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Die neue Welt · 1929-06-13 · Heft 91 (13.6.1929) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 91 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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J Seite 12 i/itf-m "trSt DIE NfiüEWELT Cofvrigfft bjr, ,pie &iie Welt", Wien. Kachdruck verboten. Roman von Schaiom Mechern. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. (31. Fortsetzung) Und es dünkt ihm nach ihren Gesiebtem, daß er nicht Menschen vor sich habe, — Haustiere und Federvieh. Efneb nähert sich dem Aussehen eirier Ziege, der andere sieht einem Hahn gleich, vom dritten könnte er schwören^ der sei eine Katze. Grüne Katzenaugen hat er und leckt ^vie eine Katze. ' Rafalesco hat Brejndele Kosak sogleich erkannt und $3rejndele Kosak auch ihn, obwohl er gewachsen ist und in Maske steckt. Wie oft hat sie ihn damals mit HotzmacW |n der Scheune gesehen, als sie bei Schtschuppak in Holei jieschti spielte. ,Ist das gar er? Aaah!? Wie ein Blitz; ging ihr ein Gedanke durch den Kopf und mit Blitzes-! schnelle wurde ihr eine ganze Reihe von Kombinationen' klar, die soeben bei ihr geboren wurden. Mitten in Lärm; lind Gedränge ruft Brejndele Holzman zur Seite. „Das ist dein Rafalesco aus Bukarest, chachacha? Das ist doch des Wirten Junge aus Holeneschti — „Pßt," macht Holzman und legt ihr seinen Fuß „Kein Wort mehr. Sprechen wir lieber von was; Anderem." „Warum zum Beispiel?" macht sie zu ihm, blickt inm in die scharfen spitzen Augen und denkt sich, was1 aus! eitlem Menschen werden kann, geh und triff's, daß das der Hotzmach ist, der einmal die Stiefel bei Schtschuppak geputzt und Ohrfeigen abgekriegt hat wie ein Fleischerl hund! „Wo also zu all den schwarzen Jahren ist Schstschuppak? Und Scholem Mejr MurawtschikJ Und alle die an-1 dern Drescher?'.' fragte er in einem Atem. Und sie weiß nicht, was erst beantworten, da er, kaum hat sie daisi eine beantwortet, schon mit siebzehn anderen Fragen dahergerannt kommt und alles auf einem Fuß. Er macht Sich Gedanken um Schtschuppak und Schstschuppak herum und sie möchte gerne wissen, was mit -dem Jungen ist und. Beider Augen sind zu einem Punkt hin gerichtetj zu Rafalesco. »Zuviel Leute um den Burschen,' denkt sich! Holzman, Ihn allein lassen zwischen diesen Theater-; hyänen ist gefährlich.' Während er mit Brejndele Kosak sprach, ließ er kein Auge von. Rafalesco, und obwohl es ziemlich finster war, sah er doch mit seinem Blick, wie alle sich zum Gast hindrängten, zum „jugendlichen Künstler aus Bukai rest". Jeder will ihn aus der Nähe sehen, ihm* die Hand reichen, aus seinem Mund ein Wort hören, Er, Rafa-; lesco, sucht wen mit den Augen. Wen denn? Er sucht die ein bißchen Kleine, ein bißchen Dicke, die sich! Tschernjak nennt oder Brejndele Kos,ak. Er sieht sie mit Holzman in einem, Winkel stehen und sprechen und will zu ihr hingehen, versagt es sich aber..Eine Minute, langi glaubt er die Maske beiseite legen und zu ihr hinlaufen! zu müssen: ,habt ihr nicht gehört, habt ihr nicht ge-, sehen Eine mit dem Namen Resl? ihr müßt wissen, wen! ich meine, sia ist des Chasen Tochter aus Holeneschti!*/ Und nicht nur leise würde er es sagen, sondern laut hinaus-! schreien, auf daß es alle hören. Er fühlt, wie die Worte ihm im Halse stecken, sie stoßen ihn, sie würgen ihn, während hier vor seinen Augen Fratzen von Tier und Federt vieh wimmeln, die er nicht sehen will, während er hier Worte, Schmeicheleien hört, die er nicht hören will. Und von Allen drängt sich einer zu ihm hin, etwas ein UjnteH setzter mit goldener Brille, mit dem dreieckig zuge-' schliffenen Glas, und mit sonderbar großen, weißen, schief überein andergewachsenen Zahnen. Das Gesicht strahlt, die Augen glänzen die Brille hindurch, er drängt sich mit allen Kräften durch die Leute. Die Schauspieler und Schaut Spielerinnen haben ihn von fern erblickt: ,Kinder, der Doktor Lewiathan kommt!' Und wie er näher kommt; treten sie zur Seite, machen ihm Platz und rufen kräftig: „Leuf, laßt den boktor Lewius vorbei!" 5 4. Kap.itel. Dr. LewhisrLewiathan. Holzman, der seine Augen niemals und nirgends von dem „Jungen", von f&faleseo, ließ/sah die gänze Zeit, da er mit Brejndele -Kosak «prach, dorthin,, woder Junge sich befand. Und als er von fern bemerktej wie irgend ein fremder Mensch sich sehr eneijgisch drängte und zu Rafalesco stoßen wollte, ließ er Brejndele, Kosak stehen und schon wuchs er zwischen beiden auf und blickte mit seinen schärfen spitzen Augen den fremden Menschen an. „Wen brauchen Sie? Was brauchen Sie?" Der fremde Mensch, «fe er den eleganten Direktor mit den Backenkottelets erblickte, zog eine Visitenkarte hervor — „Doktor Lewius". Holzmann warf. einen Blick auf dje Karte und betrachtete den Dr. Julius Lewius ^iit dem dreieckig zugeschliffenen Glas und mit den großen weißen, schief über^ einandergewachsenen Zähnen und dachte sich: Was ist das für eine Art Menschenkind? Da rief ihn einer der Schauspieler beiseite und raunte ihm ins Ohr, daß das! der Doktor Lewius sei dem; sie, die Schauspieler, den, Namen Dr. Lewiatnan gegeben/haben^ Er ißt ein berühmter Arzt, ein großer Gelehrte«1, ein bekannter Mäzenat und ein furchtbarer Liebhaber; (des jüdischen Theaters und obendrein ein sehr reicher Mann von einer halben Million etwa. Weder der Titel Doktor noch der Zuname Lerj wiathan, auch nicht, daß er ein Gelehrter, ein Mäzenat» ein Liebhaber des Theaters ist, imponierten unserem Holzman so sehr wie der letzte Vorzug, daß er nämlich obetidrein ein sehr reicher Mann von einer halben Million' etwa sei. Sofort wie er nur die Worte „ein Reicher von etwa einer halben Million": (hörte, schnellte er hin zum! _ Nr. 91 Dökt©iy denr Geehrten, dem Mäzenaten und Liebhaber unil hieß' ihn in solcher Weise willkommen, daß es dem! Doktor und allen, die dabeistanden, ein bißchen peinlich wurde. Der Dr. Lewius oder Lewiathan wandte sich seh? höflich an Holzman auf Deutsch, zeigte dabei die sonder* baren Zähne, die bei ihm schief übereinander wachsen, und . fragte, ob er es sei, der Impresario des berühmten Gastroilisten. Es ist -möglich, daß Holzman — es soll ihm nicht zur Schande gereichen — das Wort Impresario hier zum erstenmal in seinem Lehen hörte. Und da er es anscheinend nicht recht verdaut hatte, antwortete er dem Doktor Lewius etwas ungereimt. Und sprechen tat auch unser Holzman zu ihm mehr auf Deutsch als auf Jüdisch, das heißt mit mehr A als mit O. Er sagte ihm, daß er selbst, Holzmann heißtdas, ein Russischer sei, auf) Russia heißtdas, aber der da, der Jüngling heißtdas, das; heißt nicht aus Bukarest selbst, sondern eineinhalb Stunden von Bukarest. Wie Dr. Lewius" merkte, daß dieser Impresario'auf Deutsch stümpere, begann er mit ihm Jüdisch zu spre> chen. Und was für Jüdisch dazu! Viele jüdische Juden würden sich wünschen, ein solches Jüdisch zu sprechen, wie es Dr. Lewius spricht. Sie haben aber einen Fehler» die Deutsch-Juden, gleich kommen sie mit ihrem Deutsch daher und erschlagen euch den Kopf. Hören, daß der Dr. Lewiathan Jüdisch sprich?, daß} also die Zunge nicht mehr in der Verbannung schmachtet, — atmete unser Holzman wohlig auf, sprach durch Feuer, (und durch Wasser und erzählte große Dinge, rühmte sich vor dem Doktor, daß er, Holzman, diesen Bmvschen da, zu einem Menschen gemacht habe. Wie das war? Es war in Bukarest... theatergespielt...mit einem Handwerker bekannt geworden... bei ihm ein Söhnchen erblickt, auch ein Handwerker... habe der ihm vom ersten Augenblick gefallen und er habe zu dessen Vater gesagt zum Handwerker: ,Diesen Burschen euren muß icri zu einem. Schauspieler machen... sieht er ihn an» der Handwerker. Was heißt das, ein Schauspieler? Was für eim Handwerk ist das?' Chachacha! Und Holzman lacht hell auf, so echt und so g€* nießerisch, daß der Dr. Lewius glaubt, es sei die Wahr* heit selbst. (Ein Deutsch' bleibt ein Deutsch'!) Er häng! an seinen Lippen und verschlingt jedes Wort. Unser Holzman, der arme, hat sich derart hinein'» verrannt, däß er bereits beim König Carol von Rumänien angelangt ist. Wie er da vom König Carol los!* kommen soll, weiß nur ein Gott im Himmel. Ein Glück, daß im selben Augenblick der Regisseur dahergelaufen kommt, verschwitzt, atemlos: „Alle bösen wüsten Träume über euch. Dort haut man das Theater in Stücke und die da — nichts! Scjhraatzen hier wie nach Tisdh am Sabbath!" An Holzman hatte man damit ein gutes Werk getan. Er atmete frei auf. Schluß. Ein Unglück losgeworden* Da habt ihr plötzlich einen König Carol atuis Rumäniens Wie ist der in seinen Kopf hineingekrochen?, (Fortsetzung folgt.) GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, I. Bett SeUen$tettenga$ae 2, Telephon 11*28-1-28 XI» Zentralfriedhof» neb. <L 1. Tor, Telephon U-18-0-85 Piiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinaiiiifiniiiiiiiiiiite QegrDndat 1882 Lebcnsoerslcherunss- Gesellschaft .PHONIX' S Zentraldirektion: WIEN I., Rienwgwe Nr. 2 S | faiferaptatud 1 Ulfe SN Kümo SNhg | 1 Miiuitaklta IkSntapitil UOU«, Satt* £ Prifflkn-nriSittiiteih!eiiiBJIkfi1§27 l\mmVm\ s £ GmiMfl Ende 19Z7 1S2 B^ma khün | Tätigkeitsgebiet: Oesterreich» Deutsches Reieh, Frankreich, 5 Belgien, Hollend, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, BelMrleo, arischen- £ lend, Türkei, Aegypten und Pillstine. £ SiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiniimmiHiiiiiiiiHiig VORBETER der auch Schächter, Moel und Religlon«- lehrer ist, wird gesucht. Antwort mit allen Erklärungen und Referenzen wird gestellt an die Mosalska Versammlung, Karlstad,;-; Schweden. :-: Uoniipntt m^°- HiflmBieTitt die neustten Schlag« in i S2.5IW*ltn,Ä ijbCT bjca m ejik|#ek f>Ur S SU80 Wochanratan UM II I ■ ■ gTB «rhalten Sie komplette Radioapparate nMtBBF l^eF nüt allem Zubehör fit feinster Ausführung unm alle Railo-Bestaiidtalle nur Im MUSIKHAUS SCHLESINGER, Wleo,VlUBu!?gaa!$!&J_24 IM Sfratog WD TttgHch Irlach gatchlachtetae Rind- und Kalbfleisch Kitaflaiach hlaalgar Schlachtung] wie auch NastgaflUgal zu billigsten Tagespreisen nur bei ROTH, XX., Karl»MalM-Sfra«a Nr. t Auf Wunsch Zustellung ins Haus. ihm j. malt vorzüglich, dauerj; haft,spottbillig,in jedem: : Bezirk. Karte genügt!! i WERNER IWien XVII, Nesseig. 6! filllllllllllllllllll! 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