Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 103 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Safed 5× ep/1046078
- Hebron 1× ep/1047559
- Slonim 1× ep/1000502
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MW&8 DIE NEUE WELT Nr. 105 Die Metzeleien in Hebron und Safed. Nach Erzählungen von Augenzeugen. Arabische Räuberbanden in Nordgaliläa. Kein englisches Militär. In Nordgaliiäa begann ein neuer Angriff der Araber. Ein Gesuch der Bevölkerung um Entsendung von Militär wurde mit dem Hinweis darauf abgelehnt, daß sich in Nordgaliiäa Truppen in genügender Anzahl befänden. Als aber in der Nacht auf ,Montag, den 2. September Araber Jessod Hamaalah attackierten, war Militär nicht zur Stelle und die Einwohner mußten den Ort räumen. Um 2 Uhr morgens wurde das benachbarte Mischmar Hajarden überfallen. Nachdem diese Kolonie von den Einwohnern. verlassen worden war, wurde sie von den Beduinen geplündert. Gleichfalls geplündert wurde die Ortschaft Mesche und die größte jüdische Kolonie Galiläas, R.o s c h P i n a h. Sie wurde durch den Araiberangriff vollständig vernichtet. Elf Araber, die in der Umgebung von Rpsch Pinah die Felder anzuzünden versuchten, konnten verhaftet werden. Ferner wurde die- Ortschaft Ajeleth Haschachar von den Beduinen geplündert. Zweinundzwanzag Einwohner sollen verwundet sein; Dagegen konnten sich die Einwohner tfön'Mach a na je und von Sedschera gegen Araber angriffe bisher erfolgreich verteidigen. '.' Sehr traurig sind die Zustände in Safed, wo die' Totenliste schon fünfzig Namen aufweist. Nur wenige Juden wagen sich in ihre Häuser zurück. Wegen der. Konzentration der Flüchtlinge auf engifej®.. Gebdet' droht, eine Epidemie. Eine Spezialkomijiission der Hadassah. wurde nach Safed entsandt. Dje:~.Ermordeten wären zum größten Teil Spaniolen. *,-'V •.. - ...-■* ... \ J e r ü s a 1 em, 29. August. (J..T. A.) Die Juden ätis Hebron, denen es gelang, nach Jerusalem zu. flüchten, geben Schilderungen der entsetzenerregen-; den 'Vorgänge in Hebron am vergangenen Freitag und Samstag. Den Schilderungen ist im einzelnen zu entnehmen: X--. .. Am Freitag morgen bemächtigte sich der;Jndenheit in Hebron angesichts des Verhaltens des Pöb6ls schwere Sorge. Rabbiner C a s t e 1-F r a n c o, einender angesehensten Persönlichkeiten der palästinensischen o. Judenheit,, begab, . sich, zum D isrit!r;i k t s c h efy üm! vonihm xlenSchutz der jüdi-' sehen Gemeinde zu erbitten. Der Distriktschef erwiderte, iuan' möge ruhig sein, zu Befürchtungen Upg^ kein yAnlaß Vor. Am Freitag um halb 4 Uhrnachmittags begannen die Tumulte. Eine arabische Menge zog durch die Straßen, schlug in jüdischen Hänsern die ^Feiister 'eih'! ündVi griff die' jüdischen Einwohner an. Während der Tumulte würde 'Sä-' n?üel R Q ß e n h o 1 z getötet, ein zweiter Jude wurde schwer verletzt. Schließlich gelang es der Polizei, <tio Menge zu zerstreuen. Die Nacht ging ruhig ^oinbeT, ' " Am 'Samstag vormittag zogen Gruppen arabischen Mobs durch die Straßen. Die jüdischen Häuser waren fest verrammelt. Der Mob zerschlug die Türen und d'rarig in die Wohnungen ein. Die männlichen Mitglieder der Familie wurden mißhandelt, die Frauen vergewaltigt, die Wohnungen wurden durchsucht, Geld und Schmucksachen wurden mitgenommen.* r ~ In dem Hause eines Juden, dem vor kurzem ein Bein/ amputiert wurde, griff der Mob die Tochter an. Als der Vater sich schützend vor seine Tochter isteilte, stachen sie ihm die Augen aus, vergewaltigten die Tochter und schnitten ihr den Leib auf. Der hinzukommenden Tante des /jungen Mädchens würden mit einem Beil - die Hände abgehauen. Der Rabbiner Hassun wurde von dem Araber/Shedai, der bis zu diesem Tage sich als Freund ..cjes Rabbiners ausgab, ermordet. Shedai erbeutete 700 Pfund in bar und 700 Pfund in Wertsachen und steckte darauf das Haus in Brand. Rabbi Castel »Franc o, der die vergeblich gebliebene Bitte zum; Schutze der Gemeinde an den Distriktschef gerichtet hatte, wurde getötet. Seine •Leiche wurde verbrannt. Geld und Wertsachen in der Höbe von 4000 Pfund wurden bei ihm erbeutet In einem anderen Hause erwürgten die Araber /einen Jungverheirateten Juden, vergewaltigten seine Frau und schlugen seinen Vater, der zur Hilfe heraneilte, den Kopf ab. In der Nachbarschaft dieser Familie wurde ein Jude in der Weise getötet, daß man ibri an die Ttirpfosten band und die Türe so Ja n g e auf und zu ach lug, bis das Opfer nieht. mehr lebte. Der Rabbiner Reis man wurde ermordet, sein Leichnam wurde durch die "Straßen geschleift Eine furchtbare Metzelei fand im Hause des Direktors der Hebroner Agentur "der Anglobank, Slonim, statt. Slonim war ein Mann, der unter den Arabern Popularität genoß. Als die Unruhen auabradbenv .rmmmlUn &WM 40 jüdißche Männer, Frauen und Kinder, weil sie glaubten, in diesem Hause sicher zu sein. Die Eingänge zum Hause wurden stark befestigt. Die Araber stiegen aufe Dach, sprengten die Decke, brachen in das Haus ein und veranstalteten ein furchtbares Blutbad. 18 Männer wurden ermordet, die Frauen vergewaltigt. Von dort zogen die Banden zu der Jeschiwah. Ein jüdischer Knabe lief zur Polizei, um ihre Hilfe herbeizuholen. Er wurde vor den Augen der Polizei durch einen Araber getötet. Ein englischer Offizier erschoß den Mörder. Daraufhin stürzten sich Araber auf den Offizier, der aber von der Polizei gedeckt wurde. Inzwischen drang eine andere Araberbande in die Jeschiwah ein. Die anwesenden Bachurim setzten den Eindringlingen Widerstand entgegen, sie wurden aber von der ungeheuren Uebermacht überwältigt und zu einem großen Teil niedergemetzelt. Das Haus der Jeschiwah wurde vollkommen ausgeplündert, auch die Thorarollen wurden mitgeschleppt. Totenliste. Zu der bereits mitgeteilten Liste der in Hebron getöteten Juden kommen noch folgende Namen hinzu: Nachman Segal und sein Sohn Menachem Mosche, Jakob Gozlan, Esther Gershun, Abraham und Wida Yeini, Klara Hassun, Rabbiner Izchak Abuschana und Frau, Bezallel Samrich, der hochbetagte: Melamed Mosche Goldschmidt, Izchak und Lia Abuschdid, Noach Immermann, der Pharmazeut Benzion Gershun, die beiden Rabbiner Zwi Drabkin aus Schklov und Mosche Grodzenski aus Warschau, Jakob Grodzenski, EHinelech Lichtenstein, Alter Salzi, Bezallel Leiserowski, Dubnikow, der bekannte Pädagoge und Direktor einer Schule in Tel-Awiw, und Frau, Aaron Gotlewski, Schimon Cohen, der Mechaniker Unger, Ar je Chaikel, zwei Unbekannte Männer und eine Frau. Die Toterilisie ist noch nicht vollständig. Die Anzahl der Getöteten ist 59, die der Schwerverwundeten 67, die der Leichtverwundeten 17. Sämtliche jüdischen Wohnungen wurden geplündert, die Synagogen verbrannt. Von den angreifenden Arabern wurden bei der Abwehr über 30 getötet. . Von den ermordeten Studenten der „S,l ob o d Jk a e r * J e,s oh i w ah" in Hebron sind fol^efiiäe N|m Alter Scher, Simcha Brauck, Mosche KipeSr Israel? Raplansky, Israel Kaplan, Schlomo Junge| Isr. Leiserowitsch, Schmuel Rosenholz, Isaak Bernstein, Dov Lipin, Dov Chaikel, alle aus Litauen;... ferner Abraham Scjiapiro, Mosche Reisman aus Jerusalem, Isachar Senderow aus Petach-Tikwah.; . : i Von clen bei den Unruhen in Halfa Getöteten sind die. folgenden Namen bekannt: Rosche Rothman, Jakob Pat und der englische Bänkbeamte Sykes., , '' .;■ •'■ v- .;- \. Die Namen der getöteten amerikanisch en Studenten der Jeschiwah in Hebro.n sind: Wechsler, Wolf Greenberg, Epstein, Bennau, Horowitz, Shinberg, Krasner, Harry.; JTrjimeh, die beiden Brüder Arbeiter. '' -t . .. In Jerusalem wurde eine dort lebende amerikanische Familie verwundet; verwundet wurden ferner David Winchester, Schmuel Sandes, die Brüder H. und R. Carter, Abraham Friede!, Isa^k Greenberg, Samuel Ganani, Isaak Shirizli, Nachman Segal, Behor Slichieli, Zwi Abir, Pinchas Wallnau, Eliahu Reiter, Dr. v. Weils, David Bregmah, Ben Jajkow, Joseph Rosenberg, Menachem Sablpni, Eliahu Sässon, Fischermann und Segal, Lef von der Selbstwehr. Die oben Genannten sind zum Teil sehr schwer verletzt. In Jerusalem wurde der weit bekannte eng-, lische Jude Harol M. Wiener getötet. Schreckliche Szenen in Safed. London, 31. August (J. T. A.) Die Zionistische Organisation in London erhielt das folgende Telegramm von der Jerusalemer Zionistischen Organisation: * . Der Ueberfall auf die jüdische Gemeinde in. Safed erfolgte auf einen geheimen Befehl hin zu der Zeit, , als anscheinend keinerlei Truppen in Safed anwesend waren. ""'•:' . Vom frühen Morgen an war man in Jerusalem hinsichtlich des Schicksals von Safed sehr unruhig. Seiteus der vejrantwortlichen;Steüie, in Jerusalern wurde un8 aberf,versi- ' c h e/rjV daß Safed ausre ich en:d |f eschützt ist. In Wirklichkeit trafen die Truppen• acht Stunden später ein, als das jüdiache Viextel; angegriffen und e i n Blutba d angerilckfet w:orden. war. Als das Genietzel vorüber war, wur* den 3000 Juden aus ihren Wohnungen evakuiert. und nach den Polizeibaracken gebracht. Der Rest der jüdischen Gemeinde ^on Safed mußte in der geföhrdeien Stadt;gej#ss^u: werde», vo es an Kräften fehlt©! m zu sejjüt&eu. i Eine Anzahl Juden, die in die Baracken gebracht wurden, haben sieh dem Sich e r h e i t s d i e n s t zur Verfügung gestellt und baten; um Waffen, um zur Stadt zurückzukehren und ihre gefährdeten Brüder zu schützen. <<*'"' ' r Das wurde nicht gestattet* Nach stundenlangen Verhandlungen hatte man es durchgesetzt, daß dem Arzt, der sich an die gefährdeten Punkte zur Hilfeleistung an Verwundete begab, eine Eskorte beigegeben wurde. In ganz Palästina herrscht ungeheure Erregung über die Scheußlichkeiten, die sich in Safed zugetragen haben. Außer 23 Getöteten gibt es Dutzende von Verwundeten. Alle Umstände erinnern an die Tragödie von Hebron, mit dem Unterschiede, daß in Safed die Regierung, ohne den Schatten eines Beweises in den Händen zu haben, die Schuld an dern Gemetzel den Juden selbst zuschiebt. Folgende Namen der Getöteten sind bisher bekannt geworden: Rabbi Ishmael Cohen, der Beamte des Hadassah-Hospitals Maman, der Direktor der Misrachi8chule Afriat, ein bekannter Pädagoge, und seine Frau, der Chauffeur Myer Cohen, Rabbiner Clersson und der Advokat Koledano. Unter den vielen Schwerverletzten in Safed befindet sich ein arabischer Angehöriger des transjordanischen Grenzkorps, der sich heldenhaft der angegriffenen Juden'annahm. Jüdischer Selbstschutz stellt die Ordnung wieder her. Jerusalem, 30. August. (J. T. A.) Soeben, 2-Uhr nachmittags, wird aus Safed gemeldet, daß in der Stadt die judische Selbstwehr aus Ajelet Haschachar und aus Kfar Giladi eingetroffen ist. Der Selbst; wehr ist es nach kurzer Zeit gelungen, die plündernden Banden zurückzudrängen, so daßs im Augenblick in Safed Ruhe herrscht. Protest gegen die Eniwafinung der jüdischen Polizei« Ein Jude von den Engländern erschossen. .London, 29. August. (J. T. A.) Dr. Wetzmann hat. vom Kolontelamt gefordert, daß sohleu'nig«t edne sichere. VenbiiKtog ajwisohen «der Zionistischen Exekutive in London und der Jerusalemer Zionistischen Exekutive herigestelit werde. Dem Verlangen Dr. Weidmanns ist entsprochen worden. Dr. Weidmann erhielt soeben, vom Büro der Zionistischen Exekutive in Jerusalem die ifdlgehäe tel©graphische Mditteitag: S Die.. Jerusalemer Zionistische■'Exekutive hat Ißied dier Regierung energische Vorsteilun-gen gegen tdä-e Entwaifnu'Ug der Jüdischen Polizei erhoben. Seitens der Behörden wurde erklärt, die Order, diese1 Sonderpolizei zu entwaffnen, stamme vom Arm.ee- . komm an do. Die Exekutive wandte sich sodann an. das Armeekommando, welches erklärte, der Oberkommissär habe die Order gegeben. Die Exekutive. wandte sich dann nochmals an .:«jie Regierung und lenkte iihre Auimenksaimikeit darauf, daß die arabischen Stadtviertel Jerusalems über eine starke arabische Poliiped .verfügen, die diesen Vierteln einen sicheren Schutz bietet. Dagegen sind die jüdischen Stadt vie r t el angesichts der Schwierigkeit, •die notwendigen Polizeiaskorten bei plötzdioh auftretenden- Ünmhefät'Ien zu erhalten, ohne genügenden Schutz und können eine spezielle jüdische Polizei absolut nicht entbehren. Auf diese Vorstteltongen hin gaben die Behörden die Antwort, es sei na c h di e s e r Rieh tung nieh t s mehr zu 'machen, die Entwalfnungsorder sei definitiv Dieser Bescheid der Behörde hat das Gefühl der Unsicherheit in den jüdischen Stadtvierteln Jerusalems erhöht. Besonders ist tnan um die hebräische .Universität be* sorgt, xiie jetot ganz ohne Schutz ist. Als bei Ausbruch der Unruhen am vergangenen Freitag die Regierung eine speziiedlle jüdische" Polizei aufstellte und bewaffnete, hatten auch die Wächter der hebräischen Universität Waffen er-, halten; fetzit wurden auch diesen Wächtern «die Waffen abgenommen. Wie rigoros die britische Polizei gegen Juden vongeht und wie notwendig eine spezielle jüdische Polizei ist, zeigt der folgende Fall: Ein Jude wurde auf den Stufen vor dem Hause des Waad Hatr (jüdischer Stadtrat) von einet britischen PoHzeieslkorte angerufen, Da er kein Wort Englisch verstand, konnte er der in eng* Hsdher Sprache an ihn gerichteten Aufforderung, stehen äu Weiben, nicht nachkommen. Daraufhin wurde der Jude durch die Polizei erschossen, Die Folgen der Evaluierung jüdischer Kolonien. Haida niedergebrannt. CaJro, 2^ August.. (J. T. A.) Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Cairo erhalt aus Jerusalem telepuonisca Einzelheiten über die Vorgänge bei'der zwangsweisen Evakuierung jüdischer Kolonien. Die jiid{schea: Bauers der Kolonie Hulda ver-