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Die neue Welt · 1929-08-23 · Heft 101 (23.8.1929) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 101 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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rm*w.......... u im*mimmmm~***mmmiH* > ip' i ij. j ii"' .11 jjjjLp'r n; STtfn»<miwi vw»win*- feie verfasse«, Henriette Jcennl aas* Heafietta ist versiert!, irt Alchen Dingen. Man tnüfl! diesen (Jungen *irt bißchen) Cappeln lassen» SolPä ihm ein bißchen schwer ankommen; Und erst dann, Wenn fef zu ihr kommen wird .wie aUef jene, die den Boden geküßt habenj dann wird se schon wissen, was sie zü tun hat* «*"»: Aber was geht jetzt mit ihm vor? Henrietta blickt Rafalesco an. Es ist ganz und gar nicht äu erkennen* Ganz über die Loge gebeugt, ist er dort, auf der Szene, so sehr vom Spiel gefangen, daß er niemand hört und niemand' sieht. Für ihn-., gibt es jetzt nichts und niemand außer Sonnenthal, den; großen Sonnenthöal, Er bebt mit dem ganzen Körper. Es flammt ihm das Gesicht, es' brennen die Augen. Und er verknäult die Finger und es entreißt sich ihm immer wieder ein tieler. Seufzer vom! Herzen» Henrietta blickt ihn an und kann es nicht verstehen, was mit ihm vorgeht. Wenn er wenigstens «die Augen für eine Minute von der Szene losrissel EiW Mensch sitzt mit ihr in ein und derselben Loge, — wie spricht man nicht ein Wort! Wie schenkt man dem Andern laicht' wenigstens einen halben Blick! Söll nur der Akt ztyendegehen, dann wird sie es ihm schon vorhalten, wird sie es ihm schon sagen, daß..» pßt, der erste Akt ist ziuende und Rafalesco ist noch immer nicht zu sich gekommen.; Mit Tränen in den Augen drückt er jedem einzelnen die Hand, von Holzman angefangen bis Brejnrdel-e Kosak. Und als es an den Tragödisten Schwalb kommt, umarmt er ihn und küßt er ihn. ■; „Das heißt gespielt! So muß man spielen V1 Henrietta Schwalb steht abseits, betrachtet ihn und sagt zu sich selbst: , ,Nein. Der Junge ist auseinandergebracht... der Mensch ist von Sinnen...' 70. Kapitel. . < >:> Er träumt weiter. ' " Sofort nachdem der erste Akt zuendegegangen war, begann Holzman mit dien Hof dienern des Burgtheaters •Wiegen Eintritts zu Sonnenthal hinter die Kulissen zu Verhandeln. Da stellte sich aber heraus, daß Sonnenthal riür , einen von ihnen empfangen könne, den jüngeren, von dem im Brief des Dr. Lewius aus Lemberg die Rede ist. "' T„Eine Ueberraschung, mit Rettig, was mir jene Nacht und; diese Nacht geträumt hat.,." So rückte Holzman mit-seiher Sprache" heraus, hielt aber alsogleich inne, da er vor sich die ganze Schauspielergesellschaft mit der , Primadonna Schwalb und mit Brejhdele Kosak in der iMme: erblickte. Würde sich jetzt die Erde auftun, er spränge lebend hinein! Er schämte sich vor der Gesellschaft, von der jeder wortlos Blicke mit den anderen; wechselte, insbesondere vor seinem Kompagnon Schwalb, «der ihn mit schlauen Augen ansah, als wollte er sagen: a,Na, wie das, nach solchen Zigarren?" Inzwischen aber —, die Nacht steht nicht, die Minuten sind kurz, der Höfdiener wartet. Da nahm Holzman Rafalesco beiseite und räurtte ihm das Geheimnis ins Ohr^ das er erst heute hier im Theater erfahren habe, eine Neuigkeit: Dieser Sohnerithäl besitzt alles im allem einen eigenen Sohn, ein Ffüchtel, das langes Leid und kurze Jahre verdient, einen richtigen Taugenichts. Dieser ^Kaddisch" tut nichts anderes als Wechsel unterschreiben und der- Vater nichts anderes' als zahlen. „Deshalb mußt zu zusehen"^ sprach Holzman imit allen seinen spitzen Teilen auf ihn ein, „daß es nicht genau so ausgeht wie mit dem Lemberger Mäzenat, gestöhlen soll er dir werden, du müßt mit ihm klare Worte sprechen wegen barer Münze... und dir nicht in den Brei spucken lassen, denn frißt manschon Schweinefleisch^ solls: einem den Bart herunterrinnen, verstehst du?'< Aber hier geschah etwas mit unserem jungen Helden, daß Holzman weder Augen noch Ohren traute. Es ist schvvfer zu sagen, was da .eigentlich vorging., War es deshalb, weil Holzman ihm mit seinen Andeutungen über, die „bare Münze" zusetzte oder deshalb, weil er noch vom Vormittag her, da Sonnenthal sie bei sich zuhause die mm WELT. MOt* Nr. W nichl «mpTangett wollte, venletzt oder, vielleicht überhaupt laufgeregt war, jedenfalls machte Rafalesco, als «r anw scheinend schon bereit war, mit dem Hofdiener hinter fdie Kulissen zu gehen, gegen Holzman zu kehrt und rief ihm kurz und scharf zu: v i :$\&\ * *j? »,Nein, ich geh nicht.'** SjHa? Was?" § „Ich geh nicht/* - ' H „Was heißt das, du gehst nicht?" „Das heißt das." Holzman machte sich die Augen klar und begann beim hellen Schein des elektrischen Lichts seinen jungen Freund lange ins Gesicht zu sehen, was denn mit ihm geworden sei. Wie ist es möglich, daß der Bursche ihm, Holzman, nicht .folgen will? Das war das erste Nein, das er von ihm hörte, und in diesem Nein-und in (dem Ton, in welchem dieses Nein gesagt wurde, lag soviel Festigkeit und Entschlossenheit, daß Holzman nicht einmal mehr fragte warum nein. Er blickte ihn nur nochmals von der Seite in die Augen und geriet außer Fassung.! In diesem Augenblick hat wohl Holzman das gleiche gefühlt wie einst Bileam, als sein Esel auf einmal hinter ihm Sprache bekam und Worte zu sprechen begann wie ein Mensch. ' „Nicht ist nicht," wacf. er Rafalesco mit gemachtem Lächeln zu, das sich mit seiner augenblicklichen, Verfassung nicht reimte. -; Man kann sagen, daß Holzman in dieser Minute einen Weg zurückgelegt habe, älter geworden war um einige Jahre. Die spitze Nase wurde seltsam lang, diei spitzen Schultern seltsam gebogen, und er verfiel in einen; Hustenanfall. Unterdessen ließ sich das Klingelzeichen vernehmen, das die Minuten er Pausen beendete, und das1 Publikum begann die Plätze einzunehmen und auch unsere zwei Helden begaben sich;wortlos in die Loge. Auf dem Heimweg fanden sich unsere Schauspieler der neu organisierten Truppe Holzman, Schwalb et Comp., die fünf aus der Loge, und auch die anderen, die auf der Galerie" gesessen waren, zusammen, maschierten durch die Straßen der Stadt Wien und sprachen alle aufeinmal und mit den Händen, wie es Brauch ist. Man tauscht« tdie Eindrücke aus, die das Wiener Theater auf sie gemacht hatte, gab Fachurteile ab, kritisierte. Dabei bemühte sich einer den andern zu überzeugen, fuchtelte mächtig mit den Händen, lachte, lärmte, polterte. Sehr oft ließen sich ' Ausdrücke wie „Stange", „Trottel", „Holzklotz", „Ochsenhorn", „Linksfüßler",; „Holzraspier", „Psalmenmurmler", „Erdäpfelfresser" und ähnliche derartige scharfe sonderbare Worte vernehmen, -die man von jüdischen Schauspielen hören kann. Wem diese Scharfen Beinamen und spitzen Epitheta zugedacht 'waren, ist schwer zu sagen. Aber lustig wars. Das Geschrei, reichte weit, das Gelächter noch weiter. Es sah :aus, als wäre ein neuer Strom neuer Menschen mit neuer Sprache ins alltägliche -Wiener Leben eingebrochen,' und nicht bloß ein Deutscher glaube ich, blieb stehen, und blickte verwundert auf dieses ungewöhnliche Bündel Menschen, die durch ihr {ungewöhnliches Gehaben mehr als eine Gasse dieser stillen, gemütlichen und gastfreundlichen Stadt aufruderten* Nur zwei Personen nahmen keinen Anteil an der Bewegung. Das war der Direktor Holzman und der' Star, der Truppe, Rafalesco. Beide waren mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigt. Holzman, der mit 'Brejhdele Kosak am Arm ging, tat so, als. hörte er auf (ihr Plappern, aber er dachte während dessen an den Burschen, der ihm das erstemal in seinem Leben Nein ger sagt hatte. Und der Bursche ging mit der Primadonna Schwalb am Arm. Sie sprach auf ihn ein und lachte» funkelte mit den Augen und blitzte: mit den weißen Zä'hnen,: und er tat, als hörte er, antwortete ein Wort (auf zehn, seine Gedanken aber waren weit von hier. Er sah sich auf der Bühne inderselben Rolle wie Sonnen.-« thal und gab sich das Wort, sein Name soll nicht Rafalesco heißen, wenn er tticht auch jünmal so wie Sonnenthat spielen würde, Und unser junger Träumer begann von einem neuen Paradies zu träumen, an neUen Phantasien zu spinnen, wie. er, Rafalesco, ans Studieren, neuer Rollen geht, derselben Rollen, die Sonnenthal spielt, wie die Welt von ihm begeistert wird und einstimmig behauptet, daß er bald Sonnenthal übertreffen werde, wie er nach Wien eingeladen wird, auf ein Gastspiel ans Burgtheater, wie Sonnenthal, der große Sonnenthal, so wie alle andern* im Parkett sitzt und ihn spielen sieht, wie Sonnenthal begeistert ist, auf die Szene springt, ihn. umarmt und küßt und laut vor der ganzen Welt eingesteht, daß er geschlagen, besiegt sei von diesem jungen" Schauspieler Rafalesco <.» * < 71. Kapitel. v Beide haben gelacht. Diese-Nacht war für-unsern Holzman eine schwere Nacht. Er konnte lange nicht einschlafen. Das Herz war ihm schwer wie ein Stein. Gedanken durchwühlten ihn* schwere, traurige Gedanken. Was ist mit dem Burschen geworden, dachte er sich, hustete und wälzte sich vonj feiner Seite auf die andere. Schuld daran ist'diese 'Stadt* verbrennen soll sie. Seit man nach Wien gekommen» ■ist der Bursch ein anderer Mensch geworden. Volt Capricen wie einer Mutter einziges Kind. Man muß weg von hier, so rasch wie möglich. Dieses Urteil fällte Hoolzman, die Stadt Wien und ihre Menschen wurden ihm verleidet. Die schöne heitere Stadt erschien ihm dunkel, wüst, traurig, und ihre, Menschen häßlich, falsch und verlogen. Und alles, das sich! ihm 'in dieser Nacht malte, stellte sich ihm schlimmer dar als es war und viel schlimmer als es hätte sein, können. Alle seine schönen Pläne waren auf einmal in Dunst aufgegangen. Die Menschen*, auf die er seine Hoffmung gesetzt hatte, hatten ihn bös angeführt und ihn, ganz und gar verraten. Das Schlimmste, wovor er. sich immer gefürchtet hatte, war eingetroffen: man umstellt ihn von allen Seiten; man lauert seiner Seele auf, mäni will ihm sein ganzes Vermögen wegnehmen, wegrauben/ man, will unter der Nase Rafalesco. entreißen. .. Man muß achtgeben auf den Burschen, man muß ihn hüten wie das Schwarze vom Aug. -Zuviel Stänkerer . . . Wer weiß, wozu ihn wer bringen kann. Wer weiß, welche Absichten dieser Schwalb hegt und welche. Gedanken seine Schwester Henrietta in ihrem Her zen hat und welche Schlange Brejnd.ele Kosak in ihrem Innern nährt. Ein Mensch allein unter so vielen Wölfen.. . Und Holzman .setzt sich im Bett auf, stützt seine spitzen Ellenbogen auf, hustet sich aus undsagt zu seinem jungen Freund, der im Bett gegenüber liegt: „Rafalesco mein, schläfst du?" „Nein. Wasist denn?" . .;. - < „Es ' ist mir ein Gedanke eingefallen.'" / ''' "; •'.; „Und der wäre?" ' *' " . :;• j; ';\ .. „Hörst du, wie: ich, hust?" . . s , ■ : „Na und?'';; ■ .. t . ' .>. „Glaub ich, es ist das. Ende. Man muß sich bereitmachen auf den Weg. Die paar Gulden, jemand vermachen und dorthin .gehn, wo mein Vater, er ruhe in Frieden:..." ■ •-, / . ■ .; .; :., Rafalesco setzt sich im Bett auf, sieht »mit großen erschrockenen Augen; Holzman an. . „Bist du verrückt?; Öder irr? Oder sprichst' du' im Fieber!"; '. '■' ' '\ ' ' - ] •'•"/!.. > Holzman ist zufrieden, daß Rafalesco so erschrocken ist. Da lacht er hell auf, beginnt zu1 husten und zu schimpfen. _ ""• _; i /';• r \ ' „Närrchen, das' du bist! Soviel Jahr soll Schtschuppaks Kopf krank sein, wieviel Jahr 'ich mit Gottes Hilfe noch leben werde. Ich sage das' so - desi- ■ : •' ' ' ■ '•; . IFortsetzunc folgt.) GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, I. 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TIlllIlllllllllllllliilllllllllllllllllllllillliiilHlillllIlIlllllllllllli^ ro| m<70J l*T fiyjirt (»JP\») t*X*M ('A'XSi lH RYTYil MALERARBEITEN SCHÖN BILUO Hermann Baumsarten XX, Karl-Melßl-Straße 6/31 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, « Druckerei* und ......KwlagSrA.-^, Igaas ßt.Qiflfflaas, beide WJsa, IX* UnlywsitätSJiiaße 6^S. ......

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