finden Wörden. Lord Passfield meint, daß in Zukunft sich die jptltsöh-- arabischen Beziehungen freundschaftlicH gestalten werden und daß Jede der Parteien das Ihre mt Bntwk$\uü& tite Landes beitragen W-irid. ,; ' ]: ■ ito'Mmir. Der Status quo für d Ein neuer Bau an der Klagemauer. Jerusalem, 6. SeptewibW. (J, T. A.) Die vom Groß- M u f 11 vor eHinigesn tagen anbefohlenen Bauarbeiten an der Ktagemauer werden trotz de* Protestes, den die Judem bei der Palästinaregieruflg eingelegt .haben, 4M* gehindert weft-ergeftihrt Wie friHher5;% der linken, werden min an <ter reohtien Seite der Maubr seclhs Schichten Steine gele*t. Die neuen Bauautilrfttotor#eÄ er*. m Wochen-Kalender September 1929. Elul 8689,;. , 63*610 . ... . 13 Freitag 8-n Sabbatelnöang *-45 14 Samstag 9-'ö Sabbattuiganc MI mjw wrrteöm mjkv» 15 Sonntag l(M ' .',m*j'^ 16 Montag U~M> 17 Dienstag 12-3» 18 Mittwoch "13—3» - ■ ■ .• / . ,s .-■ ■ ■ ■ 10 Donnerstag 14-T ■ ■ k-<.-,uW.t»*-

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