Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 100 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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F Seife 8 DIE NEUE WELT Nr. 100 Gruppen bei entsprechender Berücksichtigung der in der Landwirtschaft .geschulten' Sephardim, Jemeniten und sonstigen Orientjuden einstimmig an, ebenso den "Antrag von Kaplansky wegen Ansiedlung von landwirtschaftlichen Arbeitern in der Nähe der Kolonien; ferner beschloß der Kongreß, daß das Siedlungswerk des Hapoel Hamisradii zu fördern sei. Gegen Mitternacht schritt der Kongreß zur Enbloc-Abstimmung über die Resolutionen betreffend städtische Siedlung. Der folgende Besdiluß wird angenommen: Der Kongreß erklärt, daß die Sicherung der jüdischen Arbeit in allen Teilen der jüdischen Wirtschaft Erez Israels eine zwingende Voraussetzung für das Wachstum des jüdischen Jischuw und für die Verwirklichung des Zionismus ist. » Der Kongreß verpflichtet alle Mitglieder der Zionistischen Organisation und ebenso alle Institutionen und Wirtschaften, die von der Zionistischen Organisation unterstützt werden, sowie auch alle Gesellschaften und Körperschaften, an denen die Zionistische Organisation oder ihre Institutionen irgend welchen Anteil; haben, das Prinzip, jüdischer Arbeit dttrdizufUhren. Andere Besdilüsse betreffen Arbeit in den Kolonien, Ansiedlung städtisdier Arbeiter (Schechunoth Owdim), Handwerkersiedlungen, Unternehmerkooperativen, Besserung der Lage der jüdischen Handwerker, Erschließung neuer Absatzgebiete für die Erzeugnisse der jüdisdien Industrie Palästinas in den benachbarten Ländern, Beschaffung langfristiger billiger Kredite für die Industrie, Sdiutzzoll für eine Textilindustrie Palästinas, inneres Arbeitsstatut zur Regelung der Beziehungen zwisdien Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Regelung der aus der Tabakarbeit 1924/25 entstandenen Defizite u. a. m. * Um 2 Uhr nachts behandelte der Kongreß* die Resolutionen über Erziehung. Kampf antrage von Misrachi und den Linken blieben in der Minderheit, wobei zum erstenmal Revisionisten und Radikale zusammen mit den allgemeinen Zionisten für die Anträge Henriette Szold stimmten. ' ■ Die politischen Resolutionen, : Am Sonntag, 6 Uhr , morgens, wurde nach sehr •erregter Debatte der Antrag Grünbatiras, in London ein Tarbutlidepartement für Erziehungsbelarige in :deh Ländern der Diaspora einzurichten, angenommen. Dr. Ringel leitete die Verlesung der Resolu- *üönen der politischen Kommission mit der Bemerkung •ein, daß drei neue politische Momente von großer Auswirkungsmöglidikeit in die Ersdieinung getreten sind: "die englische Arbeiterregierung, der neue Oberkommis- *süi\ die Neubildung der Jewish Agency. Der Kommis- 'sionsbericlit* unterstreicht, daß die wirtschaftliche Entwicklung abhängig sei von günstigen politisdien Voraussetzungen. Gefordert wird eine internationale Anleihe für jüdische Kolonisation in Palästina unter der Garautie 'der Mandatarmacht oder des Völkerbundes. Der Bericht 'stellt fest, daß die Palästinaregierung nur wenige der 'Forderungen des XV. Kongresses erfüllt hat. Die teil- "weise Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten, die Subventionierung des zionistisdien Schul- 'ünd Gesundheitswesens stellen Ausnähmsfälle dar, angesichts der elementaren Pflicht der Mandatarmadit, end- . dicli ihre passive Stellung gegenüber dem Aufbau des 'Nationalheims aufzugeben und aktiv teilzunehmen an 'der Lösung des schweren Problems, wozu sie gemäß dem Mandat verpflichtet ist. Es ist anzuerkennen, daß die Londoner Zentralregierung besten Willens ist, am Nationalheimaufbau teilzunehmen. Diese Intentionen verlieren aber auf dem Wege durch die Jenisalemer Instanzen einen großen Teil ihres Inhaltes und ihrer Kraft. , Die Palästinaregierung hat auch während der letzten T Berichtsperiöde Handlungen und Unterlassungen ber gangen, die die Lebensinteressen des jüdischen _. Jisdmw und auch die Würde der 16 Millionen Juden , in der ganzen Welt tief verletzen. Die Heranziehung .,, der Agency zur Beratung und Mitarbeit hinsichtlich des Aufbaues des Nationalheims darf nicht länger allein auf dem Papier bleiben. I Die politisdie Kommission weist auf die Einführung ,und' Auf rech terhaltung unbegründeter Einwanderungserschwerungen hin. Gefordert wird Förderung der Industrie, 'Ausbau des. Eisenbahn- und Straßennetzes, eine weniger das fiskalisdie Interesse betonende Tarif- und Zollpolitik, Sicherung der Redite der hebräischen Spradie, Zuteilung von Ländereien für dichte jüdisdie Siedlung gemäß dem Mandat. Mit Genugtuung wird die Legalisierung der Knesseth Israel durch die Regierung begrüßt. Der, Bericht der politisdien Kommission behandelt auch die eventuelle Stellungnahme zur Frage der Einführung einer Verfassung in Palästina im Zusammenhang mit der Stellung der Organisation zur .Araberfrage. Vorgeschlagen wird die Bildung einer . Kommission, die nach dem Kongreß in London zusammentreten, Vorschläge ausarbeiten und der Exekutive unterbreiten , soll. , Die politisdie Kommission hält . die Frage der internationalen Anleihe für sehr wichtig und dringend und erwartet einen möglichst positiven Abschluß derselben, damit der Exekutive die Möglidikeit gegeben wird, ihren großzügigen Arbeitsplan durchzuführen. An die Exekutive wird appelliert, die sterblidien Reste Theodor Herzls im kommenden Jahre, a n H e r z 1 s '70. Geburtstage, nach Palästina zu überführen und so die Ehrenschuld des judischen Volkes an Herzl abzutragen. > - Der Kommissionsbericht spricht in bewegten Worten ' von der „Front der Feinde des Judentums von Mekka bis Moskau". Im Jemen artet der religiöse Fanatismus in brutale Gesetzes Verletzungen aus, in Sowjetrußland sind wir iJIIIlIlllllilllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllir: I Erfahrener Pädagoge f 3* eiteilt Unterricht in der s | englischen und hebräischen Sprache | .5 Zuschriften erbeten unter „Qewissenhaft" s s an die Administration dieses Blattes ~ niiniiiiisiiiif Inn jiiniiif iiiiiiiijiiii!IIIIIIISIIiii!iiiiiiiiiiiiiiiiT Zeugen ..einer raffinierten Grausamkeit, die an das Vorbild der spanisdien Inquisition erinnert. Wir protestieren gegen den brutalen Feldzug, der in Rußland gegen Zionismus, hebräisdie Sprache und Kultur sowie gegen die -Freiheit der jüdisdien Religion geführt wird. (Lebhafter, lang anhaltender Beifall.) Die neüe Exekutive. 13 Mitglieder. Am Sonntag vormittags hat der Kongreß die neue Exekutive gebildet. Gewählt wurden zum Präsidenten der Organisation Chaim Weizmann, zum Präsidenten der Exekutive Nahum S o k o 1 o w. Die übrigen Mitglieder sind: Rechtsnnwalt Harry Sacher, Oberst K i s c h, Miß Szold, Felix Rosenblüth, Professor S. B r o d e t s k y, Louis L i p s k y, Kaplansky (Poale Zion), Sprinzak (Hitachduth), Rabbi Meir Berlin (Jerusalem) und Lazarus B a v'i h (Berlin) von der Gruppe des Misrachi sowie Dr. Artur R u p p i n. Wie . die J. T. A. berichtet,. hat Sacher die Wahl nicht angenommen. Auf dem Kongreß wurde darüber nichts mitgeteilt. Der Kongreß wühlte ferner 54 Mitglieder und 34 Ersatzmitglieder in das Aktionskomitee. Die Mitglieder und die stellverteetendenv^Iitglieder des Aktionskomitees bilden zusammen den zionistischen Teil des Council der Jewish Agency, ij'ßrner; .wählte der Kongreß als Virilisten in das'A/C. und' in,'die Agency M. M. Ussischkin, Leo.Motzkin und Dr«, Sehmarjahu Lewin. •:< In das Aktionskomitee - wurden für die Radikalen die Del. Grünbaum und Stricker, als Ersatzmänner Dr. Goldmann und Dr. Stern (Bukarest) entsendet. Diese vier sind gleichzeitig ständige Mitglieder des Council der Jewish Agency. Als Ersatzmänner für den Council wurden gewählt die Del. Dr. Soloweitschik, Dr. EmÜ Margulies, Podlischewsky, Benvenisti, Dr. Klumel, Doktor Mirjam Scheuer, Redakteur Finkelstein. In das Kongreßgericht wurde Dr. Leopold P1 a s c hk e s entsendet, in das Kongreßehrengericht Dr. S. Singer (Bukarest). In die Anleihekommission entsendeten die Radikalen den Delegierten Stricker, in die viergliedrige Kontrollkommission, welche eine Geschäftsordnung auszuarbeiten, einen Kontrollor vorzuschlagen und.die Aufsicht über die finanzielle Gebahrung aller Institutionen der Zionistischen Organisation zu üben hat, wurden, die Del. Abg. Fa r b s t ein (Misrachi, Warschau)i Fruink in' (Poale Zion, Paris), ilDr. R o 11 e n s t r e i c h (allg. Zionisten, Sambor) und Stricker gewählt. Um 9 Uhr vormittags schloß Motzkin den 16. Kongreß. Die Delegierten stimmten die Hatikwah an. Soeben erschienen; F.Bernstein: Der zionistische Gedanke auf Irrwegen Ein Mahnruf zu zionistischer Selbstbesinnung. Das Judenproblem. Kon* steUations- oder QuaUtätsproblem? Palästina als Laboratorium. Bedingter oder bedingungsloser Zionismus. Ausstrahlung und Gäluth-Natiohalismus, Der Sinn der Majorität. Das jüdische Staatsbedtirfnls. Zionismus oderSta&tsbtirg^rtreue.. D.er binationale Staat Palästina oder jüdisches Volk? Bestellungen an den Verlag „Die Neue Welt** Wien, IX. Bezirk, Unlveroitütsffresse 0-6 Prel« Mfc, 1,50, für Oe*terreloh S 2.20 Aus Rußland. Quälereien. In Witebsik hat ein jüdischer Arbeiter der Kalorik „Roter Mera'Hist", WeHvel P^riaitffiirfs!cyfl Selbstmord begangen, weil die Jokaile WaihlTechtsikommiissiion ihn des Wahlrechtes für verlustig erklärt, mit der Begründung, daß seine Tochter, bei der er wohnt, Brothändieran ist. Die oberste Behörde von Witebsik hat nachher festgestellt, daß Pijniafcins'ky schon seift Jahren flWht bei seiner Tochter gewohnt umd daß diese seit 1926 (nicht mehr mit Brot gehandelt hat. Gegen die Beamten der Wah(Iikommiiss,ion, die Ptirtiatinsky entrechtet und älhn dadurch mm Selbstmord getrieben haben, wurde eine Untersuchung eingeleitet. 900.000 arbeitslose Juden in Rußland. Der Führer der jüdischen Kommunisten und Vizepräsident von Kotnzet,, A. Mere schiin, nimmt in der Presse gegen Larin Stellung, der einen für zehnjährige Dauer berechneten Plan der Zuführung der deklassierten Jiuden dn Rußland zu Landwirtschaift und Industrie ausgearbeitet hat, wobei 400.000 jüdifedhe Seelen der Produktion gewon-nen werden sollen. Lanin führt aus, daß, wenn diese 400.000 Deklassierten auch in fünf Jahren dit der Wirtschaft untergebracht werden würden, immer noch 500.000 Juden bleiben, deren Sctiilcteal ungewiß bleibt, da man in den Ländern der Sowjetunion 900.000 Seelen arbeitsloser Familien zählt, davon 206.000 im Haindiwerlk, 274.000 aus Familien früherer Kauflewte und ferner 450.000 Seelen aus Familien ohne bestimmte Berufe. Ukrainische Bauern überfallen eine jüdisdie j Kolonie. t . Die neue 'jüdische Kolonie in Zapor osch je wurde in diesen Tagen von ukrainischen Bauern überfallen. Die Ukrainer zerstörten die Häuser der jüdischen Kolonisten, fielen über die Kolonistenfamiiien her und mißhandelten sie •barbarisch. Man zählt mehrere Verletzte. Die Ukrainer trieben auch ihre Pferde auf die jüdischen Felder umd vernichteten das Getreide der Kolonisten. Der Vorsitzende des Rayonssowjet und der Chef der Rayonsmiliiz waren über den beabsichtigten UeberfaU informiert worden, h a b e n aber keiner 1 e i M a ßnähme n e r g r i f i e n. Die Uintersuchungskommis'Sion hat nicht allein die schuldigen Bauern, sondern auch den Rayonsvorsitzendeii und den Chef der Rayonsmiliz in den Änikdagezustand versetzt. ,Die Untersuchung hat (festgestellt, daß die Bauern, die die jüdische Kolonie -überfallen haben, eins't zu den Togrombanden des Attamans Macihno gehörten. Der judenreine englische Faschismus. Aus London wird uns geschrieben: Die Mode des Fasch-isnmts hat'auch nach England übergegrififen. Die Bewegung ist hier durchaus nationalchauvi'nis'tisch und ähnelt der seit einigen Jahren in Amerika beobachteten Bewegung des sogenannten hundertprozentigen Amerikanertums. In Amerika hat diese Richtung den Begriff des „Nordic"-Typus geschaffen, zu dessen Gunsten die Einwanderergesetzgebüing gemodelt wurden. < Auoh in England rekrutieren siich die Hauptmacher des Faschismus 'aus jenen Kreisen, die bei allen bisherigen reaktionären Fremdenigesetzgebungen zu finden waren und in ihrer Presse gegen alles, was nicht hundertprozentig englisch ist, hetzen. Da der englische Faschismus von vornherein sehr exklusiv auftrat und besonders darauf bedacht war, die Juden fernzuhalten, haben sich sebmählicherweise — so behauptet wenigstens -die faschistische Presse in England — viele reiche J iu d e n g e f u n d e n, die eine Ehre darein setzen, in die faschistischen Zirkel Eingang zu finden. Sie wurden jedoch, wie in der englischen Presse mit Schadenfreude festgestellt wird, „trotz ihrer Zudringlichkeit" und Geldangeboten abgewiesen.__ Eine Auslese der allerneuesten Schöpfungen der Damenbekleidung, ent* zückende Herbstmodelle, sind bei Schiff mann, IL, Taborstraße 48, eingelangt und werden zu billigen Vor* saison*Preisen verkauft Sport'Mäntel S 9.80, Gummi*Mäntel S 9.80, K asha*Kleider, mit' langen Aermel'n S 9.80, Crepe de Chine*Kleider, neueste Fassons, lange Aermel, alle Modefarben S 19.50, fescher Mantel aus gutem Flausch S 19.50; Engl. Sportmäntel, neueste Modelle, ab S 19.80, Eng {.Trenchcoats, Ia Modestoffe mit Lederknöpfen, S 29, Ia W o 11 r i p s * K1 e i d e r, reich bestickt, mit Crepe de Chine garniert S 29, H u b e r t u s * M ä n t e 1 S 29.50, WollIgeorgette*Kleider, entzückende Modelle; S 39, I a V e 1 o u t i n * K1 e i d, reich bestickt S 39. Unser Schlager: Meiton*Mäntel, watteliert, reich verbrämt 5.39, Engl. 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