Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 104 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711720--1370-2714582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
Nf. IN Dlfi NEUE WELT Seffo I 1 Schweden-Kino startete II, Tabofstraße 7 '£ Metro-Goldwyn-Mayer- WEISSE SCHATTEN Vorstellungen an Wochentagen 5, 7 und 9 Uhr, an Sonntagen 3, 5, 7 und 9 Uhr Telephon R-49-040 Berührung gebracht worden und die Anpassung in den gegenseitigen Beziehungen stellt ein sehr ernstes und delikates Problem dar. Man kann sich leicht vorstellen, daß der zivilisierte Jude mit Verachtung auf diese unwissenden Bauern und Nomaden herunterblickt, während sie ihrerseits wieder ihn mit Neid, und Furcht betrachten." . . Man wird sagen, daß auch das noch eine ziemlich neutrale Haltung ist. Und diese, sozusagen objektive, neutrale Haltung unserer Arbeit gegenüber geht sogar so weit, daß, während die Zeitungen die Heldentaten der wenigen Engländer im Veriaiirf der jetzigen Unruhen, wie die des gefallenen Beamten Best oder die des Polizei Offiziers CaHaretta in Hebron, in allen Einzelheiten beschreiben, ia sogar zuwdlen den Wagemut und die Tapferkeit der Araber ibe.ton<e« — „sie kämpfen wie die TeufeT —, sie niemals auch nur ein Wort der Anerkennung für die Leistungen Jüdischer Organisation oder jüdischen Selbstschutzes in der Verteidigung, sagen wir z. B. von Tel-Awiw, Atareth oder Gedear, übrig haben. Der einzige, versteckte Hinweis, der uns zu Augen gekommen ist, war gerade in einem Bericht des „Daily Madr-Spezialikorrespondenten vom 2. September enthalten, der auf die Leistung des Selbstschutzes von Tel-Awdw hinwies und nefbenibei bemerkte, daß dort den jüdischen Verlusten von sechs Toten ein arabischer Verlust von 41 Toten gegenüberstände.. Das zweite Moment, das in den Argumenten der englischen Presse zum Palästina-Problem durch Abwesenheit hervorstacht, ist das politische Interesse des britischen Imperiums an \ seiner Position in Palästina. Es ist leicht" verständlich, daß, da Palästina ja offiziell nicht englische Krorukolonie, sondern 'Mandatsland'ist, es nicht ganz edrifach für die Presse ist, ' an dieses delikate Problem zu rühren. Aber gerade deshalb 'ist -ja von unserem Standpunkt aus dieses Stillschweigen so überaus bedenklich. Aus den verschiedensten Gründen geschieht durch die englische' Presse eben nichts, uim die öffentliche Meinung über den wahren Sachverhalt britischer Imperiallinteressen in Palästina aufzuklären. Die Stimmung, die so gerschaffen wird, ist die, daß hier England auf Kostender brdtischen Steuerzahler (was andauernd wiederholt wird, obwohl es nicht wahr ist) die Rolle des Polizisten im Orient übernommen hat, um irgend welcher sentimentaler Deklarationen willen, otoe daß wirkliche und ernste Interessen britischear Imperialpolitik damit irgend etwas zu-tun hätten. Die uns feindliche Presse, die zum Teil ja auch dem Völkerbund ziemlich skeptisch gegenübersteht, hat auch dabei wieder freies Spiel. Die „Daily Mail" vom 30. August kann ganz klar und eindeutig sagen: „Jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr, um , so weiter zu gehen . . . Warum, im Namen des gesunden Menschenverstandes, sollten, wir eigentlich diese Last tragen? Wir suchen in Palästina gar mächts. Und wir bekommen ganz gewiß, gar nichts anderes dort als Verwicklungen und Ausgaben. Wir sollten unser Palästina-Mandat dem Völkerbund zurückgeben und unsere Truppen und Zivilbeamten zurückberufen. Und wir hoffen, daß die Regierung'keine Zeit versäumen wird, um unsere allzu . schwer' be- I lastete Nation von einer Bürde zu befreien, die sie; eigentlich niemals hätte, auf sich nehmen sollen." Um demgegenüber eine ebenso eindeutige positive Formuliernnig in der englischen Presse zu finden, muß man schon auf die Wochenschriften zurückgehen. In „Time and TW'vöm 30. August schreibt der Leitartikel: „Barl Balfour und. die übrigen Staatsmänner, die die Urheber der Palästina-Polltiik gewesen sind, haben mehr an britische imperiale Interessen gedacht als an das geistige und materielle Wohlergehen des Jüdischen Volkes. Sie wollten einen Block britischen Landes oder wenigstens britischen Mandat? landes auf dem Wege nach Indien und dem Pazifik, und seit dem' Kriegsende hat das britische Volk einen sehr hohen Preis für die neuen Verpflichtungen des Imperiums zu zahlen gehabt. Wie dem auch sei, die Uhr kann nicht zurückgedreht werden, die Politik muß unverändert .bleiben und um jeden Preis müssen Maßnahmen getroffen werden, um die Wiederholung der Zusammenstöße zwischen Juden und Moslems zu verhindern." Solche Stimmen sind aber, wie gesagt, durchaus vereinzelt und können an Verbreitung und Popularität mit den Gegenstimmen in keiner Wei'se verglichen werden. Was im übrigen die Zusammenthänge zwischen den Vorgängen in Palästina und den politischen Entwicklungen in anderen Gebieten des britischen Kolonialreiches, insbesondere im Orient, anbetrifft, so nehmen sich nur die wenigsten Blätter dlie'M'üb©, näher darauf einzugeben, _Es ist dann eigentlich meistens im Zusammenhang mit dem Namen I b n S a u d, daß solche Aeußerungen vorkommen. (Siehe z. B. „Daily News" vom 30. August.) In den englischen Zeitungen spielen die Korrespondenzen privater Personen, die Briefe an die Redaktion, eine besonders große1 Rolle in der Erörterung aktueller politischer Probleme und in der öffentlichen Meinungsbildung. Die Vorgänge,der letzten Woche in Palästina haben auch eine große Anzahl solcher Briefe zur Folge gehabt,, die beinahe in jeder Zeitung zu finden sind. In ihnen spiegelt sich die Stellung des Publikums verschiedener Klassen und Schichten zu unserem Problem. wider. Versucht man diese. Korrespondenz etwas näher zu analysieren und sieht man dabei von den Aeußerungen von prononciert jüdischer oder zionistischer Seite ab, so kann man vielleicht die folgenden wenigen Andeutungen über Ergebnisse einer derartigen Betrachtung machen. Soweit die Briefschreiber ehemalige britische Beamte oder britische Zeitungskorrespondenten in Palästina sind, wie,z. B. Major As oh befinden „Times" vom 3. September oder der. ,3peciai-Correspo:nd«ent formerly in the Near - East" in den „Times" vom 26. August, sind ihre Aeußerunigen LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunach meistens offen oder verhüllt antijüdisch. In ihren Briefen . sind die Aeußerungen von ..juiig-zforiistiscber Arroganz" und von der „in sich widerspruchsvollen Politik, die England in Palästina auf sich genommen hat", zu finden. Das: gleiche gilt von den Briden, die aus' Kreisiem stammen, welche mit den Mi s s i o n ä r e n in Palästina. zu tun ge-. habt haben, wie z. B. der der Tochter des Bischofs B ly t h von Jerusalem in den „Sunday 'Times" vom 1.'September, '.die -die religiöse Heiligikeit des'W&kuif verteidligt Eine an-' dere Gruppe von Brieischreiber'n,1 die scheiribäir aus1 bri-' tischen K ol o ni äl b ea mt e n oder britischen ' Einwohnern, besonders in Aegypten und' I n d i e n, besteht, betont vor allem die Gefahr eines Zurückweichens vor orientalischem Gewalttaten, die" leicht von Palästina auf andere: Gebiete übergreifen könne, und •< bemüht sich, r auch" die Vorgänge in Palästina auf die Haltung der Arbeiterregierung Aegypten; gegenüber zurückzuführen. 1; In den letzten'Tagen mehren sich vor aid©m die Stimmen, die davor warnen, die Beamten der Pa- * lästina-Regierung unverdienterweise zu „Sündenbocken" zu machen und die• danach streben, das Prestige der britischen' Administration durch Hinweis auf die inneren Schwierigkeiten ihrer Aufgabe wieder etwas zu heben. Darüber hinaus gibt es selbstverständlich eine bunte Mannigfaltigkeit von vulgären Argumenten gegen und von sentimentalen Argumenten für die Balfour-Deklaration. < Auch hier, muß man im allgemeinen sagen, .daß, von jüdischen Stimmen abgesehen, die u n f r e u n d 1 ä c h e n Aeußerungen wohl überwiesen und daß Aeußerungen, die von wirklichem Verständnis für unsere Sache und .für unsere Ledstungen zeugen, verhältnismäßig sehr spärlich sind. Die allgemeinen Schlüsse, die aus der Stellung der englischen Presse zu den Vorgängen In Palästina zu ziehen sind, liegen auf der Hand. Es scheint klar, daß im Prinzip In der britisclen Palästina-Politik kaum eine Aenderung vor sich gehen wird, mehr aus einem traditionellen Festhalten und aus einem Unwillen vor dem Zurückweichen, als aus einer positiven Einstellung zu dieser Politik. Es ist ebenso klar, daß die öffentliche Meinung in England über unsere Aufgaben und Leistungen ebenso wie über die Interessen, die das britische Imperium In Palästina zu verteidigen hat, noch in hohem Maße In Unwissenheit Ist. Aktive Sympathie und Gleichgültigkeit halten sich deshalb kaum die Waage. Hier liegt für die Zukunft noch eine ungeheuer ernste Aufgabe zionistischer Aufklärungsarbeit. 3fit 8 Dolus'Sudiftoben — 4 Stunden gefeffen! — vtiboiäRfttub unJwftaltVSlif am »erganatficn Somliaa onf b*er $0ö'nÄ.ai*e a&0eljaltrnf .&9<ü» Qa trtcoorflflluna Ijat >oi mrfiral« t .000 Solu« ftunbin aUh' »enb* ttufriaömc oeiunben; bte btefrn ffmber toit^rn t»9* Ja ae »on b u j)on' Äp|attr„Dti. eiooit» unb »tei> li-fttaeji ^titrtom&'nt ut» nfm. unb twm fxiri^m ffturrwert lrdumeii. fiBte t»tc «fobren, ift &We 'eufaiio^rae Catietworffrnuua oijdfj im jj^öjfjjtJSWfien. Wtria «ft>Mftromm ber 3)W«t.S9«ff fi»i&»WflrH. Diegrögte oller blSdtrtflen grämte»» SlfiUonen beginnt am 83, September 1B29: Soltts-areftloiifdett Zwölf verlorene Jahre« —y. In Palästina ist endlich Ruhe eingetreten. Das Land steht unter ausreichender Milifarköntrolle, die jüdischen Siedler konnten zu-ihrer, Arbeit zurückkehren, in den großen Städten nimmt das Leben wieder den normalen Verlauf. Die Briefe und Zeitungen, die in großen Mengen eintreffen, lassen erkennen, daß die jüdische Bevölkerung ,die nach den ersten Schreckenskunden eingetretene Nervenkrise rasch überwunden hat,.daß die jüdische Jugend überall sofort kräftig durchgegriffen und die im Gefolge eines jeden. Aufstandes einherlaufenden Plündererbanden entsprechend . abgefertigt hat. Diese Jugend hat den Kopf nicht verloren, und man kann ihrer Energie, ihrem Mut und ihrer Besonnenheit , nicht genug danken., Sie hat Palästina gerettet, und die schweren Opfer an Blut, die sie gebracht hat, geben ihr das Recht, die Forderungen zu stellen, die heute bis weit über die zionistische Organisation hinaus Forderungen der Judenschaft geworden; sind. Sie werden an England gestellt, und sie müssen,;da England die Hinterhältigkeit seiner Palästinabeamten bisher nicht abgestellt hat, an. den Völkerbund gerichtet werden. Es war das mindeste, was England zugesagt hat, daß die Vorgeschichte der, Unruhen und,i\it Verband demokratischer Zionisten CAmfi<l>A*% den,,14. September um halb f9 Uhr,* •^aillSiag abends im großen Saale des Hotel. Post, I, Heiscfrni'arkt '.? in welcher | Oberbauraf Robert Stridccr | § nach seiner. Rückkehr von der Tagung des i^io- 1 m nistischen. Aktionskomitees, und des Adrnjnistia-, §§ § tiven Rates ,in London über: f ' ' " 1 I Die Lage in Erez Israel und j I im Zionismus!^ I g sprechen wird. Regiebeitrag 50 Groschen j| .illlllllllllllllllllllllllllliilllllll^ Ablauf durch eine Barlamentskommission untersucht wird. .Diese Kommission» konnte'bisher, nicht zusammengestellt werden, und so .erhalten die Schuldigen in Jerusalem die Frist, alles Beweismateriäl verschwinden zu lassen oder es zu verdrehen. Schon arbeitet das Gesündheitsdepartement an der Vertuschung der Metzeleien in Hebron, schon leiten arabische Offiziere und Beamte die polizeilichen Erhebungen. Sie nehmen bei Juden Haüs-i durchsuchungen vor, verhaften jüdische Selbstschutzleute, und wenn die Londoner Untersuchungskommission nicht bald kommt, so werden wir erfahren, daß die Juden die Araber überfallen oder sich selbst Schlachten geliefert haben. Diese arabischen Organe haben die Möglichkeit, das Wasser zu trüben, Sie sind in ihrer Amtstätigkeit unkontrolliert. Kein Mitglied der zionistischen Exekutive befindet sich bisher im Lande. Der Oberkommissär ist im Flugzeug auf seinen Dienstposten geeiltj die zionistischen leitenden Beamten sind - bis aufeinen auf Urlaub in Europa. Die zionistische Oeffentliehkeit muß sich das merken. Inzwischen haben Macdonald und Henderson in Genf Erklärungen voll der kühlsten Reserve abgegeben. Sie ziehen keine Abkehr vom Mandat in Betracht und werden sehen, was sich machen läßt. Da im November wieder der Vplkerbund zusammentritt, wird England. ^ann wenigstens iroend etwas Sachliches ■ mitteilen müssen, zumal ja die Vertreter Polens und Finnlands warme Worte sagten und der deutsche Außenminister Stresemann in unmißverständlicher Weise auf die Verantwortlichkeit jedes Mandatsträgers vor dem Völkerbund hinwies. Damit ist gleichzeitig auch die V e r a n twortlichkeit des Völkerbundes festgestellt und es wird im November England zur Auskunft verhalten müssen. Die zionistische Oeffehtlichkeit wird gut daran tun, durch einen 'Proteststurm diese oberste Instanz an ihre Verpflichtungen