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Die neue Welt · 1929-07-12 · Heft 95 (12.7.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 95 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Groschen V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.~; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R t V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schwebet Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6U& Telephon: A25-2-82 -- Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 12. Juli 1929 Nr. 95 Das Konkordat in Italien. Seite 4 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhält: Dr. Wolfgang Weisl: Heinrich York-Steiner. Jakob Krausz: „Good Will". Palästina vor der Mandatskommission. Die Judenfrage in Jugoslawien. Jüdische Arbeit in Deutschland. Die jüdischen Kreditgenossenschaften. Die Herzl-Frage in Budapest. N. R.,Warschau: Brief aus Polen. Dr. A. Rosenf eld: Nach den Festtagen in Mähr.- Ostrau. Aus der jüdischen Sport- und Turnbewegung. Pflege jüdischer Musik . Schalom Asch: Die Mutter. Schalom Alechem: Komödianten. Die antijudisclie ■ «r <• ••-»•' . . .. ■• V .> •*:*'-i - >• v.. Inquisition in Rußlands Beschluß des Parteitages der amerikanischen Zionismen. Die in Detroit abgehaltene Jahreskonvention der amerikanischen Zionisten nahm die folgende Resolu« tion an: „Die Konvention, amerikanischer Zionisten verur< teilt den Terror und die Inquisition, die in S o w j e t r u ß* Ii 3 n d mit Sanktionierung durch die Sowjetregierung gegen Zionismus, Judentum, hebräische Sprache und hebräische Kultur seitens der jüdischen kommunistischen Sektionen geübt werden, wobei der ganz und gar ungerechtfertigte .Vorwand ins Treffen geführt wird, daß Zionismus eine konterrevolutionäre, Bewegung und ein Deckmantel für britischen Imperialismus sei. Diese Inquisition wird mit einer Grausamkeit geübt, wie sie in den dunkelsten Tagen der Pogrome und der Inquisition nicht ihresgleichen hatte. Die russische Regierung befolgt eine vorsätzliche Politik der Unterdrückung der zionistischen Bewegung; die Zio» nisten werden gehetzt und in grauenvolle sibirische Kerker geworfen. Unterricht in Hebräisch, unserer heiligen Sprache, ist verboten, hebräische Bücher werden unter« drückt, hebräische Schulen verboten, - die Religion wird lächerlich gemacht. Alles, was dem-jüdischen Volke heilig ist, wofür es in all den Jahrhunderten lebte und starb,'wird entwurzelt und vernichtet. Der Spürsinn der G. P. U., verbunden mit strenger Zensur, hat es,drei Millionen unserer Brüs der in Rußland u n m ö g 1 i c h g e m a c h t,' die Wahr* heit über die wirklichen Verhältnisse der Welt mitzuteilen. Die von den jüdischen kominunisti« sehen Sektionen befolgten Methoden erweisen sich in ihrer, Auswirkung noch grausamer und destruktiver als dje Pogrome unter dem Zarenregime.. Die Pogrome ver* . nichteten die Körper, die jüdischen kommunistischen Sektionen unterdrücken KörperundSeele. Im Namen der . elementarsten menschlichen Ge? rechtigkeit":verurteilt die Konventionamerikanischer Zio* nisten einmütig diese Politik der Söwjetregierung und der Jewsekzia. Wir erheben unsere Stimme, um die G ewalt* taten, die gegen unser Volk.und besonders gegen seine selbstbewußtestensMitglieder, die Zipnisten, .verübt wer* den, vor alierWelt,zu enthüllen; Wir fordern die ,Admini* stration der Zionistischen Organisation von Amerika auf, die Lage unserer; Volksgenossen in Rußland unserer Regierung in W as hi n g t o vi' v o r» : zutragen und sie dringend zu ersuchen, ihre offiziellen oder inoffu ziellen Verbindungen, die sie mit der Sowjetmacht haben mag, zu benutzen! um es durchzusetzen, daß der Unter* drückung des Zionismus, der hebräischen Kultur und der jüdischen Religion ein Ende gemacht wird. Wir fordern ferner die Administration auf, unverzüglich mit anderen interessierten Organisationen Verhandlungen nach der gleichen Richtung anzuknüpfen. Rabbi J. G. Heller, Sohn des vor einigen Wochen verstorbenen führenden amerikanischen Zionisten Rabbi Maximilian Heller, wurde zum Präsidenten des Exe* kutivkomitees der Zionistischen Organisation Amerikas als Nachfolger von Elihu David Stöiie gewählt. Zu Vize* Präsidenten der Zionistischen ,•; Organisation Amerikas wurden Morris Rothenberg, Riöhter William M. Lewis, Elihu D. Stbne, Rabbi Abba Hilller Silver, Max Shulman und Frau-Archibald Silverman; gewählt. Zum . Sekretär wurde Meyer Weisgal, zum Schatzmeister Morris Wein* berg, zum zweiten Schatzmeister Harry' Fierst gewählt. Mit glühendem Glas übergössen. Peinigung eines jüdischen;? Arbeiters in Rußland. Die jungkommunistische ^Zeitung; „Komsomolskaja Pravda" teilt Einzelheiten über die Peinigungen mit, denen der; einzige jüdische Arbeiter an der Moskauer '-'Glas* fabrik A&ram .5 e.g a 10 w,.oipt. V^er.lau|e ,eines,,halben Jahres,, ausgesetzt .war. .Segalow würde oftj^ährend er;am/,Gl4s* Schmelzofen stand; vonseihen? antisemitischen Arbeits* kollegen mit glü-hendfei' Glasmasse über* g össen. Alle Klagen? Segalbws beim kommunistischen Fabrikskomitee blieben ungehört. Es wurde ihm gedroht, daß man ihn töten würde, wenn er etwas gegen seine Peiniger aussagen würde. Die Zeitung fordert eine strenge Untersuchung. Die Tote-MeerrKonzession* Ausschaltung jüdischer Arbeiter? Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Ing. N o w omeyski, der zusammen mit Major Tu 11 och die Konzession zur Ausbeutung der Salze des Toten Meeres erworben hat, teilte nach seiner Ankunft in Palästina der arabischen Presse'mit, daß am 1. November die Arbeiten zur Verwirklichung der Konzession definitiv in Angriff genommen werden würden. Die ungelernten Arbeiter werden aussenließlic h aus der Mitte der eingeborenen Bevölkerung genommen werden. Es ist abzuwarten, ob sich'diese Meldung bewahrheitet. Wenn sie richtig sein sollte, so wäre das ein schwerer Schlag gegenjede jüdische Arbeit in Palästina. Abermals Störungen an der Klagemauer. Ungeachtet der jüngst gegebenen Versicherungen, daß die Andacht der Juden an der Klagemauer nicht mehr gestört werden wir.d, haben der Klagemauer benachbart wohnende Araber den letzten Freitagabend-Gottesdienst an der Klagemauer gestört, indem sie auf Trommeln schlugen und die Flöten bliesen. I Verband demokratischer Zionisten I 3«^St$^»fri^ttgf^o>£S^ | Voranzeige! /Am 24. Juli findet anläßlich des 25. Todestages Herzls eine große I $ statt. | xCtior, Rezitationen; Gedenkrede etc. I Das detaillierte Programm wird zeitgeiecht ver- § lautbart werden m iiimiiiimiiiiiiiiiiiiiiiHi liüiili Antisemitismus in Deutschland* Die Führer der extrem antisemitischen Parteien •in Deutschland zeichnen sich weder durch besonders, hohe menschliche noch politische Eigenschaften aus. Skandalprozesse — teils das wirtschaftliche Gebaren, teils das gesellschaftliche und familiäre Leben betref-. fend — sind häufige Erscheinungen. Die Programme und Reden dieser Politiker sind flach, roh-demagogisch. In der Sitzung des Reichstages am 26. Juni brachte der nationalsozialistische Abgeordnete Graf, zu Reventlow einen Antrag auf „äu ß e re Kenntlichmachung der Juden ein. Er forderte, man solle den einzelnen Juden nicht mehr mit „Herr", sondern mit „Jude" anreden, eine Bezeichnung, die dem Namen eines jeden Juden voranzusetzen sei. Männer aber, die im öffentlichen Leben stehen, sollten, auch wenn sie dem Judentum angehören, vor dem Titel als Jude gekennzeichnet werden, also zum Beispiel „Der Jude Finanzminister! Hilferding", und der „Jude Reichstagsabgeordneter Bernhard" usw. Das Sitzungsprotokoll verzeichnet „Stürmische Heiterkeitsausbruche4' - auf allen ,Seiteni des Hauses. In einer Versammlung in Bayern griff der -ehemalige. Pastor von Borkum Mü n e h m $ t: 4eti Erbauer und Lenker der Zeppeline,' Dr.-, Eckener».auf gess^n Leistungen Deutschland so. stolz isi heftig an, weil er jüdische Journalisten bei seinen Fahrten mitgenommen hat. Er nannte Dr. Eckener. „einen aus der Redaktion der „Frankfurter Zeiturig'v: hervorge-< gangenen J u d e n k n e c h t, der nicht nur zur Schande der „Deutsch-Völker" eine P u r i m- Fahrt nach Jerusalem gemacht habe, sondern sieh' in Frankreich derart mit französischen Offizieren verbrüdert hätte, " daß hier sogar die schärfsten Ausdrücke versagten". Eine andere Probe antisemitischer Redekunst, Der bekannte Hakenkreuzler Streicher, welcher einige Dutzend Schmutzprozesse hinter sich hat, Herausgeber des „Stürmer", führte in einer Berliner Massenversammlung aus: Jesus Christus sei der erste Antisemit gewesen. Der Jude sei von dem Arier völlig verschieden. Eine physiologische Untersuchung seines Körpers ergebe, daß er dem Aff en nahestehe. Wenn Juden in eine christliche Familie einheiraten, sei die Familie auf viele Generationen hin verdorben. Als Beispiel nannte er die Hohenzollern, mit denen es bergab gegangen sei, seitdem eine englische Prinzessin in diese Familie hineingeheiratet hätte. Den früheren Kronprinzen sähe man immer im Verkehr mit Jude n. Das sei der Zug des Blutes. Rassenphysiologisch betrachtet, stehe eine arische Dirne hoch über jeder Jüdin.,. Der Jude sei . mit den Römern nach Deutschland gekommen, Köln sei die erste Judenstadt in Deutschland. In Deutschland habe sich der Jude im Ghetto von den anderen abgeschlossen und bilde seitdem ein organisiertes Verbrechertum. Mit Behagen gibt die links orientierte und sozialistische Presse, soweit sie von jüdischen Redakteuren und Herausgebern beeinflußt wird, diese Redeexzesse wieder. Sie weist, mit Recht, auf den moralischen und geistigen Tiefstand dieser Führer hin, sie verhöhnt und. verspottet sie, mit Recht. Aber berechtigter1 Spott und berechtigte Verachtung ändern nichts an der Tatsache der ungeheuren-Zugkraft, welche ■ diese Sollen Reden ausüben, der-Empfänglichkeit des deutschen Publikums für diese-Art' der Politik. Die oben erwähnte Versammung Streichers fand in einem •Berliner Saale statt, welcher tiber 5000 Personnen, faßt; Jeder Besucher mußte eine halbe Mark zahlen, E i n i g e S t u n d en;vo r Beginn war d e r S a a 1 überfüllt. Bei den in den letzten Monaten vorgenommenen Wahlen zu den Landtagen und1 Stadtparlamenten ist ein Anschwellen der' nationalsozialistischen Stimmenzahlen zu verzeichnen, Das fortschrittliche rote Sachsen hat es glücklich zu einem hakenkxeuzleriseften Innenmini-

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