Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 97 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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.t Seife 8 Dil NEUE WELT jpiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHHniw I 6ß!«affjrto nach Barcelona (WeltanKtelleng) und Spanien. Abfahrten am I. Hugos! and 7. September 1 I Oesterreichisches Verkehrsbureau I | I. Bez.. FrledrichstraBMfr. 7 1 ^liiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiu Nr. 97 schrecklicher Rekord» In Rumänien wurden vor zwei Jahren die Juden mit einer Grausamkeit behandelt, die an die sdhlimmsten Zeiten des Mittelalters erinnerte. Auch die türkis che Regierung hat in Verfolg ihrer' chauvinistischen Propaganda den Juden in ihrem Lande das Leben ungeheuer erschwert. Die Juden der Türkei haben ihre Gleichberechtigung mit den anderen türkischen Bürgern eingebüßt. Ausführlich verweilte Chief Rabbi Hertz bei den Vorfällen an der Klägern au er am letzten Versöhnungstag, die eine Welle dr Empörung in fast allen. Schichten des Judentums hervorgerufen hat. Bs gab allerdings auch einige „jüdische Moslems", die ihrerseits gegen die jüdischen Proteste protestierten. 'Wenn alle diese Vorfälle einen -breiten Schatten auf die jüdische Welt warfen, so darf man auch einige Lichtblicke erwähnen, so das Erwachen eines neuen Judentums im Herzen des lateinischen Amerika, das Entstehen jüdischer Gemeinden und Schulen in Mexiko usw. Der Oberrabbiner wandte sich nun den Angelegenheiten des englischen Judentums zu und wies auf eine neue Strömung hin, die als „höherer Antisemitismus" zu .bezeichnen sei. Es ist dies ein neuer Geist des Kampfes gegen das religiöse Judentum. In einer 'kürzlilch stattgefundenen Sitzung. der Schulmänner., war gegen die Gottesauffassung des Alten Testaments Front gemacht worden. Eine Anschauu-ng, die einst in Deutschland Mode gewesen war, aber heute als überholt gilt, ist heute in England in der. Entwicklung 'begriffen. Der Redner wandte sich der Frage zu, wer das Recht haben soll, sich Rabbiner zu -nennen. Die diesbezüglich bestehenden Normen sind nicht unbedingt. Rabbiner sein bedeutet, Lehren und Leben än Uebereinstinimaing mit dem Tahbinistisohen Schema des Lebens. Palästina im englischen Unterhaus. Eine Rede Sir Herbert Samuels. Aus London, 18.T Juli, meldet die J. T. A.: Bei der zweiten Lesung des ' Gesetzes über die Entwickhing der Kolonien im englischen Unterhaus ergriff Sir Herbert Sarau eil das Wort, um dagegen Beschwerde zu führen, daß in dem Gesetzentwurf betreffend Ergänzung des Palästina- und Ostaf rikanAhleihealktes Palästina v ö 1lig übergangen wird. Es ist ausdrücklich vorgesehen, daß der Regierung von Ostafri'ka Erleichterungen bei Ausnahmen von Anleihen gewährt werden sollen; es fehle ihm das Verständnis dafür, daß nicht auch Palästina solche Erleichterungen zediert werden. Sir Herbert' Samuel gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung Vorsorge treffen wird, daß sich die Gesetzesänderung auch auf" Palästina beziehe. Die Anleiheproblleme der Mandatsländer verdienen die besondere Aufmerksamkeit der Regierung. Im Mandatssystem ist vorgesehen, daß die Gebiete der Klasse A, zu denen Palästina gehört, soweit entwickelt werden , sollen, daß -sie zu einer späteren Zeit sich selbst regierende Gemeinwesen werden können. /Wollten diese ^Gebiete Anleihen, rückzahlbar in 40, 50 oder 60 Jahren, auflegen,! so würde kein Mensch, der Geld zu-investieren'1 hat,'unter solchen Bedingungen Kapital Vorschießen;; Denn er würde sich fragen, wie lange das betreffende Land noch unter britischer Administration verbleibt. Deshalb sinddie Mandatsgebiete der Klasse A bei Aufnahme von Anleihen in ein er ungünstigeren Lage als die Krorfkolo-nien, in denen das Regierungssystem einen mehr oder weniger stabilen Charakter trägt. Es ist daher notwendig, daß die englische Regierung die Garantie 'übernimmt. Es sei gut, daß die Regierung ohi Akt von 1929 eine solche Garantie übernommen hat uoid. er hoffe, daß in der neuen Vorlage die von ihm gemachten Vorschläge berücksichtigt werden. Palästina ist ein Land, das in geschichtlicher Hinsicht alt ist, aber an der.Schwelle moderner Entwicklung steht. Palästina, vom Kriege , stark In Mitleidenschaft gezogen, ist dennoch das einzige Land, das der britischen Kasse Rückzahlung iür Anleihen aus der früheren Zelt, und zwar für Eisenbahnbauten usw., leistet. S.ir Herbert Samuel lenkte die "Aufmerksamkeit der Regierung darauf, wie wünschenswert es wäre, den Bau einer Eisenbahn von Haifa zur syris c fi"e'n Grenze und deren Verbindung mit der Eisenbahn, die die syrischen Behörden von Beirut bauen, zu erwägen. Als ich Oberkommissär in Palästina war, führte jeh über dieses Projekt Unterhandlungen mit der französischen Kommission; diese nahm damals das Projekt sehr günstig auf. Die Verwirklichung dieses Planes wäre von großem Vorteil iür die palästinensischen Eisenbahnen,' weil dann ein direkter Transitverkehr zwischen Aegypten und Syrien über Palästina geschaffen wäre und der Handelsverkehr zwischen Syrien und Palästina sich besser entwickeln könnt'.1. Durch diese Eisenbahnverbindung würden die palästinensichen Eisenbahnen Anschluß an diejenigen <K<leinasiens erhalten, und so würde das letzte fehlende Glied einer direkten Eisenbahnverbindung Calais—Koiistantinopel— Kairo mit der einzigen Unterbrechung am Bosporus eingesetzt werden. Der Kanzler des Herzogtums Lancaster Sir Oswald Mösl ey führte aus, ßer Grund, warum Palästina in der Klausel 4 des Gesetzentwurfes nicht besonders erwähnt ist, ist der, daß Palästina in einer anderen Klausel de? Gesetzentwurfes in günstiger Weise berücksichtigt ist, die besagt, daß die Maudatsländer Anleihen gemäß dem Colonial Stocks Act aufnehmen können, eine Vergünstigung, die sich auf die Kolonialländer nicht bezieht. Homocord-Elektro. Den Lesein der „Neuen Welt" sind bereits eine ganze Reihe von Schallplatten dieser Marke durch die Inserate in diesem Blatte bekannt. In der heutigen Ausgabe bringen wir auf Seite 3 eine neue Plattenliste aus dem reichhaltigen und vorzüglichen Repertoire der Homocord- E1 ktro. Vollständige Kataloge erhaItcu Sie auf Wunsch jederzeit kostenlos durch die Gencralreriräsentanz: Wiener Phönix-Verlag, L, Strauchgassc 1. Tel. U-26-4-66. AUS PALÄSTINA. Der Aufbaufonds. im Verlauf des Monats Juni sind beim Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem an Spenden 31-765 Piund eingegangen. Der jüdische Bodenbesitz in Palästina. Der Bericht des jüdischen Nationalfonds zum 16. Kongreß enthält eine Reihe interessanter Ziffern über die Entwicklung des jüdischen Bodenbesitzes in Pa* lästina. Seit dem letzten Kongreß hat sich danach der jüdische Bodenbesitz in Palästina um 150.000 Dunam ver* größert und beträgt jetzt 1,200.000 Dunam. (Ein Dunam ist etwa 1000 Quadratmeter.) Obwohl diese Bodenfläche nur 5,6 Prozent der gesamten Bodenflächc Palästinas (westlich des Jordans) beträgt, ist ihre Bedeutung bei Berücksichtigung des Bodenwertes ungleich größer, da sich diese Böden in den wichtigsten und wertvollsten Bezirken des Landes befinden. In den Ebenen Schefela und Saron haben die Juden 14,9 Prozent (410.000 Dunam), in der Haifa*Akko*Ebene 13,2 Prozent (75.000 Dunam), im Emek Jesrecl 42,2 Prozent (207.000 Dunam) der Ge* e // Wien . J\d le prasse 8 ECKGE&CHÄFT samtfläche der.^betreffenden Gebiete erworben; in der Jordansenke beträgt der jüdische Anteil 2 Prozent (30.000 Dunam), am Tiberiassee und bei Hule 7,6 Prozent (26.000 Dunam). Im Durchschnitt beträgt der jüdische Anteil an diesen fruchtbarsten Gebieten des1 Landes 13,3 Prozent (74&Ö00 Dunam), wovon auf den Keren Kajemeth 32 Prozent entfallen. In den letzten zwei Jahren hat der Keren Kajemeth 82.000 Dunam erworben, darunter 35.000 Dunam in Samaria, 21.000 Dunam in der Akko*Ebene, 23.000 Dunam im Emek Jesrcel. Dem-Keren. Kajemeth gehören insge« samt 25 Prozent, der PICA 35 Prozent, privaten' Gesell« schaften und Privaten 40 Prozent des jüdischen Bodens besitzes in Palästina. Ein- und Auswanderung in Palästina. Während des Monats Mai wanderten, in Palästina 263 Immigranten ein, darunter 195 Juden, 51 Christen und. 17 Mohammedaner. Im gleichen Zeitraum wanderten 253 Personen, darunter 184 Juden, 38 Christen und 31 Moham» medaner, aus. Die Kongreßwahlen in Palästina. Die zentrale Wahlkommission für die Kongreß* wählen in Palästina hat das definitive Ergebnis der Kon* greßwahlen für Palästina festgestellt. Danach wurden insgesamt 25.895 Stimmen abgegeben, von denen. 25.602 Stimmen gültig erklärt wurden. Die Verteilung der Stirn* men und der Mandate ist aus nachfolgender^Aufstellung ersichtlich: Listen Stimmen Mandate Vereinigte Arbeiterpartei . . . 15.043 17 . Misrachi ......... 2.743 . 3 Revisionisten ........ 2.554 2 Allg. Zionisten.......1.215 1 Jemenitische Arbeiter..... 561 — Jemeniten ......... 988 ' 1 Nationalbürger...... . 1.13*3 i' - 1" ' Hamisrachi Hazair...... 183 ■ — Handwerker .... . . . . 159 — Demokratische Zionisten .... 1.023-'' . I ■ Von den Listen, auf die eine größere Anzahl von Reststimmen entfielen, erhielten die Listen- 'der Rcvi« sioriisten, 'der allgemeinen' Zionisten uhd 'der < jemeniti* sehen Arbeiter je einen weiteren Vertreter, v > I IILMARXE R GASS E »30-32 Telephon! 9 O •5 - 6 7 und 9.5 - O - J 8 '. ' 'Fi l i a l e ' , '■' ■ vi.mariahilferstr.4q; Te (e prh o a : H 12 1 ■ , Verla TV q e K Sie P r o s p e k f e '.' Die Zementfabrik „Nescher" in Haifa. Die Fabrik ist eine der zukunftsreichsten Unter* nehmen in Palästina und hat sich trotz größter Schwie* rigkeiten glänzend entwickelt. Die Zahl der Arbeiter be* trägt gegenwärtig 290, darunter 21 Arbeiterinnen, die mit dem ^ähen und dem Ausbessern .der Säcke beschäftigt sind. Die gegenwärtige Belegschaft der Fabrik ist die größte, die .eii Bestehen des Unternehmens erreicht wurde. Der Minimalllohn der Arbeiter beträgt 11 österr. Schilli . der der Arbeiterinnen 7.25 österr. S bei achtstündiger Arbeitszeit. Facharbeiter werden nach einnm besonderen Tarif entlohnt. Alle Angelegenheiten zwischen der Leitung und den Arbeitern werd 1 durch den Betriebsrat behandelt, der von Zeit zu Zeit zu einer Sitzung mit der Leitung zusammentritt. Außer den 290 jüdischen Arbeitern sind im Steinbruch des Unter« nehmens noch 100 arabische Arbeiter beschäftigt, die von einem arabischen. Unternehmer, der die Arbeiten un Akkord übernommen hat, eingestellt sind. Die Bevölkerung des Siedlungspunktes „Nescher" zählt gegen 600 Seelen, darunter 130 Kinder im Alter bis zu 11 Jahren. Die meisten Arbeiter wohneil in selbst aufgestellten Baracken iii der Umgebung der Fabrik. Es sind Bemühungen im Gange, um in der Nähe der Fabriks-- anlagen eine Arbeitersiedlung zu errichten. Der Aufomobilverkehr. Die PalästinasRegierung hat durch eine Verordnung in der letzten Nummer der „Official Gazette" die Kosten der Lizenzen für Automobile, insbesondere für Autos Omnibusse und Lastkraftwageii, erheblich erhöht. In einer Zusammenkunft von Vertretern jüdischer Chauffeur* Vereinigungen wurde schärfster Protest gegen diese Maß* nähme eingelegt, die durch eine untragbare Belastung, die Entwicklung des Automobiltransports unterbinde. Die Versammlung wählte eine Kommission, die bei: deu in Frage kommenden Regierungsstellen eine Zurücknahme der Verordnung erreichen soll. Die IL Palästinareise 5689 vom 2. September bis 1. Oktober 1929 wird entsprechend den Erfahrungen der ersten Reise mit bedeutend erweitertem Programm durchgeführt. Es wird auf der Hinreise äußer Genua, Neapel usw. auch Venedig besucht, wo ein 24stündiger Aufenthalt vorgesehen ist. Durch die großartige Einteilung der Kabinen auf der „Ausonia", dem modernsten Schiffe für die Ueberfahrr nach Palästina, und die bedeutenden Ermäßigungen, welche von alten Eisenbahnen, Hotels usw. gewährt wurden, ist es den Veranstaltern ermöglicht worden, Preise anzusetzen, die breiten Schichten der Bevölkerung eine Palästinareise erschwinglich machen. Die Preise verstehen sich von Wien bis Wien: bei Benützung der II. Schiffsklasse S 2125; bei Benützung der III. Schiffsklasse spezial. S 1525; bei. Benützung der III. Schiffsklasse einfach'S' 1325. Eisenbahnfahrten und Unterbringung in Palästina und Aegypten sind bei allen Kategorien die gleichen. Auskünfte und Prospekte bis zur Rückkehr der Reiseleiterin Frau Berta Taubes, bei der Schiffahrt«* gesellschaft „Sitmar", Wien, I., Kärntnerring 18, Telephon U*45*009. Die Memeler Ritualmordaffäre. Amtlich als Lüge festgestellt. Aus Kowno, 21. Juli, meldet die J. T. A.: Das Hemeler Regierungsdirektorium hat heute eine Mitteilung veröffentlicht,. wonach die Untersuchung der Todesart des Dienstmädchens Martha Jakumait unzweifelhaft ergeben hat, daß das Mädchen an einer Gasvergiftung durch Unglücksfall gestorben ist und daß die Annahme einer (Ritual-)Mordschuld ihres Dienstgebers Schochat oder anderer JCreise keinerlei Grundlage hat. . j Wiederaufbau in Izsak. Oberrabbiner Dr. Josef Borsodi aus Kecskemet berichtet in ungarischen Zeitungen über den Wiederauf* bau des israelitischen Tempels in der Gemeinde Izsak, der im Jahre 1920 von antisemitischen Horden mit Aexten und anderen Werkzeugen zerstört worden war. Die Thoraroll'en und die Inneneinrichtung des 200jährigen Tempels waren damals spurlos ver* schwunden, die jüdische Bevölkerung von Izsak, von der eine Anzahl bekannter Persönlichkeiten getötet worden war, war nach allen Windrichtungen zerstoben.