Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 92 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 2 h Juni 1929 Nr. 92 Die jüdische Studentenschaft im Abzv ehr kämpf Seite 3 An die Wähler zum 16. Zionistenköngreß! Dienstag, den 25. Juni finden in Oesterreich die Wahlen zum 16. Zionistenköngreß statt. Während sich die Wahlen zu den letzten Kongressen um das Für und Wider die Erweiterung der Jewish Agency abspielten, fällt jetzt diese Frage fort. Die Erweiterung der Jewish Agency ist bereits perfekt geworden. Es ist so gut wie gewiß, daß der Kongreß sie mit großer Majorität ratifizieren wird. Die demokratischen Zionisten haben bis zum letzten Augenblick warnend ihre Stimme erhoben. Nun, da die Majorität der Zionistischen Organisation sich endgültig für die Erweiterung enschieden hat, ist der Weg, welchen die demokratischen Zionisten zu gehen haben, vorgezeichnet. Wir bleiben treu bei der Organisation, für deren Souveränität wir gestritten haben, und gehen mit ihr in die erweiterte Agency, um dort für die Durchsetzung unverfälschter nationaler, zionistischer und demokratisch e r Grundsätze zu wirken. So hat es die Weltkonferenz radikaler Zionisten, welcher die demokratischen Zionisten Oesterreichs zugehören, beschlossen und so werden wir handeln. Wir demokratische Zionisten werben jetzt um die Stimmen der Österreichischen Zionisten, von welchen uns die Frage der Erweiterung der Jewish Agency bei Kongreßwahlen bisher getrennt hatte. Wir treten als Wahlwerber auf, weil wir uns berufen und verpflichtet fühlen, auf dem Kongreß und in der erweiterten Agency für nachstehende Programmpunkte zu arbeiten und zu kämpfen, deren Durchsetzung jeder von Liebe zum Zionismus und Treue zur Zionistischen Organisation ganz erfüllte Zionist aus vollem Herzen wünschen muß. Der Zionismus darf durch die Erweiterung der Agency nicht seines nationalen Inhaltes beraubt und der Aufbau des jüdischen Palästina nicht zur Wohltätigkeitsangelegenheit herabgedrückt werden. Die Zionistische Organisation muß erhalten bleiben. Der jetzt willkürlich zusammengesetzte nichtzionistiscbe Teil der Agency muß eine demokratisch gewählte Körperschaft werden, gleich dem zionistischen Teile. Es muß verhindert werden, daß in grundsätzlichen Fragen zionistische Vertreter gemeinsam mit den nichtzionistischen gegen die Majorität der Zionisten stimmen und so den Willen der zionistischen Majorität ohnmächtig machen. Das würde unvermeidlich zur Spaltung, zum Verfall der Zionistischen Organisation führen. Der Zionistenköngreß muß daher das Recht erhalten, die zionistischen Vertreter in der Agency bei grundsätzlichen Fragen in ihrer Abstimmung zu binden! Es muß für den Fall der Auflösung der erweiterten Agency Vorsorge getroffen werden, daß die Zionistische Organisation dann wiederum alleinige Vertreterin beim Völkerbund und bei der englischen Mandatarmacht bleibt. Wenn sich die Zusammenarbeit mit den Niehtzionisten als schädlich oder unmöglich erweist, muß die Zionistische Organisation berechtigt sein, den V er t rag zu lösen und den alten Rechtszustand wiederherzustellen, weil sonst alle Errungenschaften des Zionismus und der Aufbau des jüdischen Palästina in Frage gestellt wären. Für die Sicherung dieser Bedingungen wollen die demokratischen Zionisten auf dem Kongreß eintreten. In innerzionistischen Fragen ist ihre Haltung durch das zionistisch-demokratische Programm bedingt. Die Hauptpunkte sind: Wiederaufrichtung des Herzischen Zionismus! Das Endziel des Zionismus war und ist der Judenstaat auf dem jüdisch-historischen Boden Palästinas. Maßgebende Kreis«, und Organe in der Zionistischen Organisation' führen seit Jahr und Tag eine schädliche Agitation, welche darauf hinausgeht, das Endziel zu verkleinern, auf ein „geistiges" Zentrum, auf ein arabisch-jüdisches Gemeinwesen, auf einen fe%ÄtioaÄtea Staat herab* zudrückett. Man geht vielfach sogar so, weit« das Streben nach Schaffung einer jüdischen Majorität in Palästina als wertlos hinzustellen. Diese Agitation hat die Kraft der Zionistischen Organisation geschwächt, hat die Gedankengänge verwirrt und nicht zuletzt bewirkt, daß die jüdische Jugend, welche das Große will und sich nur für das Große begeistert, enttäuscht von uns weggeht. W i r wollen den Herzischen Zionismus mit seiner Judenstaatsidee wieder zur Geltung bringen, wieder zum Träger der Zionistischen Organisation und des Zionistenkongresses machen. Energische, zielbewußte Politik heim Völkerbund und der Mandatarmacht! Während die Juden in Palästina Wunder an Arbeit leisten, das Land trotz schwerster wirt- Herzl-Grabgang. Gruppe der demokratischen Zionisten. Sonntag, den 23. Juni findet der Herzl-Grabgang der Wiener Zionisten statt. Die Mitglieder und Freunde versammeln sich mit ihren Kindern um 9 Uhr vormittags in der Peter-Jordan-Straße bei der Hochschule für Bodenkultur in dem Teil der StraGe, welcher zum Spital der Kaufmannschaft führt. Demokratische Zionisten und Freunde! Erscheinet vollzählig! Ehret das Andenken des großen Führers! ' *. Wenn schon... dann nur 'f Gramola einen aus dem U ramola w GRAMOLA-SPEZIALHAUS MarlahllferstraßQ 31 Alle im redaktionellen Teil befimilichen entgeltlichen Notiren sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt: —y: Verbundene und Verbündete. A. Goldberg, Warschau: Die Scheidewand ist gefallen. Lndwig B a t o : Der letzte Marrane: Vambery. (IL) Die Vorgänge an der Wiener Universität Ude für die Ochsen. Otto A b e 1 e s : Marmarosch-Sighet. Die polnischen Bischöfe hetzen weiter. Aus Palästina. Der Morenu-Krieg in Oedenburg. /' Das Fatum drs Abraham Silbermann. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. | ,. Austritte aus dem Judentum. f Sdialom Asch: Die Mutter. Schalom Alechem: Komödianten. schaftlicher Bedingungen wirtschaftlich und kulturell rasch in die Höhe bringen, wird ihre politische Stellung immer schwächer. Die Vorfälle an der Klagemauer sind ein Symptom. Die Araber erhalten Staatsländereien, den Juden wird Boden, welchen sie Jahre hindurch bearbeitet haben, weggenommen. Die Zahl der jüdischen Beamten in öffentlichen Diensten war nie zureichend, jetzt wiid sie immer kleiner. Jüdische Arbeiter werden bei öffentlichen Arbeiten unzureichend oder überhaupt nicht beschäftigt. Die palästinensische Verwaltung trifft ihre Maßnahmen, ohne auf die Rechte und Wünsche der jüdischen Bevölkerung Rücksicht zu nehmen. Sie tut nichts, was aktive Förderung des jüdischen Aufbaues bedeutet, obzwar das Mandat sie dazu verpflichtet. Sie tut vieles, was den Aufbau behindert. Die Zionistische Organisation ist in dieser Hinsicht einflußlos geworden, so offensichtlich, daß der Qlaube der palästinensischen Judenschaft an die Zionistische Organisation fast zur Gänze geschwunden ist. Wir wollen auf dem Kongreß dahin wirken, daß energische politische Arbeit, wie sie Herzl uns gelehrt hat, eingeleitet werde, um die Rechte des Mandats zu verwirklichen. Gegen die Bürokratisierung des Zionismus! Für die strengste Wirtschaftlichkeit und Kontrolle bei der Gebarung mit zionistischem Volksgelde! Die freiwillige, ehrenamtliche Arbeit ist in der Zionistischen Organisation in den Hintergrund getreten, eine ganz seltene Erscheinung geworden. Sie ist fast vollständig durch Beamtenarbeit ersetzt worden. Die Leitung hat diese schädliche Tendenz nicht gehindert, eher gefördert. Die Gerüchte, daß unverhältnismäßig große Teile der gesammelten Gelder nicht ihrer Bestimmung in Palästina zugeführt, sondern in der Diaspora und in Palästina bei der Verwaltung verwirtschaftet werden, nehmen überhand. Die ausgewiesenen hohen Spesensätze tragen dazu bei, die Unzufriedenheit zu steigern und die Opferwilligkeit zu verringern. Wir demokratischen Zionisten fordern objektive, strenge Prüfung der Gebarung mit zionistischen Geldern, Reduzierung der Beamtenarbeit auf den unbedingt notwendigen Bedarf, Pflege der freiwilligen, ehrenamtlichen Mitarbeit, welche die schönste und wertvollste Erscheinung im Zionismus war. Wir treten für die Schaffung eines unabhängigen Kontrollamtes ein, welches die Gebarung aller zionistischen Institutionen zu prüfen und zu überwachen hätte. Auf dem letzten Zionistenköngreß hat unser Vertreter Robert Stricker den Beschluß, es möge unverzüglich ein solches Kontrollamt eingesetzt werden, erkämpft. Dieser Kongreßbeschluß ist bis heute nicht