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Die neue Welt · 1929-07-19 · Heft 96 (19.7.1929) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 96 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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IT Seite W DIE NEUE WELT Nr, 96 all dem waren einige Ziegelsteine, ein, zwei Holzpflocke Übrig geblieben. „Wo sind meine Kinder?" fragte der Vater ängstlich! Niemand wagte zu antworten. „Und mein Weib?" schrie Lazar von wahnsinniger Angst erfaßt. Audi auf diese Frage wollte keiner der Anwesenden, die sich um den armen Mann bemühten, antworten. Nun wurde Lazar mit einem Male alles klar. Sein Weib und seine Kinder hatte er in den wenigen Minuten der furditbaren Katastrophe für immer verloren. Er murmelte irgend ein kurzes hebräisdies Gebet, vielleicht war es ein Vers aus dem Buche Hiob, und ging auf die Suche nach seinen Lieben. Drei Stunden lang währte dieses Sudien und Forschen. Zuerst stieß er auf den Leidmam seiner Frau. Die unglüdclidie Mutter lag zwischen Felsgestein, in schlammigem Gras, fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Wie ein Wahnsinniger stürzte sich Lazar auf den Leichnam, versuchte den Sdilamm von ihrem Gesichte hinwegzuküssen, vielleicht konnte er sie noch zum Leben erwecken. Dann gings weiter auf die Suche nach seinen drei Kindern. Die dreijährige Manzi lag tot, noch immer die neuen winzigen Schuhe für das Schewuothfest kranmpfhaft umklammernd. Der siebenjährige Ludwig wurde von dem Strom bis zur nädisten, sieben Kilometer entfernten, Gemeinde geschwemmt, aber das dritte Kind, den zehnjährigen Leopold, konnte der von so furchtbarem Unglück heimgesuchte Vater auch als Leidie nicht mehr bergen. Da verließen Lazar die letzten Kräfte. Ohnmäditig fiel er in den Schlamm, den die Flut hinterlassen und den er einen ganzen Tag durchwatet hatte, um auch seinen ältesten Sohn neben der Mutter und den beiden anderen Kindern zu „Kewer Israel" bringen zu können. Lazar Weiß ist obdachlos geworden. Die Bestattung der drei Leichen hat die Juden der ganzen Gegend zu einer teilnahmsvollen Trauerversammlung vereinigt. Das jüdische Herz hat sich sofort geregt. Es hat sich des unglücklichen Hiob angenommen. Das ist jüdischer Tod, jüdisches Leben. Jüdische Sport i Vor dem Ende des jüdischen Sportverbandes Oesterreichs. Menorah ausgetreten. Der jüdische Sportverbahd Oesterreichs, der noch vor kurzer Zeit vielleicht' der einzige jüdische Sportverband war, der erfolgreiche Arbeit geleistet hat, steht vor der Auflösung. Einige Jahre hindurch gab es zahlreiche erfolgreiche Propagandaspiele im Ausland, zionistische Versammlungen und rege Tätigkeit für die jüdische Sache. Seit Beginn dieses Jahres hat sich leider alles geändert. Die Interesselosigkeit der Vorstandsmitglieder führte dazu, daß nebst dem Vizepräsidenten Dr. Sanel Beer auch der Verbandskapitän Emanuel Fiscus dem Sportverbande den Rücken gekehrt haben. Nun droht dem Verband die vollständige Auflösung. Seit Monaten wurde keine Vorstandssitzung abgehalten, nicht einmal (wie schon bereits erwähnt) zum Gang zum Herzl-Grab fand es der Sportverband der Mühe wert,. Vorkehrungen zu treffen. Der ganze Verband scheint nur in der Person des Präsidenten zu bestehen. Die erste Folge dieser Untätigkeit hat sich bereits eingestellt. Der Sp. Cl. Menorah, der fast acht Jahre dem jüdischen Sportverband angehört hat und in letzter Zeit vergebens bei der jüdischen Sportbehörde Rat suchte, hat die Reihen der jüdischen Sportvereine verlassen. Er wird sich in den nächsten Tagen mit dem nichtjüdischen Sp. Cl. Fair fusionieren und seinen jüdischen Nameii aufgeben. Von zwölf jüdischen Klubs, die vor Jahren in Wien existiert haben, verbleiben nebst der Hakoah nur noch drei Amateurvereine, und zwar Hasmonea, Hagibor-Makkabi und Kadimah. Wenn man berücksichtigt, daß der Bestand iier Kadimah durch die chronischen Krisen bedroht ist, so dürfte es nicht mehr lange dauern, bis in Wien, einer Stadt mit über 200.000 Juden, nur zwei jüdische Amateurvereine bestehen werden. Einen großen Anteil an dem Niedergang des jüdischen Sports hat auch die zionistische Leitung Oesterreichs und die Wiener Kultusgemeinde. Die zionistische Organisation dürfte vielleicht die einzige sein, die den Zusammenhang mit der Sportjugend vollständig verloren hat. Alle Bemühungen, die jüdischen Führer für den Amateursport zu gewinnen, blieben erfolglos. Auch die Kultusgemeinde, die vor Jahren eine Subvention für den jüdischen Jugendsport zusagte, hat bis jetzt mit keinem Groschen ausgeholfen. Es hat sich schon bei den letzten Wahlen zum Züricher Kongreß gezeigt, daß die Jugend, soweit sie noch zionistisch geblieben ist, sich der radikalen Richtung angeschlossen hat. Aber der Großteil der jüdischen Sportjugend hat den Weg dorthin gefunden, wo naan der Jugend anders entgegenkommt. Hunderte jüdischer Mädels und Jungen, die man zionistisch hätte erhalten können, stehen heute im roten Lager. Bedenkt mau, daß die zionistische Partei bei den letzten Wahlen mit den Poale-Zionisten gemeinsam marschiert ist, so darf es gar nicht wundern, daß die jüdische Jugend sich von der nationaljüdischen Richtung abjrondet. Buchhalterin erstkl. Kraft, mit langjähriger Praxis in ersten Häusern, beste Referenzen, sucht Stellung.;> Uebernimmt auch die Führung von Pauschal- *; buchaltung, Bilanzierungen, Neueinführungen j t und Aufarbeiten von Rückständen. Gefl. Zuj; Schriften unter „Buchhalterin". $»♦♦♦♦»♦»»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»< Die Hakoah in Polen. Eine Niederlage und ein Sieg. Nach dem überlegenen 6:1-Sieg gegen das Städteteam von Kielce-Kalisch erlitt die Hakoah in Warschau gegen S. C. Legia, bei dem Steuermann (früher Hasmonea Lemberg) tätig ist, eine empfindliche 1:4- Niederlage. Die Niederlage hätte noch höher ausfallen können, da der Schiedsrichter, ein Mitglied des platzbesitzenden Vereines, mit der jüdischen Männschaft machte, was er wollte. Jeder Angriff der Blau- Weißen wurde abgepfiffen und zwei klare Offside-Goals der Warschauer anerkannt. Die Spieler der Hakoah wollten wegen des unerhörten Vorgehens des Schiedsrichters bereits vor Seitenwechsel abtreten, mußten aber trotzdem weiter kämpfen, um das vereinbarte Honorar nicht zu verlieren. Den einzigen Treffer erzielte Mausner aus einem Elfmeter. Sonntag absolvierte Hakoah ein Spiel gegen ein Militärteam und siegte 2:0. Die Tore erzielten Heß und Neufeld. Touristik und SkUKlub „Hakoah". Tourenprogramm für Sonntag den 14. Juli 1929. Fußtouren: Wöglerin, Ge« säuse, Kleiner Buchstein. Näheres Freitag von 20 bis 22 Uhr. Jugendgruppe: Nach Vereinbarung. Näheres Donnerstag von 19 bis 21 Uhr. Klubheim, Wien, I., Wipplingerstraße 24 (Durchgang Cafe Altes Rathaus). Hüttenbau*Sammlung! Geplant wird die Er* richtung einer Schutzhütte im Semmcringgebiet. Baugrund bereits erworben. Bisheriges Sammlungsergebnis: S 10.106, Fr. Smilovici S 20, Robert Gutwillig S 20, D. Herbst S 20, somit bisher S 10.166. Spenden an die Redaktion oder direkt auf P.?Spk.*Konto 19.383. Die Grazer Hakoah siegte gegen den G. A. K. 3:2. Die BlausWeißen boten nach längerer Zeit eine vorzüg* liehe Leistung. Bei den österreichischen Leichtathletikmeisters schaften besetzte Blödy (Hakoah) im 1500*Meter*Laufen den zweiten Platz, Die HakoahsWasserballer, die zweimal die Meister* schaft errungen haben, müssen sich in dieser Saison mit dem vorletzten Platz in der Tabelle begnügen. Erst im letzten Match gegen Ewäsk gelang' es den Blau«Weißen 4 : 1 erfolgreich zu bleiben. Die Tore erzielten F1 e s c h (3) und Guth. Austritte aus dem Judentum. Alexander Schechter, geb. 8. III. 1876 Alexandrien, ledig, XII., Schönbrunnerstraße 143. — Ernestine Fürns berg, geb. 6. XI. 1900 Wien, lcdig, VI., Gumpendorfer# straße 76. — Margarethe Buchholz geb. Giebel, geb. 31. X. 1904 Hainburg, ger. gesch., VI., Pfauengasse 5. — Frans ziska Jellinek, geb. 3. V. 1909 Wien, ledig, XVI, Gaul* Iachergasse 27. — Aloisia Messing, geb. 26. X. 1890 Wien, verh., IX., Gussenbauergasse 7. — Margarethe Kramer geb. Kohn, geb. 6. III. 1890 Wien, ger. gesch., IX., Georg Siegigasse 12. — Olga Pöllak geb. Wiener, geb. 19. III. 1897 Wien, gesch., X., Absberggasse 15. — Ida Steckerl, geb. 1. III. 1904 Wien, ledig, X., Gudrunstraße 140. — Hala Meilman, geb. i: IX. 1901 Kischinew, ledig, VIII., Piaristengasse 16. — Walter Petersilka, geb. 24. V. 1903 Wien, ledig, VII., Kaiserstraße 101. — Hans Weißkopf, geb. 30. VII. 1901 Wien, ledig, VI., Magdalenenstraße 33. — Olga Schulsinger, geb. 19. VIII. 1906 Wien, ledig, X., Schoberplatz 3. — Flora Frank, geb. 15. XII. 1892 Wien, bei Schiffmann, II., Taborstraße Nr. 48? Wegen vorgerückter Saison sensationeller Mantel* und Kleider-Rummel. Waschkleider zu S 1.70, Sommerkleider, für starke Damen, viele Dessins, S 4.90, Ripsleinen-Tennisklelder, mit gest. Emblemen und färbigem Aufputz, S 4.90, Prima Ripsleinen - Tenniskleider, moderne Dessins, S 6.90, K.-Seiden - Kleider (Composes) S 8.90, K.-Seiden- Kleider, herrliche Dessins, S 9.80, Kasha - Kleider, mit langen Aermeln, S 9,80, Georgette-Kleider, entzückende Fassons, S 16.90, Selden-Foulard-Klelder, mit langen Aermeln, reizende Dessins, S 19.50, Crepe de Chine-Kleider, aparte Fasson, lange Aermel, alle Modefarben, S 19.30, Woll-Popeline-Klelder, (Composes) bestickt, alle Farben, S 19.80, Complets, Kleid und Jacke, aus prima Woll-Popeline, modernste Farben, S 29.—, Crepe-Schlafröcke, viele Farben, S 4.90, Sommer-Schlafröcke, fabelhafte Dessins, S 9.80 und S 6.90, Seidenbrokat-Schlalröcke, das Neueste, S 18.50. Wegen Räumung des Lagers werden Mäntel um jeden Preis abgestoßen! Mäntel aus Modekarostoff nur S 9.80, Engl. Sportmantel, neueste Modelle, S 19.80, Engl. Trenchcoats, prima Modestoff, mit Lederknöpfen, S 29.— usw. Bei Einkauf eines Mantels 1 Badetrikot gratis I Die beim Gewitter vom Wasser beschädigten Waren werden zu verblüffend billigen Preisen abgegeben: Chiffons per Meter 50 g, Wasch-de lalne, für Kleider, per Meter 89 g, Waschseide, für Kleider, per Meter 98 g. Fahrtspesen werden vergütet. — Provinzveraand per ^afihnahme. g ledig, XVIII., Kreuzgasse 28. —• Paula Steinschneider, geb. 29. IX, 1900 Gr.*Blattnitz, ledig, XVIII., Kart Beck« gasse 25. — Eduard Liebet geb. 8. X. 1922 Wien, ledig, XVIII., Gentzgasse 86. — Martha Alexander geb. Liska, geb. 22. XI. 1900 Wien, ledig, VI., Linke Wienzeile 168. — Samuel Wang, geb. 3. VIII. 1868 Przemysl, verh., VT., Spörlingasse 4. — Karl Spitz, geb. 27. III. 1903 Wien, ger, gesch., VIII., Laudongasse 10. — Leo R6ti, geb. 20. XII. 1883 Wien, ledig, VI., Hirschengasse 25. — Maria Wein* reb geb. Berghold, geb. 1. XII. 1891, FrÖsaugraben, verh., III., Strohgasse 8. — Gerold Weiß, geb. 1. III. 1915 Wien, ledig, III., Dietrichgasse 1. — Louise Patzau, geb. 8. I. 1870 Wien, ledig, III., Beatrixgasse 3 a. — Isidor Kellebrie» geb. 5. V. 1894 Lemberg, ledig, Beamter, III., Uchatius» gasse 4. — Friedrich Halpern, geb. 2. XI. 1903 Wien, led., III., Hauptstraße 1. — Stefanie Jungwirth, geb. 24. III. 1894, Getalovic, ledig, III., Kegelgasse 41. — Moritz Lein* wander, geb. 5. X. 1875 Frauenkirchen (Burgenland), ver< heiratet, VII., Westbahnstraße 39. — Erna Grünberger, geb. 29. VII. 1909 Wien, ledig, VII., Seidengasse 4. — Karl Appel, geb. 12. VII. 1922 Wien, ledig, III. DIE MUTTER Roman von Schalom Asch. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst, Wien. (62. Fortsetzung« „Und was wird geschehen, wenn ich mich in dich verliebe?" — sagte sie lächelnd; Buchholz schien es, als seien Tränen in ihrer Stimme zu hören, und sein Herz wurde weich. „Was soll ich tun?" — fragte er zitternd. „Ich bin doch auch nur ein Mensch." „"Was soll ich tun?" „Du mußt mit Dwojre sein." „Ich kann aber nicht, ich, ich..." „Du mußt aber mit Dwojre sein/- — sagte* Miß Forster fest — »sie hat so viel für dich geopfert, du weißt selbst nicht, wieviel sie geopfert hat; ich weiß es, ich weiß es" — ihre Augen blitzten, „Sie haben recht, Sie haben recht" — Buchhote verbarg seinen Kopf in den Händen. Er tat ihr leid. „Gib mir die Hand, wir wollen Freunde sein, nichts anderes als Freunde» gute, ergebene Freunde." ■ Buchholz preßte sein Gesicht an ihre Meinen Hände. „Und sei stark, denke an Dwojre." „Dwojre ist meine Schwester." Miß Förster lachte auf und zeigte ihre kleinen weißen Zähne. „Aber du bist Dwojre kein Bruder. Nun, Buchholz, gib mir die Hand und sei mein Freund, mein guter, guter Freund." Sie stand auf und verließ ihn. * Auf dem Heimweg dachte Buchhote CHe ganze Zeit an Miß Forster. Dwojre sah und fühlte er nicht mehr und dachte nicht mehr an sie. Ihr Körper, den er durch ihr Kleid gefühlt hatte, hatte wie ein feuriges Untier alle seine anderen Gefühle, Pflichten und Erinnerungen verzehrt. Er konnte nicht verzichten. Unter einem Berg ausgekühlter Asche glimmte ein Flämmc&en — Dwojre, welche mahnte wie ein Gläubiger. Und so wie das Flämmc'hen unter der Asche aufzulodern versuchte, da kam Miß Forsters Duft und verlöschte es... Mit diesen Gedanken kam er heim. „Chaskel" — rief Dwojre, die nicht schlief — „bist du es?" „ja" — antwortete er mit einer traurigen Stimme, die sie noch nie von ihm gehört hatte. „Warum sitzest du dort allein?" — fragte sie ihn. Er stand auf, trat an ihr Bett, setzte sich an den Rand und schwieg. „Was hast du, Chaskel?" — fragte sie, von großem Mitleid für ihn erfaßt. In der Dunkelheit sah er ihr Gesicht nicht und auch sie nicht das seine; sie fühlten einander nur. „Dwojre" — er beugt seinen Kopf zu ihr nieder und sie umfaßt ihn mit ihren Armen. „Was fehlt dir, Chaskel? Sag' es mir." „Dwojre, du bist meine Schwester, immer meine Schwester, meine ewige Schwester, für immer — nicht wahr?" „Gewiß, ich bin deine Schwester, du weißt es ja" — antwortet sie ihm; ihre Stimme ist heiser. „Und ich bin dein Bruder, dein einziger Bruder..." Sie schwieg eine Weile. Er hörte bloß ihr Herz klopfen. „Du liebst Miß Forster, nicht wahr?" — fragt sie, Neugier in der Stimme. Buchhodz antwortete nicht; er schmiegte bloß wie ein Kind sein Gesicht an ihre Brust, „Und du willst mit ihr nach Buropa fähren?* Buchholz versuchte, ihr mit dec Hand den Mund m xftrfißbüsßen,...................................

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