Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 96 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Gr 's* ü> V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-s vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 19. Juli 1929 Nr. 96 Amerikanisch-jüdische Probleme *« Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt: —y: Echter und falscher Sozialismus. M. J. Cohen, Sofia: Die französischen Kongregationsschulen und der Ritualmprd» Dr. Wolf gang W e i s 1: Bei den Juden in Indien (II.). Zum Kapitel: Rote Assimilation. Aus der Deutschen Republik. Dr. Fritz Löwen stein, Jerusalem: Brief aus Palästina. N. R., Warschau: Brief aus Polen. Die Moral der Wiener Kongreßwahlen. Das neue jüdische Gemeindegesetz in Rumänien. Trotzky und Stalin im russisch-jüdischen Witz. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Austritte aus dem Judentum.. Schalom Asch: Die Mutter. Schalom Alechem: Komödianten. Bolschewikischer Friedhofsturm Oer jüdische Friedhof In Berditschew beschlagnahmt. — Gewaltsame Exhumierung. Aus Moskau, 14. Juli, meldet die J. T. A.: Der Sowjet der Stadt Berditschew, die eine der größten und ältesten jüdischen Gemeinden des' europäischen Ostens beherbergt (die Bevölkerung von Berditschew ist fast durchweg jüdisch), hat beschlossen, den im Zentrum der Stadt gelegenen, mehr als 200 Jahre alten, historisch denkwürdigen jüdischen Friedhof, auf dem sich Gräber berühmter Rabbiner befinden, in einen öffentlichen Park umzuwandeln. Unter der religiösen Bevölkerung Berditschews 'hat Beschluß des Sowjet tiefe Bestürzung hervorgerufen. Arbeiter auf dem Friedhof erschienen, um' den Boden "umzugraben und die Knochen aus den Gräbern auszuheben, stellten sich ihnen die frommen Juden entgegen, es kam zu einem schweren Zusammenstoß, wobei ein Angehöriger der Miliz und mehrere Arbeiter üurch Schläge und Steinwürre blutende Verletzungen davontrugen. Während dessen hatte ein Teil der Arbeiter mehrere Gräber ausgehoben und .die Knochen auseinandergestreut. Das Ra'bbiiHt von Berditschew forderte allle Juden der Stadt auf, sich an der feierlichen Bestattung demonstrativ zu beteiligen. Die Kommunisten erlklären, daß die Knochen nicht von* Menschen, sondern von Pferden herstammen! Der Stadtsowjet von Berditschew sucht die erregte Stimmung durch die Erklärung zu' beschwichtigen, daß er bei Umwandlung des Friedhofes in einen öffentlichen Park einen kleinen Teil der Fläche umzäunen und dort die Grabsteine 'des alten Friedhofes •aufstellen 'lassenwerde. der Als Die Agudah. doxie in (Bann getan worden»* die Ausdehnung dieses Baron es auf die Evelina de Rothschild-Scjntle hat in Jerusalem große Ueberraschung hervorgerufen. Wie der J. T. A. von der Anglo Jewish Association mitgeteilt wird, watr schon vor vielen Jahfen'ein „Cherem" gegen die Evelina de Rothschild'-Schul'e ausgestochen worden, der noch bis heute offiziell nicht zurückgezogen war. Es soll einer der Gründe für den Cherem gewesen berufstechnische Ausbildung der Schüler als auf strengsein, daß in dem der Schule angeschlossenen Kindergarten der Unterricht .in hebräischer Sprache erteilt wird. Dte Dohung mit der Streichung aus der Liste der Ghaluka-, Empfänger hat wenig praktische Bedeutung, da nur ganz wenige Bitern, die Ghalukaempfänger sind, ihre Kinder in .die Evelina de Rotschsohild-Schule schicken. Die Leiterin dieser Schule, Miß Annie Landau, hat gelegentlich ihres Besuches in London im Juli vorigen Jahres in einer Vefsammlung der Anglo Jewish Association mitgeteilt, daß ihre Schule sehr stark den Missionsschulen entgegenwirkt, Die Mädchenschulen der Mission sind die am besten ausge* statteten höheren Schulen in Palästina. Würde die Evelina' de Rothsohild^Schule ihre höheren Schulklassen schließen, so würden die jüdischen Mädchen in Scharen in die Missions-- schulen strömen, da die Regierung nur Mädchen aufstellt, die mindestens über eine Miittelschulibildung verfügen» - r ■ * *, * ' '!' :"; ' "i Jüdisches Kanonenfutter für den bolschewikischen. yf'^' er'V/« % £ s."^ ■ -• ' f % Imperialismus. Die Judenkolopeii in der üiandschurisc]tien Kriegszpn^ ^M^Si ty^yß **m£r Um die K r ä m ist' es .seit langem unheimlich' still g'e- ■ worden; Mau - erinnert sich hoch an idie erfolgreichen Bemühungen, vor . allem aus •dem-• ajnerifca.nis<?fi0,- .^•dent-ü-ni Gelder für die krimkororiisation^erauvjzupressen, für jehfcs' Projekt,', das eine G ef ah r f-üt*M*::tfWi}ät•n.^.c^n>' J u d e n bedeute n mußte. Damals war von der Errichtung einer. jüdischen Republik die' Rede, die.,die restlose Lösung der Judenfrage in Rußland herbeiführen' und damit den zionistischen Bestrebungen ihre Basis: entziehen sollte. Diese Politik hat Bankrott gemacht. Die ungeheure Not der russischen Juden zwang die Führer des jüdischen Kommunismus in Rußland, den -Kolonlsatiönsbluff aufrechtzuerhalten und das wahnwitzige .Projeikt der Besiedlung des 10.000 Kilometer von Moskau entfernten Sumpfgeibietes von B.i r - Bi'.ds ch a n in-die Welt' zusetzen.. Ein Jahr ist seit Beginn dieser sogenannten „Musterikolonisierung" verflossen, von der die russisch-kommunltisohe Clique und' die .assimilatorische' amerikanische Pluto- 'kratie mit den Ausdrücken höchster Genugtuung und. Begeisterung faselten. Noch vor wenigen Monaten konnten die, Initiatoren dieses Abenteuers, M e r e s c h i.n und .das offizielleOrgan der jüdischen Kommunisten „Em es" fesstellen, daß hunderte deklassierter Kleinbürger und Arbeiter in den Sümpfen teils .zugrunde gingen, teils den Rückzug Jn ihre ursprünglichen Aufenthaltsorte antraten. All diese Tatsachen aber hatten die jüdisch-amerikanischen Philanthropen nicht gehindert, Millionen jüdischer, durch Sammlungen aufgebrachter Dollar den kommunistischen Desperados in den Rachen zu werfen, und zwar ohne einepolitische Kontrolle auch nur beän- Rabbi Sonnenleld gegen die Evelina de Rotschild- Schule. Aus J e t u s al e m, H. Juli meldet die J. T. A.: Di-'* extrem orthodoxe Organisation „Schützer von Jerusalem" verbreitet eine von Rabbi Sonnenfeld, dem Führer der der Agudah angeschlossenen extremen palästinensischen Orthodoxie, unterzeichnete Kundgebung, in welcher frommen jüdischen Eltern verboten wird, ihre Kinder in die von der Anglo Jewish Association unterhaltene „Evelina de Rothschild-Schule" zu schicken. _E.ltern, die diese Warnung unbeachtet' lassen, wi rd d'i e S tr.e ichung aus der Liste der Chalukä-Empfänge r (Ghaluka ist der Fonds der jüdischen Orthodoxie aller Länder 'zugunsten der in Palästina lebenden erwerbslosen frommen Juden) angedroht. Der Schule wird in der Kundgebung vorgeworfen,'daß sie mehr Gewicht legt auf-die religiösen Unterricht. Bisher waren nur die zionistischen Schu 1 en von der extremeft Ortho.» Verband demokratischer Zionismen PGS*^%Gz^*as^%G^^^ Dienstag den 23. Juli 1929 j| halb 9 Uhr abends, im Fcittaal de* Hotel" Con- : tfnenial, II., Tabontrage 2 Herzl-Feicjr f anläßlich des 25. Todestages;* * ' I PROGRAMM; ä 1. Richard Becr-Hofmann: Jaakobs Traum, II. Akt, $ 6. Szene. Ausgeführt vom Jüdi^crhei? Sprechchor. Ä1 Künstlerische Leitung: Oikar Teller, mitwirkend * « Erich Mann - V' |2. El mole rachmtm: Oberkantor S. Lauderor J.3.. Gidenkredej Robert Stricker?.' $ 4. Au» Herzli Schritten: Jehuda, Ehrenkra^s I * % Karten ä S.2-, 1.50, .1.— und —.5$ in der Buph«. | handlung V, ö w i t, I., Rqteriturmstraß/e 22, und an $ der Abendkasse . &W»mMMWtmWWWWWtWtWW»WM»++fr? spruchen zu wollen wie etwa für die nicht einmal versprochenen Gelder im Fall Jewish Agency des jüdischen Nationalheims in Palästina. . Trotzdem hat das Bir-Bidschaner' Debaikel 'nicht genügt, di;e: wahinwitizigen:- der Mere«» schin und. Genossen in die Versenkung fallen zu lassen. Nach wie vor wird d^'s'ameriikanische Judentum für weitere Hilfsaktionen alarmiert.?>. hat jetzt die ameraikanische Arbeiterorganisation für jüdische Landsiedlung in Rußland „Icor" eine wissenschaitiliche Expertenkommission;näch Moskau mit der Aufgabe entsandt, Bir-Bidsohan auf die Möglichkeit einer jüdischen Massenikolonisation (!) m prüfen. Anf einem Bankett, das die „Ozet" an Moskau den Mitgliedern der Kommission, Prof. Davidson, Prof. Haris, Prof. Charles Kunz, Prof. K. Sauls, Benjamin Braun, dem Vizepräsidenten der „Icor" Dr. E, Watenberg und deren Generalsekretär I. Talmi gab, wurde wieder einmal von der Errichtung der „ersten jüdischen R e p u ib 1 i k in der Wellt" gesprochen. Die Herren Mereschin, Smidowitsch und Tschutzkajew wagten es, wie der „Emes" vom 7. Juli berichtet, die Möglichkeiten einer Industrialisierung und die reichen Bodensdhätze des Bir-Bidschaner Gebietes ins helle Licht zu rücken, und die naiven Experten spielten, bevor sie noch das Versuchsobjekt gesehen hatten, ihren optimistischen Trumpf aus, daß sie Bir- Bidschan mit amerikanischer Fixigkeit, sozusagen lim Handumdreheji, aufbauen würden! Auf diese Weise wird oer Schwindel von Bir-Bidschan unter wissenschaftlicher .Flagge fortgesetzt. Die Herren werden nach Amerika zurückkommen und, von den russischen Händedrücken begeistert, den jüdischen Massen dieselben Potemkinscheu Dörfer vormialen, mit denen man sie in Rußland geblufft hat. Wenn sich das Bir-Bidschaner Kolonlsationsnrojekt für die russischen Juden in wirtschaftlicher Beziehung als Schädigung an Blut und Habe erweist,' so bedeutet es in politischer Hinsicht eine Katastrophe. Wir haben schon seinerzeit in einer Darstellung von A. S. Juris gezeigt, daß es sich bei der Ansiedlung jüdischer Menschen in Bir-Bidschan nicht um eineu „Staat" für die Juden, sondern um Juden für einen Staat handelt, Noch nie ist dieses Argument so klar zutage getreten wie im gegenwärtigen Augenblick, wo aus einer latenten politischen -Krise eine akute Kriegsgefahr zwischen Sowjet-, rußland und China geworden ist. Schon stehen die.Truppen der ' Nanking-Regierung an der chinesisch-mandschutischen Grenze, um einem eventuellenrussischen Militärangriff zu begegnen. „Die Wacht am Amur" ist noch nicht da. Aber sie soll es auf Wunsch'der Jewseikya werden: in Form einer jüdischen Bif-Bidschan-Si'edhwig, eiiner Strafikolonie, die ihr Blut und ihre Knochen für Rußlands Gelüste im fernen Osten' hergeben soll. Die ' jüdischen Gelderaus. "Amerika sollen die Tragödie des armen, russischen,.der'Jewisekyia a'UsgeHejferteö Iwteoftwns .versiMsa helfml ............._ ' f'c 1'. J J.*" " r,. f '.c l . >*< A! •:'':■>'^p".: nr.. 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