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Die neue Welt · 1929-06-21 · Heft 92 (21.6.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 92 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 92 Die Juden in Jugoslawien. Staatsbeiträge für jüdische Zwecke. Aus Belgrad, 16. d., meldet J. T. A.: Das neue Budget des jugoslawischen Königreiches enthält die fol genderi Posten für Zwecke der jüdischen Konfession: für das GroßratoWnat und 13 Rabbiner 221-100 Dinar, Tcuc rungszulagen für jüdische Seelsorger, deren Witwen und Waisen 810.120 Dinar, - Subvention der jüdischen Theolo gisehen Anstalt 100.000 Dinar. Die Beträge werden d e in jüdischen G e m e i n d e 'b u n d zur Verfügung ge stellt. Der Gesamtbetrag der staatlichen Beihilfe im Zeit räume 1. Mai 1929 bis 30. April 1930 für die jüdische Kon lession ist 1,131.220 Dinar. Amtliche Verlautbarungen der israelit. Kultusgemeinde Wien. L. D. Königsbergsche Stiftung — Lele*Bondi*Heim, Wien, II., Böcklinstraße 59. Kundmachung, In dem oben bezeichneten Heime gelangen drei Freiplätze zur Besetzung. Aufnahme finden jüdische Mäd« chen aus Mittelstandskreisen im Alter von 10 bis 14 Jahren; bevorzugt werden musikalisch begabte Kinder. Außerdem gelangen einige Plätze gegen Bezahlung des Selbstkostenpreises (derzeit S 150) zur Besetzung. Ge* suche, belegt mit Geburtsschein, Impfschein, Gesundheits* zeugnis und auch mit den Nachweisen über gute Unter* richtserfolge (Schulzeugnis) sind bis 30. d. M. in der Amts* direktion der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, 3. Stock, zu überreichen. Wien, 16. Juni 1929. Der Morenu-Krieg in Oedenburg Aus einer ungarischen orthodoxen Gemeinde. Mindergebildeten sei zunächst die Erklärung ge» geben, .daß „Morenu". in der hebräischen Sprache soviel wie „unser Lehrer" bedeutet,- und ein Titel ist, der etwa dem „Dr. honoris causa" entspricht. In der guten alten Zeit wurde ein solcher Titel als eine hohe Auszeichnung angesehen, denn er wurde nur von einem Rabbinats* kollegium oder von einem allseits anerkannten Gelehrten an seinen Schüler verliehen. Kam ein noch junger Bachur aus einer großen. Jeschiwah in seine kleine Heimats* gemeinde, ausgestattet mit dem Morenu*Titel, heim, so empfand es die ganze Judengemeinde als ihre eigene Auszeichnung. Es entspricht auch der Hochachtung des jüdischen Volkes für die Wissenschaft im allgemeinen, daß ein an einer Fakultät einer Hochschule erworbener Doktorgrad als ein Morenu*Titcl im jüdischen Sinne an« erkannt und bewertet wird.: Der Morenu*Titel hat für den Besitzer im allgemeinen keinerlei materiellen Vorteile und wirkt sich eigentlich nur,, aus? wenn der Inhaber eines solchen Titel's zur Thora gerufen und vor der ganzen versammelten Gemeinde mit dem Ehrentitel „Morenu" genannt wird. . In den letzten Jahrzehnten hat sich dann besonders in Ungarn der Mißbrauch eingebürgert, daß die Vorstände der Kultusgemeinden, in deren Mitte zumeist die größten Ignoranten auf dem Gebiete; der, jüdischen Wissenschaft; sitzen, sich das Recht arrogicren, Morenu/fitel zu ver* leihen und oft auch gegen namhafte Spenden förmlich zu verkaufen. Daraus entwickelte sich von selbst der weitere Abusus, daß diese Gemeinden sich auch das Recht herausnahmen, das durch wissenschaftliche Erfolge oder durch ein Doktorat erworbene Recht auf den Titel „Morenu" .zu entziehen, wenn der Betreffende etwa, mit der Gemeiridepolitik des Gemeindevorstehers unzufrieden, seinem Unmut auch Ausdruck verlieh. Diese aufklären* den Bemerkungen waren notwendig, um die Posse zu ver? stehen undzu beurteilen, die gegenwärtig in der Ge* meinde O e d e n b u r g aufgeführt wird. In dieser Gemeinde wirkt gegenwärtig ein jüdischer Gemeindepascha namens Dr. Bela Weiler. Es handelt )ich um die orthodoxe Gemeinde und es soll auch nicht unerwähnt bleiben, daß Dr; \Veiler, der als Student der Budapester, „Makkabäa" angehörte, sich allmählich zum Assimilanten gewandelt hat. Der Oedenburger Advokat Dr. Bernhard Fisch mann ist der Widerpart Doktor Weilers in jeder Beziehung. Er war auch „Makkabäer", I®9<GSs^9&^%&^9<$^^ I Samuel Kantor beehrt sich anzuzeigen, daß seine Trauung mif Fräulein Mirjam Sommerfreund Sonntag, den 23. Juni 1929 In Gurahumora, Bukowina, stattfindet j| Telegramm Adresse: Kantor, Gurahumorulul @9GF^9GS^9&^$S^3&^9^^ | Der Vorstand des Verbandes demo- | Kratiscner Zlonlsren gratuliert herzlichst | seinem Mltgllede Herrn SAMUEL KANTOR I zur Trauung mir rräuiein MIRJAM sommcr- 1 TREUND. (rtnmiimnummmmim/ftmimmtnnnmni^ i-uiwiiimmmMrtHtiHiitiiWtminiiiHW n un m i n i u i in i n i n i imi P SIEGM. KORNMEHL | GROSSFLEISCHHAUEREI i Zentrale IX., Berggaase 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 j || unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kul- || tusgemeinde Wien |l Autozusteilung kostenlos II IX„ Berggasse 13 ✓ XVIII., Währingerstr. 97 blieb jedoch seiner Gesinnung treu und ist gegenwärtig Vizepräsident der zionistischen Ortsgruppe in Oedea» bürg. Als aufrechter Zionist häft er mit seiner Kritik der Gemeindeverwaltung des orthodoxen Präsidenten nicht zurück. Es kam zu unerquicklichen Auseinandersetzungen, so daß schließlich Dr. Weiler und seine Kollegen im Vor» stand sich dazu hinreißen ließen, durch einen Präsidial* beschluß Dr. Bernhard Fischmann seines Morenu*Titels zu entkleiden, das heißt ihn in aller Form zu degradieren. Die ganze Affäre wäre zu lächerlich und könnte höchstens den Stoff für eine Posse abgeben, wenn sie nicht die traurige Begleiterscheinung aufzuweisen hätte, daß sich mit dem Morenu*Krieg auch das bürgerliche Gericht befassen mußte. Der Richter mochte sich um gefähr in derselben Situation befunden haben, wie jener Richter der Anekdote, der die Klage des Juden, daß ihm das ererbte Recht, an den hohen Feiertagen Schofar zu blasen, plötzlich entzogen worden' war, behandeln mußte. „Was ist ein Schofar?" frug der Richter der Anekdote und konnte trotz aller Bemühungen pro und kontra aus den Antworten nicht klug werden. Auch der ungarische Richter von Oedenburg wußte nicht recht, was er mit diesem MorenusStreit anfangen sollte. Aber schließlich stellte sich der Oedenburger Richter als Repräsentant der. Autorität auf die Seite der jüdischen Autorität in der Person des Kultuspräsidentcn und entschied, daß der Gemeindevorstand das Recht habe, einem Ge» m e i nd emi t g li e d den Mof eiiusTitel zu en U ziehen, auch dann, wenn er ihn nicht verliehen hatte. Wohin dieser orthodoxe Krieg gegen einen grundehrlichen Juden, bloß weil er Zionist ist, noch ausarten wird, ist noch nicht abzusehen.1 •Vorläufig wurde Dr. Fischmann auch aus dem Verbände der orthodoxen Gemeinde aus* geschlossen. : ■ * ' ' Diese unerquickliche-; Geschichte soll durch die Auf* frischung einer Anekdote;: des: verstorbenen berühmten Orientalisten Ignäz G o 1 d)z i h e r,'der bekanntlich auch Generalsekretär der Budagester Kultusgemeinde war, ab» geschlossen "werden. Ihfe^; Spitze richtet sich" gleichfalls gegen den Mißbrauch, daß unwissende Gemeindevorsteher Morenu*Titel,i' allerdings mit Hilfe ihrer Rabbiner, zu ver* leihen und zu entziehen wagen. : Schaje Rindfuß — erzählte Goldziher — hatte im Leben großen Erfolg und rfichts \var ihm vom Glück ver* sagt. Frau Rindfuß trug die schönsten Kleider in der Stadt und ' hesaif&H^'^ aber sie fühlte; sich doch nicht vollkomen ^glücklich und' zufrieden, denn ihr Mann Schaje Rindfuß Chatte keine — „Morenu". Sie verbitterte auch ihrem Gaf£cn das Leben, quälte ihn un« ausgesetzt mit der Forderung, sich, koste es was es koste, die „Merene" zu erwerben^ Rindfuß beriet sich mit dem Schames, der ihm schließlich den Rat erteilte, zum Rab* biner - Her Nachbarstadt^>zu7>fah'ren, >. ihm '200 . Gulden für die Armen der Gemeinde und eine fette Gans für die Rebbezin zu überbringen und dafür vom Rabbiner die Morenuzu erbitten. Rin^fuß befolgte den Rat des Scharries und .'fuhr, mit .Geld -und Gans zum Rabbiner in die Stadt. Der Rabbiney hörte, das Begehr des Juden an und meinte nach längerem Nachdenken schließlich: „Ich bin, mein lieber Sohn, ja bereit, dir die Mo; renu zu verleihen, ich muß dich aber schon jetzt darauf aufmerksam machen, daß dir daraus über 120 Jahren .im Jenseits große Schwierigkeiten erwachsen werden.' Im Himmel droben nämlich beten die Amratzim, die Ig» noranten, in einen* eigeix^n ...Tempell, und dje;mit dem Titel „Morenu" auch in .ihrem eigenen Tempel. Da man nun drüben in jener Welt^nichts verheimlichen kann, so wird sich auch herausstellen, daß du kein wirklicher Morenu bist, und so wirst du ohne Tempel dastehen, in dem du beten könntest, denn weder die Amratzim noch die „Morenu" werden dich in ihren Tempel hinein* lassen. . " „Aber, Rebbe," — flehte Rindfuß — „ich muß aber doch die Morenu haben ... ich muß ..." „Weißt du was," — riet nun der Rabbi •— kehre zurück in dein Städtchen, suche dir noch neun solche Männer zusammen, wie du einer bist, und auch sie mögen 200 Gulden für die Armen' Und drei Fettgänse per Kopf mitbringen, dann werde ich auch ihnen die Morenu geben, und so wirst du dann beruhigt sterben können, denn du wirst in jener Welt dein eigenes Minjam gleichwertiger Morenu haben und allen wird geholfen sein . . J. Kr. Jugcndrneeting. Mittwoch den 26. d. M., 8 Uhr abends, findet im Cafe Arkaden ein Z i o n i s t e n* Jugend*Meeting statt. Thema: Der Fahnen« streit. Eintritt frei. Jugendliche, erscheint zahlreich!. Jüdischer Angestelltenvcrbaod „Emunali". \Ylen. Montag, den 24. d., im Saale der Volksbibliothck ..Zion", II.. Kleine Mohrengasse 3 b, 1. Stock. Vortrag des Herr« Dr. N. M, Gelber - über „Die europäische J ii d c n Ii c i t am Vorabend der französischen R e v o 1 u t i o u". Beginn 8 Uhr abends. Güste willkommen. Die Bedeutung der ReHgionsphilosophie. Der Vorstand des MaimonidesJnstiutes hat anläßt lieh des Abschlusses eines seit mehreren Jahren von Rabbiner Dr. K a m i n k a gehaltenen Vortragszyklus über „More Nebuchim" eine solenne Sium*Feier am 10. d. in den Räumen des Institutes veranstaltet. Der Vor* tragende gab einen Rückblick über den Inhalt des ganzen Buches, ferner eine ausführliche Betrachtung darüber, wie die Verbreitung der philosophischen Ideen des Juden* tums, wie sie das Institut mit einigem Erfolge durch seine Kurse in den eigenen Räumen und seine mit Genehmigung des Rektorates an der Universität in einem großen Hör« saal abgehaltenen Vorträge in Angriff genommen hat, in unserer Zeit geradezu ein Lebensinteresse für eine Groß* gemeinde bildet. Die Erhaltung der Religionsgemeinschaft und ihre Verteidigung nicht nur anderen Bekenntnissen, sondern auch den modernen Zeitströmungen, dem Materialismus und dem Atheismus gegenüber sei eine"' philosophische Frage. I In Spanien sei Ende des 15. Jahrhunderts die große Katastrophe über die Judenheit hereingebrochen, nach* dem sie vorher, wie die vor einigen Jahren veröffent* lichten Protokolle der Disputation von Tortosa zeigen, infolge zu geringer reliigionsphilosophischer Bil* dung einen moralischen Zusammenbruch erlitten hat: Jeder Tag der öffentlichen Diputation führte zu zahl* reichen Taufen und am 67. Verhandlungstage streckten fast alle Rabbiner und Gemeindevorsteher — obwohl sie vollkommene Redefreiheit hatten — die Waffen vor Geronimo de Santa Fe — bis auf R. Josef A1 ho, dem Philosophen, und Vidal Ferrer, welche den Halt nicht verloren hatten. Eine gewisse Verwandtschaft mit der damaligen Situation in Spanien habe auch die gegen* wärtige in Sowjetrußland, wo eine fanatische Ver* folgung die Religion ausrotten wolle und gerade die jüdischen Kommunisten, vielfach Söhne von streng ortho* doxen Eltern, Vorbetern und anderen Kultusbearaten, einen besonders wütenden kämpf gegen alles liebräische und gegen jede religiöse Ueberlieferung führen. Es kann dies nur erklärt werden als die elementare Entladung des in der Jugend dieser intellektuel oft hochstehenden Menschen angesammelten Grolles über ein schweres Joch äußerlicher Obse r v a n z, welches ihnen aufgeladen war, ohne daß ihnen gleichzeitig Verständnis für den unermeßlichen kulturellen Wert und die universelle philo* sophische Bedeutung der in der jüdischen Tradition be* gründeten Weltauffassung und Lebensrichtung beige* bracht wurde. . An die jüdischen Eltern! Der Verband der Hebräisch*Lehrer übersendet uns folgenden Aufruf: .* j-4 ,. Der hebräische Lehrer ist es, der euer Kind zum Judentum erzieht, es mit der Schönheit der hebräischen Sprache bekannt macht. Er schafft damit auch die Grund* lagen eines jüdischen Familienlebens und hält den zer* setzenden Einfluß der Straße vom jüdischen Kinde fern. Trotzdem ~der jüdische Lehrer mit größter Aufopferung und Idealismus seinen Beruf ausübt, gibt es doch viele jüdische Eltern, die bewußt oder unbewußt ihn alljährlich zu Beginn der Ferien auf Gnade oder Ungnade s e i n.e'm* S c h i c k s ä 1 ü b e r 1 a s s e n. Statt der ■wohl* verdienten Erholung nach zehn Monaten langer schwerer Arbeit wird dem hebräischen. Lehrer nicht das gehörige Verständnis entgegengebracht und er wird somit in eine unhaltbare Lage versetzt. Der hebräische Lehrerverbahd wendet sich daher an die jüdischen Eltern'mit der Bitte, dem hebräischen Lehrer freiwillig sein Recht einzu* räumen und ihm durch Entrichtung des ihm gebühren* den Honorars während der Ferien zu einer Erholungsmöglichkeit.,zu verhelfen. Ferner bitten wir, den Beginn der Unterrichtstätig* keit gleich nach den Ferien zu ermöglichen, damit diese für den Lehrer ohnehin schwere Zeit nicht übermäßig verlängert werde. '••*■■ Die Bitte der Lehrer muß nachdrücklich unterstützt werden. Es geht wirklich nicht an, die , Lehrer unserer Kinder für zwei bis drei Monate brotlos zu machen. Die hart arbeitenden, einer idealen Aufgabe" dienenden He* bräischlehrer verdienen jede Förderung. Lose- und Redehalle jiid. Hoclischiilor. Sonntag, den 23. d. Herzl- Grabgang. Treffpunkt aller A. H. A. H. und Bb. Bb.; dreiviertel 9 Uhr Endstation 40er-Linie. Erscheinen Pflicht. Soeben erschienen: Fi Ein Mahnruf zu zionistischer Selbstbesinnung. Das Judenproblem. Konstellations- oder Qualitätsproblem? Palästina als Laboratorium. Bedingter oder bedingungsloser Zionismus. Ausstrahlung und Galuth-Natipnalismus. Der Sinn der Majorität Das jüdische Staatsbedurfnis.ZionismusoderStaatsbürgertreue. Der binationale Staat Palästina oder jüdisches Volk? Bestellungen an den Verlag „Die Neue Well« Wien, IX. Besirk, Universitätsslrasse 6-8 Preis Mfc. 1.50, für Oesterreich S 2.20

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