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Die neue Welt · 1929-07-12 · Heft 95 (12.7.1929) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 95 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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f Seife 12 DIE NEUE WELT Nr. 95 Miß Forsters Enttäuschung war groß, als DWöjfe nicht zum Feste kam, itml sie wollte durchaus, daß Buchholz, sofort in eJnetn Älito zurückfahren und sie holen solfe. Doch Budihote versicherte aufrichtig und naiv, daß Dwojre Miß Förster vielmals um Entschuldigung bitte, daß sie ihr Blumen schicke und morgen selbst bei ihr sein werde. Das fest war so interessant und es gab so viel zu trinken, die Gäste waTen in so guter Stimmung und freuten sich so über Buchholz' Erfolg, daß man bald das kleine Mädchen vergaß. Spät am Abend zerstreuten sich die Gäste in den Winkeln, die heißen Debatten waren erstorben und die intimen Gespräche begannen. Auch die Kerzen, welche da und dort in, den Messingleuchtern standen, schienen 'dunkler zu brennen. Auf einem Kanapee im Winkel maß Miß Forster und neben ihr Buchholz. Endlich fand er sie allein. Ihr bernsteinfarbenes Seidenkleid war so dünn und legte sich so eng an ihren Körper, daß es nicht nur die Biegsamkeit dieses Leibes verriet, sondern daß geradezu die herrliche rosige Haut zu sehen war. Endlich, endlich fand er sie allein, wie sie müde, leicht auf ihren Arm gestützt, auf dem Sofa saß; wortlos setzte er sich neben sie. Sie blieb. Er wünschte innig, sich neben ihr auf den Boden niederzulassen, niedriger , zu sein als sie, ihre kleinen Füße, die in den Seidenstrümpfen wie nackt aussahen, zu berühren und in seiner Hand zu fühlen. t>och er tat es nicht. Sein Herz klopfte laut, sein Gesicht, das sonst nicht schön war, erhielt jetzt durch die Ekstase einen ganz; anderen Ausdruck; es wurde schön und interessant. Er blickte sie flehend an und murmelte: > . »Miß Isabel" — zum erstenmal nannte er sie beim Vornamen. Sie antwortete nicht und hielt die Augen halb geschlossen. „Miß Isabel.11 „Was willst du, Buchholz?4* Er wurde mutiger — entweder durch ihre Antwort oder durch den Duft ihres Körpers, den er jetzt mit vollen Zügen einsog — und rückte näher. Er fühlte durch das dünne . Seidenkleid ihre Hüften, fühlte die' Kühle, die Glätte und die Weichheit ihres Körpers . . * Buchholz wurde zu e l n e m Muskel) er krümmte sich vor Erregung, seine Augen blickten starr, äeine Nasenflügel und Lippen bebten: „Miß Isabel." /: Sie rückte nicht von ihm fort. Er spürte, wie auch sie zitterte. Sie hielt die Augen geschlossen, ihr Busen hob und senkte sich rasch. So saßen sie lange Zei t., , ■' Dann sah und hörte er nichts mehr. Er glitt auf 'den Boden zu ihren Füßen nieder und umfaßte streichelnd ihrekleinen Füße. : Langsam, aber entschieden zog sie ihre- Füße aus seinen Armen, , .Er setzte sich - lwie^^vftnt;>^'-^Ka9aR^.. und murmelte: „Miß JsafceL* ' " :; „Warum, tust du das?"; „Ich weiß nicht." (Fortsetzung ffolgt.) Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck verboten. Roman von Schalom Mechern. Ins Deutsche ubertragen von P. Rosen hall. (35. Fortsetzung) Denn ihr seid, sagte sie, beide auf dem „Weg", im* mer auf dem Weg. Immer, immer auf dem Weg. Er da her, du dort hin. Er da her, du dort hin... Ihr habt euch' lieb, sagt sie, ihr habt euch lieh« Er dich und dm ihn. Und ihr bewegt euch eins dem andern zu, sagt sie, , ihr strebt, reißt euch, aber ihr wandelt irrend, ihr, wandelt irrend, ihr wandelt irrend, so wie die Sterne, sagt sie, so wie die Sterne am Himmel... Und noch Manches hätte da' die/JHexe . gesagt' und gesagt und gesagt. Sie erinnert sich nicjtt, mehr, was. Sie erinnert sich nur, daß ihr Rosa um den Hals gefallen! ist, als sie weggingen von: der Meisterin, und sie geküßt und vor Freude geweint hat. Ein kapriziöses. Mädchen^ hat sie sich damals gedaett^,' ein kapriziöses Mädchen... Jetzt sind ihr viele Dinge,*klar, schließt Brejndele Kosak singenden Tons, und über das runde. Gesicht ergießt! sich fettes, zufriedenes Lächeln. ,; V ■■; ■„ 59. Kapitel. Er möchte singen. '.. \fji ■ •'.w " ■ Es war schon weit über Mitternacht, als die Scham spieler beider Truppen schließlicli doch das Kartenspiel beendeten und auseinandergingen,, der da hin, der dort hin. Der eine' mit Reue, 'fder andere .'mit Verdruß, der zufrieden, und der vergrämt und jener ernstlich wütend über sich und über die . andern .unJ;;Äbe_r.; die -gan^Vfcit... Wie zum Trotz gab es nicht eine einzige Droschke auf der Gasse, und unsere Helden, iHolzman und Rafalesco, mußten wie alle andern durch die Lemberger Gassen vom Cafe Monopol bis zu^ihrem Quartier — man verzeihe — ihre Füße schleifen. .'. I Es war eine Herbstnacht. Eine jener Nächte, von denen man sagt; nicht Winten nicht Sommer, nicht warnt, nicht kalt. Weswegen also, fragt es sich, ist es unserem jungen Helden so wohl, go gutj: ,so froh . zu Mute? Warum scheint ihm der Himmel so . freundlich, warum! winken ihm die Sterne - zu, > warum singen die Gassen] ihm, warum duftet die . .N^acHt .so,- was trägt ihn so leicht, warum möchte, er,, sjngeriJ;,;warum. möchte, er sc» gern seinen Freund umarmen,"seinen: .teuren, lieben Freund, und ihn abküssen, just mer'mitten -auf der Gasse? Neinl, er muß ihn umarmen, ihn{ Holzman, er hat ihn lieb» nun,- er hat ihn lieb. ' ' •J ft 1 Der 'andere sieht ihn \v)e^^ an. : „Was ist dir heut passiert, mein* teurer Spielvogel?"- ♦Holzman kann es , sich nicht verleihen,•'• in dieser Nacht wie ein richtigerv Kartenspieler verloren zu haben. Der . Teufel hat ihn. verführt, an der Bank , zu klebt«; ein böser Teufel zu all den schwarzen Jahren. Als!! er die volle Schüssel sah,;:packte ihn das Verlangen: Ein Teufel in des Geldes Vater hinein!. Anfangs gewann! er. Nun, räum ab den ,,Hut;.mityden Nüssen" und geh1 nachhause, du Uebertrottel;.-rn nein, will man aber noch und noch, ein Mensch hat große Augen. Und obenr' drein könnte man dem Direktor -Getzl nicht . Nein -sagen« >,Die Cholera soll auf ihn kommen mitsamt meinem Husten..,." . ■ :> ) Ein schlechtes Zeichen. Wenn Holzman zu husten anfängt und den Husten schilt, ist's ein Beweis, daß er nicht gut aufgelegt ist. Ist aber Rafalesco gut aufgelegt! Glücklich. Glücklich nicht. Kein richtiges Wort da. Gesegnet sei diese Nacht! Gesegnet sei diese Welt. Diese schöne liebe süße Welt. Den ganzen Weg vom Cafe1 Monopol bis zum Quartier nur ein Sprechen, nur ein Lachen, nur ein Singen. ,Was ist mit dem Burschen?...* Der Direktor Holzman sieht ihm ins Gesicht — das Gesicht leuchtet, die Augen glänzen. »Wahrscheinlich haben ihm des Doktor Lewiathans Komplimente den Kopf verdreht!< Als sie zum Quartier kamen, war es taghell. Endlich durch Läuten hereingekommen, zieht man sich aus* um schlafen zu gehen, und Rafalesco hört'nicht auf zu reden. Und es scheint Holzman, daß sein junger Freund heute etwas sonderbare Worte gebrauche. Es paßt kein Wort zum andern. »Nein, es gefällt ihm, sagt er, die Stadt Lembergl Lemberg •— eine wundervolle Stadt. Ein wundervoller Name. Lern—berg! Und die Menschen? Goldene Menschen, sagt er. Und das Theater gefällt ihm, sagt er, auch sehr. Und die Schauspieler — alle ausgezeich-< nete Menschen.' i „Und der Direktor Getzl ben Getzl?" unterbricht ihn Holzman. j „Warum nicht? Ein sehr braver Mensch, dieset; Getzl." . < „Ein solch Jahr auf ihn, wenn es schwarz ist," sagt Holzman und will das Licht auslöschen — Zeit zu schlafen. Das läßt aber Rafalesco nicht zu, will noch ein wenig! reden. : > „Verrückt meine Feinde, schon bald Tag!"; „Wenigstens noch ein klein wenig," bittet- Rafalesco und lacht über sich selber. „Worüber willst du sprechen?<' fragt ihn Holzman. Er will sprechen, erstens über den Dr. Lewius. . 1 „Was gibt's da über den Dr. Lewius zu sprechen? Ein vMäzenat, ein Deutsch, der sich einen Sack voll Reden hat." ■ ... I Nein, <er will höreni was er über Wiendenkt* Wegen einer . Reise nach Wien, Ach, nach Wien|. Was soll er, Holzman, über Wien denken? Wie kann er alle seine Geschäfte beiseitelegen und nach Wien fahren? Was ist? Haben. Sie vielleicht das Geld gestohlen oder was? Soll der Dr. Lewiathan für die Reisespesiejtt beisteuern! —• er wird daran nicht krank werden.. En hat .vielleicht eine halbe Million. Macht nichts, wtenn er hergibt.. . •. . Rafalesco denkt sich: Beisteuern? . Gewiß, .wird eil beisteuern.. Warum..soll ernicht., hergeben? Ein. goldener, Mensch, dieser Doktor! Ein Gold und nicht, ein Doktor. Ein Diamäht von einem Doktor, i,ÄHe sind, bei dir goldene Menschen, Alle 'Diamanten. Vorläufig, muß man; schlafen. Schlafen,, schlafen!<<c •Holzman reckt seinen langen dünnen Hals aus dem Bett heraus, bläst, löscht das ,Licht, schließtdie Augenii wUl-.zu schlafen.-beginnenj::Das aber läßt Rafalesco nicht zu. '• ' ' -'(Forfsetziung folgt.) 'GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, L Bez., SeUenstettengtuae 2, Telephon U-28-1-28 XL, Zentralfriedhof, neb. d. 7. Tor, Telephon U-18-0-85 Pension .Austria* Kinderheim VÖslau (OLGA KADISCH) jflgermayaratraBe 15 - Telephon 98 Stell« 8 - Für Dauer- und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht Im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. Mütterliche Pflege. - MÜBIge Prelf UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUUIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIÜ I Gegründet 1882 I lebensuerslcherunss- I Gesellschaft | Zentraldirektion: WIEN I., Riemergaeee Nr. 2 5 a ItosiditnuBilmtiDi) 1 MBBirfi W§ ÄffllOBtn bMlliog § 3 »gezahlt«! 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